Polyhydramnion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. September 2017
Startseite » Krankheiten » Polyhydramnion

Je nach schwangerer Frau kann ein Polyhydramnion verschiedene Ausprägungen annehmen. Nicht immer ist eine medizinische Behandlung notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Polyhydramnion?

Ein Polyhydramnion (auch als Hydramnion oder Polyhydramnie bezeichnet) liegt dann vor, wenn eine schwangere Frau über eine überdurchschnittlich hohe Menge an Fruchtwasser verfügt.

Ab welcher Fruchtwassermenge in der Medizin von einem Polyhydramnion gesprochen wird, orientiert sich unter anderem am sogenannten Fruchtwasserindex (AFI) - überschreitet dieser Index bei einer schwangeren Frau einen Wert von 20 cm, so liegt nach medizinischer Definition eine überdurchschnittliche Menge Fruchtwasser vor. Als weiterer Kennwert für ein vorliegendes Polyhydramnion gilt eine Fruchtwassermenge von mehr als 2 Litern am Geburtstermin.

Häufig geht ein Polyhydramnion mit einem vergrößerten Bauchumfang der schwangeren Frau und konsistenten Flüssigkeitsbewegungen in der Gebärmutter (dem Uterus) einher. Die Herztöne des ungeborenen Kindes können abgeschwächt sein. Zu einem Polyhydramnion kommt es bei ca. 1 - 3 % aller Schwangerschaften.

Ursachen

Mögliche Ursachen eines Polyhydramnions können sowohl beim Fötus als auch bei der werdenden Mutter zu finden sein.

Zu den möglichen Ursachen eines erhöhten Fruchtwasservorkommens aufseiten der Mutter zählt beispielsweise eine vorliegende Diabetes mellitus-Erkrankung (auch als Zuckerkrankheit bezeichnet): Beim Fötus kann die Zuckererkrankung der Mutter zu einer sogenannten Polyurie, also zu einer erhöhten Produktion von Urin, führen. In der Folge entwickelt sich ein Polyhydramnion. Auch Erkrankungen wie Syphilis bei einer schwangeren Frau können ein Polyhydramnion begünstigen.

Beim ungeborenen Kind können beispielsweise Herzfehler oder verschiedene Infektionen ein auftretendes Polyhydramnion hervorrufen. Auch Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes, Entwicklungsstörungen des Großhirns, Störungen der Knochenbildung, Chromosomenanomalien oder eine vorliegende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Fötus führen gelegentlich zu einer erhöhten Fruchtwassermenge im Uterus. Schließlich kann ein Polyhydramnion auch begünstigt werden, wenn ein Embryo durch Trinken kein bzw. zu wenig Fruchtwasser aufnimmt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Diagnostiziert wird ein Polyhydramnion meist mithilfe der Sonografie (einem bildgebenden Verfahren auf Grundlage von Ultraschall). Anhand der so erstellten Aufnahmen des Bauches einer werdenden Mutter kann die Fruchtwassermenge beispielsweise nach den Kriterien des AFI bestimmen werden.

Zu diesem Zweck wird der dargestellte Bauch zunächst in vier Quadranten (Viertel) unterteilt. Die jeweils größten Fruchtwasserdepots der einzelnen Quadranten werden nun summiert und können so Aufschluss über ein vorliegendes Polyhydramnion geben.

Bildet sich ein Polyhydramnion nicht selbstständig zurück oder wird entsprechend behandelt, so können sich im Verlauf der Schwangerschaft verschiedene Komplikationen einstellen. So kann ein Polyhydramnion beispielsweise ein vorzeitiges Einreißen der Fruchtblase begünstigen. Auch können sich infolge eines Polyhydramnions etwa ein Nabelschnurprolaps (ein Nabelschnurvorfall) aufseiten der werdenden Mutter oder ein Reißen der Plazenta (des Mutterkuchens) einstellen. Nicht zuletzt beeinträchtigt eine erhöhte Fruchtwassermenge gelegentlich eine geeignete Kindslage.

Komplikationen

Ein Polyhydramnion kann sich an verschiedenen Beschwerden bemerkbar machen. Allerdings sind die Symptome und die Komplikationen bei den meisten Frauen sehr unterschiedlich, sodass eine allgemeine Voraussage in der Regel nicht getroffen werden kann. Der Bauchumfang der Betroffenen nimmt dabei erheblich zu und es kommt zu einer stark gespannten Haut um den Bauch.

Auch die Belastbarkeit des Patienten sinkt aufgrund des Polyhydramnions deutlich ab und es kommt zu Atembeschwerden und unter anderem auch zu einer Kurzatmigkeit. Weiterhin leiden die Betroffenen nicht selten an Sodbrennen oder an Bauchschmerzen. Das Polyhydramnion führt dabei auch zu Verstopfungen und zu allgemeinen Beschwerden der Verdauung oder zu Magenschmerzen. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Krankheit erheblich eingeschränkt.

Aufgrund der angeschwollenen Beine leiden die Patienten mitunter an Bewegungseinschränkungen und weisen nicht selten auch Krampfadern auf. Nicht in jedem Fall muss das Polyhydramnion behandelt werden. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden wieder von selbst, sodass es zu keinen besonderen Komplikationen kommt. Nur selten sind operative Eingriffe notwendig. Allerdings ist das Leben der Mutter und des Kindes nicht gefährdet.

Behandlung & Therapie

Nicht immer muss ein Polyhydramnion medizinisch behandelt werden; eine erhöhte Fruchtwassermenge kann sich in verschiedenen Fällen auch selbstständig wieder zurückbilden.

Kommt es zu keiner eigenständigen Rückbildung des Fruchtwassers, so erfolgt in verschiedenen Fällen eines ausgeprägten Polyhydramnions eine sogenannte Fruchtwasserentlastungspunktion. Im Rahmen eines solchen Eingriffes wird eine Hohlnadel in die Fruchtblase eingeführt; in weiteren Behandlungsschritten kann nun überschüssiges Fruchtwasser abgelassen werden. Alternativ kann ein Polyhydramnion auch medikamentös behandelt werden; hierbei kommen in der Regel Wirkstoffe zum Einsatz, die sich hemmend auf die Produktion von Fruchtwasser auswirken.

Ob ein vorliegendes Polyhydramnion behandlungsbedürftig ist und welche therapeutischen Maßnahmen bei Notwendigkeit eingesetzt werden, ist unter anderem abhängig von Faktoren wie der Ausprägung eines Polyhydramnions sowie dem Gesundheitszustand von Embryo und werdender Mutter. Liegen einem Polyhydramnion Erkrankungen der Mutter zugrunde, so wird eine eventuelle Behebung eines Fruchtwasserüberschusses häufig von Therapiemaßnahmen begleitet, die auf die vorliegende Grunderkrankung zielen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da in vielen Fällen die Ursachen eines Polyhydramnions nicht eindeutig diagnostiziert werden können, ist ein entsprechendes Vorbeugen kaum möglich. Sind einer werdenden Mutter eigene Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes mellitus bekannt, so kann eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung das Risiko eines Polyhydramnions reduzieren; geeignete Handlungsschritte können hier beispielsweise beim behandelnden Arzt erfragt werden.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: