Haglund-Syndrom (Haglund-Ferse)

Letzte Aktualisierung am 29. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Das Haglund-Syndrom, auch als Haglund-Ferse bezeichnet, wird durch eine knöcherne Veränderung (Überbein) am Fersenbein im Bereich des Achillessehnenansatzes verursacht. Der Name geht auf den schwedischen Chirurgen Patrik Haglund (1870 – 1937) zurück. Die Haglund-Ferse kann äußerst schmerzhaft sein und konservativ oder operativ behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Haglund-Syndrom?

Die Haglund-Ferse, eine Form des Fersensporns, ist erkennbar an einer knöchernen Veränderung am oberen hinteren (kranialen und dorsalen) Teil des Fersenbeins (Calcaneus) im Bereich des Achillessehnenansatzes.

Verknöcherungen am Fersenbein können bereits während der Wachstumsphase an der Wachstumsfuge des Knochens (Epihysenfuge) auftreten oder es kann sich um eine Verknöcherung am Fersenbein direkt im Bereich des Achillessehnenansatzes (Apophyse) handeln. Derartige Knochenerweiterungen mit fester Knochensubstanz am Fersenbein werden auch als „Haglund-Exostose“ bezeichnet.

Störungen an der Wachstumsfuge treten ausschließlich bei Heranwachsenden auf, weil sich die Wachstumsfuge nach Abschluss des Knochenwachstums durch reguläre Verknöcherungen schließt. Bei derartigen Störungen an der Wachstumsfuge von Knochen handelt es sich um „iuvenile Osteochondrosen“. Beide Formen des Haglund-Syndroms können ähnlich Symptome auslösen und sind nicht exakt voneinander abzugrenzen.

Ursachen

Die Hauptursachen für eine Ausbildung einer Haglund-Ferse werden in Schuhwerk gesehen, das zu Reizungen an den Sehnen führt oder direkten Druck auf einen oder mehrere der Fußknochen ausübt. Für den Knochen kann das an der betroffenen Stelle einen Anreiz zu verstärkter Knochenbildung bedeuten.

Schuhe mit engen Fersenkappen können beim Gehen und Laufen eine ständige Reizung auf den Achillessehnenansatz ausüben und den Beginn der Ausbildung einer Haglund-Ferse markieren. Als weitere beitragende Faktoren für die Verursachung des Haglund-Syndroms werden übermäßiges Lauftraining mit nicht funktionsgerechtem Schuhwerk und Übergewicht genannt.

Inwieweit genetische Dispositionen bei der Ausbildung einer vorzeitigen und übermäßigen Verknöcherung an der Wachstumsfuge des Fersenbeines führen kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch hier kommen nicht funktionsgerechtes und zu enges Schuhwerk bei Kindern als Hauptverursacher in Betracht. Angeborene oder erworbene Fußfehlstellungen können ebenfalls die Ausbildung einer Haglund-Ferse begünstigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Haglund-Syndrom macht sich in erster Linie durch stechende Schmerzen am hinteren Fersenbein bemerkbar. Die Schmerzen treten bei Belastung und Druck auf die Ferse auf und klingen rasch wieder ab, sobald das Bein entlastet wird. Die Schmerzen sind zunächst sehr intensiv und gehen bei wiederholter Belastung zurück. Morgens und nach längeren Ruhephase ist der Schmerz am stärksten.

Äußerlich ist das Haglund-Syndron an dem auffälligen Gang zu erkennen. Die Betroffenen hinken zumeist oder ziehen das Bein mit der betroffenen Ferse hinterher. Manchmal tritt an der Ferse eine Rötung auf oder es entwickelt sich eine sichtbare Schwellung, die bei Berührung schmerzt. In Einzelfällen kann eine sichtbare Verknöcherung an den Fersen oder am oberen hinteren Sehnenansatz der Ferse bemerkt werden.

Diese Verknöcherungen schmerzen bei Berührung und sind gelegentlich mit Schwellungen und Rötungen verbunden. Wird das Haglund-Syndrom nicht behandelt, nimmt es an Intensität zu. Durch das Vermeidungsverhalten können Fehlstellungen und Gelenkverschleiß entstehen. Einige Betroffene leiden zudem an Nervenschmerzen, die von der Ferse bis zum Knie ausstrahlen können. In Einzelfällen gehen von der Haglund-Ferse Lähmungserscheinungen und Sensibilitätsstörungen aus, die von den Betroffenen als unangenehm empfunden werden.

Diagnose & Verlauf

Die ersten Symptome, die auf eine Haglund-Ferse hindeuten, sind von außen erkennbare Rötungen, druckempfindliche Stellen oder gar Verdickungen am hinteren oberen Teil des Fersenbeins.

Falls orthopädische Untersuchungen den Anfangsverdacht auf Haglund-Syndrom erhärten, können bildgebende Diagnoseverfahren wie Ultraschall, Röntgen und Computertomographie (CT, MRT, fMRT) genauere Erkenntnisse liefern. Im Röntgenbild werden vor allem knöcherne Formationen deutlich sichtbar. Die computertomografischen Verfahren liefern darüber hinaus aussagekräftige Bilder über die Weichteile, also über Beschaffenheit von Bändern, Sehnen, Muskeln, Schleimbeuteln und Gelenkknorpel.

Die Krankheitsverläufe einer Haglund-Ferse sind sehr unterschiedlich und erstrecken sich von vollkommen schmerzlos bis hin zu sehr schmerzhaft und beeinträchtigend. Die Symptome der Krankheit können sich über einen langen Zeitraum von vielen Jahren entwickeln, so dass aufkommende Symptome – vor allem, wenn keine Schmerzen und keine ernsthaften Beeinträchtigungen damit verbunden sind – nicht beachtet und nicht therapiert werden.

Komplikationen

Durch das Haglund-Syndrom kommt es in erster Linie zu relativ starken Schmerzen. Diese Schmerzen wirken sich negativ auf den Alltag des Patienten aus und können dadurch die Lebensqualität erheblich verringern und zu Bewegungseinschränkungen führen. Nicht selten führt das Haglund-Syndrom auch zu Ruheschmerzen und damit zu Schlafstörungen beim Patienten. Die Haut ist durch die Krankheit gerötet und es kommt zu einer Verknöcherung, die vor allem an den Fersen des Patienten auftritt.

Dabei können sich die Schmerzen ebenfalls in andere Regionen des Körpers ausbreiten. Durch die Bewegungseinschränkungen leiden die Patienten auch nicht selten an Depressionen und an anderen psychischen Verstimmungen. In einigen Fällen sind die Patienten auch auf Gehhilfen angewiesen, um den Alltag meistern zu können. Bei der Behandlung selbst kommt es zu keinen weiteren Komplikationen.

Durch ein geeignetes Schuhwerk können die meisten Beschwerden eingegrenzt werden. In vielen Fällen ist allerdings noch eine Physiotherapie notwendig. Sollte es nicht zu einer Besserung kommen, sind in der Regel operative Eingriffe notwendig. Die Lebenserwartung wird durch das Haglund-Syndrom nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es beim Haglund-Syndrom nicht zu einer Selbstheilung kommt und das Syndrom in der Regel mit starken Schmerzen und Einschränkungen im Alltag verbunden ist, muss in jedem Fall eine ärztliche Behandlung stattfinden. Einen Arzt sollte der Betroffene dann aufsuchen, wenn es an der Haut zu Rötungen kommt. Diese Rötungen treten meist ohne einen besonderen Grund und an unterschiedlichen Stellen des Körpers auf. Zusätzlich kommt es an der Ferse zu Verknöcherungen, die vor allem im jungen Alter auftreten.

Diese machen sich durch Schmerzen bemerkbar, die nicht nur als Druckschmerzen, sondern auch als Ruheschmerzen auftreten können. Sollte das Kind über Schmerzen an der Ferse klagen, so ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen. In der Regel kann das Haglund-Syndrom durch einen Kinderarzt oder durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden. Bei der weiteren Behandlung ist allerdings die Unterstützung eines Facharztes notwendig. Eine frühzeitige Diagnose erhöht die Chancen einer vollständigen Heilung des Haglund-Syndroms.

Behandlung & Therapie

Wenn ein diagnostiziertes Haglund-Syndrom im Wesentlichen auf nicht geeignetes Schuhwerk zurückgeführt werden kann, besteht die erste Maßnahme in Entlastung des Fersenbereichs. Darüber hinaus empfiehlt sich eine spezielle Physiotherapie, die auf Stärkung der Beinmuskulatur und auf Entlastung der Achillessehne abzielt.

Erwägenswert ist auch die Anwendung einer extrakorporalen Stoßwellentherapie, die ursprünglich für Nierensteinzertrümmerung entwickelt wurde. Mittels Stoßwellentherapie lassen sich besonders gut Kalkablagerungen und Verhärtungen im Gewebe so „pulverisieren“, dass sie vom Körper über Lymph- und Blutbahnen abgeführt und ausgeschwemmt werden können.

Falls konservative Therapieformen nicht zum gewünschten Erfolg führen, kommen zwei verschiedene operative Eingriffe in Betracht. Zum einen kann die Ossifikation in einem operativen Eingriff direkt abgetragen werden. Das hat allerdings den Nachteil, dass im Bereich des Achillessehnenansatzes auch die Sehnenscheide entfernt werden muss, die normalerweise für ein problemloses Gleiten der Sehne sorgt. Es besteht die Gefahr, dass sich postoperativ Verwachsungen an der Sehne ausbilden, die funktionsbehindernd sein können.

Zum anderen hat sich ein operativer Eingriff etabliert, der den Bereich der Achillessehne nicht berührt, sondern ein paar Zentimeter weiter vorne einen Keil aus dem Fersenbein abtrennt, so dass sich das Fersenbein im Bereich des Achillessehnenansatzes ein wenig nach oben klappt. Der Spornfortsatz wird dadurch zwar nicht entfernt, drückt und reibt aber im Erfolgsfall nicht mehr an der Achillesferse, so dass sich die Symptome verbessern oder sogar gänzlich verschwinden.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des Haglund-Syndroms ist bei einer Behandlung in der Regel sehr gut. Allerdings handelt es sich um eine sehr zeitaufwendige Therapie, die zunächst mit konservativen Maßnahmen begonnen wird. Ohne Behandlung oder nach ständiger Belastung durch falsches Schuhwerk, sportlich Beanspruchung des Fußes oder Übergewicht können sich die Beschwerden jedoch erheblich verstärken. Der Knochenvorsprung (Haglundexostose) am Fersenbein wird sich unter diesen Bedingungen noch verstärken, weil der Druck am Schuhinnenrand beim Laufen oder Gehen weiter zunimmt.

Die konservative Behandlung beginnt zunächst mit der Bereitstellung von orthopädischen Schuhen. Mit deren Hilfe sollen die mechanische Belastung des Schleimbeutels reduziert und dadurch die Entzündungsprozesse gestoppt werden. Zu dieser Behandlung gehören auch die lokale Anwendung von Entzündungshemmern und die Injektion von Kortikosteroiden in die Achillessehne. Die Therapie sollte nach ca. 6 Monaten erste Erfolge zeigen.

Bei erfolgloser Behandlung wird jedoch eine Operation notwendig. Dabei wird meist der Schleimbeutel (Bursa subachillea) und der angrenzende knöcherne Vorsprung entfernt. Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 17. Lebensjahr darf diese Operation jedoch noch nicht durchgeführt werden, weil die benachbarten Wachstumsfugen noch nicht verschlossen sind. Nach der chirurgischen Entfernung oder Verkleinerung des Knochenvorsprungs verringert sich der Druck des Schuhinnenrandes gegen das Fersenbein. Dadurch nimmt auch der Druck auf den Schleimbeutel, die Achillessehne und die Weichteile ab. Diese Behandlungsmethode führt meist zum dauerhaften Erfolg.

Vorbeugung

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die Haglund-Ferse besteht darin, auf passendes und funktionstüchtiges Schuhwerk zu achten. Besonders bei Kindern, deren Füße gewissen Wachstumsschüben unterliegen, sollte auf geeignetes Schuhwerk geachtet werden, das dem Fuß genügend Spielraum für ihre Entwicklung verschafft.

Weitere vorbeugende Maßnahmen bestehen darin, sportliches Lauftraining ausschließlich mit Laufschuhen durchzuführen und auf genügend Dehnübungen einzuplanen. Bei ersten Anzeichen eines Haglund-Syndroms wird die Konsultation eines orthopädischen Facharztes empfohlen.

Das können Sie selbst tun

Beim Haglund-Syndrom sind die Möglichkeiten zur Selbsthilfe stark eingeschränkt. Hierbei kann vor allem eine frühe Diagnose weitere Komplikationen und Beschwerden verhindern. Sollte es allerdings schon zum Haglund-Syndrom gekommen sein, so kann nur noch eine Therapie oder ein operativer Eingriff die Beschwerden lindern.

Das Syndrom kann jedoch einfach vermieden werden, indem Kinder immer ein geeignetes Schuhwerk tragen. Dies gilt vor allem während der Wachstumsschübe. Die Füße dürfen dabei nicht eingequetscht werden und müssen genügend freien Raum zur Verfügung haben. Weiterhin sollten sportliche Aktivitäten immer in Laufschuhen oder in Sportschuhen durchgeführt werden. Auch dadurch kann das Syndrom verhindert werden.

Sollte das Syndrom auftreten, so sind unnötige Belastungen der Füße auf jeden Fall zu vermeiden. Bei den ersten Anzeichen der Erkrankung ist sofort ein Orthopäde aufzusuchen, welcher die Krankheit diagnostizieren und behandeln kann. Kinder sollten beim Haglund-Syndrom immer über die möglichen Komplikationen und Risiken aufgeklärt werden, um offene Fragen und mögliche psychische Beschwerden zu vermeiden. In der Regel kann die Krankheit durch einen operativen Eingriff relativ gut behandelt werden, sodass es in der kindlichen Entwicklung zu keinen weiteren Einschränkungen kommt.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Rössler, H., Rüther, W.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München, 2005
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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