Adduktion

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Mit Adduktion werden Bewegungen eines Körperteils bezeichnet, die zur Körpermitte gerichtet sind (Anspreizen). Die Adduktion existiert an 4 Gelenken des menschlichen Körpers: im Hüftgelenk, im Schultergelenk, in den Fingergrundgelenken und im Daumensattelgelenk.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Adduktion?

Der Begriff ist in der beschreibenden Anatomie anhand des Ebenen-Achsen-Systems definiert. Dort werden Bewegungen ausgehend von der sogenannten Nullstellung festgelegt. Diese ist für alle Gelenke durch die Position im aufrechten Stand mit hängenden Armen definiert.

Grundlegend beschreibt die Adduktion das Heranbewegen von Körperteilen an den Körper, beispielsweise das Anlegen eines zuvor abgespreizten Armes.

Funktion & Aufgabe

Die Adduktionsbewegung hat bei Ärzten oder Physiotherapeuten eine analytische Bedeutung. Dadurch dass die Bewegung mit der Amplitude definiert ist, kann bei Bewegungsstörungen getestet und dokumentiert werden, ob eine Einschränkung der Funktion vorliegt. Auf diese Art und Weise werden Kraft und Beweglichkeit untersucht. Die Tests werden in regelmäßigen Abständen wiederholt, um zu kontrollieren, ob ärztliche oder andere Therapien eine Verbesserung erbracht haben oder nicht. Je nach Ergebnis muss das weitere Vorgehen modifiziert werden.

Am bekanntesten sind die Adduktoren des Oberschenkels, die das Bein über das Hüftgelenk nach innen ziehen. Dies sind fünf Muskeln, die alle vom Schambein kommen, sich über das Hüftgelenk ziehen und an der Innenseite des Oberschenkelknochens beziehungsweise an der Innenseite des Schienbeins ansetzen.

Grundlegend beschreibt die Adduktion das Heranbewegen von Körperteilen an den Körper.

Neben der Adduktion sind diese Muskeln auch an anderen Bewegungen beteiligt. Vor allem an der Beugung und der Außenrotation. Diese Kombination der drei Bewegungstypen wird häufig im Alltag und im Sport benutzt. Beim Gehen und Laufen in der Schwungbeinphase und zum Beispiel beim Fußball beim Spielen des Balles mit der Innenseite des Fußes.

Im Schultergelenk sind die kräftigsten Adduktoren der große Brustmuskel (Musculus pectoralis major) und der breite Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi). Wie im Hüftgelenk kombinieren sie die Adduktion mit anderen Bewegungen für funktionelle Bewegungsabläufe. Der Pectoralis zieht den Arm aus einer gehobenen Stellung nach vorne unten, eine Aktivität, die bei vielen Wurfbewegungen und anderen sportlichen Tätigkeiten vorkommt. Beim Volleyball zum Beispiel beim Schmettern, beim Handball beim Wurf und beim Schwimmen besonders beim Schmetterling in der ersten Bewegungsphase nach dem Eintauchen. Der Latissimus zieht den Arm eher nach hinten unten, was zum Beispiel bei Klimmzügen und bei allen Schwimmstilen vorkommt.

Die Adduktoren der Finger liegen an der Innnenseite der Finger und ziehen in einer reinen Adduktionsbewegung die Finger 2,4 und 5 in Richtung Mittelfinger. Diese Funktion tritt immer dann auf, wenn wir etwas greifen.

Die Daumenadduktion ist eigentlich eine Bewegung, die funktionell nicht vorkommt. Der ausführende Muskel, der Musculus adductor pollicis, ist an Kombinationsbewegungen beteiligt, die den Daumen zu den anderen Fingern bringen, zum Beispiel beim Greifen mit den Fingerspitzen oder der ganzen Hand.

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Krankheiten & Beschwerden

Die häufigste Funktionsstörung der Adduktion betrifft eine Verletzung im Muskel, sehr oft an den Adduktoren der Hüfte. Adduktorenzerrungen oder Muskelfaserrisse in diesem Bereich kommen sehr häufig im Sport vor. Zerrung, Muskelfaserriss oder Muskelriss unterscheiden sich nur durch ihren Schweregrad. Dementsprechend sind die auftretenden Beschwerden zwar ähnlich, aber von unterschiedlicher Intensität, wodurch die Heilungsphase zeitlich different ist. Diese Verletzungen gehen immer mit Schmerzen und einem Funktionsverlust einher. Der Körper schaltet auf Schonung, um den Verletzungsherd nicht noch mehr zu reizen. Für die Betroffenen folgt eine mehr oder weniger lange Ruhephase im betroffenen Bereich, mit anschließender Therapie und langsamem Belastungsaufbau.

Wie bei anderen Muskeln, können auch die Adduktoren von einer Reizung im Bereich der Ansatzsehnen betroffen sein (Insertionstendopathie). Diese Form der Irritation ist ein typisches Überlastungssyndrom und befällt häufiger zwei- oder mehrgelenkige Muskel; im Hüftgelenk den Musculus gracilis, der sich über das Kniegelenk zieht und im Schultergelenk die beiden bereits benannten. Die Folge sind Schmerzen bei der Anspannung der betroffenen Muskeln und ihrer Dehnung. Die Therapie ist ähnlich wie bei Zerrungen, allerdings sollte immer auch nach der Ursache der Überlastung geforscht werden, um diese nachhaltig minimieren zu können. Auch die Ursprungssehnen der Hüftadduktoren zeigen häufiger Entzündungsreaktionen dieser Art auf. Auf Grund der Lokalisation spricht man in dem Fall von einer Schambeinentzündung.

Wie alle anderen Bewegungen ist auch die Adduktion betroffen, wenn in dem zugehörigen Gelenk eine Arthrose vorliegt. Bei dieser Verschleißerkrankung kommt es schleichend zu Gelenkschmerzen, zu einem Kraftverlust und zu Bewegungseinschränkungen. Die Minderung der Kraft und der Beweglichkeit betreffen zunächst eher die Bewegungen, die bei alltäglichen Beanspruchungen gegen die Schwerkraft ausgeführt werden. Daher ist die Adduktion erst in einem fortgeschrittenen Stadium betroffen. Für die erkrankten Menschen hat das im Hüftgelenk vor allem Konsequenzen für das Gehen. Im Schultergelenk sind alle Bewegungen die mit Gewichtsbelastung in Richtung der Körpermitte ausgeführt werden, wie Essen und Trinken, betroffen.

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