Parasomnie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. August 2017
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Parasomnien sind eine Gruppe von Schlafstörungen. Die Patienten schlafwandeln, sprechen im Schlaf oder erleiden Schockzustände. Kinder sind von Parasomnien häufiger betroffen als Erwachsene.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Parasomnie?

Wörtlich übersetzt bedeutet Parasomnie „im Schlaf auftretend“. Analog dazu spricht der Mediziner von Parasomnie, wenn ein Patient unter Verhaltensauffälligkeiten aus dem Schlaf heraus leidet. Die Parasomnien zählen dementsprechend zu den Schlafstörungen. In der Regel wecken die Verhaltensauffälligkeiten den Betroffenen aus dem Schlaf auf. Der Patient kann danach nicht mehr einschlafen oder empfindet den Schlaf zumindest nicht mehr als erholsam.

Parasomnien müssen nicht zwingend mit einem Aufwachsen in Zusammenhang stehen, sondern können sich auch auf einen Wechsel der Schlafstadien beziehen. Alle Parasomnien zählen zu den sogenannten Dyssomnien. Darunter versteht die Medizin subjektiv empfundene und objektiv beobachtete Anomalien des Schlafs. Kinder leiden häufiger an Parasomnien als erwachsene Menschen.

Neben Aufwachstörungen wie dem Pavor nocturnus zählen Störungen des Schlaf-Wach-Übergangs wie die Einschlafmyokloni und REM-Schlaf assozierte Störungen wie die Schlaflähmung zu den Parasomnien. Darüber hinaus sind einige Störungen der Erektion als Parasomnien bekannt, so zum Beispiel inform eines abnormen Traumverhaltens. Parasomnien sind ein relativ verbreitetes Phänomen, das in den meisten Fällen relativ harmlos ist.

Ursachen

Die Ursachenforschung zu Parasomnien ist bislang nicht abgeschlossen, da Schlaflabors und die Überwachung der Schlafphasen ein eher junges Gebiet der Medizin ausmachen. Da Parasomnien bevorzugt im Kindesalter auftreten, geht die Medizin ursächlich mittlerweile von einer Reifestörung des Gehirns aus. Eine solche Reifestörung ist meist vorübergehend und harmlos. Parasomnien im Erwachsenenalter sind wesentlich komplexer und können mit auffälligen Verhaltensweisen vergesellschaftet sein.

In solchen Fällen ist eine medizinische Abklärung der Schlafstörung zwingend erforderlich. Sobald die Schlafstörungen an einem Erwachsenen regelmäßig auftreten, ist die Gesundheit des Patienten gefährdet. Auch für das Umfeld des Betroffenen sind Parasomnien belastend. Wissenschaftliche Studien legen mittlerweile nahe, dass die Aktivität des Gyrus postcentralis mit Parasomnien in Zusammenhang steht.

Dieser Bereich des Gehirns entspricht einer Windung auf dem Parietallappen im Großhirn. Der Gyrus liegt hinter der Zentralfurche und beheimatet den somatosensorischen Cortex, in dem taktile Wahrnehmung verarbeitet wird. Eine erhöhte Aktivität dieser Gehirnregion in der Tiefschlafphase kann offenbar Parasomnien auslösen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Parasomnie sind abhängig von der Untergruppe äußerst variabel. Bei der Aufwachstörung Pavor nocturnus schreien die Patienten einige Stunden nach dem Einschlafen laut auf. Sie zeigen körperliche Erregung mit Tachykardie oder Kaltschweißigkeit. Die Patienten wirken verängstigt und können weder erweckt, noch angesprochen werden.

Bei Störungen des Schlaf-Wach-Übergangs wie den Einschlafmyokloni Ein Einschlafmyoklonus bezeichnet ein plötzliches Zucken sowie Ausschlagen der Beine zittern oder zucken die Extremitäten der Betroffenen. Oft schlagen die Patienten sogar aus. Zu den REM-Schlaf assoziierten Parasomnien zählt neben dem Albtraum die Schlaflähmung. Diese Lähmung entspricht in der Regel einer Lähmung des mittleren Radialis, die durch anhaltende Druckeinwirkung während des Schlafs begünstigt wird.

Die Betroffenen können bei diesem Phänomen ihren Arm nicht mehr bewegen. Im REM-Schlaf kann es außerdem zu kurzen Herzstillständen kommen, so bei der REM assoziierten Asystolie. Bei Somniloquie sprechen die Patienten im Schlaf in mehr oder weniger differenzierten Monologen. Patienten mit Jactatio capitis nocturna vollziehen im Schlaf dagegen Bewegungsstereotypien. Der Somnambulismus zählt wiederum zu den Aufwachstörungen und betrifft schlafwandelnde Patienten.

Die Betroffenen bewegen sich, ohne wach zu sein, aus dem Bett heraus und führen Handlungen aus. Bei dieser Art der Parasomnie besteht im Falle einer kriminellen Tat Schuldunfähigkeit. Eine Sonderform des Somnambulismus ist die Sexomnia, bei der der Patient vorwiegend sexuelle Handlungen vollzieht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose und weitere Einteilung einer Parasomnie erfolgt auf Basis verschiedener Diagnoseklassifikationskriterien und Verschlüsselungssysteme. Zu den relevanten Systemen zählt zum Beispiel die Internationale Klassifikation der Schlafstörungen, die von der American Academy of Sleep Medicine herausgegeben wurde.

Der Diagnostik dient auch das ICD-10. In vielen Fällen ist eine Provokation der Schlafstörung im Schlaflabor ein wichtiger Diagnoseschritt. In den meisten Fällen besteht für Patienten der Parasomnie eine günstige Prognose. Besonders bei Kindern erledigen sich die Schlafstörungen im Laufe der Gehirnentwicklung.

Komplikationen

Durch die Parasomnie leiden die Betroffenen in der Regel an starken Schlafbeschwerden und Schlafstörungen. Diese Beschwerden wirken sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und können diese extrem verringern. Die Betroffenen sind dabei nicht selten gereizt und wirken gestresst oder leicht aggressiv. Auch psychische Einschränkungen oder auch Depressionen können aufgrund der Parasomnie auftreten und den Alltag des Betroffenen deutlich erschweren.

Durch das Schlafwandeln kann es dabei durch die Parasomnie auch zu Unfällen kommen. Die Betroffenen sind dabei oft nicht ausgeruht und müde, wobei die Müdigkeit allerdings nicht durch Schlaf ausgeglichen werden kann. Auch Lähmungen können dabei im Schlaf auftreten und werden dabei als sehr unangenehm empfunden. In einigen Fällen kann es durch die Parasomnie auch zu einem Herzstillstand kommen.

Weiterhin kann es beim Schlafwandeln auch zu kriminellen Taten kommen. Der Alltag des Betroffenen wird durch die Parasomnie deutlich eingeschränkt. Auch das Zusammenleben mit dem Partner kann zu Komplikationen führen. Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt in der Regel durch Medikamenten und durch Entspannungsübungen. Ob es dabei zu einem Erfolg kommt, kann nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Viele Schlafstörungen erfordern keine Therapie. Das gilt zum Beispiel für die Einschlafmyokloni oder den Pavor nocturnus. Besonders bei Kindern werden die Eltern eines Parasomnikers auf die Harmlosigkeit der Störung hingewiesen und dazu aufgerufen, das Kind beispielsweise trotz der Parasomnie weiterhin auf Klassenfahrten zu schicken. Die Betroffenen sollen keine Vermeidungsstrategien entwickeln, nur weil andere Menschen die Schlafstörung miterleben könnten.

Herz-Kreislauf-Stillstände während des Schlafs erfordern eine Therapie, die in der Regel zunächst mit einem Aufenthalt im Schlaflabor in Zusammenhang steht. Bei Auftreten des Stillstands erfolgt eine kardiopulmonale Reanimation. Die primären Ursachen sind näher abzuklären und gegebenenfalls operativ oder medikamentös zu beheben. Das Sprechen im Schlaf kann unter Umständen mit Clonazepam behandelt werden, falls sich die Monologe negativ auf Zimmergenossen auswirken.

Gegen Jactatio capitis nocturna helfen meist schon Entspannungsübungen. Falls sich keine Besserung zeigt, können Medikamente wie Antidepressiva Abhilfe schaffen. Schlafwandler mit der Neigung zu aggressiven Handlungen werden meist mit beruhigenden Psychopharmaka behandelt. Besonders bei Erwachsenen können bestimmte Parasomnien den Beginn einer psychotischen Erkrankung markieren. In diesem Fall ist eine Psychotherapie erforderlich.

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Vorbeugung

Parasomnien lässt sich bislang nicht vorbeugen, da die Ursachen nicht abschließend erforscht sind. Als Allgemeinmaßnahme können für einen entspannenden Schlaf Entspannungsübungen durchgeführt werden.

Bücher über Schlafstörungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Möller. H.-J., Laux, G., Deister, A., Braun-Scharm, H., Schulte-Körne, G.: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

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