Amöben

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Amöben gehören zu den Einzellern. Viele Amöben sind pathogen und können beim Menschen schwere Krankheiten hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Amöben?

Amöben sind, anders als häufig behauptet, keine Verwandtschaftsgruppe, sondern vielmehr eine Lebensform. Alle Amöben sind Einzeller. Ihre Körperform ist nicht fest. Sie können Scheinfüßchen, sogenannte Pseudopodien, ausbilden und dadurch ihre Körpergestalt schnell ändern. Die Lebewesen sind zwischen 0,1 und 0,8 Millimeter groß. Die meisten Amöben sind nackt und ernähren sich durch Phagozytose. Einige Amöben sind jedoch auch beschalt und können Photosynthese betreiben.

Die kleinen Einzeller sind in der Regel durchsichtig. Durch die transparente äußere Haut ist das körnige Zellinnere sichtbar. Dieses Endoplasma pulsiert und enthält viele kleine Blasen. Der Zellkern ist hingegen eher schlecht zu erkennen. Die kleinen Füßchen dienen den Amöben zur Fortbewegung und zur Nahrungsaufnahme. Sie fangen Bakterien und andere einzellige Lebewesen mit ihren Füßchen, umschließen diese innerhalb von sogenannten Nahrungsvakuolen und verdauen sie schlussendlich. Dieser Vorgang wird als Phagozytose bezeichnet. Die Fortpflanzung der Amöben geschieht auf asexuellem Weg durch Teilung.

Viele Amöben sind potenzielle Krankheitserreger für den Menschen. Die bekanntesten Erkrankungen, die durch Amöben hervorgerufen werden, sind die Amöbenruhr und die Meningoenzephalitis. Ferner enthalten viele Amöben Bakterien, die beim Menschen Infektionskrankheiten hervorrufen können. Eine solche Krankheit ist die Legionellose, die durch Legionellen verursacht wird.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Amöben sind auf der ganzen Welt verbreitet. Sie finden sich von der Antarktis bis zur Arktis und fühlen sich insbesondere in feuchten Böden sehr wohl. Viele Amöbenarten leben im Wasser. Dabei nutzen die Einzeller sowohl Süß- als auch Meerwasser als Lebensraum.

Auch die Amöbenart Entamoeba histolytica, der Erreger der Amöbenruhr, ist weltweit verbreitet. Besonders in Ländern und Gebieten mit unzureichenden hygienischen Verhältnissen finden sich die Einzeller. Menschen stecken sich über den Kontakt mit kontaminiertem Abwasser oder verschmutztem Trinkwasser an. Insbesondere nach Katastrophen und bei Mangel an reinem Trinkwasser steigt die Anzahl der Infektionen mit der Amöbenruhr an. Doch auch ungeschältes Obst und Gemüse, Eis und Eiswürfel sind in subtropischen und tropischen Gebieten wie Bangladesch, Indonesien, Thailand und Indien häufig mit Amöben verseucht. Zu beachten ist in diesem Rahmen, dass eine herkömmliche Trinkwasserentkeimung mit Chlor die Einzeller nicht abtötet. Nur Wasser, das mindestens fünf Minuten gekocht wurde, ist frei von Amöben.

Die Amöbenenzephalitis wird hingegen von anderen Amöbenarten hervorgerufen. Dazu gehören zum Beispiel Acanthamoeba, Balamuthia oder Naegleria fowleri. Diese werden unter dem Begriff freilebende Amöben oder Wasseramöben zusammengefasst. Während Ankanthamöben hauptsächlich in Schlamm, an Gewässerrändern und in Biofilmen vertreten sind, leben Balamuthia-Amöben auch in Staub und Erde. Akanthamöben besiedeln zudem häufig den Nasen-Rachen-Raum des Menschen.

Naegleria fowleri bevorzugt Süßgewässer als Lebensraum. Dabei findet sich der Erreger immer häufiger auch in gemäßigten Klimazonen. Die Amöben dringen beim Baden über das Riechepithel in den menschlichen Körper ein und gelangen dann über den Riechnerv (Nervus olfactorius) in das Zentralnervensystem und somit ins Gehirn.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Amöbenruhr zeigt sich charakteristischerweise über einen blutigen und schleimigen Durchfall. Dieser wird auch als himbeergeleeartig beschrieben. Das Absetzen der Durchfälle ist mit Bauchschmerzen und Krämpfen verbunden. Teilweise leiden die Betroffenen unter sehr hohem Fieber. Je nach Ausprägung der Infektion können 40 bis 50 Stuhlentleerungen pro Tag beobachtet werden. In dieser Phase scheiden die Patienten jedoch kaum noch Kot aus. Die Ausscheidungen bestehen zu einem großen Teil aus purem Schleim.

Für diese Symptome, die nach einer Inkubationszeit von ein bis sieben Tagen auftreten, ist eine Entzündung mit Geschwürbildung im Dickdarm verantwortlich. Durch die geschädigte Darmschleimhaut kann der Erreger Entamoeba histolytica ins Blut übertreten. Vom Blut gelangt die Amöbenart dann in die Leber und in andere innere Organe. Dort können die Einzeller das ansässige Gewebe zerstören und so eine schwere Geschwürsbildung hervorrufen. Die Folge sind innere Blutungen. Falls die Amöbenruhr nicht rechtzeitig erkannt wird, kann sie tödlich enden. Die Behandlung erfolgt mit verschiedenen Antibiotika. Bei einer rechtzeitigen Einnahme heilt die Krankheit schnell aus. Bei Abszessen in inneren Organen kann jedoch auch eine Operation erforderlich sein.

Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis betrifft überwiegend Kinder. Sie beginnt plötzlich und heftig aus voller Gesundheit heraus. Die Patienten leiden unter hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Nackenschmerzen. Auffällig ist die Nackensteife. Rasch kommt es zu Wahrnehmungsveränderungen und einer Einschränkung der Körperkontrolle. Die primäre Amöben-Meningoenzephalitis endet innerhalb einer Woche tödlich. Bisher gibt es nur wenige Patienten, die die Erkrankung bei einer frühzeitigen Therapie überlebt haben.

Die granulomatöse Amobenenzephalitis tritt fast nur bei Patienten mit Immundefiziten auf. So findet sich die Erkrankung beispielsweise häufiger bei AIDS-Patienten. Eine Ausnahme bildet der Erreger Balamuthia mandrillaris. Er infiziert auch Menschen mit einem gesunden Immunsystem. Die granulomatöse Form der Amöbenruhr beginnt schleichend mit Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und leichter Nackensteife. Die Patienten werden lethargisch, klagen über Gedächtnisstörungen und sind in ihrem Bewusstsein getrübt. Später entwickeln sie Symptome wie Krampfanfälle und halbseitige Lähmungen oder fallen ins Koma.

Die granulomatöse Amöbenenzephalitis verläuft über wenige Tage bis hin zu mehreren Monaten und endet, ebenso wie die primäre Amöben-Meningoenzephalitis, meist tödlich. Einige Patienten konnten jedoch mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Die Behandlung muss über mehrere Jahre erfolgen.

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