Schlaflabor

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. September 2017
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Nachhaltige Einschlaf- oder Durchschlafstörungen beim Nachtschlaf, intensives Schnarchen verbunden mit einem temporären Atemstillstand können starke gesundheitliche Gefahren darstellen.

Aufgrund der unzureichenden nächtlichen Erholung stellen sich oftmals auch starke Beeinträchtigungen durch eine Tagesmüdigkeit ein. In spezialisierten medizinischen Einrichtungen wie einem Schlaflabor kann durch eine aufwendige Messtechnik eine Diagnose bezüglich der möglichen Ursachen und Auswirkungen erstellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Schlaflabor?

In einem Schlaflabor sollen durch elektronische Messgeräte spezielle Körperfunktionen wie Atmung, Herzrhythmus und Körperbewegung während des gesamten Nachtschlafs dokumentiert werden. Dazu werden an vielen Körperstellen Elektroden angebracht.

Diese liefern umfangreiche Daten für Speicherung im PC als Grundlage für eine fachärztliche Bewertung. Außerdem werden körperliche Reaktionen während des Nachtschlafs wie beispielsweise Beinbewegungen per Videoüberwachung aufgezeichnet. Die Bilder der Videoüberwachung sowie die Signale der abgeleiteten Körperströme laufen in einem Überwachungs- und Registrierraum zusammen. Dort werden sie während der gesamten Messung durch einen Arzt und einen Schlaflabortechniker überwacht.

Für den Patienten besteht jederzeit eine Kontaktmöglichkeit zum Betreuungspersonal. Die aufgezeichneten Messdaten geben in der weiteren Diagnostik Auskunft über die unterschiedlichen Phasen des Nachtschlafs. Dabei spielen die Schlaf- und Wachzeiten, die Intensität und Qualität dieser Phasen bei der Bewertung der Dauer und Qualität des Nachtschlafs eine wichtige Rolle. Es werden auch die Zeiten von sogenannten Atemaussetzern und der dabei noch vorhandene Sauerstoffgehalt registriert. Die Messwerte sollen Anhaltspunkte dafür liefern, ob organische Erkrankungen oder sonstige Besonderheiten ursächlich für die Schlafdefizite sind. Hierdurch sollen therapeutische Möglichkeiten aufgezeigt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ungefähr jeder zehnte Erwachsene klagt über empfindliche Störungen seiner Nachtruhe und fühlt sich nach dem Schlaf nicht ausreichend erholt. Solche chronischen Schlafstörungen können in den bundesweit über 300 Schlaflaboren näher untersucht werden. In diesen spezialisierten Einrichtungen werden Patienten überwiesen, die aus unterschiedlichsten Gründen unter diesen gravierenden Beeinträchtigungen leiden. Dazu zählen gemäß der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin:

  • Der begründete Verdacht auf eine organisch verursachte Schlafstörung wie insbesondere ein Schlafapnoe-Syndrom sowie eine Epilepsie oder das Restless-Legs-Syndrom (RLS)
  • Chronische Schlafstörungen, bei denen sich trotz konventioneller Therapie über einen Zeitraum von länger als sechs Monaten keine Verbesserungen einstellen
  • Schwere Schlafstörungen, durch die eine erhebliche Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens im Tagesverlauf stattfindet
  • Ungewöhnliche und ungeklärte Verhaltensweisen während des Nachtschlafs wie beispielsweise Schlafwandeln, Zähneknirschen, auffällige Bewegungen oder Zustände von Verwirrtheit
  • Störungen des natürlichen Schlaf-Wachrhythmus zum Beispiel durch Schichtarbeit, Lärmimmissionen
  • Dauerhafter persönlicher Leidensdruck und Erschöpfungszustände
In einem Schlaflabor sollen durch elektronische Messgeräte spezielle Körperfunktionen wie Atmung, Herzrhythmus und Körperbewegung während des gesamten Nachtschlafs dokumentiert werden.

Im Rahmen eines Vorgespräches mit dem Patienten werden zunächst einmal die Einzelheiten der Beeinträchtigungen des Nachtschlafs und der Auffälligkeiten zur Tageszeit befragt. Außerdem werden weitere wichtige Daten wie bestehende Erkrankungen, Einnahme von Medikamenten oder bekannte Erbfaktoren als mögliche Ursachen oder Einflussfaktoren für die vorhandenen Schlafprobleme erfragt.

Je nach Beschwerdebild und Untersuchungsumfang verbleiben die Patienten zwei bis vier Nächte zur Untersuchung im Schlaflabor. Dadurch sollen eine Präzisierung der Schlafstörung sowie auslösende Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten festgestellt werden. Nachdem der Untersuchungsablauf dem Patienten erklärt worden ist, wird die notwendige Verkabelung des Patienten durch Anbringen von Sensoren und Messgeräten am Körper vorgenommen:

  • Am Kopf angebrachte Elektroden sollen die Hirnströme, Augenbewegungen und Bewegungen der Kinnmuskulatur verzeichnen.
  • Ein am Brustkorb befestigter Sensor dient der Registrierung von Veränderungen der Körperlage.
  • Durch die am Brustkorb fixierten Elektroden wird das EKG (Elektrokardiogramm) aufgezeichnet.
  • Zur Messung der durch die Atmung ausgelösten Bewegungen werden Gurte mit Sensoren an Bauch und Brustkorb angebracht.
  • Zwischen Mund und Nase wird ein Atemflusssensor befestigt.
  • Schnarchgeräusche werden durch Mikrofone aufgezeichnet.
  • Ein Sensor am Zeigefinger oder am Ohrläppchen soll die Sauerstoffsättigung im Blut messen.
  • Bewegungen der Beinmuskulatur werden von je zwei Elektroden an den Unterschenkeln erfasst.

Zusätzlich wird zur ständigen Patientenüberwachung eine Infrarot-Videokamera eingesetzt. Die Auswertung aller Messungen führt zur Erstellung eines Schlafprofils, in dem der Verlauf der jeweiligen Schlafzyklen aufschlussreich dargestellt wird. Zwecks Untersuchung einer möglichen Tagesmüdigkeit kann am nächsten Tag ein Testverfahren am Fahrsimulator beitragen. Hierdurch soll die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit des Patienten festgestellt werden. Je nach Ergebnis aller Auswertungen können therapeutische Maßnahmen wie das nächtliche Tragen einer Maske erfolgen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Während des Aufenthalts im Schlaflabor stellt sich für den Patienten eine ungewohnte Schlafumgebung dar. Aufgrund der vielen Gurte und Verkabelungen mittels am Körper angebrachter Sensoren muss der Patient eine Einschränkung seiner sonst gewohnten Bewegungsfreiheit im liegenden Zustand hinnehmen.

Außerdem muss er in dem Bewusstsein einschlafen, beobachtet zu werden. Hierzu gibt es keine einheitlichen Patientenreaktionen. Ein Teil der Patienten schläft hierdurch den Befragungen zufolge vor allem in der ersten Nacht schlechter als zu Hause. Bei anderen Patienten hingegen wirkt sich die ungewohnte Schlafsituation nicht störend aus. Risiken oder gesundheitliche Beeinträchtigungen sind darüber hinaus im Rahmen einer Untersuchung im Schlaflabor nicht bekannt. Vor allem bei einer festgestellten Tagesmüdigkeit stellt sich ein dringender therapeutischer Handlungsbedarf dar.

Insbesondere im Zusammenhang mit dem Führen von Kraftfahrzeugen oder der Arbeit an technischen Maschinen während der Berufsausübung drohen erhebliche Gefahren. In nicht wenigen Fällen stellt ein Sekundenschlaf am Steuer nach wie vor die Ursache für schwere oder sogar tödlich verlaufende Verkehrsunfälle dar. Dabei kann auch der von der Tagesmüdigkeit erheblich betroffene Fußgänger der Unfallverursacher sein.

Notwendige Behandlungsmaßnahmen wie zum Beispiel das nächtliche Tragen einer Maske zur Verbesserung der Schlafqualität sind daher ohne zeitlichen Verzug zu realisieren. Zur Optimierung der Messergebnisse im Schlaflabor ist es angezeigt, wenn der Patient im Tagesverlauf vor der ersten nächtlichen Untersuchung auf koffeinhaltige Getränke verzichtet. Außerdem sollte die Ernährung an diesem Tag nicht besonders belastend für den Nachtschlaf sein.

Die Gründe für einen über längere Zeit stark gestörten Schlaf können vielfältig sein und erhebliche gesundheitliche Auswirkungen verursachen. Daher sollten die Möglichkeiten einer genaueren Untersuchung mit den speziellen Methoden eines Schlaflabors unbedingt in Anspruch genommen werden.

Bücher über Schlafstörungen

Quellen

  • Petermann, U.: Entspannungstechniken für Kinder und Jugendliche. Beltz Verlag, Weinheim 2007
  • Stuck, B., Maurer, J., Schredl M., Wees H.-G.: Praxis der Schlafmedizin. Springer, Heidelberg 2009
  • Wendlandt, W.: Entspannung im Alltag. Beltz Verlag, Weinheim 2002

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