Neugeborenengelbsucht

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Über die Hälfte aller Neugeborenen entwickelt kurz nach der Geburt eine schwächer oder stärker ausgeprägte Gelbfärbung der Haut, die in den meisten Fällen harmlos ist. Eine krankhafte Neugeborenengelbsucht muss aber unbedingt behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Neugeborenengelbsucht?

Bei etwa 60 Prozent aller gesunden Neugeborenen tritt in den ersten Lebenstagen eine auffällige Gelbfärbung der Haut auf: die Neugeborenengelbsucht.

Sie entsteht durch Ansammlungen des gelben Gallenfarbstoffs Bilirubin. In vielen Fällen sind die Symptome harmlos und bilden sich von selbst wieder zurück. Dann spricht man von einer physiologischen Neugeborenengelbsucht, die keine Behandlung erfordert.

Bleiben die Symptome aber über einen bestimmten Zeitraum und überschreiten die Bilirubinwerte im Blut eine bestimmte Marke, muss die Erkrankung therapiert werden. Bei einer Frühgeburt steigt das Risiko einer Neugeborenengelbsucht auf 80 Prozent. In der Fachsprache wird auch von einem Neugeborenenikterus gesprochen.

Ursachen

In den meisten Fällen ist die Neugeborenengelbsucht auf normale Stoffwechselvorgänge nach der Geburt zurückzuführen: Im Mutterleib wird der Fötus über viele rote Blutkörperchen mit Sauerstoff versorgt. Es handelt sich dabei um eine bestimmte Sorte, abgekürzt HbF.

Nach der Geburt kann der Säugling selbstständig atmen. Er braucht also weniger rote Blutkörperchen und zudem eine andere Sorte, das HbA. Die alten Blutkörperchen müssen also abgebaut werden, wobei sich das gelbe Bilirubin bildet. Die noch nicht vollständig entwickelte Leber der Neugeborenen kann größere Mengen Bilirubin noch nicht schnell genug in eine ausscheidbare Form überführen, sodass es zu einer Gelbfärbung der Haut kommt.

Ein vermehrter Abbau von Blutkörperchen kann zum Beispiel entstehen, wenn sich die Blutgruppen von Mutter und Kind nicht vertragen. Auch größere Blutergüsse nach der Geburt und eine angeborene Blutarmut können das Entstehen einer Neugeborenengelbsucht erhöhen. Eine Frühgeburt, eine Anlagestörung der Gallenwege, bestimmte Stoffwechselstörungen oder einige Medikamente sind weitere Ursachen, die zu einem mangelhaften Abbau des Bilirubins führen können.

Kindern, die unter dem sogenannten Crigler-Naijar-Syndrom leiden, fehlt das Enzym, das für den Abbau des Bilirubins verantwortlich ist. Auch durch das Stillen kann eine zumeist physiologische Neugeborenengelbsucht ausgelöst werden. Die Gründe hierfür sind noch nicht genau geklärt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine physiologische Neugeborenengelbsucht entsteht zwischen dem dritten und dem sechsten Tag nach der Geburt und bildet sich bis zum zehnten oder vierzehnten Tag wieder zurück.

Deutlich sichtbar ist die Gelbfärbung der Haut und der weißen Augenhaut. Der Arzt überprüft gegebenenfalls die Bilirubinwerte im Blut. Erste Aufschlüsse erhält der Arzt mithilfe eines Multispektralgeräts. Damit kann er den Anteil farbigen Lichts messen, das durch die Haut dringen kann. Ergeben sich Hinweise auf erhöhte Werte, werden Blutuntersuchungen durchgeführt, die Hinweise auf die Ursachen geben. Weiterhin werden Galle und Leber überprüft, beispielsweise mit Ultraschallbildern.

Eine krankhafte Neugeborenengelbsucht kann dazu führen, dass das Kind schläfrig wird und wenig trinkt. Grund dafür ist, dass sich das Bilirubin in bestimmten Bereichen des Gehirns ablagern kann. Im Verlauf dieses sogenannten Kernikterus kann es zu einer erhöhten Muskelspannung mit zum Hohlkreuz durchgedrückten Rücken, Atemnot, schrillem Schreien und Krampfanfällen kommen. Spätfolgen können Seh- und Hörstörungen, eine verminderte geistige Entwicklung und Bewegungsauffälligkeiten sein.

Komplikationen

Die Neugeborenengelbsucht oder Neugeborenenikterus tritt bei 60 Prozent der Neugeborenen auf und ist in der Regel harmlos. Die Erkrankung wird durch den notwendigen Umbau beziehungsweise Austausch der roten Blutkörperchen nach der Geburt verursacht. Der massive Abbau der Erythrozyten des Typs HbF verursacht eine vorübergehende Überschwemmung des Stoffwechsels mit dem Abbauprodukt Bilirubin, das die typische gelbe Hautverfärbung verursacht.

Im Normalfall stellen sich auch unbehandelt keine weiteren Komplikationen ein, und die Gelbverfärbung bildet sich nach 10 bis 14 Tagen wieder vollständig zurück. Liegt allerdings eine krankhafte Neugeborenengelbsucht vor, können sich unbehandelt ernsthafte Symptome einstellen, die auch irreversible Schäden verursachen können. Falls sich aufgrund des mangelhaften Abbauvermögen eine zu hohe Konzentration von Bilirubin im Blut einstellt, kann sich der Stoff im Gehirn absetzen. Es stellt sich dann ein sogenannter Kernikterus ein, der zu einem erhöhten Muskeltonus führt.

Die betroffenen Neugeborenen sind meist schläfrig und trinken schlecht. Sie neigen zu einem ausgesprochenen Hohlkreuz, zu schrillem Schreien und auch zu Krampfanfällen sowie zu Atemnot. Bei Nichtbehandlung können sich auch irreversible Spätschäden wie Seh- und Hörstörungen, Bewegungsanomalien und eine verminderte geistige Entwicklung einstellen. Eine zielführende Therapie bietet eine Bestrahlung der Haut mit Blaulicht. Dieses erleichtert die Umwandlung des Bilirubins in seine wasserlösliche Form, die seinen Abbau und seine Ausscheidung wesentlich erleichtert.

Behandlung & Therapie

Eine krankhafte Neugeborenengelbsucht wird oft mit einer Licht- oder Phototherapie behandelt. Dazu wird die Haut mit blauem Licht bestrahlt, was das Bilirubin dazu regt, sich in seine wasserlösliche Form umzubauen.

So kann der Körper den Farbstoff leichter abbauen. Als Nebenwirkung der Lichttherapie kann sich ein harmloser Hautausschlag bilden, der in der Regel nicht juckt. Bei einer stark erhöhten Bilirubinkonzentration im Blut ist ein Blutaustausch durch eine Austauschtransfusion nötig.

Bei Frühgeborenen und bei Säuglingen, bei denen die Gelbsucht besonders früh eintritt, wird die Behandlung recht schnell begonnen. Dauert die Neugeborenengelbsucht länger an, handelt es sich wahrscheinlich um eine Störung der Gallenwege. Hier kann eine Lichttherapie gut Abhilfe verschaffen.

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Vorbeugung

Es gibt nur sehr wenige Möglichkeiten, einer Neugeborenengelbsucht vorzubeugen. So weit es möglich ist, sollte das Baby nicht vor dem errechneten Termin aus dem Mutterleib geholt werden. Viele Eltern versuchen auch, ihrem Kind möglichst viel Licht und Sonne zukommen zu lassen.

Dabei ist die pralle Mittagssonne aber nicht geeignet. Am angenehmsten für empfindliche Babyhaut ist die Sonne am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Sonnenschutzprodukte dürfen dabei nicht fehlen. Homöopathische Arzneimittel wie beispielsweise Phosphor C30 können ebenfalls sinnvoll sein.

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Quellen

  • Eppinger, M., Müller, M., et al.: Pädiatrie. Für Studium und Praxis. 2013/14. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2013
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Kerbl, R. et al.: Checkliste Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2011

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