Kotstein

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. September 2017
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Kotsteine sind für denjenigen, der unter ihnen leidet, nicht nur unangenehm, sondern auch schmerzhaft. Mitunter können sie sogar lebensgefährlich werden. Sie sind auch nicht so selten, wie allgemein angenommen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kotsteine?

Ein Kotstein (Koprolith) ist ein meist runder, etwa kirschkerngroßer Kotballen. Die recht häufig vorkommenden Schafsköttel - wie der Volksmund sie nennt - haben dieselbe Farbe wie der übrige Kot, sind jedoch stark verhärtet. Um die harte Schicht herum befinden sich mehrere Schleimschichten und eingetrockneter Darminhalt.

Kotsteine setzen sich in blind endenden Darmabschnitten und Kurvaturen im Dickdarm, den Divertikeln (Ausstülpungen der Darmwand) und im Enddarm ab. Meist gehen sie von selbst mit dem Stuhlgang ab. Gefährlich werden sie jedoch, wenn sie Erkrankungen wie Darmverschluss oder einen Durchbruch in den Bauchraum mit anschließender Bauchfellentzündung verursachen.

Kotsteine treten in der Regel im Zusammenhang mit chronischer Verstopfung auf und befinden sich dann im Enddarm, wo sie die Darmpassage versperren und nur dünnflüssigen Stuhl durchlassen. Dann entsteht der Eindruck, der Patient leide an Durchfall (paradoxe Diarrhoe). Gehen die Kotballen von allein ab, verursachen sie oft Darmreizungen und Schmerzen.

Ursachen

Der Stuhl verdickt sich zu einem Kotstein, wenn er wegen einer zu geringen Darmperistaltik zu langsam durch den Darm transportiert und ihm dann zu viel Flüssigkeit entzogen wird. Das ist meist bei Menschen mit unregelmäßiger und chronischer Verstopfung der Fall. Andere Ursachen für das Auftreten von Kotsteinen sind Reizdarmsyndrom, Darmkrebs und normale Stoffwechsel-Ablagerungen in den Windungen des Darmes.

Patienten mit Verstopfung nehmen meist zu wenig Flüssigkeit zu sich oder müssen sedierende Medikamente einnehmen, die natürlich auch auf die Darmperistaltik beruhigend wirken. Außerdem ernähren sie sich oft ballaststoffarm, fett und zuckerreich, sodass nicht genügend Stuhl-Volumen aufgebaut werden kann. Auch ein langjähriger Missbrauch von Abführmitteln und - bei Diabetikern - eine Störung der Reizleitung durch eine diabetische Polyneuropathie können zur Bildung von Kotsteinen führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Kotsteine können den Transport des Kots durch den Darm so behindern, dass sie beim Vorbeigleiten des Darminhalts stechende kolikartige Schmerzen verursachen. Haben sie sich in Divertikeln abgelagert, verursachen sie mitunter eine Divertikulitis: Der dauerhafte Druck des Kots auf die Darmwand führt zu Geschwüren in der Darmschleimhaut. Bricht der Stein durch die Darmwand, kann er eine Bauchfellentzündung verursachen. Breitet sich die Divertikulitis auch noch auf andere Bereiche des Darmes aus, sind oft Darmfisteln und Abszesse die Folge.


Da viele Kotsteine derart versteckt liegen, dass sie kaum Beschwerden verursachen, werden sie mitunter erst bei einer Darm-Operation entdeckt. Befinden sie sich im Enddarm, können sie bei einer normalen Darmuntersuchung manuell ertastet werden. Ragen sie in den Hohlraum des Darmes hinein, können sie mithilfe einer Endoskopie erkannt werden. Auch auf Röntgenbildern sind Kotsteine meist gut sichtbar.

Eine Ultraschall-Diagnose hingegen ist nicht so sicher: Die hellen Flächen auf dem Bild können auch auf im Darm befindliches Gas hindeuten. Stören die Kotsteine die normale Darmpassage des Kotes, so verursachen sie oft stechende Schmerzen im Bauchraum. Werden sie nicht entfernt oder gehen selbsttätig ab, können sie den lebensgefährlichen Darmverschluss hervorrufen. Bewirken sie Risse auf der Darmschleimhaut, kann es zur Darmschleimhautentzündung kommen und - bei Durchbruch in den Bauchraum - zur Peritonitis (Bauchfellentzündung).

Komplikationen

Kotsteine können verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht die Gefahr eines Darmverschlusses, der in der Folge zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einem Darmdurchbruch und einer Blutvergiftung führen kann. Daneben kann ein Kotstein zur Entstehung von Kotabszessen führen, die eine weitere Behandlung erforderlich machen.

Kurzfristig können Kotsteine das Wohlbefinden herabsetzen und Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Ist der Verdauungsapparat vollständig blockiert, kann es zum Erbrechen von Kot und dadurch zu Infektionen des Rachenraums kommen. In Extremfällen kann sich daraus eine Lungenentzündung entwickeln, die ihrerseits mit schweren Komplikationen verbunden ist.

Aufgrund der Schwere dieser Komplikationen ist eine rasche Therapie anzuraten. Bei der Behandlung von Kotsteinen kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen. Häufig entsteht bei der Ausräumung eines größeren Kotballens etwa ein Afterriss, der sich entzünden und zur Entstehung von Abszessen führen kann.

Abführmittel können mittelfristig zu einem Mineralstoffmangel oder zur Dehydration führen, einhergehend etwa mit Abgeschlagenheit und einer generell verringerten Leistungsfähigkeit. Bei einer Darmspülung kann es durch die eingesetzten Präparate zu Reizungen und anderen Nebenwirkungen kommen. Selten rufen die verwendeten Präparate allergische Reaktionen hervor und lösen beispielsweise Durchfall aus.

Therapie & Behandlung

Bei Vorliegen eines Darmverschlusses (Ileus) besteht Lebensgefahr. Er muss schnellstens beseitigt werden. Auch die Divertikulitis und der Durchbruch des Kotsteins in den Unterbauch-Raum müssen schnellstens behandelt werden. Oft wird der Kotballen operativ entfernt. Auch bei im oberen Darmbereich befindlichen Kot-Ablagerungen ist ein operativer Eingriff vonnöten.

Im Enddarm abgelagerte Steine können vom Facharzt oder einer speziell geschulten Pflegekraft manuell ausgeräumt oder mittels mehrerer Einläufe aufgelöst werden. Eine Ausräumung wird meist nach zweimaligem fehlgeschlagenen Versuch, den Kotballen Die Darmwand wird vorsichtig mit kreisenden Bewegungen stimuliert, sodass sich der Ballen auflockert und herausgeholt werden kann mit iso-osmularer Trinklösung aufzuweichen, durchgeführt.

Auch wenn der Patient danach große Erleichterung verspürt, ist die Ausräumung meist sehr schmerzhaft und wird als unangenehm empfunden. Auch mithilfe einer Colon-Hydrotherapie (Darmspülung) können Kotsteine ausgeschwemmt werden. Da bei ihr wesentlich mehr Wasser (etwa 35 Liter) in den Darm eingeführt wird als bei einem Einlauf, können dabei auch noch zusätzlich Verkrustungen durch abgelagerte unverdauliche Nahrungsbestandteile und Stoffwechsel-Schlacken entfernt werden.

In der Regel sind drei Darmspülungen nötig, um die Darm-Windungen auch an sonst unzugänglichen Stellen zu reinigen. Da mehrere verschiedene Wasser-Temperaturen eingesetzt werden (bis zu 41 Grad und bis zu 21 Grad), wird außerdem noch die Darmperistaltik angeregt. Bei Kotsteinen, die im Zusammenhang mit Darmerkrankungen auftreten, wird zuerst die Grunderkrankung behandelt. Die Beseitigung der Verstopfung erfolgt durch Gabe von mehr oder weniger starken Abführmitteln, einer Ernährungsumstellung.

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Vorbeugung

Da Kotsteine oft in Kombination mit (chronischer) Darmträgheit und Stuhlverstopfung entstehen, empfiehlt sich eine ballaststoffreiche, Zucker und fettarme Ernährungsweise. Außerdem sollte der Betroffene über den Tag verteilt mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen und auf täglichen Stuhlgang achten.

Von Zeit zu Zeit empfiehlt sich eine Darm-Sanierung mit bestimmten Kräutern, Flohsamen oder Chlorella. Auch pro-biotische Nahrungsmittel helfen, die geschädigte Darmflora wieder aufzubauen. Nützlich sind auch Kolon-Massagen (bei Bettlägerigen erforderlich!) und bestimmte die Peristaltik anregende Übungen.

Das können Sie selbst tun

Kotsteine können von Betroffenen nur selbst behandelt werden, wenn sie noch nicht zu Komplikationen (Darmverschluss, Miserere usw.) geführt haben. In solchen Fällen sind Operationen oder das manuelle Ausräumen unumgehbar.

So können kleine Kotsteine und solche, die sich an unkomplizierten Stellen gebildet haben, von Betroffenen eventuell durch ein Anregen der Peristaltik zur Defäkation gebracht werden. Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und das Trinken von genügend Flüssigkeit können helfen. Zusätzlich kann die entsprechende Stelle - insofern sie bekannt ist - durch eine Massage von außen mit etwas Nachdruck massiert werden. Dies kann zu einem Zerfallen oder Weiterwandern des Kotsteins führen.

Auch ein Einlauf hilft. Es ist hierbei nicht notwendig, Substanzen in das Wasser zu geben. Wassereinläufe (mehrere hundert Milliliter) helfen allerdings nur, wenn der Kotstein sich im letzten Abschnitt des Darms befindet. Mehrere Einläufe mit wechselnden Temperaturen sollten durchgeführt werden. Vom übermäßigen Gebrauch von (pflanzlichen) Abführmitteln ist abgeraten, da es zwar zu Durchfällen kommen kann, es sich bei diesen aber nicht um aufgelöste Kotsteine handeln wird. So werden lediglich eine Dehydrierung und eine Demineralisierung riskiert.

Beim Auftreten von Schmerzen, Unwohlsein, Blutungen und anderen Beschwerden, sind alle Selbsthilfemaßnahmen abzubrechen und ein Arzt zu konsultieren.

Bücher über Darmverschluss

Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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