Leisure Sickness

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Über eine Viertelmillion Deutsche bekommen immer zum Wochenende Kopfschmerzen und sie werden dann krank, wenn sie frei oder Urlaub haben und sie sich vom Berufsstress erholen möchten. Dies wird als Leisure Sickness bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leisure Sickness?

Leisure Sickness ist eine typische Freizeit-Krankheit. Die Betroffenen, bei denen es sich häufig um Workaholics oder zumindest um Menschen handelt, die sich einem hohen Stress aussetzen, fühlen sich regelmäßig während der Wochenenden und des Urlaubs krank.

Vor allem für beruflich überlastete und gestresste Personen ist die Freizeit zum Entspannen und Regenerieren sehr wichtig. Doch diese Menschen werden genau dann krank, wenn die Belastungen aus dem Beruf nachlassen, das Wochenende oder der Urlaub beginnt.

Ursachen

Von Leisure Sickness sind häufig solche Personen betroffen, die im Job sehr ehrgeizig, motiviert und verantwortungsbewusst sind. Sie möchten stets alles perfekt machen. Dabei vergessen sie es, auf ausreichende Pausen und auch auf sich selbst zu achten. Diese Menschen stellen an sich und das Leben hohe Erwartungen. Für sie stellt eine Auszeit keine Erholungsphase dar, sondern sie empfinden sie oftmals als eine Art innere Leere.

Eine mögliche Erklärung könnte sich daher im Stress finden: Durch den Stress verursachenden Druck wird das Immunsystem stimuliert, sodass es auf Hochtouren arbeitet. Der Körper lernt also, bei Stress nicht krank werden zu dürfen. Fällt dieser Stress weg, fährt das Immunsystem herunter und der Körper wird krank. Dazu zählen nicht nur der Wochenend-Kopfschmerz oder eine bleierne Müdigkeit, sondern ebenso Erkrankungen wie Erkältungen. Die Betroffenen reagieren empfindlich auf den Übergang vom Stress in Ruhephasen. Der Körper kann die Spannung bei diesen Menschen nicht mehr abbauen. Daher wird er krank. Bei diesen Persönlichkeiten droht allerdings nicht nur die Leisure Sickness, sondern ebenso das Burnout-Syndrom.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Insbesondere die ersten Anzeichen und Beschwerden der Leisure Sickness sehen die Betroffenen als harmlose Reaktion des Körpers an und beachten sie daher nicht. Wer im Beruf einem Dauerstress ausgesetzt ist, nimmt in den Ruhephasen zunächst nur eine ungewohnte Müdigkeit wahr. Ihr Körper hat sich mittlerweile an, häufig schon jahrelange, Daueranspannung gewöhnt und empfindet die Ruhephasen mittlerweile als Stress.

Dies führt dazu, dass sich die ungewohnte Entspannung darin äußert, dass das psychovegetative System heftig reagiert. Es beginnt mit einer Müdigkeit und es folgen eine Migräne, Gliederschmerzen, Immunschwäche, grippale Infekte, Erbrechen bis hin zu Depressionen. Dies ist auch der Grund, dass viele Herzinfarkte nicht in den Belastungsspitzen passieren, sondern nachts, in der Freizeit oder im Urlaub. Es ist sehr wichtig, diese körperlichen Warnsignale nicht zu ignorieren. Es gibt auch Betroffene, die sich allgemein einfach nur unwohl fühlen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose kann gestellt werden, wenn immer wieder festgestellt wird, dass in Ruhephasen, also am Wochenende oder im Urlaub, Beschwerden und Krankheitsanzeichen auftreten. Zunächst einmal muss ärztlich geprüft werden, ob sich körperliche Gründe dahinter verbergen. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich wahrscheinlich um Leisure Sickness. Diese psychischen Prozesse können zu einem dauerhaften Bluthochdruck beitragen.

Der Herzschlag steigt an und auch die Durchblutung wird vermehrt. Besonders gefährdet sind Workaholics und Perfektionisten, Menschen, die einfach nicht abschalten können, alles kontrollieren wollen und sozusagen ständig unter Strom stehen. Der menschliche Körper jedoch benötigt einen harmonischen Wechsel zwischen An- und Entspannung. Hat sich der Körper allerdings an die Daueranspannung und somit auch an einen ständig hohen Adrenalinspiegel gewöhnt, arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren.

Leerlauf und Entspannung wird als Stress empfunden. Darauf reagieren die Psyche und das Nervensystem, indem der Körper ermattet oder krank wird. Werden die Warnsignale ignoriert, kann dies in einem Burnout oder in körperlichen Erkrankungen enden.

Komplikationen

Die Leisure Sickness stellt zwar kein lebensgefährliches Symptom dar, sollte allerdings auf jeden Fall von einem Arzt untersucht und behandelt werden. Unbehandelt kann es dabei zu schwerwiegenden Komplikationen und im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten kommen. In der Regel leiden die Betroffenen vor allem in Ruhephasen oder im Urlaub an grippeähnlichen Beschwerden. Es kommt dabei zu Infekten oder Entzündungen und zu Fieber.

Auch die Belastbarkeit des Betroffenen sinkt deutlich ab und die Patienten leiden an einer Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit. Das Immunsystem des Patienten ist geschwächt und es kommt zu Kopfschmerzen und zu Gliederschmerzen. Weiterhin tritt auch ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Im schlimmsten Falle kann der Betroffene durch die Leisure Sickness auch einen Schlaganfall erleiden und an diesem möglicherweise versterben.

Die Lebenserwartung des Patienten wird durch die Leisure Sickness erheblich verringert und eingeschränkt. Die Betroffenen leiden weiterhin auch an Bluthochdruck und an einer allgemeinen Anspannung. Die Behandlung der Leisure Sickness kann mit Hilfe verschiedener Therapien oder Techniken zur Entspannung behandelt werden. Dabei kommt es nicht zu besonderen Komplikationen. Ob es durch die Leisure Sickness zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann im Allgemeinen nicht vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Es ist sehr wichtig, dass im Leben der Betroffenen grundlegende Änderungen stattfinden. Häufig ist ein neuer Job die Lösung, doch dies ist oftmals nicht so einfach umsetzbar. Dann sollte der Betroffene sein Leben hinterfragen und seine Sichtweisen ändern. Es gilt, sich dessen bewusst zu werden, dass Arbeit nicht das Wichtigste ist und der Fokus auf Familie, Freunde oder Hobbys gelegt werden sollte. Das Verhältnis zwischen der Arbeit und der Freizeit muss ausgeglichen werden.

In den Arbeitsalltag müssen bewusste Erholungsphasen eingebaut werden. Solch ein Umdenken fällt den Betroffenen jedoch meist nicht leicht. Sich zu entspannen, muss erst wieder neu erlernt werden. Zur Erleichterung dieses Prozesses können verschiedene Methoden angewendet werden, beispielsweise Yoga oder die Progressive Muskelentspannung. Auch sportliche Aktivität und sonstige Hobbys können hilfreich sein.

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Vorbeugen

Eine gute Vorbeugung, damit Leisure Sickness vermieden wird, ist das bewusste Integrieren von Freizeitaktivitäten in den Alltag. Der Körper benötigt Ruhephasen, um neue Energie zu tanken und Kraft zu schöpfen. Es ist wichtig, umzudenken und eine neue Sichtweise für das eigene Leben zu gewinnen. Grundsätzlich darf die Arbeit ruhig wichtig sein, allerdings nicht wichtiger als die Familie, Freizeit und Erholung.

Der Übergang von Arbeit zu Freizeit sollte zudem aktiv gestaltet werden. Ein starkes Immunsystem ist grundsätzlich weniger anfällig für Erreger. Daher sind ebenso ein ausreichender Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie viel Bewegung an der Luft wichtig.

Das können Sie selbst tun

Personen, die immer wieder unter Leisure Sickness leiden, müssen in erster Linie ihre Lebensgewohnheiten ändern. Der auslösende Stress sollte nach Möglichkeit reduziert werden, etwa durch regelmäßigere Pausen im Beruf und mehr Freizeit an den Abenden.

Nach Feierabend sollte dann auch nicht mehr an die beruflichen Aufgaben und ähnliches gedacht werden, damit der Körper zur Ruhe kommen kann. Es empfiehlt sich, das Smartphone auszuschalten und auch die sozialen Medien zu meiden. Stattdessen kann ein gutes Buch gelesen oder ganz in Ruhe etwas gekocht werden. Auch Zeit mit Familie und Freunden hilft dabei, nach einem anstrengenden Tag zu entspannen. Yoga, progressive Muskelentspannung und Massagen helfen dem Körper, die Stresshormone auf gesunde Weise abzubauen und die Gefahr einer Leisure Sickness zu reduzieren.

Wenn der Urlaub ansteht, sollte der Stresslevel schrittweise reduziert werden, denn so hat das Immunsystem Zeit, sich auf die anstehende Freizeit vorzubereiten. Bei akuten Beschwerden hilft meist nur warten und die Erkrankung auskurieren. Neben medizinischen Präparaten können verschiedene Mittel aus der Natur zum Einsatz kommen, um Übelkeit, Kopfschmerzen und weiteren Symptomen entgegenzuwirken.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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