Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Das Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom (SBDS) ist eine vererbte Blutbildungsstörung. Sie zeigt sich vor allem durch eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) aufgrund von Fetteinlagerung. Auch eine Neutropenie, also eine Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen, kann zum Krankheitsbild gehören. Bedingt ist diese durch ein Funktionsversagen des Knochenmarks. Außerdem fallen die Patienten durch Fehlbildungen im Skelettbereich und Kleinwüchsigkeit auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom?

Das SBDS ist eine seltene, angeborene Erkrankung mit Knochenmarkversagen, die das erste Mal 1964 von den Kinderärzten H. Shwachman und L. Diamond beschrieben wurde. Im Jahre 2003 gelang einer kanadischen Arbeitsgruppe unter der Leitung von Frau Dr. J. M. Rommens die Identifizierung des bei dieser Erkrankung defekten SBDS-Gens. Die autosomal-rezessiv vererbte Blutbildungsstörung zeigt sich vor allem als exokrine Pankreasinsuffizienz.

Hierbei werden in der Bauchspeicheldrüse zu wenige Verdauungsenzyme gebildet. Weiterhin kann die Funktion des Knochenmarks beeinträchtigt sein. Dies führt in vielen Fällen zu Leukämie, Skelettanomalien oder Minderwuchs. SBDS tritt im Kindesalter meist erst nach dem ersten Lebensjahr auf.

Ursachen

In 90 Prozent der Fälle wird das SBDS durch eine Mutation aufgrund einer Genkonversion hervorgerufen. Bei solch einer Konversion werden DNS-Sequenzen nicht korrelativ ausgetauscht. Eine Sequenz wird dabei auf den anderen Strang übertragen, aber nicht umgekehrt. Die mutierte Sequenz setzt dabei das intakte Gen außer Kraft. In 10 Prozent der SBDS-Fälle ist die Ursache ungeklärt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

SBDS zeigt sich in einer verminderten Anzahl an weißen Blutkörperchen (Neutropenie). Die Bauchspeicheldrüse ist auffällig klein und besteht hauptsächlich aus Fett. Aufgrund des Versagens der Bauchspeicheldrüse werden Enzyme nicht mehr ausreichend produziert. Dies führt zu einer unzureichenden Fettverdauung und damit einhergehende häufige Fettstühle.

Diese können sich in einem Mangel an den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K äußern. Die Unterentwicklung des Knochenmarks führt zu vermehrten Infektionen. Viele Patienten leiden daher unter viralen, bakteriellen oder Pilzinfektionen. Weniger häufige Anzeichen sind eine deutliche Leberveränderung oder Fehlbildungen des Skeletts, die sehr unterschiedlich ausfallen können.

In den meisten Fällen wird der Minderwuchs durch einen unterentwickelten Oberschenkelknochen verursacht. Fehlbildungen des Skeletts beziehen sich häufig auf einen verengten Brustkorb sowie verkürzte Rippen. Diese können die Atmung stark einschränken.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das SBDS tritt mit einer Häufigkeit von 1:100.000 bis 1:200.000 auf. Es gibt keinen spezifischen biochemischen Test, der das SBDS bestätigt oder ausschließt. Die Diagnose des SBDS wird anhand klinischer und laborchemischer Parameter gestellt. Beim ersten Auftreten von Symptomen kann SBDS der Mukoviszidose sehr ähnlich sein. Diese lässt sich durch einen Schweißtest bestimmen.

Auch die Erbkrankheit Morbus Pearson (Pearson-Syndrom) muss zur Diagnose von SBDS ausgeschlossen werden. Zum Zeitpunkt der Diagnose können die Krankheitsanzeichen eines SBDS sehr stark voneinander abweichen. Die große Mehrzahl der Patienten wird bereits in der frühen Kindheit diagnostiziert. Hierfür ist eine genaue Untersuchung der Bauchspeicheldrüse unerlässlich.

Bei 90 Prozent der Patienten wird eine Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse bereits vor dem ersten Lebensjahr festgestellt. Blutbildveränderungen (Neutropenie und andere Auffälligkeiten), können ebenso zur Diagnosestellung führen. Eine Neutropenie kann zeitweise oder dauerhaft auftreten. Diese kann zu einer erhöhten und mitunter lebensbedrohlichen Infektanfälligkeit führen.

Die Leber und auch die Nieren können Dysfunktionen aufweisen. Nehmen die Knochenmarkzellen ab, so besteht das Risiko einer Blutarmut (Anämie) oder eines Blutplättchenmangels (Thrombozytopenie). Die Funktion des Knochenmarks kann hierdurch mehr und mehr reduziert werden.

Dies entwickelt in einigen Fällen eine Leukämie. Die Bauchspeicheldrüsenfunktion kann sich bei SBDS-Patienten im Gegensatz zu Patienten mit einer angeborenen Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse nach und nach verbessern. Infektionen können septische Verläufe nehmen, die in den ersten Lebensjahren nicht selten zum Tod führen. Die Lebenserwartung von SBDS-Patienten liegt in etwa bei 15 bis 35 Jahren.

Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Die Prognose der nicht so schwer betroffenen Kinder scheint relativ gut zu sein. Im Langzeitverlauf kommt es zu einer signifikanten Verbesserung des Längenwachstums. Auch die Anfälligkeit für Infekte verringert sich in diesen Fällen. Bei etwa 50 Prozent der Patienten reduziert sich mit zunehmendem Alter die Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse. Bei einigen Patienten normalisiert sich der Fettstuhl vollständig.

Komplikationen

Das Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom kann zu einer Reihe verschiedener Beschwerden und Komplikationen führen. Diese hängen in den meisten Fällen allerdings auch stark von der Ausprägung des Syndroms ab, sodass eine allgemeine Voraussage der Komplikationen nicht gegeben werden kann. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einem Fettstuhl. Dabei kommt es auch zu einem Mangel zu Vitamine D und A, sodass es zu Beschwerden und Einschränkungen bei der kindlichen Entwicklung kommen kann.

Auch das Knochenmark bleibt dabei unterentwickelt, sodass es dadurch im Erwachsenenalter zu Beschwerden kommen kann. Die Patienten leiden durch das Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom häufig an Pilzinfektion und ebenso an Veränderungen an der Leber. Auch die Atmung ist dabei in vielen Fällen eingeschränkt und es kommt zu Fehlbildungen am Skelett. Aufgrund der Fehlbildungen leiden viele Patienten an Mobbing oder an Hänseleien und damit oft an psychischen Beschwerden.

Das Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom wirkt sich im Allgemeinen sehr negativ auf die Lebensqualität des Betroffenen aus. Die Behandlung selbst erfolgt in der Regel symptomatisch und kann die Beschwerden einschränken. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Ob es aufgrund des Shwachman-Bodian-Diamond-Syndroms zu einer eingeschränkten Lebenserwartung beim Patienten kommt, kann leider nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie sollte interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Hämatologen und Gastroenterologen sowie weiteren Fachärzten erfolgen. Bei geringen Anzeichen für eine Reduzierung der weißen Blutkörperchen (Neutropenie) konzentriert sich die Behandlung der SBDS-Patienten auf die Ernährung. Die Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse kann durch eine Substitution der Bauchspeicheldrüsenenzyme behandelt werden.

Auch die Gabe von Nährstoffen und Vitaminen eignet sich. SBDS-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, eine Leukämie zu entwickeln. Bei fortgeschrittener Krankheit ist eine Knochenmarktransplantation in darauf spezialisierten Transplantationszentren erforderlich. Fehlbildungen im Skelett erfordern mitunter chirurgische Eingriffe.

Manchmal ist die Therapie mit dem Wachstumsfaktor G-CSF hilfreich. Befürchtungen, dass die Behandlung mit G-CSF das Leukämierisiko erhöht, konnten nicht nachgewiesen werden. Die Erforschung des Gen-Defekts des SBDS soll zukünftig zu möglichen neuen Therapieformen führen.

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Vorbeugung

Da das SBDS eine Erbkrankheit ist, gibt es keine Präventionsmaßnahmen. Generell erlaubt Pränataldiagnostik die frühe Identifikation von Erkrankungen, die auf eine Genmutation zurückzuführen sind. Dies kann in Familien sinnvoll sein, in denen Elternteile und/oder Geschwister bereits erkrankt sind. Es ist schon in der Frühschwangerschaft eine Diagnostik möglich.

Die Blutparameter bei SBDS-Patienten verändern sich aber meist erst im frühen Kindesalter. Dadurch wird die pränatale Diagnostik des SBDS erschwert. Bei diesen komplizierten Eingriffen sollte man jedoch den Nutzen gegen das Risiko abwägen. Wird eine SBDS-Patientin schwanger, muss sie über die möglichen Risiken und eine potenzielle Vererbung an ihr ungeborenes Kind aufgeklärt werden. Schon vorhandene Kinder sollten auf SBDS getestet werden.

Bücher über myelodysplastisches Syndrom

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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