Johanson-Blizzard Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Juli 2017
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Als Johanson-Blizzard Syndrom wird eine Erbkrankheit bezeichnet, die nur selten vorkommt. Die Betroffenen leiden unter Entwicklungsstörungen von Bauchspeicheldrüse, Kopfschwarte und Nase.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Johanson-Blizzard Syndrom?

Beim Johanson-Blizzard Syndrom (JBS) handelt es sich um eine seltene Erbkrankheit, die mitunter sogar einen tödlichen Verlauf nehmen kann. Das Syndrom gilt auch als ektodermale Dysplasie und wird als Bauchspeicheldrüsenerkrankung eingestuft. Neben Entwicklungsstörungen an Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Kopf und Nase treten zudem Hörprobleme, Kleinwuchs sowie verminderte Intelligenz auf.

Seinen Namen erhielt das Syndrom durch die amerikanischen Kinderärzte Ann J. Johanson sowie Robert M. Blizzard. Die beiden Mediziner beschrieben die Erkrankung zum ersten Mal im Jahr 1971. Das Johanson-Blizzard Syndrom gilt als sehr seltene Erkrankung. So sind bislang nur etwa 30 Fälle bekannt.

Ursachen

Die Vererbung des Johanson-Blizzard Syndroms erfolgt autosomal-rezessiv. Bei den meisten Patienten ist eine Mutation am UBR-1-Gen, das auf dem Chromosom 15 aufliegt, die Ursache für den Ausbruch der Krankheit. Durch UBR 1 wird eine Ubiquitin-Ligase codiert. Bei Ubiquitinen handelt es sich um Proteine, die in eukaryotischen Organismen exprimiert werden.

Sie sind wichtig für die posttranslationellen Modifikationen von anderen Proteinen, deren Markierung bei ihrem Abbau erfolgt. Des Weiteren spielt UBR 1 eine bedeutende Rolle bei der Zellwachstumsregulation der Bauchspeicheldrüse. Kommt es durch eine Mutation des Gens UBR 1 zum Johanson-Blizzard Syndrom, hat dies Störungen oder Unterbrechungen der Synthese der Ubiquitin-Ligase zur Folge.

Bei gesunden Menschen wird innerhalb der Pankreasdrüsengänge eine größere Menge an UBR 1 hergestellt, als dies in anderen Körperzellen der Fall ist. Die verringerte Produktion der Ubiquitin-Ligase bewirkt eine Funktionsstörung des Ubiquitin-Proteasom-Komplexes, was wiederum eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse nach sich zieht. Dabei wird das Organstroma durch Bindegewebe und Fett ersetzt.

Gleichzeitig treten Fehler bei der Versorgung der Acini sowie der Langerhansschen Inseln auf. Des Weiteren finden ein Ausfall der Apotose bei beschädigten Zellen und eine fehlerhafte Herstellung von Proteinen statt. Dieser Vorgang kann außerdem bei Geweben auftreten, die als anfällig für eine unkorrekte UBR-1-Expression gelten. Dazu gehören in erster Linie das zentrale Nervensystem, die Bildung der Zähne, die Innervation der Skelettmuskeln sowie das Gebiet des Schädels.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Johanson-Blizzard Syndrom umfasst eine Vielzahl an Beschwerden und Störungen. Als Hauptsymptom gilt die exokrine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz. Diese ist mit einem Mangel an Trypsin, Trypsinogen, Lipase sowie weiteren Bestandteilen des Bauchspeicheldrüsensekrets verbunden, was wiederum eine Malassimilation zur Folge hat. Das bedeutet, dass der Patient nicht fähig ist, die Substrate, die er aus der Nahrung aufnimmt, zu nutzen.

In manchen Fällen tritt eine komplette Verfettung der Bauchspeicheldrüse auf, deren Voranschreiten mitunter sogar den Tod bedeuten kann. Nicht selten ruft das Johanson-Blizzard Syndrom auch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) hervor. Als weitere endokrine Störungen kommen eine Hypophyseninsuffizienz, ein Mangel an Wachstumshormonen sowie eine Hypothyreose der Schilddrüse in Betracht.

Durch die Wachstumsstörungen leiden die Betroffenen unter Minderwuchs. Ebenfalls zu den typischen Merkmalen des Johanson-Blizzard Syndroms gehören fehlgebildete Nasenflügel. So fehlen bei manchen Patienten die Muskeln sowie Bindegewebe und Knorpel an der Nase komplett.

Dadurch nimmt die Nase des Patienten ein ungewöhnliches Aussehen an. Darüber hinaus sind zahlreiche JBS-Patienten von Minderbegabung betroffen, die individuell unterschiedlich verläuft. Es gibt auch einzelne Fälle von normaler Intelligenz. Oft leiden die betroffenen Personen beim JBS auch unter einer Innenohrschwerhörigkeit auf beiden Ohren.

Grund dafür sind zystische Veränderungen an der Hörschnecke sowie am Gleichgewichtsorgan. Durch Veränderungen am Schläfenbein werden die Hörschäden noch gefördert. Typisch für das Johanson-Blizzard Syndrom sind zudem kraniofaziale Dysmorphien. Dazu gehören eine dünne Kopfhaut, Defekte an der Kopfschwarte und unregelmäßiger Haarwuchs.

Auch das Fehlen von Augenbrauen und Wimpern, abgeflachte Ohrmuscheln, eine gewölbte Stirn, ein zu kleiner Unterkiefer sowie das Fehlen von dauerhaften Zähnen sind als äußere Kennzeichen bekannt. In manchen Fällen leiden noch weitere Organsysteme unter dem Johanson-Blizzard Syndrom.

Zu den häufigsten Störungen zählen ein geringes Geburtsgewicht, Gedeihstörungen, eine Analatresie, ein doppeltes Vorhandensein von Scheide und Gebärmutter beim weiblichen Geschlecht, eine Muskelhypotonie, ein angeborener Grauer Star sowie Neugeborenengelbsucht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Als wichtiger Hinweis für die Diagnose des Johanson-Blizzard Syndroms gilt das Malabsorptionssyndrom, das mit fettigem und voluminösen Stuhl einhergeht. Ebenso wird der Minderwuchs als charakteristisches Symptom für JBS eingestuft.

So findet die Diagnose in der Regel klinisch sowie durch bestimmte Laborparameter statt. Von Bedeutung kann zudem eine Differentialdiagnose zum Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom (SBDS) sowie zur cystischen Fibrose sein. Aufgrund einer mittlerweile möglichen Therapie mit Pankreasenzymen hat sich die Lebenserwartung der erkrankten Kinder verbessert. Dadurch steigt allerdings die Zunahme von Diabetes mellitus.

Komplikationen

Durch das Johanson-Blizzard Syndrom leiden die Patienten vor allem an Störungen der Entwicklung, wobei auch die inneren Organe von dieser Störung betroffen sind. In der Regel kann der Betroffene keine Nitrate aus der Nahrung aufnehmen, was zu Mangelerscheinungen und oft zu einem Untergewicht führt. Ebenso kann es zu Diabetes und zu einem Minderwuchs kommen.

Nicht selten leiden die Betroffenen auch an fehlenden Nasenflügeln und damit auch an einer verringerten Ästhetik. Das Johanson-Blizzard Syndrom führt ebenso auch zu einer verringerten Intelligenz und zu einer Minderbegabung. Nicht selten kommt es zu Hörschäden oder zu Beschwerden an den Augen. Ebenso können Wimpern oder Augenbrauen fehlen und es kommt zu starken Fehlbildungen oder Schäden an den Zähnen.

Durch die Fehlbildungen können Kinder unter Umständen Opfer von Hänseleien und von Mobbing werden. Die Lebensqualität des Patienten wird durch das Johanson-Blizzard Syndrom deutlich eingeschränkt. Es ist nicht möglich, das Johanson-Blizzard Syndrom kausal zu behandeln, daher erfolgt die Behandlung aus diesem Grund rein symptomatisch. Die verringerte Intelligenz kann mit Hilfe von Therapien relativ gut eingeschränkt werden. Weitere Komplikationen treten nicht auf. In der Regel ist die Lebenserwartung durch das Johanson-Blizzard Syndrom allerdings eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Behandlung des Johanson-Blizzard Syndroms ist nicht möglich. Aus diesem Grund beschränkt sich die Therapie auf das Lindern der Symptome. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Art der Beschwerden sowie deren Ausmaß.

Zur Behandlung der Bauchspeicheldrüseninsuffizienz wird der enzymatisch aktive Wirkstoff Pankreatin verabreicht, dessen Gewinnung aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen erfolgt. Bei Deformitäten von kraniofazialen Körperregionen oder am Skelett kann ein operativer Eingriff zur Korrektur Abhilfe schaffen.

Liegt eine Hörschädigung vor, gelten der Einsatz von Hörhilfen sowie spezielle Schulungen als sinnvoll. Im Falle einer Minderbegabung stehen angepasste Ergotherapiemaßnahmen zur Verfügung, die sich eigens an Menschen richten, die unter dem Johanson-Blizzard Syndrom leiden.

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Vorbeugung

Eine Prävention des Johanson-Blizzard Syndroms gilt nicht als möglich. So handelt es sich dabei um eine Erkrankung, die bereits angeboren ist.

Bücher über Ernährung bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Rodeck, B., Zimmer, K.-P.: Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung. Springer, Heidelberg 2013

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