Einlauf

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. September 2017
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Bei einem Einlauf wird Flüssigkeit über den Anus in den Darm geleitet. Meistens handelt es sich dabei um Wasser. Dieses kann aber auch mit verschiedenen Zusätzen wie Kochsalz oder Glycerin versetzt werden. Die Indikationen für einen Einlauf können diagnostischer oder therapeutischer Natur sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Einlauf?

Für einen Einlauf können unterschiedliche Geräte mit unterschiedlichem Fassungsvolumen verwendet werden. Bekannte Geräte zur Durchführung eines Einlaufs sind Irrigatoren, Klysopumpen oder Birnenspritzen. Der Flüssigkeitsinhalt liegt dabei zwischen 50 und 800ml. Die häufigste Anwendungsform ist das Klistier.

Die Spülmenge beträgt hier maximal 200ml. Für die Selbstanwendung gibt es spezielle Klistierpumpen. Bei diesen kann mittels einer integrierten Ballpumpe Flüssigkeit angesaugt und in den Anus gespritzt werden. Irrigatoren werden für passive Einläufe verwendet. Dafür wird ein Schlauch, der mit einem Flüssigkeitsbehälter verbunden ist, in den Anus eingeführt. Der Flüssigkeitsbehälter wird erhöht aufgehängt, so dass das Wasser durch den Anus in den Darm fließen kann.

Es gibt zahlreiche medizinische Indikationen für einen Einlauf. Einläufe und Klistiere werden aber auch zur Vorbereitung auf Analverkehr genutzt oder können Teil sexueller Praktiken im Bereich Klinikerotik oder BDSM sein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Am häufigsten wird der Einlauf als abführende Maßnahme eingesetzt. Dies geschieht zum Beispiel bei hartnäckigen Verstopfungen, bei Darmverschluss, zur Darmreinigung vor Fastenkuren, vor Operationen oder vor Geburten. Der abführende Einlauf erfolgt meist mittels Klistier, welches einen schnellen Stuhlabgang zur Folge hat.

Die Wirkung des Einlaufs kann dabei durch verschiedene Techniken verstärkt werden. Eine Absenkung der Temperatur der Einlaufflüssigkeit auf ungefähr 32°C wirkt ebenso anregend auf den Darm wie das Einführen eines längeren Darmrohres. Bei Kindern oder Säuglingen wirkt oft schon allein das Einführen eines Fieberthermometers in den Anus abführend. Der Spülflüssigkeit, in den meisten Fällen handelt es sich dabei um Wasser, können zudem verschiedene Mittel zugesetzt werden, die ebenfalls zu einer verbesserten Wirkung führen. So wirken beispielsweise Olivenöl oder Milch stuhlerweichend, Kochsalz oder Sorbitol verstärken die osmotische Wirkung.

In bestimmten Fällen ist es erforderlich, Medikamente, die üblicherweise oral verabreicht werden, dem Körper mittels Einlauf zuzuführen. Dies kann der Fall sein, falls der Patient akut nicht in der Lage ist das Medikament oral zu sich zu nehmen. Auch bei Kindern bietet sich die anale Applikation an. Die Verabreichung von Medikamenten mittels Einlauf zeigt zudem verschiedene Vorteile. Zum einen wird der First-Pass-Effekt verringert. Jedes oral verabreichte Mittel durchläuft zunächst die Leber, bevor es dann im Blut landet und später am Zielorgan landet. Der First-Pass-Effekt beschreibt dabei die Umwandlung des medikamentösen Wirkstoffes in der Leber. Wird das Medikament anal verabreicht, gelangt ein Teil des Wirkstoffes über die Darmschleimhaut des Enddarms direkt in den Blutkreislauf und somit schneller und in seiner ursprünglichen Form zum Zielorgan.

Auch übelschmeckende Wirkstoffe oder Arzneimittel, die säureempfindlich sind und durch die Magensäure zerstört werden würden, können mittels Einlauf verabreicht werden. Bei einer sogenannten hepatischen Enzephalopathie, das heißt bei einer Hirnschädigung verursacht durch eine Leberzirrhose, wird gerne ein Lactulose-Einlauf durchgeführt. Ursache für die Schädigung des Gehirns ist Ammoniak im Blut, welches die geschädigte Leber nicht mehr abbauen kann. Die in der Spülflüssigkeit enthaltene Lactulose soll dieses Ammoniak binden, sodass es dann leichter ausgeschieden werden kann.

Ein Resonium-Einlauf wird hingegen bei akuter oder chronischer Niereninsuffizienz durchgeführt. Durch die geschädigten Nieren kann nicht mehr ausreichend Kalium ausgeschieden werden. Resonium ist ein Medikament, das zum Austausch von Kalium-Ionen gegen Natrium-Ionen eingesetzt wird. Die Anwendung erfolgt mittels Einmalklistier. Für eine optimale Wirkung muss es zwischen vier und zehn Stunden im Anus des Patienten verbleiben. Ist dies nicht möglich, muss die Anwendung wiederholt werden.

Einläufe können auch zur Fiebersenkung durchgeführt werden. Dies war früher ein gängiges Verfahren, welches aber scheinbar aus der Mode gekommen ist. Für den fiebersenkenden Einlauf wird 30°C lauwarmes Wasser mit einer Prise Salz versetzt und in den Darm gespült. Die Flüssigkeitsmenge sollte bei Säuglingen bis 100ml, bei Kleinkindern bis 250ml und bei größeren Kindern sowie bei Erwachsenen zwischen 500 und 600ml betragen. Mit dieser Technik kann eine Fiebersenkung von etwa einem Grad erreicht werden.

Bei einem Einlauf wird Flüssigkeit über den Anus in den Darm geleitet. Meistens handelt es sich dabei um Wasser. Bekannte Geräte zur Durchführung eines Einlaufs sind Irrigatoren, Klysopumpen oder Birnenspritzen.

Doch nicht nur zu therapeutischen, sondern auch zu diagnostischen Zwecken kann ein Einlauf genutzt werden. Dafür wird die Spülflüssigkeit mit einem Kontrastmittel versetzt. Dieses gelangt dann über den After in den Dickdarm des Patienten und verteilt sich dort. Anschließend erfolgt eine weitere Spülung zur Entleerung des Darms und zur Entfernung von überflüssigem Kontrastmittel. Durch Luftinsufflation, also das Einblasen von Luft, wird der Darm gedehnt.

In der folgenden Röntgenuntersuchung kann nun der Dickdarm auf dem Röntgenbild dargestellt werden. Auch zur Diagnostik von Stuhlinkontinenz werden Einläufe gegeben. Dabei wird die Flüssigkeitsmenge gemessen, die eingefüllt werden kann, bis sie durch den Anusmuskel wieder austritt. Bei einem weiteren Versuch werden 500ml Flüssigkeit in den Enddarm gefüllt und es wird die Zeit gemessen, die der Patient die Substanz bewusst halten kann, bevor es zur Defäkation kommt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Wenn eine Darmverschluss oder eine akute Baucherkrankung vorliegt, sollte ein Einlauf sollte nicht oder nur unter ausführlicher Anweisung eines Arztes durchgeführt werden. Auch bei angeborenen Fehlbildungen im Afterbereich, bei Hämorrhoiden, bei Schwangerschaft und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist Vorsicht geboten.

Durch zu hohe oder zu niedrige Temperatur der Spülflüssigkeit kann es zu Verbrühungen oder Krämpfen im Darm kommen. Werden die Spülgeräte unsachgemäß eingesetzt, besteht die Gefahr einer Verletzung der Darmwand oder des Afters.

Auf die Unbedenklichkeit der Spülflüssigkeit sollte unbedingt geachtet werden. Ein zu hoher Alkohol- oder Säuregehalt reizt die Darmschleimhaut. Auch Kamillentee, welcher früher häufig für Einläufe bei entzündlichen Darmerkrankungen genutzt wurde, ist als Spülflüssigkeit nicht empfehlenswert. Asthmatikern oder Allergikern droht ein anaphylaktischer Schock. Dieser kann im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Übermäßig häufig durchgeführte Einläufe können zudem zu einer Schädigung der Darmflora führen.

Typische & häufige Darmerkrankungen

Bücher über Darmerkrankungen

Quellen

  • Augustin, M., Schmiedel, V.: Leitfaden Naturheilkunde, Urban & Fischer, München 2012
  • Federspiel, F., Herbst, V.: Die andere Medizin. Stiftung Warentest, Berlin 2005
  • Kraft, K., Stange, R. (Hrsg): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates, Stuttgart 2010

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