Glottisödem

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. November 2017
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Mit dem medizinischen Fachbegriff Glottisödem wird eine akute Schwellung der Kehlkopfschleimhaut bezeichnet. Bei einem fortgeschrittenen Glottisödem besteht Erstickungsgefahr.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Glottisödem?

Ein Glottisödem ist eine lebensbedrohliche Schleimhautschwellung (Ödem) im Kehlkopfbereich. Das Glottisödem kann auch als Kehlkopfödem bezeichnet werden. Es kann durch Infektionen, Allergien oder Medikamente verursacht werden. Typische Symptome des Glottisödems sind Heiserkeit und zunehmende Atemnot.

Die Therapie erfolgt abhängig von der Ursache. Ein schnelles Handeln ist nötig, da bei einer kompletten Verlegung des Kehlkopfes der Tod durch Ersticken droht. Besteht akute Erstickungsgefahr, wird eine Intubation oder eine Tracheotomie durchgeführt.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen des Kehlkopfödems gehören Infektionen. Diese können durch Bakterien oder Viren verursacht werden. Bei Kleinkindern ist insbesondere die Epiglottitis gefürchtet. Es handelt sich dabei um eine Entzündung des Kehldeckels, die in der Regel durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B verursacht wird. Aber auch die Diphtherie, insbesondere die Kehlkopfdiphterie, kann ein Glottisödem zur Folge haben.

Die Diphterie wird durch den Erreger Corynebacterium diptheriae verursacht. Seltener entsteht ein Glottisödem bei einer Infektion mit Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus oder mit anderen beta-hämolysierenden Streptokokken. Eine weitere Ursache für ein Glottisödem ist eine akute allergische Reaktion. Bei einer Allergie reagiert der Körper auf nicht-infektiöse Fremdstoffe mit einer Entzündungsreaktion.

Während Hautausschläge eher als leichtes allergisches Symptom gelten, ist ein Glottisödem eine schwere anaphylaktische allergische Reaktion. Eine solche allergische Reaktion kann zum Beispiel durch den Verzehr von Nüssen oder anderen Allergenen hervorgerufen werden. Auch verschiedene Medikamente können ein Glottisödem bedingen. Es tritt gehäuft bei der Einnahme von ACE-Hemmern auf.

Das Glottisödem ist zudem eine Komplikation der Bestrahlungstherapie. Die Radiotherapie wird meist bei Patienten mit Krebserkrankungen eingesetzt. Ein Kehlkopfödem kann auch nach einem Trauma entstehen. Denkbar wäre beispielsweise ein Ödem durch Würgen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Kardinalsymptom des Glottisödems ist Heiserkeit. Die Betroffenen haben eine raue Stimme und bekommen zunehmend schlechter Luft (Dyspnoe). Eventuell klagen sie auch über Schluckbeschwerden. Wenn das Glottisödem infektiös bedingt ist, kann es von Fieber begleitet sein. Je ausgeprägter die Schwellung ist, desto eher wird ein sogenannter inspiratorischer Stridor hörbar.

Ein Stridor ist ein krankhaftes Atemnebengeräusch, das durch eine Einengung der Atemwege entsteht. Ein Stridor, der in der Region des Kehlkopfes lokalisiert ist, klingt wie ein Pfeifen oder wie ein Zischen. Durch die zunehmende Einengung der Atemwege verschlimmert sich die Atemnot, sodass es im Ernstfall zu akuten Erstickungsanfällen kommen kann.

Liegt dem Glottisödem eine Epiglottitis zugrunde, so kündigt sich die Schleimhautschwellung häufig schon vorher an. Wobei die Erkrankung recht plötzlich beginnt und einen fulminanten Verlauf nimmt. Die betroffenen Patienten leiden unter starken Halsschmerzen und hohem Fieber. Typisch für eine Epiglottitis mit Glottisödem ist eine kloßige Sprache. Da das Schlucken für die Betroffenen äußerst schmerzhaft ist, läuft ihnen der Speichel aus dem Mund.

Es werden zudem große Speichelmengen produziert (Hypersalivation). Das allergisch bedingte Glottisödem kann sich durch ein Kratzen und Jucken im Hals ankündigen. Die betroffenen Patienten müssen sich häufig räuspern. Auch eine geschwollene Zunge und Rötungen im Mundbereich nach dem Verzehr potenzieller Allergene können auf eine Allergie als Ursache des Glottisödems hinweisen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose kann anhand der charakteristischen Symptome recht schnell gestellt werden. Bei Verdacht auf ein Glottisödem sollte stets eine Verlegung in ein Krankenhaus erfolgen. Eine diagnostische Maßnahme zur Sicherung der Verdachtsdiagnose ist eine Inspektion des Rachens. Eventuell kann diese durch eine in die Nase eingeführte Fiberoptik durchgeführt werden. Bei einer Entzündung zeigt sich als Lokalbefund ein hochroter und entzündeter Kehldeckel.

Bei allen Formen des Glottisödems ist die Schleimhautschwellung erkennbar. Bei der Untersuchung des Mund- und Rachenraumes ist Vorsicht geboten. Die Untersuchungsgegenstände können das Gewebe so reizen, dass die Schleimhaut schnell noch weiter anschwillt. Es droht der Tod durch Ersticken.

Komplikationen

Im schlimmsten Falle kommt es durch das Glottisödem zum Ersticken oder zum Verschlucken. Dabei sind vor allem Kinder einer erhöhten Erstickungsgefahr ausgesetzt, wobei es relativ schnell zum Tode kommen kann. Der Betroffene leidet dabei in erster Linie an einer tiefen Stimme und an einer Heiserkeit.

Das Sprechen und Schlucken ist dabei in den meisten Fällen mit Schmerzen verbunden. Nicht selten führen die Schluckbeschwerden auch zu einer verringerten Einnahme von Flüssigkeiten und Nahrung, sodass es zu einer Dehydrierung oder zu einer Unterernährung kommen kann. Die Zunge schwillt an, Halsschmerzen können sich bemerkbar machen. Bei Atembeschwerden kann auch eine Hyperventilation auftreten und der Hals juckt beim Patienten.

Die Behandlung des Glottisödems erfolgt in der Regel kausal und wird mit Hilfe von Antibiotika durchgeführt. Bei der Einnahme von Medikamenten kommt es in den meisten Fällen zu keinen weiteren Komplikationen und die Krankheit verschwindet wieder. In schwerwiegenden Fällen ist der Betroffene gegebenenfalls auf eine künstliche Beatmung angewiesen, um nicht zu ersticken. Weiterhin treten keine besonderen Folgeschäden auf und die Lebenserwartung wird durch das Glottisödem nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da das Glottisödem im schlimmsten Falle zum Tode des Betroffenen führen kann, ist auf jeden Fall eine Behandlung notwendig. In der Regel ist ein Arzt dann aufzusuchen, wenn der Patient an Schluckbeschwerden leidet und schlecht Luft bekommt. Dabei können auch anstrengende Tätigkeiten oder Sportarten nicht mehr möglich sein, sodass die Lebensqualität des Patienten deutlich eingeschränkt wird. Weiterhin deuten häufig auch krankhafte Atemgeräusche auf das Glottisödem hin und sollten von einem Arzt untersucht werden.

In schwerwiegenden Fällen kann die Erkrankung zum Ersticken des Betroffenen führen. Viele Patienten klagen über dauerhafte Halsschmerzen und über ein Kratzen oder ein Jucken im Hals. Auch eine geschwollene Zunge deutet in der Regel auf das Glottisödem hin und muss von einem Arzt untersucht werden. In erster Linie kann sich der Betroffene an einen Allgemeinarzt oder an ein Krankenhaus wenden. Die Behandlung wird immer in einem Krankenhaus durchgeführt. In akuten Notfällen oder bei einem schwerwiegenden Zustand kann auch der Notarzt gerufen werden.

Therapie & Behandlung

Die Therapie des Glottisödems erfolgt abhängig von der Ursache. Damit die Schleimhäute möglichst schnell abschwellen, werden entzündungshemmende Glukokortikoide in hoher Dosierung eingesetzt. Zudem wird versucht, ein weiteres Anschwellen durch das Anlegen einer sogenannten Eiskrawatte zu verhindern. Eine Eiskrawatte ist ein verschließbarer Schlauch, der mit Eisstückchen gefüllt wird. Die Kälte führt zu einer Gefäßverengung und damit zu einer verminderten Durchblutung.

So tritt weniger Flüssigkeit ins Gewebe aus. Wenn das Ödem durch eine bakterielle Infektion hervorgerufen wurde, werden Antibiotika verabreicht. Bei der Epiglottitis haben sich Antibiotika der dritten und vierten Generation als besonders wirksam erwiesen. Ein allergisch bedingtes Glottisödem wird mit Antihistaminika behandelt.

Droht Erstickungsgefahr, kann eine Intubation durchgeführt werden. Hier wird ein Endotrachealtubus zwischen die Stimmlippen des Kehlkopfes in die Luftröhre geschoben. So werden die Atemwege geweitet und eine externe Beatmung ermöglicht. Möglicherweise ist auch eine Tracheotomie erforderlich. Hierbei wird sich operativ Zugang zur Luftröhre verschafft. Die Luftröhre wird zwischen dem zweiten bis vierten Trachealknorpel eröffnet.

Dabei entsteht eine Verbindung zwischen der Luftröhre und dem äußeren Luftraum. Diese wird auch als Tracheostoma bezeichnet. Die Patienten können über dieses Tracheostoma so lange künstlich beatmet werden, bis die Schleimhäute abgeschwollen sind und eine eigenständige Atmung wieder möglich ist.

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Vorbeugung

Nicht allen Glottisödemen kann vorgebeugt werden. Gegen den Erreger der Epiglottitis gibt es eine Impfung. Diese wird auch von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Das allergisch bedingte Glottisödem kann nur durch den strikten Verzicht auf bekannte Allergene vermieden werden.

Das können Sie selbst tun

Personen, in deren Umfeld diese Erkrankung auftritt, können sich gegen den Erreger impfen lassen. Ein durch Allergie auftretendes Leiden, sollte durch Einschränkung des Kontakts mit den Allergenen angegangen werden. Generell ist festzuhalten, dass bei dieser Erkrankung nur wenige Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung stehen.

Dennoch ist es möglich durch Kühlung der betroffenen Stelle eine linderung herbeizuführen. Das Eis darf allerdings die Haut nicht direkt berühren, um Kälteverbrennungen zu vermeiden. Im Falle von Allergien kann sich die Einnahme von Antihistaminika positiv auf den Verlauf auswirken. Sollte die Erkrankung zu Schluckbeschwerden führen, so sind die Patienten häufig auf die Hilfe anderer Mitmenschen bei der Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten angewiesen. Vor allem die Pflege durch die eigene Familie oder die Freunde wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Mögliche psychische Beschwerden oder Depressionen können dabei ebenso durch Gespräche mit der Familie oder mit anderen Betroffenen verhindert werden.

Aufgrund der Atembeschwerden sollte der Betroffene auf anstrengende Tätigkeiten oder auf sportliche Betätigungen verzichten und den Körper schonen. Dies sollte vor allem dann beachtet werden, wenn die Erkrankung durch eine Krebserkrankung auftritt.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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