Augenfolgebewegung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Die Augenbewegung dient allen Aspekten des Sehens und wird teilweise auch durch Reflexe gesteuert, die durch Eigenbewegung ausgelöst werden und z. B. ein Objekt erfassen und verfolgen. Das Bild wird dabei im Zentrum des Gelben Flecks, also in der Fovea, platziert und gehalten. Sobald sich ein Objekt bewegt, werden Folgebewegungen des Auges ausgelöst, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen und durch schnelle und ruckartige Bewegungen, Sakkaden genannt, unterbrochen werden. Augenfolgebewegungen sind wichtige Bedingungen für ein optimales Sehen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Augenfolgebewegungen?

Bei einer Bewegung entsteht die Notwendigkeit, die Augen mit dem anvisierten Ziel mitzubewegen, damit das eigentliche Bild weiterhin in der Fovea gehalten werden kann. Die Geschwindigkeit der Augenbewegung muss sich also an die Geschwindigkeit des anvisierten und bewegten Objekts anpassen.

Das Bewegungsmuster der Augen setzt sich aus drei verschiedenen Funktionen zusammen, wenn ein Ziel oder Objekt anvisiert wird. Zum einen, und mit Informationsübertragung an das Zentralnervensystem, findet Fixation statt, eine Haltefunktion des aktuellen Objekts oder Ziels, wobei die Augen auf dieses so lange ausgerichtet bleiben, bis die Signale und Informationen erfasst und übertragen wurden. Zum anderen wird ein Objekt durch Blicksprünge bemerkt, wobei die Augenbewegungen von einem Punkt zum nächsten, durch Muskelbewegung, ruckartig springen und so z. B. der Orientierung im Raum oder dem Erfassen von einzelnen Buchstaben beim Lesen eines Textes dienen. Als dritte Komponente gibt es die Augenfolgebewegungen, eine Fähigkeit, bewegte Ziele und Objekte durch eine gleitende Augenbewegung zu verfolgen. Ist diese unterbrochen oder findet sie gar nicht mehr statt, liegt u. a. eine Störung in der Koordination beider Augen vor und es kann zu asthenopischen Beschwerden kommen, die durch eine Überanstrengung des Seh-Apparats hervorgerufen werden.

Funktion & Aufgabe

Die Augenfolgebewegung dient in erster Linie dazu, den Blick auf ein bewegtes Objekt zu stabilisieren. Zunächst sind die Augen dabei noch stationär und die Bildverschiebung über die Retina (Netzhaut) ist nicht kompensiert. Erst nach etwa 100 Millisekunden setzt die Bewegung der Augen ein und löst nicht wahrnehmbare Verzögerungen aus, die aufgrund der visuellen Verarbeitung erfolgen. Durch Augenfolgebewegungen wird die Bildverschiebung minimiert und das Eingangssignal erfasst.

Während durch Sakkaden Objekte innerhalb von Millisekunden kurzzeitig wahrgenommen werden, ohne sie direkt zu erfassen, ist die Augenfolgebewegung eher gleitend und an das wahrgenommene Objekt gebunden. In vollkommener Dunkelheit oder ohne ein anvisiertes Ziel können Augenfolgebewegungen nicht stattfinden. Vielmehr würde hier der Blick erneut durch Sakkaden von einem Punkt zum anderen springen. Eine Augenfolgebewegung kompensiert dagegen ein sich bewegendes Objekt als Fixpunkt. Dazu gehören auch die Sinnesmodalitäten und die Imaginationsfähigkeit des Betrachters. Auch beim Lesen spielt die Augenfolgebewegung eine entscheidende Rolle, um der Buchstaben als Reihe und schließlich als Wort und Satz zu erfassen.

Augenfolgebewegungen sind wichtige Bedingungen für ein optimales Sehen.

Das Bild oder Objekt wird in der Fovea immer wieder neu platziert. Dieser Vorgang funktioniert ähnlich wie ein einfacher Regelkreis, wobei auf der Retina eine Bildverschiebung stattfindet, die der Mensch selbst nicht mitbekommt. Während der Objektverfolgung wird die retinale Afferenz durch ein Signal korrigiert, das bestimmt, wie viele Augenbewegungen zur Bildverschiebung notwendig sind. Das führt zum Sehen einer illusionären Bewegung während der Augenfolgebewegungen, bis das Bild stabilisiert ist. Dennoch wird eine Bewegung und Veränderung des Objekts wahrgenommen, ebenso die Hintergrundbewegung selbst.

Der Mensch ist demnach in der Lage, bewegte Ziele ohne Verzögerung zu erfassen und das Objekt im Auge zu behalten. Dabei wird keine tatsächliche retinale Bildbewegung wahrgenommen, der visuelle Hintergrund wird über die Retina verschoben, wobei die Geschwindigkeit an die Augenbewegung angepasst ist.

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Krankheiten & Beschwerden

In früheren Untersuchungen fokussierte die Medizin ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf den mechanischen Aspekt der Augenfolgebewegung. Mittlerweile wird diese allerdings auch in Hinblick auf die Wahrnehmung und damit einhergehend auf die Verarbeitung visueller Reize und Informationen getestet. Das gibt besonders darüber Aufschluss, ob das Kleinhirn funktioniert und wie das visuelle Kurzzeitgedächtnis arbeitet. Eine Prüfung der Augenfolgebewegung gibt z. B. einige Hinweise auf zentrale vestibuläre Schädigungen, wenn die Blickbewegung komplett oder auch nur zum Teil gestört ist.

Störungen bei der Augenfolgebewegung treten auch dann auf, wenn Schädigungen am Kleinhirn vorhanden sind. Dann verliert sich die motorische Fähigkeit der Augenfolgebewegung meistens komplett. Ist diese beeinträchtigt, kann es sich u.a. um einen Hinweis auf verschiedene Erkrankungen handeln, darunter auch Schizophrenie. Gerade bei diesem Krankheitsbild ist der Ausdruck und Verlauf äußerst vielseitig, so dass in der Medizin nach bestimmten, charakterlichen Grundsymptomen gesucht wird, um eine bessere Diagnose stellen zu können. Dazu gehört auch das Augenfolgeverhalten, da es einfach zu registrieren und analysieren ist.

Das Blickfolgesystem erfolgt über Assoziationsfelder, die wiederum über die Schaltzentrale des Hirnstamms und über Groß- und Kleinhirn gesteuert werden. Dadurch ist es möglich, funktionelle oder strukturelle Schädigungen einzugrenzen, die aufgrund eines bestimmten Störungsmusters Rückschlüsse auf die gesamte Topografie zulassen, somit auch eine Hirnstammdiagnostik ermöglichen, die wiederum eine schizophrene Erkrankung aufzeigen kann.

Neben gestörten motorischen Funktionen sind bei Schizophrenie meistens auch die Augenfolgebewegungen gestört. Es kommt zu einem Starren ohne Inhalt oder häufigen Blinzeln. Daneben ist die sakkadische Reaktionszeit stark verlängert, was wiederum mit sich bringt, dass das Blickziel nicht getroffen, unter- bzw. überschätzt wird und häufige Korrektursakkaden stattfinden.

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