Folsäuremangel

Letzte Aktualisierung am 4. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Folsäure wird über die Nahrung aufgenommen und spielt bei vielen Prozessen im menschlichen Körper eine entscheidende Rolle. Dementsprechend stark wirkt sich ein Mangel an Folsäure auf unsere Gesundheit aus. Allerdings muss in unseren Breitengraden niemand an einem solchen Mangel leiden - es gibt genug Nahrungsmittel, mit denen man dem Folsäuremangel effektiv vorbeugen beziehungsweise ihn bekämpfen und Folsäure zuführen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Folsäuremangel?

Wer unter Folsäuremangel leidet, dessen Organismus steht zu wenig von diesem lebenswichtigen Vitamin zur Verfügung, um optimal arbeiten zu können. Dass Folsäure insbesondere als "Schwangerschaftsvitamin" bekannt ist, liegt daran, dass die Folsäure gebraucht wird, um DNA zu bilden.

Das kommt natürlich insbesondere im Laufe und vor allem in den frühen Stadien einer Schwangerschaft zum Tragen. Doch Folsäure ist auch schlicht und einfach für die Zellteilung vonnöten. Zellteilung ist einer der wichtigsten Prozesse des Lebens überhaupt. Blutzellen und Schleimhautzellen, also solche Zellen, die sich besonders oft teilen, zeigen einen Mangel an Folsäure besonders frühzeitig an.

So kann Folsäuremangel beispielsweise zu einer Anämie, einer Blutarmut, führen. Der menschliche Folsäure-Speicher ist die Leber. Ist dieser Speicher erschöpft, macht sich der mangelnde Folsäure bemerkbar.

Ursachen

Wer zu wenig Folsäure mit der Nahrung aufnimmt und auch kein ergänzendes Vitamin-Präparat einnimmt, der riskiert einen Folsäuremangel. Die Leber kann zwar eine Menge Folsäure speichern, doch wenn nicht genug zugeführt wird, dann ist auch dieses Depot einmal erschöpft.

Dazu muss es aber absolut nicht kommen, denn Folsäure ist in sehr vielen verschiedenen Nahrungsmitteln enthalten. Natürlich kann es auch dadurch, dass zu wenige dieser Nahrungsmittel wie beispielsweise grünes Gemüse, verzehrt werden, zu der Mangelerscheinung kommen. Besonders häufig ist aber eine Schwangerschaft der Grund für einen Mangel. Schwangere haben einen enorm erhöhten Bedarf an Folsäure.

Kein Wunder also, dass hierzulande nicht nur bei einer bereits bekannten Schwangerschaft, sondern auch beim bloßen Kinderwunsch bereits geraten wird, zusätzlich Folsäure einzunehmen. Doch nicht nur Schwangerschaft führt zu Folsäuremangel, auch der übermäßige Genuss von Alkohol, Rauchen oder die Einnahme verschiedener Medikamente kann die Folsäure-Speicher des Körpers ausplündern und zu einem Mangel führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Folsäuremangel führt vor allem zu Blutarmut (Anämie) mit ausgeprägter Leistungsschwäche und Müdigkeit. Da nicht nur die Produktion der roten Blutkörperchen, sondern auch die der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und Thrombozyten beeinträchtigt ist, kommt es ebenfalls zu einer verstärkten Infektanfälligkeit und erhöhten Blutungsneigung. Die Anämie äußert sich neben der Müdigkeit auch durch Konzentrationsschwierigkeiten, auffallende Blässe sowie durch eine gerötete und entzündete Zunge.

In schweren Fällen kommen sogar Herzrhythmusstörungen und Atembeschwerden hinzu, weil der Körper aufgrund der fehlenden roten Blutkörperchen nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt werden kann. Infolge der erhöhten Infektanfälligkeit besteht die Gefahr schwerer Infektionen. Gleichzeitig kommt es durch die erhöhte Blutungsneigung häufig zu Schleimhautblutungen, Blutergüssen und punktförmigen Einblutungen in der Haut.

Weitere Symptome sind Appetitlosigkeit und starker Gewichtsverlust. Bei Schwangerschaften kann es vermehrt zu Fehlgeburt und Missgeburten mit Neuralrohrdefekten (offener Rücken) kommen. Auch das Nervensystem wird bei Folsäuremangel beeinträchtigt. So kommt es bei Erwachsenen neben der Blutarmut teilweise zu einem geistigen Abbau, mangelndem Konzentrationsvermögen und Erinnerungslücken bis hin zur Demenz.

Des Weiteren ist die Stressanfälligkeit erhöht und zuweilen treten auch Nervenschmerzen auf. Bei Kindern äußert sich ein Folsäuremangel durch schwere körperliche und geistige Entwicklungsstörungen aufgrund der beeinträchtigten Zellteilung. Neben Neuralrohrdefekten (offener Rücken) kann auch die Ausbildung des Gehirns und des Schädels gestört sein.

Diagnose & Verlauf

Ist ein Folsäuremangel festgestellt worden, dann wird im Regelfall ein Präparat verschrieben, das dem Körper schnell eine ausreichende Menge des lebensnotwendigen Vitamins zuführt. Eine schnelle Reaktion ist auch notwendig, denn da die Symptome nicht sehr spezifisch sind, wird der Mangel meist erst spät erkannt.

Leistungsabfall, ein allgemein schlappes Gefühl, ständige Müdigkeit und Konzetrationsschwäche könnten zu vielen Krankheitsbildern passen. Erst, wenn die Speicher wirklich leer sind und sich die Anämie mit Gewichtsverlust, Herzrhythmusstörungen und ähnlichen Symptomen bemerkbar macht, kommt man der Mangelerscheinung meist auf die Schliche.

Über die Nahrung kann dann meist nicht mehr schnell genug ausreichen Folsäure zugeführt werden, sodass konzentrierte Präparate vonnöten sind. Eine Tagesdosis von 5 bis 15 Milligramm Folsäure gelten - zumindest zu Beginn der Behandlung - als Richtwert.

Komplikationen

Ein Folsäuremangel, der mehrere Wochen andauert, kann zu einer Rückbildung der Schleimhäute führen, was wiederum Schleimhautentzündungen im Mund, im Magen-Darm-Trakt und auch im Uro-Genital-Trakt zur Folge haben kann. Wunden und Verletzungen an den Schleimhäuten heilen langsamer. Es kann zu einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Anämien kommen, auch zu einer hierzulande seltenen Form der Blutarmut, der megaloblastischen Anämie.

Weitere durch Folsäuremangel verursachte Symptome sind Durchfall, Übelkeit, Gewichtsverlust und eine Entzündung der Zunge (Glossitis). Weitere mögliche Komplikationen sind Haarausfall, Hautprobleme und depressive Verstimmungen. Durch Folsäuremangel steigt auch der Homocysteingehalt im Blut an.

Homocystein kann die Blutgefäßwände angreifen, was dazu führen kann, dass dort schneller oxidiertes LDL-Cholesterins abgelagert wird. Das hat langfristig eine Verengung der Blutgefäße und Arteriosklerose zur Folge. Dies wiederum stellt einen erheblichen Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall dar.

Bei ungeborenen Kindern kann ein Folsäuremangel der schwangeren Mutter zu schweren Missbildungen des Embryos führen. Zu diesen Missbildungen zählen Neuralrohrdefekte wie der so genannte offene Rücken (Spina bifida) und Anenzephalie (fehlende Teile Schädeldaches, der Hirnhäute, der Kopfhaut und des Gehirns). Außerdem kann Folsäuremangel das Risiko einer Frühgeburt oder Fehlgeburt erhöhen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei chronischer Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Blässe liegt womöglich ein Folsäuremangel vor. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, wenn die Symptome innerhalb von drei bis fünf Tagen nicht von selbst abklingen oder weitere Beschwerden hinzukommen. Wenn bereits bei leichter körperlicher Anstrengung Beschwerden wie Herzklopfen, Atemnot oder Schwindel auftreten, sollte in den nächsten Tagen ein Arzt aufgesucht werden. Durchfall, andauernde Atembeschwerden und Herz-Kreislauf-Beschwerden, die das Wohlbefinden stark beeinträchtigen, werden am besten sofort abgeklärt.

Liegt ein Folsäuremangel vor, muss dieser in jedem Fall behandelt werden. Andernfalls kann der Mangel einen schweren Verlauf nehmen und unter Umständen zu einem Gedächtnisverlust, neurologischen Ausfallerscheinungen oder sogar zu einem Herzinfarkt führen. Gefährdet sind vor allem Kinder, ältere Menschen und Kranke. Auch Allergiker und Patienten mit einer angeborenen Immunschwäche oder einer Störung des Hormonhaushalts sollten bei genannten Symptomen mit dem Hausarzt sprechen. Weitere Ansprechpartner sind Internisten und Fachärzte für das jeweilige Symptom. Im medizinischen Notfall muss der Rettungsdienst alarmiert werden.

Behandlung & Vorbeugung

Wer sich ausgewogen ernährt, der braucht einen Folsäuremangel im Grunde nicht zu fürchten. Viele Nahrungsmittel erhalten genügend von dem lebenswichtigen Vitamin, um den menschlichen Organismus ausreichend zu versorgen. Vor allem grünes Gemüse ist empfehlenswert.

Insbesondere grüne Blattgemüse und Salat, aber auch Kohlsorten und Spargel enthalten reichlich davon. Selbiges gilt für Mandeln und Hülsenfrüchte, aber auch für Eigelb und Leber. Da Folsäure in vielen verschiedenen Nahrungsgruppen, beispielsweise auch in Vollkornprodukten vorkommt, sind Vegetarier und Veganer ebenso gut in der Lage, genug Folsäure mit der Nahrung aufzunehmen, wie omnivore Esser. Wer diese Nahrungsmittel - grünes Gemüse, Vollkorn, Ei usw. -konsumiert, bekommt automatisch eine Menge Folsäure.

Menschen mit erhöhtem Bedarf - wie beispielsweise Schwangere - tun in jedem Falle gut daran, zusätzlich ein Präparat einzunehmen. Dabei sollte allerdings bedacht werden, dass eine gelegentliche oder auch tägliche Pille eine gesunde Ernährung keineswegs ersetzen, sondern immer nur ergänzen kann - das ist bei der Folsäure nicht anders.

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Aussicht & Prognose

Im Normalfall ist die Prognose bei einem Folsäuremangel günstig. Der Mangel kann durch eine Umstellung und Optimierung der Ernährung innerhalb weniger Tage und Wochen reduziert werden. Meist wird innerhalb der kommenden Monate eine Beschwerdefreiheit erreicht. Bei einem starken Mangel kann der Organismus insbesondere in der Anfangsphase der Behandlung zusätzlich durch die Gabe von Medikamenten unterstützt werden. Kommt es im Verlauf des Lebens zu einem Rückfall und der Folsäuremangel tritt erneut auf, ist die Prognose ebenfalls günstig.

Menschen, die rauchen oder übermäßig viel Alkohol konsumieren, sollten für eine Verbesserung ihrer Gesundheit ihre Lebensgewohnheiten konsequent umstellen. Der Folsäure-Speicher nimmt bei diesen Patienten im Laufe mehrerer Jahre kontinuierlich ab, bis es zu einer Mangelerscheinung kommt. Sobald der Betroffene auf die Zufuhr der Schadstoffe verzichtet und bereit ist, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, verbessert sich sein gesundheitlicher Zustand.

Besonders ungünstig ist die Prognose für schwangere Frauen in der Anfangsphase der Gestation. Ein starker Folsäuremangel kann zu Missbildungen des Embryos, einer Früh- oder Fehlgeburt führen. Die Missbildungen können im weiteren Entwicklungsverlauf nicht behoben werden. Bei der werdenden Mutter ist durch die Auffälligkeiten oder den Verlust des Kindes die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Folgeerkrankung erhöht. Diese trägt zu einer wesentlichen Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitsempfindens bei.

Das können Sie selbst tun

Besteht der Verdacht auf einen Folsäuremangel sollte beim behandelnden Hausarzt eine Blutuntersuchung in Auftrag gegeben werden. Bestätigt sich dieser Mangel helfen Nahrungsergänzungsmittel die Folsäure in hoher Konzentration bereitzustellen. Ein Ausgleich des Mangels mit Hilfe von Nahrungsmitteln würde zu viel Zeit beanspruchen und könnte zu einer Verschlimmerung der Symptome führen.

Für den weiteren Verlauf der Behandlung empfiehlt sich jedoch eine bewusste Ernährung mit Lebensmitteln die reich an Folsäure sind. Dazu zählen verschiedenste Blattgemüse und Kohlsorten, auch Spargel ist reich an Folsäure. Weitere Lieferanten für Folsäure sind Vollkornprodukte sowie Hühnerei, zudem Mandeln, Leber und Hülsenfrüchte. Auch Auberginen und sämtliche Kräuter liefern dem Körper die wichtige Folsäure. Grundsätzlich sind alle grünen Gemüsesorten sehr reich an Folsäure. Idealerweise werden diese vor dem Verzehr nur gedämpft, um den hohen Gehalt an Vitalstoffen zu bewahren. Durch Kochen und Braten gehen zwischen 75 und 100 Prozent des wichtigen Vitamins verloren. Auch starkes Zerkleinern vermindert den Folsäuregehalt. Es empfiehlt sich Kräuter und Gemüse in Rohkostform, über den Tag verteilt, zu verzehren.

Bei einer konstant ausgewogenen Ernährung ist das Risiko für einen fortdauernden Mangel an Folsäure minimal. Auch Vegetarier und Veganer können ihren Bedarf sehr gut über die pflanzliche Ernährung decken. Schwangere haben einen erhöhten Bedarf und sollten in dieser Zeit zu einem Folsäurepräparat greifen.

Quellen

  • Burkhardt, D.: Gesund leben. Laborwerte deuten. Müller Verlag, Köln 2005
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Suter, P.M.: Checkliste Ernährung. Thieme, Stuttgart 2008

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