Malabsorptionssyndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Bei einem Malabsorptionssyndrom nimmt der Darm der Patienten bestimmte oder alle Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr hinzureichend in die Blutbahnen auf, sodass ein Nährstoffmangel eintritt. Die Malabsorption kennzeichnet viele angeborene Darmerkrankungen und Unverträglichkeiten gegenüber bestimmter Lebensmittel. Neben diätischen Maßnahmen und einer Behandlung der Grunderkrankung findet beim Malabsorptionssyndrom meist eine Substitution von Nährstoffen mittels Infusion statt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Malabsorptionssyndrom?

Im Darm werden Nährstoffe aus der Nahrung absorbiert, also in die Blutbahnen aufgenommen. Die Absorbierung ist ein lebenswichtiger Vorgang, der den Körper mit unersetzlichen Substanzen versorgt. Eine gestörte Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm kann daher weitreichende Konsequenzen haben, die sich in vielerlei Weise negativ auf die Gesundheit des Körpers auswirken können.

Absorptionsstörungen im Bereich des Darms werden unter dem Begriff Malabsorptionssyndrom zusammengefasst. Die einzelnen Erkrankungen bilden ein großes Spektrum unterschiedlicher Symptome, die allesamt durch gestörte Substrataufnahme aus dem Darm verursacht werden können. Die so entstehenden Mangelzustände am jeweils unzureichend resorbierten Stoff manifestieren sich in gänzlich unterschiedlichen Krankheitsbildern.

Das Kriterium für die Eingliederung der einzelnen Erkrankungen in die Krankheitsgruppe Malabsorptionssyndrom ist ausschließlich die Ursache. Neben Darmerkrankungen wie Morbus Crohn zählen sämtliche Empfindlichkeitsstörungen mit zu den bekanntesten Malabsorptionssyndromen. Von der Malabsorption ist die Maldigestion zu unterscheiden. Bei diesem Phänomen ist die Spaltung der Nahrungsbestandteile im Magen gestört, was meist durch einen Enzymdefekt oder Enzymmangel bedingt ist.

Ursachen

Malabsorption wird durch einen chronisch krankhaften Zustand des Darms verursacht. Die bereits aufgespaltene und damit vorverdaute Nahrung kann ihre Nährstoffe beim Malabsorptionssyndrom nicht oder nur unzureichend durch die Darmwand in die Lymph- und Blutbahnen abgeben. Das ist zum Beispiel bei zahlreichen angeborenen Erkrankungen der Fall, denen meist eine Mutation bestimmter Darmbausteine zugrunde liegt.

Darüber hinaus können chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn den Darm auf Dauer schädigen, sodass seine Elemente die Aufgabe der Resorption nicht mehr ohne weiteres erfüllen können. Auch Überempfindlichkeitserkrankungen wie die Zöliakie gehen mit Malabsorptionssyndrom einher.

Dasselbe gilt für Infektionen wie den Morbus Whipple. In bestimmten Fällen kann sich das Syndrom auch aus postoperativen Zuständen entwickeln, so zum Beispiel in Folge einer ausgedehnten Dünndarmentfernung. Alle Erkrankungen mit dem Symptom der Malabsorption werden Malabsorptionssyndrome genannt. Eine ursächliche Unterscheidung findet mit den Untergruppen angeborene und erworbene Malabsorptionssyndrome statt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Malabsorptionssyndrom zeigen als Leitsymptome vor allem Massenstühle mit einem Stuhlgewicht über 300 Gramm. Häufig treten übelriechende Fettstuhlgänge auf, die auch als Steatorrhoe bezeichnet werden. Außerdem leiden die Patienten an Flatulenz und damit einer übermäßigen Gasentwicklung, die sich in Form von Blähungen oder einem schmerzhaften Blähbauch manifestieren kann.

Oft tritt bei Malabsorption eine mehr oder weniger starke Gewichtsabnahme ein. Die Betroffenen entwickeln bestimmte Mangelzustände aufgrund der unzureichend resorbierten Nährstoffe. Typischerweise liegt eine Unterversorgung mit Vitaminen vor. Auch Folsäure und Mineralstoffe wie Kalzium und Eisen können mit der Unterversorgung assoziiert sein.

Dasselbe gilt für Eiweiß und Spurenelemente. Als Folge der Mangelversorgung treten Muskelschwäche sowie Haut- und Schleimhautveränderungen auf. Außerdem leiden die Patienten in den meisten Fällen an einer Anämie, also einer Blutarmut. Alle weiteren Symptome hängen im Einzelfall von der ursächlichen Erkrankung ab.

In der Adipositaschirurgie wird zur Bekämpfung von krankhaftem Übergewicht therapeutisch eine Malabsorption herbeigeführt, indem in chirurgischen Verfahren der Verdauungstrakt manipuliert wird. Auch in diesem Fall entstehen lebenslange Mangelzustände, die ärztlich überwacht und behandelt werden müssen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Den ersten Verdacht auf ein Malabsorptionssyndrom entwickelt der Arzt schon bei der Anamnese. Wenn der Patient zum Beispiel über Gesichtsabnahme klagt, die sich trotz hinzureichender Kalorienzufuhr einstellt, und keine anderweitigen Erkrankungen vorliegen, ist die Malabsorption ein naheliegender Schluss. Die Qualität der Verdauungsprozesse beurteilt der Arzt schließlich, indem er einen Stuhlgang des Patienten anfordert.

Farbe, Festigkeit, Beschaffenheit und Menge des Stuhls können die Verdachtsdiagnose bekräftigen und wichtige Hinweise auf die Erkrankungsursache liefern. Mittels Sonografie, verschiedenen Bluttests und einer Endoskopie lässt sich die Diagnose weiter absichern. Die Prognose hängt von der Art des Malabsorptionssyndroms ab.

Komplikationen

Durch das Malabsorptionssyndrom leiden die Betroffenen an einem reaktiv fettigen und sehr schweren Stuhlgang. Ebenso kommt es zu Blähungen und zu einem aufgeblähten Bauch, sodass die Lebensqualität der Patienten durch diese Beschwerden deutlich eingeschränkt wird. Nicht selten kommt es durch dieses Syndrom auch zu einem Gewichtsverlust und zu einer verringerten Versorgung an Vitaminen und an anderen Mineralstoffen.

Die Unterversorgung wirkt sich sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten aus und kann dabei zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen führen. Nicht selten leiden die Betroffenen auch an einer Anämie und damit auch an einer Müdigkeit und an einer Abgeschlagenheit. Die Behandlung des Malabsorptionssyndroms kann relativ einfach mit Hilfe einer geeigneten Diät erfolgen.

Die Betroffenen sind dabei vor allem auf fettarme Mahlzeiten angewiesen. Damit können die meisten Beschwerden relativ gut eingeschränkt werden. Komplikationen treten dabei in den meisten Fällen nicht auf. Sollte es zu einer Unterversorgung mit Spurenelementen kommen, so muss diese Unterversorgung ausgeglichen werden.

Dabei werden verschiedene Ergänzungsmittel verwendet. In vielen Fällen sind die Betroffenen ihr gesamtes Leben lang auf die Ergänzungsmittel angewiesen. Die Lebenserwartung wird bei einer richtigen Behandlung allerdings nicht eingeschränkt oder verringert.

Behandlung & Therapie

Ein wichtiger Punkt bei der Behandlung von Malabsorptionssyndromen ist die Ernährung. Der Patient muss seine Ernährung an die Ursache der zugrundeliegenden Erkrankung anpassen. Bei Unverträglichkeiten verzichtet er fortan beispielsweise auf die unverträgliche Nahrung.

Da fettarmes Fleisch wie Huhn, gedünstetes Obst und vierlei gegartes Gemüse besonders leicht verdaulich sind, stehen diese Lebensmittel in vielen Fällen auf dem Speiseplan der Betroffenen. Sekundär durch diätische Maßnahmen eintretende Mangelerscheinungen müssen weitestgehend ausgeschlossen werden. Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts wird in der Medizin in der Regel mittels Infusionen begegnet.

Durch die direkte Gabe in die Blutbahnen wird der Darm umgangen und ein bestehender Mangel an bestimmten Stoffen kann ausgeglichen werden. Vitaminmangel, Mineralstoffmangel und Spurenelementmangel kann außerdem mit Injektionen begegnet werden. Neben dieser symptomatischen Behandlung findet, soweit wie möglich, eine Therapie der Grunderkrankung statt.

Bei verbliebener Absorptionsfähigkeit des Darms kann auch eine Nahrungsergänzung bereits zum Ausgleich von Nährstoffmangel führen. Eine Substitution durch Nahrungsergänzung findet zum Beispiel im Fall von Adipositas-Patienten statt, bei denen die Malabsorption bewusst herbeigeführt wurde. Abhängig von der Grunderkrankung kann die Substitutionspflicht ein Leben lang bestehen bleiben.

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Vorbeugung

Einer Malabsorption im Rahmen von erblichen Erkrankungen lässt sich aktiv nicht vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Das Malabsorptionssyndrom ist ein Sammelbegriff, der viele unterschiedliche Magen-Darm-Störungen umfasst. Daher richten sich die Maßnahmen, die der Patient selber durchführen kann, nach der jeweiligen Ursache. Allerdings ist auch zu beachten, dass viele Malabsorptionsstörungen nur durch einen Arzt behandelt werden können.

Zunächst ist es notwendig, die zugrunde liegende Erkrankung diagnostizieren zu lassen. Mögliche Ursachen sind unter anderem Zöliakie, Fruktoseintoleranz, Laktoseintoleranz, Leber- und Gallenerkrankungen, chronische Darmentzündungen (Morbus Crohn), chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Magenerkrankungen. Bei Zöliakie muss sich der Patient ein Leben lang glutenfrei ernähren. Auch bei einer Fruktoseintoleranz sollte der Speiseplan angepasst werden. Da hier die persönliche verträgliche Dosis an Fruktose unterschiedlich ist, kann der Betroffene nach einer fruktose- und ballaststoffarmen Diät selber austesten, wie viel Obst er noch verträgt. Auf süße Getränke und Zucker sollte jedoch verzichtet werden. Bei Laktoseintoleranz können die Magen-Darm-Störungen durch eine laktosearme Diät verringert werden. Leber- und Gallenerkrankungen erfordern oft die Umstellung auf eine fettarme Ernährung.

Wenn jedoch eine Leberzirrhose besteht, muss die Ernährung zusätzlich auch eiweißarm sein. Den Patienten mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung wird dringend empfohlen, auf Rauchen und Alkohol zu verzichten. Es sollten mehrere kleine Mahlzeiten eingenommen werden, die ausreichend Kalorien, Vitamine und Nährstoffe enthalten. Bei Magenerkrankungen kann der Patient auch ausprobieren, was er verträgt. Auf jeden Fall sollte auf scharfe Speisen, Alkohol oder Koffein verzichtet werden.

Bücher über Nährstoffmangel

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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