Paukenerguss

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
Startseite » Krankheiten » Paukenerguss

Mit Paukenerguss wird eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr im Bereich des Trommelfells bezeichnet. Die Konsistenz der Flüssigkeit reicht von serös (wässrig) bis schleimig oder sogar eitrig. Der Paukenerguss wird meist durch eine verstopfte Eustachi-Röhre verursacht. Diese führt zu einem leichten Unterdruck im Mittelohr, so dass Gewebsflüssigkeit austritt und sich in der Paukenhöhle unterhalb der Gehörknöchelchen ansammelt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Paukenerguss?

Das Mittelohr wird nach außen vom Trommelfell und nach innen von der Hörschnecke (Cochlea) begrenzt. Im Mittelohr befinden sich im oberen Bereich die Gehörknöchelchen, die die Schwingungen des Trommelfells über das ovale Fenster auf die Cochlea im Innenohr übertragen. Im unteren Bereich erweitert sich das Mittelohr auf Höhe des Trommelfells zur Paukenhöhle, die in die Eustachi-Röhre mündet.

Im Normalfall ist das Mittelohr mit Luft gefüllt, und die Eustachi-Röhre sorgt mit ihrer Verbindung zum Nasen-Rachenraum für den nötigen Druckausgleich, so dass im Außen- und Mittelohr der gleiche Luftdruck herrscht. Falls die Eustachi-Röhre aufgrund einer Erkältung oder anderer Ursachen blockiert ist, kann es zu einem leichten Unterdruck in der Paukenhöhle kommen, der den Austritt von Gewebsflüssigkeit begünstigt, das sich in der Paukenhöhle ansammelt und als Paukenerguss bezeichnet wird.

Da es sich zu Beginn meistens um eine serumähnliche Flüssigkeit handelt, ist die Konsistenz anfangs meist wässrig. Bei länger anhaltendem oder chronischem Verlauf kann sich die Konsistenz deutlich verändern. Die Flüssigkeit wird schleimig und zähe, kann auch Blut enthalten und sich im Falle von bakteriellen Infektionen mit Eiter mischen.

Ursachen

Funktionsstörungen der Eustachi-Röhre führen zu mangelndem Druckausgleich zwischen Mittel- und Außenohr. Häufig entsteht dadurch im Mittelohr ein leichter Unterdruck, der die Absonderung von Gewebsflüssigkeit durch das Schleimhautepithel des Mittelohrs begünstigt. Die Flüssigkeit sammelt sich dann im unteren Teil der Paukenhöhle als Paukenerguss an. Falls die Blockade der Eustachi-Röhre anhält, verändert sich die Konsistenz und Zusammensetzung des Paukenergusses in Richtung schleimig, zähflüssig.

Wegen der fehlenden Durchlüftung der Paukenhöhle stellen sich häufig bakterielle Infektionen ein, die zu einer Mittelohrentzündung führen und das Problem verstärken. Bei Kindern, die zu Mittelohrentzündungen neigen, können auch bakterielle Infektionen den Paukenerguss verursachen und nicht umgekehrt. Eine Blockade der Eustachi-Röhre und der damit verbundenen mangelnden Durchlüftung der Paukenhöhle kann viele Ursachen haben.

Am häufigsten wird die Blockade durch Schnupfen, Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Nasenpolypen oder vergrößerten Gaumenmandeln ausgelöst. Auch bei Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) und bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kann es zu Funktionseinschränkungen der Eustachi-Röhre kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein beginnender Paukenerguss ist meist symptomlos, so dass er in den wenigsten Fällen entdeckt wird. Bei stärkerem Verlauf stellt sich eine Beeinträchtigung des Hörvermögens in Form einer Schallleitungsminderung ein. Nicht selten treten auch Schwindelgefühle auf. Hinzu kommt in der Regel ein unangenehmes Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr.

Schmerzen stellen sich meist erst bei Auftreten einer Mittelohrentzündung ein, die bei starker Ausprägung des Paukenergusses zu einem Durchbruch des Trommelfells führen kann. Bei einem Trommelfelldurchbruch kann sich ein Teil der Flüssigkeit in den äußeren Gehörgang ergießen und sichtbar aus dem Ohr nach außen abfließen. Bei chronischem Verlauf des Paukenergusses über mehr als drei Monate, wird die Schleimhaut des Mittelohrs dazu angeregt, ein Zylinderepithel mit sogenannten Becherzellen zu entwickeln. Die Becherzellen sind in das Epithel integriert und produzieren Schleim.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein häufig zur Anwendung kommendes und einfach zu handhabendes Diagnoseverfahren ist die Ohrspiegelung (Otoskopie). Eine Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle kann dann meist durch das Trommelfell erkannt werden, weil das Trommelfell als dünne Haut semitransparent ist und Flüssigkeitsansammlungen auf der anderen Seite ein wenig durchscheinen.

Wenn der Paukenerguss beispielsweise auch Blut enthält, schimmert das Trommelfell leicht bläulich. Eine weitere Diagnosemöglichkeit besteht in der Tympanometrie mit deren Hilfe die Beweglichkeit und Elastizität des Trommelfells gemessen wird. Inwieweit durch den Paukenerguss eine vorübergehende oder permanente Hörminderung eingetreten ist, kann mittels Audiometrie festgestellt werden.

Komplikationen

Von Komplikationen bei einem Paukenerguss sind in erster Linie Kinder betroffen. Zwar heilt ein akuter Erguss in den meisten Fällen von selbst wieder ab, doch droht die Gefahr von unangenehmen Folgeerscheinungen, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig bemerkt und entsprechend behandelt wird.

Zu den häufigsten negativen Auswirkungen des Paukenergusses zählt die Schwerhörigkeit. Sie gilt als besonders problematisch, weil sie von den betroffenen Kindern oft gar nicht bemerkt wird. Dies kann wiederum Störungen in der Entwicklung des Kindes zur Folge haben. Mitunter werden die Betroffenen sogar fälschlicherweise als geistig zurückgeblieben eingestuft.

Um Hörschäden durch einen Paukenerguss zu verhindern, empfiehlt sich das Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen. Besteht der Verdacht, dass das Kind schwer hört, sollte eine Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt erfolgen. Nimmt der Paukenerguss einen chronischen Verlauf, sind weitere Komplikationen möglich. So treten häufig Vernarbungen der Mittelohrschleimhaut oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media) auf.

Außerdem besteht durch den Erguss das Risiko von Beeinträchtigungen der Gehörknöchelchen. Werden diese sogar zerstört, ist ihr Ersatz durch ein Implantat nötig. Des Weiteren können sich Cholesteatome bilden, deren Entfernung operativ stattfinden muss.

Manche Patienten leiden zudem unter schwerwiegenden Auswirkungen eines Paukenergusses wie eine Mastoiditis (Warzenfortsatzentzündung) oder eine Meningitis (Hirnhautentzündung). Auch bei Erwachsenen können sich die Folgeerscheinungen eines Paukenergusses bemerkbar machen. Dabei handelt es sich zumeist um Beschwerden wie Schwindel, Druckgefühle und Kopfschmerzen.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Paukenergusses hängt von den verursachenden Faktoren ab. In der Regel sind Krankheiten, die einen Paukenerguss verursacht haben, gut therapierbar. Falls die Flüssigkeitsansammlung früh genug diagnostiziert wurde, reicht es in der Regel aus, für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Eustachi-Röhre zu sorgen. Wenn der Druckausgleich wieder funktioniert, besteht eine gute Chance, dass sich der Paukenerguss selbständig wieder zurückbildet und dass sich das Hörvermögen wieder regeneriert, vorausgesetzt, das Trommelfell wurde nicht beschädigt.

In einfachen Fällen reichen Nasensprays zum Abschwellen der Nasenschleimhaut und Inhalationen aus. In hartnäckigeren Fällen werden Medikamente zur Verflüssigung des Paukenergusses und eventuell Antibiotika zur Behandlung der bakteriellen Infektion gegeben. In schweren Fällen kann eine Parazentese, ein Schnitt in das Trommelfell, angezeigt sein, um das Sekret absaugen zu können.

Der Schnitt in das Trommelfell kann so angelegt sein, dass es wieder zusammenwächst, ohne bleibende Hörschäden zu hinterlassen. In wenigen Fällen, in denen der Druckausgleich durch die Eustachi-Röhre nicht herstellbar ist, wird ein sogenanntes Paukenröhrchen eingesetzt, das für den permanenten Druckausgleich zwischen Mittelohr und Außendruck sorgt. Das Paukenröhrchen verbleibt für maximal zwölf Monate im Ohr und wird dann wieder entfernt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die Ausbildung eines Paukenergusses bestehen vor allem darin, für einen funktionierenden Druckausgleich durch die Eustachi-Röhre zu sorgen. Vor allem bei Erkältungen sollte darauf geachtet werden, dass baldmöglichst wieder ein Druckausgleich hergestellt werden kann.

Bücher über Mittelohrentzündung

Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: