Vergenzbewegungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. März 2017
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Die Divergenz zählt zu den Vergenzbewegungen der Augen und entspricht einer disjungierten Bewegung, die die Fixation von Objekten in der Ferne ermöglicht. Die gegenteilige Augenbewegung ist die Konvergenz, die zur Fixation von Objekten in nächster Nähe dient. Auch sie ist eine Vergenzbewegung. Divergenzstörungen können auf neurologische Schäden verweisen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Vergenzbewegungen?

Das menschliche Auge ist äußerst beweglich, um gezielt visuelle Reize aus verschiedenen Richtungen erfassen zu können. Fünf Augenbewegungsmuster bilden die Hauptklassen der Augenbewegung. Zu diesen Bewegungsmustern zählen neben der Fixation, der Folgebewegung und den Sakkaden die Vergenzbewegungen.

Diese Augenbewegungen entsprechen einer disjugierten Bewegung der Augen. Dabei handelt es sich um gegensinnige Augenbewegungen, wie sie bei Drehbewegungen um die parallele Ache bei entgegengesetzter Drehrichtung vorliegen. Von der Divergenz ist die sogenannte Konvergenz zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um die entgegengesetzte Augenbewegung, bei der durch die Bewegung aus Parallelstellung heraus beide Gesichtslinien der Augen zum Überschneiden gebracht werden. Die Konvergenz entspricht einer beidseitigen Adduktion. Die Divergenz findet demgegenüber aus beidseitiger Abduktion heraus statt und bringt die Gesichtslinien hinter den beiden Augen zur Überschneidung.

Von der sogenannten positiven Vertikaldivergenz ist immer dann die Rede, wenn die Blicklinie am rechten Auge verglichen mit der am linken Auge eine Abweichung nach oben zeigt. Negative Vertikaldivergenz liegt vor, wenn die linke Blicklinie verglichen mit der rechten nach oben abweicht. Konvergenz und Divergenz werden gemeinsam als Vergenzbewegungen bezeichnet.

Funktion & Aufgabe

Die Vergenzbewegungen der Augen entsprechen langsamen Bewegungen, die in Relativität zueinander stattfinden. Bei einem Schnittpunkt der linken und rechten Blicklinie direkt vor den Augen ist von Konvergenz die Rede. Liegt der Schnittpunkt hinter den Augen, spricht der Mediziner von Divergenz.

Divergenzbewegungen der Augen spielen vor allem im Zusammenhang mit der Fixation eine Rolle. Als solche bezeichnet die Medizin die Gerichtetheit des Blickes auf ein bestimmtes Objekts oder Subjekt der Umgebung, das mithilfe der höchstauflösenden Netzhautstelle stattfindet. Die Gerade zwischen diesem Netzhautpunkt und dem betrachteten Objekt wird wiederum als Gesichtsfeldlinie bezeichnet.

Divergenz- und Konvergenzbewegungen ermöglichen eine Verlagerung des fixierten Punkts in der Tiefe. Wenn sich ein Objekt in der Tiefe bewegt, gewährleisten diese Augenbewegungen außerdem eine Aufrechterhaltung der gezielten Fixation. Alle Vergenzbewegungen beruhen auf einem beidseitigen Bewegungsimpuls um die jeweilige Achse. Während der Bewegungsimpuls der Konvergenz zur Nase hin stattfindet und damit einer Adduktion entspricht, findet der der Divergenz zur Stirn hin statt und entspricht damit einer beidseitigen Abduktionsbewegung.

Die Divergenz zählt zu den Vergenzbewegungen der Augen und entspricht einer disjungierten Bewegung, die die Fixation von Objekten in der Ferne ermöglicht.

Die Bewegungsformen der Vergenz sind bei der gezielten Betrachtung oder der Fixation von Objekten und Subjekten in der unmittelbaren Nähe und der weiten Entfernung zum Betrachter unersetzlich. Wenn sie nicht zureichend funktionieren, können Doppelbildwahrnehmungen entstehen.

Konvergenzbewegungen zählen zu einem Regelkreis der Neurophysiologie, der aus einem Mechanismus von Naheinstellung im Sinne der Akkommodation und Pupillenverengung im Sinne einer Miosis besteht. Zusammen mit den Konvergenzbewegungen der Augen werden diese Mechanismen als Trias der Naheinstellung bezeichnet. Divergenzen zählen dagegen zur Trias der Ferneinstellung. Wenn der Betrachter ein Objekt oder Subjekt in der Ferne fixiert und damit beobachtet, divergieren seine Blickachsen durch die Divergenzbewegung. Alle Vergenzen sind auch als disjugierte, disjunktive oder gegensinnige Augenbewegungen bekannt und gliedern sich weiter in akkommodative Vergenzen zur Anpassung und fusionale Vergenzen auf.

Die Art der Augenbewegungen gibt vor, welche Regelgrößen die Netzhaut fühlt. Kennzeichen für alle Vergenzen ist eine Veränderung des Winkels an den Augenblickachsen. Insgesamt sind sechs Muskeln an der Bewegung der Augäpfel beteiligt. Neben dem Musculus rectus lateralis, dem Musculus rectus medialis und dem Musculus rectus superior zählen der Musculus rectus inferior, der Musculus obliquus inferior und der Musculus obliquus superior dazu. Letzterer verschiebt sich bei Vergenzen der Sehachse und ermöglicht eine willkürliche Objektverfolgung. Bewegungsbeteiligte Nerven sind der Nervus abducens, der Nervus oculomotorius und der Nervus trochlearis.

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Krankheiten & Beschwerden

Konvergenz- und Divergenzbewegungen werden von verschiedenen Bereichen im Großhirn und Hirnstamm gesteuert, die den okulomotorischen Kernen von drei okulomotorischen Hirnnerven vorgeschalten sind. Bei unterschiedlichen Objektentfernungen ist die Orientierung der Sehachsen an den beiden Augen bei Störungen von Divergenz und Konvergenz nicht mehr veränderbar. Die Sehachsen am anfixierten Objekt schneidet sich also nicht mehr.

Eine Schädigung des rostralen Mittelhirns kann die Steuerung der Vergenzbewegungen stören. Störungen der Divergenz treten in Form von Divergenzparesen und damit in der Regel nicht isoliert auf, sondern sind meist mit weiteren Blickparesen vergesellschaftet. Eine Divergenzstörung hat als wichtigstes Leitsymptom eine horizontale Art von Doppelbildern zur Folge, die insbesondere beim Blick in die Ferne auftreten. Je näher sich das Objekt aus der Ferne an die Augen des Patienten annähert, desto weniger Abstand liegt zwischen den beiden Doppelbildern. Eine Divergenzparese kann im Rahmen von Durchblutungsstörungen oder Blutungen eintreten.

Auch neurologische Traumata oder Erkrankungen kommen als primäre Ursache infrage. Eine der häufigsten Primärursachen für gestörte Divergenzen ist die Multiple Sklerose. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem der Patienten zentrales Nervengewebe an und ruft darin Entzündungen hervor. Neben MS und einem Schlaganfall oder zentralnervösen Tumoren kann auch ein Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnerschütterung) Divergenzstörungen hervorrufen. Aufgrund dieser Zusammenhänge reicht eine augenärztliche Untersuchung zur Abklärung einer Divergenzstörung in der Regel nicht aus. Zumindest eine neurologische Untersuchung sollte zusätzlich zur Ursachenklärung stattfinden.

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