Pavor nocturnus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Pavor nocturnus ist die medizinische Fachbezeichnung für eine Schlafstörung. Sie zeigt sich besonders bei Kindern und ist auch als Nachtschreck bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pavor nocturnus?

Der Begriff Pavor nocturnus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „nächtliche Angst“. Die Schlafstörung wird auch als Nachtschreck oder Nachtangst bezeichnet. Pavor nocturnus zählt zu den Parasomnien (Auffälligkeiten während des Schlafens) und kommt in erster Linie bei Kleinkindern oder Schulkindern vor.

In manchen Fällen leiden aber auch erwachsene Menschen ihr Leben lang unter diesem Schlafproblem. Nicht selten ist der Nachtschreck mit Schlafwandeln oder Sprechen im Schlaf verbunden, gilt jedoch prinzipiell als harmlos. Unter Pavor nocturnus leiden zwischen ein und sechs Prozent aller Kinder. Meist ist die Schlafstörung familiär gehäuft zu verzeichnen.

Am häufigsten zeigt sich der Nachtschreck zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr. Im Anschluss an die Pubertät kommt es nur noch selten zu Pavor nocturnus. Bei Jungen tritt die Erkrankung häufiger auf als beim weiblichen Geschlecht. Allerdings leiden nicht mehr als ein Prozent aller betroffenen Kinder mehr als einmal in der Woche unter dem Nachtschreck. Nur äußerst selten sind Babys von der Schlafstörung betroffen.

Ursachen

Aus welchen Gründen der Pavor nocturnus entsteht, ließ sich bislang nicht ermitteln. Die Medizin stuft den Nachtschreck als psychische Störung ein. Um eine psychische Erkrankung handelt es sich bei der Schlafstörung jedoch nicht. Auch eine fehlerhafte Erziehung hat mit dem Phänomen nichts zu tun.

Die betroffenen Kinder wachen aus dem Schlaf auf, wenn eine Störung des Wechsels aus Tiefschlaf und Traumschlaf besteht. Dabei liegt gewissermaßen eine Übererregung des Nervensystems vor. Auch spezielle Reifeprozesse innerhalb des zentralen Nervensystems gelten als mögliche Auslöser des Nachtschrecks. In den meisten Fällen geht der Pavor nocturnus bei Kindern im Laufe der Zeit von selbst wieder zurück.

Bei erwachsenen Personen, bei denen sich der Nachtschreck zeigt, kommt es zu ungewöhnlich vielen Tiefschlafphasen. Mediziner werten dies als Hinweis auf eine familiäre Veranlagung. Es gibt auch einige Risikofaktoren, die sich begünstigend auf das Auftreten des Pavor nocturnus auswirken.

Abgesehen von familiären Einflüssen sind dies psychischer und physischer Stress wie Schlafmangel, starke Belastungen, die Einnahme von bestimmten Medikamenten, besondere Erlebnisse, das Schlafen in einer ungewohnten Umgebung oder Fieber. Findet ein Kind eine Nacht lang keinen Schlaf, ist es möglich, dass bei ihm in der nächsten Nacht ausgeprägter Tiefschlaf einsetzt, wodurch sich das Risiko erhöht, einen Nachtschreck zu erleiden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als typisches Symptom des Pavor nocturnus gilt ein lauter Aufschrei, den das Kind zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen von sich gibt. Außerdem treten Begleiterscheinungen wie Schnellatmung, Herzrasen und kalter Schweiß auf. Obwohl das betroffene Kind einen ängstlichen Eindruck macht, lässt es sich weder ansprechen noch aufwecken.

Manchmal sind die Augen des Kindes auch weit aufgerissen oder es richtet sich sogar auf, doch es wird trotzdem nicht wach. In Extremfällen springt das Kind aus dem Bett und rennt davon, ohne auf seine Umgebung zu achten, wodurch es mitunter zu Verletzungen kommt.

Etwa 15 Minuten nach diesem Vorgang setzt in der Regel wieder ein normaler Schlaf ein. Am nächsten Morgen haben die Kinder keine Erinnerung mehr an den Nachtschreck. Obwohl die meisten Eltern sehr besorgt auf den Pavor nocturnus reagieren, gilt die Schlafstörung nicht als gefährlich für die Gesundheit des Kindes. Da die Erinnerung an den Vorgang meist fehlt, stellen sich auch keine psychischen Störungen ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Tritt der Pavor nocturnus nur gelegentlich auf, besteht kein Grund zur Sorge. Zeigt sich der Nachtschreck im Alter zwischen 6 und 7 Jahren jedoch häufiger als einmal in der Woche, wird empfohlen, sich an einen Arzt zu wenden. Bei der Diagnose muss der Mediziner auf eine Unterscheidung zwischen Pavor nocturnus und anderen Schlafstörungen achten.

Dabei kann es sich vor allem um Albträume handeln, die sich ähnlich wie der Nachtschreck auswirken. Als effektiv gilt eine Untersuchung in einem Schlaflabor. Zur Diagnose des Pavor nocturnus erkundigt sich der Arzt danach, wie sich das Kind in der Nacht verhält, zu welcher Uhrzeit der Nachtschreck auftritt, ob Erinnerungen an das Ereignis bestehen und wie oft es vorkommt.

Von Interesse sind außerdem eventuelle Vorerkrankungen wie eine Epilepsie. Dabei bezieht der Arzt seine Informationen von den Eltern oder außenstehenden Personen. In den meisten Fällen ist der Verlauf des Pavor nocturnus positiv, weil er im Laufe der Zeit von selbst wieder verschwindet. In manchen Fällen kann auch eine medizinische Behandlung erforderlich sein. Bei einigen Menschen hält der Nachtschreck bis ins Erwachsenenalter an.

Komplikationen

Pavor nocturnus kann mit erheblichen Schlafstörungen einhergehen. Diese treten dabei vor allem bei Kindern auf und können zu schweren psychischen Beschwerden oder auch zu Depressionen führen. Weiterhin kann dadurch auch die Entwicklung des Kindes deutlich gestört und verzögert sein. Die Betroffenen leiden in der Nacht dabei an Herzrasen und an kaltem Schweiß.

Auch eine schnelle Atmung kann dabei auftreten. In den meisten Fällen schreien die Kinder in ihrem Schlaf auf und leiden an Verwirrung und an Angstzuständen. Tagsüber sind die Kinder meistens müde, da sie zu wenig Schlaf erhalten haben. Dadurch kommt es zu Konzentrationsstörungen. Ebenso kann sich das Kind bei dieser Krankheit in der Nacht verletzen. Die Kinder selbst erinnern sich an den Aufschrei im Schlaf nicht mehr.

Allerdings leiden vor allem die Angehörigen und die Eltern an den psychischen Beschwerden des Pavor nocturnus. Eine direkte und kausale Behandlung des Pavor nocturnus ist in der Regel nicht möglich. Das Vermeiden von Stress kann die Beschwerden reduzieren. Möglicherweise ist das Kind auch auf eine psychologische Behandlung angewiesen. Ob es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt, kann nicht vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Eine Therapie des Pavor nocturnus ist im Kindesalter nur selten erforderlich. Zumeist erfolgen dann psychotherapeutische Maßnahmen zum Abbau von Stress, weil die nächtlichen Anfälle durch diesen begünstigt werden. Wichtig ist, dass sich das Kind entspannt, regelmäßige Schlafenszeiten einhält und über eine sichere Schlafumgebung verfügt.

Besonders belastend ist der Nachtschreck im Erwachsenenalter. In diesem Fall sind Entspannungsmethoden wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training sinnvoll. Als hilfreich gilt zudem eine Verhaltenstherapie zu einem gelassenen Umgang mit der Schlafstörung. Medikamente werden nur vereinzelt zur Behandlung des Pavor nocturnus verschrieben.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen den Pavor nocturnus sind nicht bekannt. So ließen sich die genauen Ursachen der Schlafstörung bislang nicht finden.

Bücher über Nachtschreck und Schlafstörungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Steinhausen, H.-C. (Hrsg.): Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Urban & Fischer, München 2010

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