Zerebrotendinöse Xanthomatose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Zerebrotendinöse Xanthomatose

Bei der Zerebrotendinösen Xanthomatose handelt es sich um eine sehr selten vorkommende Stoffwechselerkrankung, die in der Regel auf autosomal-rezessivem Weg vererbt wird. Die Erkrankung wird in einigen Fällen lediglich mit der Abkürzung CTX bezeichnet. Die Zerebrotendinöse Xanthomatose zählt zur Kategorie der sogenannten Leukodystrophien. Die Krankheit wurde im Jahr 1937 zum ersten Mal von Epstein, van Bogaert und Scherer beschrieben. Aus diesem Grund wird die Krankheit mitunter auch Van-Bogaert-Scherer-Epstein-Syndrom genannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zerebrotendinösen Xanthomatose?

Die Zerebrotendinöse Xanthomatose stellt eine seltene Lipidspeicherkrankheit dar. Bei der Krankheit liegt eine Anomalie bei der Bildung der Gallensäuren vor. Aus diesem Grund geht die Zerebrotendinöse Xanthomatose in den meisten Fällen zum Beispiel mit einer neonatalen Cholestase und einer Katarakt einher, die sich bereits im Kindesalter entwickelt.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt es im Rahmen der Erkrankung zu tendinösen Xanthomen oder Xanthomen im Gehirn. Im Erwachsenenalter stellen sich Störungen der neurologischen Funktionen ein. Weltweit wurden bereits über 300 Fälle von Zerebrotendinöser Xanthomatose beschrieben.

Bei aus Europa stammenden Personen wird die Häufigkeit auf circa 1:50.000 geschätzt. Da die Vererbung der Erkrankung autosomal-rezessiv erfolgt, empfiehlt sich in den entsprechenden Familien eine genetische Beratung.

Ursachen

Die potenziellen Ursachen für die Entstehung einer Zerebrotendinösen Xanthomatose sind vielfältig. Grundsätzlich handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit, die durch einen Mangel an dem Enzym Sterol-27-Hydroxylase gekennzeichnet ist. Dieses spezielle Enzym spielt eine wesentliche Rolle bei der Bildung von Gallensäuren.

Durch den Mangel sammelt sich der Stoff 5β-Cholestan-3α, 7α, 12α-triol in der Leber an. Es erfolgt eine Hydroxylase der Substanz zu Gallenalkoholen. Darüber hinaus bildet sich Cholestanol, das eine hydrierte Art von Cholesterin darstellt. Der Stoff sammelt sich in zahlreichen Gewebearten und insbesondere im Nervensystem.

Prinzipiell entsteht die Zerebrotendinöse Xanthomatose durch eine Mutation auf dem Sterol-27-Hydroxylase-Gen. Die Vererbung erfolgt hierbei autosomal-rezessiv. Dieses Gen ist unabdingbar für den Stoffwechsel der Galle, weshalb Fehler auf dem Gen zu Funktionsstörungen führen.

In der Folge reichern sich Stoffwechselprodukte der Gallensäuresynthese im Gewebe und Plasma des Organismus an. Zudem werden verstärkt Gallenalkohole über den Urin ausgeschieden. Außerdem erfolgt eine Ablagerung der Stoffe Cholestanol und Cholesterin in Verbindung mit degenerativen Vorgängen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im Rahmen der Zerebrotendinösen Xanthomatose zeigen sich zahlreiche verschiedene Symptome und Beschwerden bei den betroffenen Patienten. Die Anzeichen der Erkrankung variieren individuell je nach Einzelfall, Ausprägung und Schweregrad. Als erstes klinisches Symptom zeigt sich in der Regel eine Cholestase oder ein chronischer Durchfall, der bereits bei Säuglingen auftritt.

Darüber hinaus bildet sich mitunter ein Grauer Star. Andere Symptome zeigen sich in vielen Fällen erst im Zeitraum vom 20. und 40. Lebensjahr. Dabei kommt es häufig zu neurologischen Auffälligkeiten, die zum Beispiel mit motorischen Funktionsstörungen einhergehen. Auch sind diverse Arten von Verhaltensauffälligkeiten sowie Demenz und Ataxie möglich.

Teilweise bilden sich Xanthome im Bereich der Achillessehne, wobei auch andere Sehnen betroffen sein können, etwa an Händen oder Ellenbogen. Diese Xanthome bilden sich, da verstärkt Plasmalipoproteine gespeichert werden. Auch zeigt sich bei einigen Patienten im Säuglingsalter bereits eine Störung der Leberfunktion.

Ein Teil der betroffenen Personen weist schon im Kindesalter intellektuelle Einschränkungen auf. Allerdings ist die Intelligenz beim überwiegenden Teil der Fälle bis zur Phase der Pubertät normal oder leicht unterdurchschnittlich. Jedoch zeigen sich im Erwachsenenalter zunehmend neurologische Funktionsstörungen. Dabei sind psychiatrische Auffälligkeiten, Neuropathie oder Krampfanfälle möglich.

Bei über der Hälfte der betroffenen Patienten bildet sich zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr eine Demenz. Auch zeigen sich mitunter diverse neuropsychiatrische Symptome, zum Beispiel Halluzinationen, Aggressionen und Depressionen bis hin zur Suizidalität. Es bilden sich sogenannte Pyramidenzeichen oder eine zerebelläre Ataxie. Zudem tritt in einigen Fällen eine periphere Neuropathie auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Hinblick auf die Diagnose der Zerebrotendinösen Xanthomatose stehen diverse untersuchungstechnische Maßnahmen zur Auswahl. Der behandelnde Arzt wägt deren Einsatz nach Betrachtung des Einzelfalls ab. Da Gallenalkohole als Glukuronide über die Niere ausgeschieden werden, ist ein laborchemischer Nachweis im Urin möglich. Das Cholestanol lässt sich im Plasma nachweisen.

Ausschlaggebend für die Stellung der Diagnose ist ein erhöhter Spiegel von Cholestanol im Plasma. Die Konzentration ist dabei um das fünf- bis zehnfache über den Normalwert erhöht. Die Diagnose der Zerebrotendinösen Xanthomatose lässt sich jedoch erst dann mit Sicherheit stellen, wenn eine CYP27A1-Mutation molekulargenetisch festgestellt wurde.

Bei Säuglingen und kleinen Kindern gibt die Urinanalyse bereits wichtige Hinweise auf eine mögliche Zerebrotendinöse Xanthomatose. Im Rahmen der Differentialdiagnostik sind anderweitige Gründe für die Entstehung von Xanthomen abzuklären, zum Beispiel Hyperlipidämie oder Sitosterolämie. Darüber hinaus ist auch eine pränatale Diagnose über das embryonale Gewebe möglich.

Behandlung & Therapie

Zur Therapie der Zerebrotendinösen Xanthomatose kommt die Gabe von Chenodesoxycholsäure in Frage, da diese den betroffenen Personen komplett fehlt. Durch die Einnahme dieser Säure normalisiert sich die Konzentration des Cholestanols. Auch ist eine Verabreichung von HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren möglich. Eine adäquate Therapie verbessert die neurologischen Symptome meist deutlich.




Vorbeugung

Wirksame Maßnahmen zur Prävention der Zerebrotendinösen Xanthomatose sind derzeit noch nicht bekannt, da der Erkrankung überwiegend genetische Ursachen zugrunde liegen.

Bücher über den Stoffwechsel

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Zerebrotendinöse Xanthomatose?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: