Nabelschnurvorfall

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Fast immer ist ein Nabelschnurvorfall ein medizinischer Notfall. Verzögertes Einschreiten kann den Fötus schädigen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nabelschnurvorfall?

Ein Nabelschnurvorfall liegt nach medizinischer Definition dann vor, wenn sich während des Geburtsvorgangs oder im Rahmen eines vorzeitigen Blasensprungs (eines Einreißens der Fruchtblase) die Nabelschnur so verlagert, dass sie zwischen Geburtskanal und ungeborenem Kind liegt.

Da der Druck auf die Nabelschnur beim Fötus zu Sauerstoffmangel führen kann, wird der Nabelschnurvorfall meist notfallmedizinisch behandelt. Innerhalb Deutschlands tritt ein Nabelschnurvorfall bei ca. 0,3 % der Schwangerschaften auf.

Dabei sind vor allem Föten mit abweichender Kindslage betroffen; eine solche, abweichende Kindslage kann beispielsweise die Form der Schräg-, Fuß- oder Querlage annehmen. Auch bei Mehrlingsgeburten tritt der Nabelschnurvorfall vermehrt auf.

Ursachen

Als mögliche Ursache eines Nabelschnurvorfalls gilt in der Medizin ein durch den Fötus nicht ausreichend abgedichteter Geburtskanal. So ist beispielsweise bei Frühgeburten oder überdurchschnittlich kleinen Föten das Risiko erhöht, dass sich ein Nabelschnurvorfall ereignet.

Weitere Faktoren, die einen Vorfall der Nabelschnur begünstigen können, sind etwa eine sehr tief sitzende Plazenta (Mutterkuchen) und/oder ein sogenanntes Hydramnion - das Vorliegen einer vermehrten Fruchtwassermenge in der Gebärmutter.

Ereignet sich ein Nabelschnurvorfall im Rahmen eines vorzeitigen Blasensprungs, kann der Vorfall dadurch bedingt sein, dass der Fötus durch den plötzlichen Sog des Fruchtwassers in das Becken der werdenden Mutter gezogen wird; befindet sich zu diesem Zeitpunkt die Nabelschnur unterhalb des Fötus, so kann der Körper des ungeborenen Kindes Druck auf die Nabelschnur ausüben und ein Nabelschnurvorfall tritt ein.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Absinken der Herzfrequenz des Embryos (Dezeleration)
  • Langsamer Puls des Fötus (Bradykardie)
  • pulsierende Nabelschnur ist vor dem Embryo ertastbar

Diagnose & Verlauf

Um einen Nabelschnurvorfall zu diagnostizieren, wird häufig zunächst eine sogenannte Kardiotokografie durchgeführt; hierbei handelt es sich um ein Verfahren, das es beispielsweise ermöglicht, den Herzschlag eines ungeborenen Kindes zu prüfen. Zu den Hinweisen auf einen Nabelschnurvorfall zählt etwa ein verlangsamter Herzschlag des Fötus.

Bei vorliegender Verdachtsdiagnose tastet ein behandelnder Gynäkologe in einem nächsten Schritt häufig den Geburtskanal der werdenden Mutter ab, um die Position einer möglicherweise vorgefallenen Nabelschnur zu bestimmen. Konnte auch dieser Untersuchungsschritt eine Diagnose noch nicht ausreichend absichern, ist bei bereits ausreichend geöffnetem Muttermund des Weiteren beispielsweise eine Fruchtwasserspiegelung möglich.

Der Verlauf eines Nabelschnurvorfalls wird vor allem durch eine frühzeitige, medizinische Intervention positiv beeinflusst. Erfolgt ein medizinisches Eingreifen verspätet, so kann ein Nabelschnurvorfall im Verlauf zu Schädigungen des Fötus führen. In schweren Fällen kann ein Nabelschnurvorfall den Tod des Embryos nach sich ziehen.

Komplikationen

Der Nabelschnurvorfall zählt zu den gefährlichsten Komplikationen, die bei einer Geburt eintreten können. Wird der Vorfall vorab bei der Kardiotokografie nicht erkannt, führt die unterlassene oder zu späte medizinische Behandlung im schlimmsten Fall zu schweren Schädigungen oder zum Tod des Kindes. Ein Anzeichen kann ein verfrühter Blasensprung sein.

In diesem Fall sollte die werdende Mutter so schnell wie möglich in liegender Position ins Krankenhaus gebracht werden. Aufgrund des Blasensprungs zieht der Fruchtwasser-Sog den Fötus Richtung Becken der Mutter. War die Nabelschnur zufällig in dem Moment unterhalb des Kindes, drückt der Fötus selbst auf die vorgefallene Nabelschnur. Die Mutter kann in liegender Position zumindest den Druck verringern.

Bei jedem Nabelschnurvorfall wird die Sauerstoff- und Blutversorgung zum Fötus unterbrochen. Das Kind kann dadurch entweder eine schwere Behinderung davontragen oder sogar sterben, daher ist ein Notkaiserschnitt nötig. Wenn das Kind im schlimmsten Fall bereits zu lange keinen Sauerstoff mehr bekommen hat und stirbt, muss es innerhalb der Gebährmutter reanimiert werden.

Das funktioniert beispielsweise mit bronchienerweiternden Medikamenten. Ein Kaiserschnitt ist bei dem Nabelschnurvorfall unumgehbar, da die Nabelschnur eine natürliche Geburt durch die Vagina unmöglich macht.

Behandlung & Therapie

In den meisten Fällen erfordert ein Nabelschnurvorfall das rasche Durchführen eines Kaiserschnittes. Muss die werdende Mutter bei vorliegendem Nabelschnurvorfall zunächst noch ins Krankenhaus transportiert werden (was beispielsweise bei einem unerwarteten Blasensprung der Fall sein kann), ist häufig der Liegendtransport wichtig; in dieser Position kann der Druck des Fötus auf die vorgefallene Nabelschnur verringert werden.

Ebenfalls zur Entlastung der vorgefallenen Nabelschnur trägt bei einem Nabelschnurvorfall beispielsweise die notfallmedizinische Maßnahme bei, den in den Geburtskanal vorgedrungenen Kopf des Fetus wieder in die Gebärmutter zu verlagern. Darüber hinaus wird das Becken der werdenden Mutter bis zum erfolgenden Kaiserschnitt häufig hochgelagert.

Eine ergänzende Gabe von Wirkstoffen, die die Wehentätigkeit bei der werdenden Mutter unterdrücken (in der Medizin werden diese Wirksubstanzen auch als Tokolytika bezeichnet), kann verhindern, dass der Kopf des Fötus sich erneut aus der Gebärmutter schiebt.

Hat ein Fötus infolge eines Nabelschnurvorfalls bereits einen sehr starken Sauerstoffmangel erlitten, so kann in einigen Fällen eine Reanimation (Wiederbelebung) des ungeborenen Kindes innerhalb der Gebärmutter notwendig werden; eine entsprechende Wiederbelebung kann beispielsweise mithilfe von Medikamenten erfolgen, die eine Weitstellung der Bronchien bewirken.

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Vorbeugung

Ereignet sich ein vorzeitiger Blasensprung während eines Schwangerschaftsstadiums, in dem der Kopf des Embryos sich noch nicht im Becken positioniert hat, kann der Liegendtransport in ein Krankenhaus dazu beitragen, einen Nabelschnurvorfall im Vorfeld zu verhindern. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft können eventuelle, fetale Lageanomalien diagnostiziert werden, die das Risiko eines Nabelschnurvorfalls möglicherweise erhöhen.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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