Polyhydramnion

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Je nach schwangerer Frau kann ein Polyhydramnion verschiedene Ausprägungen annehmen. Nicht immer ist eine medizinische Behandlung notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Polyhydramnion?

Ein Polyhydramnion (auch als Hydramnion oder Polyhydramnie bezeichnet) liegt dann vor, wenn eine schwangere Frau über eine überdurchschnittlich hohe Menge an Fruchtwasser verfügt.

Ab welcher Fruchtwassermenge in der Medizin von einem Polyhydramnion gesprochen wird, orientiert sich unter anderem am sogenannten Fruchtwasserindex (AFI) - überschreitet dieser Index bei einer schwangeren Frau einen Wert von 20 cm, so liegt nach medizinischer Definition eine überdurchschnittliche Menge Fruchtwasser vor. Als weiterer Kennwert für ein vorliegendes Polyhydramnion gilt eine Fruchtwassermenge von mehr als 2 Litern am Geburtstermin.

Häufig geht ein Polyhydramnion mit einem vergrößerten Bauchumfang der schwangeren Frau und konsistenten Flüssigkeitsbewegungen in der Gebärmutter (dem Uterus) einher. Die Herztöne des ungeborenen Kindes können abgeschwächt sein. Zu einem Polyhydramnion kommt es bei ca. 1 - 3 % aller Schwangerschaften.

Ursachen

Mögliche Ursachen eines Polyhydramnions können sowohl beim Fötus als auch bei der werdenden Mutter zu finden sein.

Zu den möglichen Ursachen eines erhöhten Fruchtwasservorkommens aufseiten der Mutter zählt beispielsweise eine vorliegende Diabetes mellitus-Erkrankung (auch als Zuckerkrankheit bezeichnet): Beim Fötus kann die Zuckererkrankung der Mutter zu einer sogenannten Polyurie, also zu einer erhöhten Produktion von Urin, führen. In der Folge entwickelt sich ein Polyhydramnion. Auch Erkrankungen wie Syphilis bei einer schwangeren Frau können ein Polyhydramnion begünstigen.

Beim ungeborenen Kind können beispielsweise Herzfehler oder verschiedene Infektionen ein auftretendes Polyhydramnion hervorrufen. Auch Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes, Entwicklungsstörungen des Großhirns, Störungen der Knochenbildung, Chromosomenanomalien oder eine vorliegende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Fötus führen gelegentlich zu einer erhöhten Fruchtwassermenge im Uterus. Schließlich kann ein Polyhydramnion auch begünstigt werden, wenn ein Embryo durch Trinken kein bzw. zu wenig Fruchtwasser aufnimmt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einem sogenannten Polyhydramnion ist die Fruchtwassermenge im Amnion größer als zwei Liter. Bei circa drei Prozent aller Schwangerschaften kann dieser Zustand vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche eintreten. Sowohl für die Mutter als auch für das Kind können sich daraus Komplikationen ergeben.

Das Polyhydramnion macht sich durch anhaltende Unterbauchschmerzen, starkes Bauchspannen, Wehen, Ziehen im Unterbauch, Atemnot und Schwindelgefühle bemerkbar. Verschiedene Schwangerschaftsbeschwerden wie Verdauungsbeschwerden, Verstopfung, Sodbrennen, geschwollene Beine, Krampfadern oder Schwangerschaftsstreifen verstärken sich. Da das Polyhydramnion durch unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden kann, sind noch weitere Symptome möglich, die aber auf die jeweils zugrunde liegende Störung hindeuten.

Außerdem kommt es zu einer Abschwächung der kindlichen Herztöne. Wenn diese Symptome in der 37. Schwangerschaftswoche auftreten, deutet Vieles auf ein Polyhydramnion hin. Um Komplikationen bei Mutter und Kind zu vermeiden, sollte sofort eine Notbehandlung eingeleitet werden. Als Komplikationen kommen solche Krankheitszeichen wie Plazentaruptur, vorzeitiger Blasensprung, Nabelschnurvorlagerung oder eine ungewöhnliche Geburtseinstellung des Kindes infrage.

Des Weiteren kann bei der Mutter als Folge der erhöhten Fruchtwassermenge sich erhöhter Blutdruck einstellen. Außerdem ist die Gefahr für Infektionen des Harntrakts erhöht. Für das Kind besteht das Risiko einer Frühgeburt. Notfalls muss die Geburt bereits in der 37. Schwangerschaftswoche durch einen Kaiserschnitt eingeleitet werden. Das Geburtsgewicht des Kindes kann erniedrigt sein. Im Extremfall kommt es zum Kindstod.

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird ein Polyhydramnion meist mithilfe der Sonografie (einem bildgebenden Verfahren auf Grundlage von Ultraschall). Anhand der so erstellten Aufnahmen des Bauches einer werdenden Mutter kann die Fruchtwassermenge beispielsweise nach den Kriterien des AFI bestimmen werden.

Zu diesem Zweck wird der dargestellte Bauch zunächst in vier Quadranten (Viertel) unterteilt. Die jeweils größten Fruchtwasserdepots der einzelnen Quadranten werden nun summiert und können so Aufschluss über ein vorliegendes Polyhydramnion geben.

Bildet sich ein Polyhydramnion nicht selbstständig zurück oder wird entsprechend behandelt, so können sich im Verlauf der Schwangerschaft verschiedene Komplikationen einstellen. So kann ein Polyhydramnion beispielsweise ein vorzeitiges Einreißen der Fruchtblase begünstigen. Auch können sich infolge eines Polyhydramnions etwa ein Nabelschnurprolaps (ein Nabelschnurvorfall) aufseiten der werdenden Mutter oder ein Reißen der Plazenta (des Mutterkuchens) einstellen. Nicht zuletzt beeinträchtigt eine erhöhte Fruchtwassermenge gelegentlich eine geeignete Kindslage.

Komplikationen

Ein Polyhydramnion kann sich an verschiedenen Beschwerden bemerkbar machen. Allerdings sind die Symptome und die Komplikationen bei den meisten Frauen sehr unterschiedlich, sodass eine allgemeine Voraussage in der Regel nicht getroffen werden kann. Der Bauchumfang der Betroffenen nimmt dabei erheblich zu und es kommt zu einer stark gespannten Haut um den Bauch.

Auch die Belastbarkeit des Patienten sinkt aufgrund des Polyhydramnions deutlich ab und es kommt zu Atembeschwerden und unter anderem auch zu einer Kurzatmigkeit. Weiterhin leiden die Betroffenen nicht selten an Sodbrennen oder an Bauchschmerzen. Das Polyhydramnion führt dabei auch zu Verstopfungen und zu allgemeinen Beschwerden der Verdauung oder zu Magenschmerzen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Krankheit erheblich eingeschränkt.

Aufgrund der angeschwollenen Beine leiden die Patienten mitunter an Bewegungseinschränkungen und weisen nicht selten auch Krampfadern auf. Nicht in jedem Fall muss das Polyhydramnion behandelt werden. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden wieder von selbst, sodass es zu keinen besonderen Komplikationen kommt. Nur selten sind operative Eingriffe notwendig. Allerdings ist das Leben der Mutter und des Kindes nicht gefährdet.

Behandlung & Therapie

Nicht immer muss ein Polyhydramnion medizinisch behandelt werden; eine erhöhte Fruchtwassermenge kann sich in verschiedenen Fällen auch selbstständig wieder zurückbilden.

Kommt es zu keiner eigenständigen Rückbildung des Fruchtwassers, so erfolgt in verschiedenen Fällen eines ausgeprägten Polyhydramnions eine sogenannte Fruchtwasserentlastungspunktion. Im Rahmen eines solchen Eingriffes wird eine Hohlnadel in die Fruchtblase eingeführt; in weiteren Behandlungsschritten kann nun überschüssiges Fruchtwasser abgelassen werden. Alternativ kann ein Polyhydramnion auch medikamentös behandelt werden; hierbei kommen in der Regel Wirkstoffe zum Einsatz, die sich hemmend auf die Produktion von Fruchtwasser auswirken.

Ob ein vorliegendes Polyhydramnion behandlungsbedürftig ist und welche therapeutischen Maßnahmen bei Notwendigkeit eingesetzt werden, ist unter anderem abhängig von Faktoren wie der Ausprägung eines Polyhydramnions sowie dem Gesundheitszustand von Embryo und werdender Mutter. Liegen einem Polyhydramnion Erkrankungen der Mutter zugrunde, so wird eine eventuelle Behebung eines Fruchtwasserüberschusses häufig von Therapiemaßnahmen begleitet, die auf die vorliegende Grunderkrankung zielen.

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Vorbeugung

Da in vielen Fällen die Ursachen eines Polyhydramnions nicht eindeutig diagnostiziert werden können, ist ein entsprechendes Vorbeugen kaum möglich. Sind einer werdenden Mutter eigene Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes mellitus bekannt, so kann eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung das Risiko eines Polyhydramnions reduzieren; geeignete Handlungsschritte können hier beispielsweise beim behandelnden Arzt erfragt werden.

Das können Sie selbst tun

Wenn der Bauchumfang während der Schwangerschaft unnatürlich groß ist, sollte ein Arzt konsultiert werden. Falls ein Polyhydramnion vorliegt, sollte die Frau keinen Sport treiben und sorgfältig auf ungewöhnliche Symptome achten. Eine Behandlung ist nur dann notwendig, wenn akute Gefahr für das Baby besteht. Deshalb müssen zunächst keine weitere Maßnahmen unternommen werden.

Sollten sich allerdings Schmerzen oder andere Beschwerden einstellen, ist ärztlicher Rat gefragt. Betroffene Frauen können eine etwaige Punktion des Bauches besser überstehen, indem sie vor dem Eingriff auf schwere Lebensmittel verzichten. Nach dem Eingriff sollten sie sich für einige Tage schonen. Die Fruchtblase muss sich erhohlen, damit es während der Geburt nicht zu Komplikationen kommt. Betroffene Frauen können die Beschwerden nach einem Eingriff lindern, indem sie beruhigende Tees trinken, sich eine professionelle Massage geben lassen und sich vor allem viel ausruhen.

Sollte das Unwohlsein dadurch nicht abklingen, muss der Gynäkologe ein geeignetes Medikament verordnen und noch einmal eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Meist verläuft ein Polyhydramnion jedoch ohne größere Komplikationen. In vielen Fällen muss der Überschuss an Fruchtwasser nicht behandelt werden.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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