Harnstoffzyklusdefekt

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 7. November 2016
Symptomat.deKrankheiten Harnstoffzyklusdefekt

Spricht der Mediziner von einem Harnstoffzyklusdefekt, nutzt er einen Übergriff, der vorwiegend mehrere Stoffwechselerkrankungen, die einerseits einen genetischen Ursprung haben und andererseits für eine gestörte Stickstoffausscheidung verantwortlich sind, betrifft. Unbehandelt führt der Harnstoffzyklusdefekt zum Tod des Patienten. Die Lebertransplantation stellt die einzige Therapieform dar, um den Harnstoffzyklusdefekt zu beheben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Harnstoffzyklusdefekt?

Ein Harnstoffzyklusdefekt dient im Regelfall als Überbegriff mehrerer Stoffwechselerkrankungen, welche allesamt eine gestörte Stickstoffausscheidung aufweisen. Als weitere Gemeinsamkeit wird der genetische Ursprung genannt; derartige Stoffwechselerkrankungen können daher vererbt werden.

Da es bei einem Harnstoffzyklusdefekt zum pathologischen Anstieg des Nervengifts Ammoniak kommt, führt die Erkrankung - sofern keine rechtzeitige Behandlung erfolgt - zu Hirnschäden und in weiterer Folge zum Tod. Zu beachten ist, dass es sechs unterschiedliche Enzymdefekte gibt. Die Symptome können, je nach Alter und Erstmanifestation, unterschiedlich sein.

Ursachen

Harnstoffzyklusdefekte werden autosomal-rezessiv vererbt. Die einzige Ausnahme stellt der OTC-Mangel dar; der OTC-Mangel wird ausschließlich X-chromosomal rezessiv vererbt. Mitunter kann es auch zu Spontanmutationen kommen. Das bedeutet, dass der Harnstoffzyklusdefekt nicht vererbt, sondern der Gendefekt spontan entstanden ist.

Harnstoffzyklusdefekte sind daher angeborene Stoffwechselerkrankungen der Leber, die potentiell lebensbedrohlich sind. Dabei kommt es nicht nur zu einem Anstieg des Ammoniakspiegels, sondern auch zu einem gestörten Eiweißabbau. Aufgrund eines bestehenden Mangels bestimmter Enzyme, ist der Körper nicht in der Lage, in weiterer Folge das Ammoniak, ein toxisches Zwischenprodukt, in Harnstoff zu verwandeln.

So kommt es unweigerlich zum Anstieg des Ammoniakspiegels, wobei sich das Nervengift im Blut und anderen Geweben einlagert. Es drohen Hirn- und auch Nervenschäden; mitunter kann die Erkrankung zum Tod des Patienten führen.

Bislang sind sechs Enzymdefekte bekannt, die für einen Harnstoffzyklusdefekt verantwortlich sind:

  • Carbamylphosphat-Synthetase(CPS)-1-Mangel
  • Ornithin-Transcarbamylase(OTC)-Mangel
  • Argininosuccinat-Synthetase(ASS)-Mangel (Citrullinämie Typ 1)
  • Argininosuccinat-Lyase(ASL)-Mangel (Argininbernsteinsäure-Krankheit)
  • Arginase-1-Mangel (Hyperargininämie)
  • N-Acetylglutamat-Synthetase(NAGS)-Mangel

Warum es zu derartigen Mängeln kommt, konnte bislang nicht geklärt werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome sind, abhängig von Alter und Erstmanifestation, unterschiedlich. Sie richten sich daher vorwiegend nach dem Alter des Betroffenen. Im Säuglingsalter sind Erbrechen, eine extrem überhöhte Atemfrequenz, Krampfanfälle und auch eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme möglich. Mitunter kann der Säugling in ein Koma fallen.

Im Kleinkinderalter treten immer wieder Krampfanfälle auf; auch konnten Verhaltensstörungen, Wachstumsdefizite und auch eine verminderte Nahrungs- sowie Flüssigkeitsaufnahme beobachtet werden. Auch im Kleinkinderalter ist die Gefahr gegeben, dass der Patient in ein Koma fällt.

Folgende Symptome treten vorwiegend bei Jugendlichen und Erwachsenen auf: Die Betroffenen sind reizbar, lethargisch, oftmals verwirrt, leiden immer wieder an Übelkeit und Erbrechen und fühlen sich antriebslos. In schweren Verlaufsformen können die Patienten ebenfalls in das Koma fallen. Je nach Krankheitsbild, können die Symptome variieren. Einerseits können die besonders intensiv sein, andererseits aber nur leicht auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bestehen mitunter Beschwerden, die auf einen Harnstoffzyklusdefekt schließen lassen, werden labormedizinische Untersuchungen durchgeführt. Dabei stellen Mediziner einen überhöhten Ammoniakspiegel im Blut fest. Die Diagnose kann, etwa durch einen Gentest, wobei hier die Identifikation der Mutation überprüft wird, untermauert werden.

Schwere Krankheitsverläufe resultieren vorwiegend aus den Defekten der ersten drei Enzyme. Grundsätzlich ist der Enzymmangel in weiterer Folge verantwortlich, welcher Krankheitsverlauf befürchtet werden muss. Höhere Restaktivitäten sorgen im Regelfall für chronische Verlaufsformen, wobei sich jene erst nach der Neonatalphase bemerkbar machen.

Wird der Harnstoffzyklusdefekt falsch oder gar nicht behandelt, kommt es unweigerlich zu Hirn- und/oder Nervenschäden. In weiterer Folge führt ein unbehandelter Harnstoffzyklusdefekt zum Tod des Betroffenen. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Enzymdefekt vorliegt. Alle Enzymdefekte können, sofern sie nicht behandelt werden, zum Tod führen.

Behandlung & Therapie

Bei den Behandlungsmöglichkeiten stehen mehrere Therapien zur Verfügung. Im Fall einer neonatalen Krankheitsmanifestation, bei dem eine Gefahr für das Leben des Säuglings gegeben ist, wird eine intensivmedizinische Behandlung eingeleitet. Derartige Behandlungen, die auch als Akuttherapie bezeichnet werden, finden vorwiegend in Stoffwechselzentren statt.

Das Ziel derartiger Therapien ist es, dass der toxische Ammoniakspiegel gesenkt wird. Eine Senkung des Ammoniakspiegels erfolgt etwa durch eine Dialyse, wobei die „Blutwäsche“ erst bei einer Ammoniakkonzentration von über 400 µmol/l durchgeführt wird. Die Säuglinge erhalten keine Proteine; mitunter werden auch Medikamente, die zur Reduktion des Ammoniak-Blutspiegels beitragen sollen, verabreicht.

Mitunter kann auch eine Leberzelltherapie zum Erfolg führen. Derartige Therapien werden vorwiegend bei Säuglingen empfohlen; auch wenn die Lebertransplantation effektiver wäre, stellt der Eingriff eine extreme Belastung für das Neugeborene dar, sodass viele Ärzte davon absehen. Die Gefahr, dass das Kind den Eingriff nicht überlebt, ist in fast allen Fällen zu hoch.

Bei der Leberzelltherapie werden adulte Hepatozyten aus der Spenderleber gewonnen und danach - frei von Bakterien - in einer Suspension kryokonserviert. Auf lange Sicht gesehen, entscheiden sich die Mediziner für eine diätetische und medikamentöse Behandlung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass jene Behandlung ein ganzes Leben durchgeführt werden muss.

Die einzig tatsächlich kurative Therapie, die mitunter den Harnstoffzyklusdefekt behebt, stellt die Lebertransplantation dar. Nur wenn eine Lebertransplantation erfolgt, kann der Harnstoffzyklusdefekt behoben werden.




Vorbeugung

Da es sich bei einem Harnstoffzyklusdefekt um eine genetische Erkrankung handelt, deren Ursprung unbekannt ist und die im Regelfall weitervererbt wird oder durch eine Spontanmutation entsteht, kann die Stoffwechselerkrankung nicht vorgebeugt werden.

Bücher über Lebererkrankungen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Harnstoffzyklusdefekt?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: