Osteonekrose

Letzte Aktualisierung am 13. Mai 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Osteonekrose bezeichnet das Absterben (Nekrose) von Knochen oder Knochenabschnitten durch einen Infarkt des Knochens. Knochennekrosen können in jedem Lebensalter auftreten. Die Prognose einer Osteonekrose reicht je nach Lage der Störung von vollständiger Ausheilung bis zur völligen Zerstörung der jeweiligen Knochen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Osteonekrose?

Eine Osteonekrose zeichnet sich durch starke Schmerzen an der betreffenden Stelle aus. Man unterscheidet drei Formen der Osteonekrose.

Darunter zählen die aseptischen, die septischen und die posttraumatischen Formen. Während die septische Osteonekrose durch einen Infekt ausgelöst wird, ist die aseptische Form ein Sammelbegriff für alle nicht durch eine Infektion bedingte Nekrose des Knochens.

Die posttraumatische Osteonekrose tritt nach einer Verletzung oder einem Bruch des Knochens auf und kann über eine Infektion oder andere Folgeprozesse des Traumas ausgelöst werden. Jede Form der Osteonekrose ist unmittelbar durch den Verschluss eines Blutgefäßes bedingt, welches den jeweiligen Knochen versorgt.

Ursachen

Wenn die Nährstoffversorgung eines Knochens oder eines Knochenabschnittes unterbrochen wird, kommt es zu dessen Absterben oder anders ausgedrückt zur Osteonekrose.

Die einzige unmittelbare Ursache dieser Unterversorgung ist in der Störung des Blutzuflusses des betreffenden Areals zu suchen. Wie jedoch der Verschluss des Blutgefäßes zustande kommt, muss im jeweiligen Einzelfall geklärt werden. Diesem Geschehen können sowohl infektiöse als auch nichtinfektiöse Prozesse vorausgehen. Weiterhin kann der auslösende Faktor eine Verletzung an der entsprechenden Stelle sein. Der Verschluss des Blutgefäßes kann jedoch auch als Folge von anderen Erkrankungen auftreten, wie z. B. durch Hämoglobinopathien (Blutkrankheiten).

Weiterhin sind Biophosphonate, die als Medikamente zur Behandlung der Osteoporose eingesetzt werden, ein Risikofaktor für Osteonekrosen im Bereich der Kiefernknochen. Sie hemmen unter anderem die Neubildung von Blutgefäßen im Knochengewebe, sodass die Kiefernknochen dann bei weiteren Beanspruchungen besonders anfällig für eine Osteonekrose werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Osteonekrose äußert sich zunächst durch Schmerzen, die je nach Ausprägung und Lokalisation der Nekrose variieren können. So kann es zu Knochenschmerzen und Gelenkschmerzen, in der Folge aber auch zu Spannungsschmerzen und Nervenschmerzen kommen. Die Schmerzen treten vorerst nur bei körperlicher Anstrengung auf, bevor sie sich zu einer chronischen Komplikation entwickeln.

Bei einigen Patienten tritt als Folge der Nekrose ein Gelenkerguss auf. Dieser ist mit pulsierenden Schmerzen und einer Berührungsempfindlichkeit im betroffenen Bereich verbunden. Die Haut fühlt sich zunächst überwärmt an, bevor die Körpertemperatur infolge der abnehmenden Durchblutung sinkt. Dann zeigen sich die Nekrosen gelegentlich auch äußerlich, meist in Form von dunklen Schwellungen.

Kleine Defekte heilen oftmals von selbst aus. Großflächige Nekrosen befallen in der Regel weitere Körperregionen und zerstören im Zuge dessen Knochen und Gelenke. Die Erkrankung wird häufig von Schlafproblemen, Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen begleitet. Meist kann sich der Patient außerdem nicht mehr so flüssig bewegen wie früher.

Die Knochennekrose nimmt einen progressiven Verlauf und steigert sich in ihrer Intensität. Wird sie frühzeitig behandelt, können Spätfolgen vermieden werden. Bei fehlender Behandlung kann die Erkrankung schwerwiegende körperliche und seelische Beschwerden zur Folge haben, etwa Lähmungen oder Depressionen.

Diagnose & Verlauf

Der Verlauf einer Osteonekrose hängt von der Größe und der Lage des betroffenen Bereiches ab. Es wurden Spontanheilungen in den Fällen beobachtet, in denen der Nekroseherd klein ist und weitab von den Gelenken liegt.

Befindet sich der zerstörerische Prozess nahe an einem Gelenk oder nimmt der Knochenabbau einen großen Bereich ein, ist eine spontane Heilung unwahrscheinlich. Um dann eine völlige Gelenkzerstörung zu verhindern, muss sofort gehandelt werden. Eine Osteonekrose zu diagnostizieren, kann sich unter Umständen schwierig gestalten, weil manchmal das Infarktereignis zunächst schmerzfrei beginnt, wobei sich die Schmerzen langsam über Wochen oder Monate entwickeln.

Allerdings gibt es auch Verläufe mit plötzlich einsetzenden Schmerzen. Bewegungseinschränkungen treten seltener auf und deuten auf eine umfassende Schädigung der Knochen oder Gelenke hin. In ganz seltenen Fällen kann es zum Gelenkerguss kommen. Bei Verdacht auf Osteonekrose wird zunächst eine Anamnese erhoben. Danach folgen Funktionsprüfungen an den entsprechenden Knochen und Gelenken.

Bildgebende Verfahren, wie Kernspintomografie, Ultraschall oder eine Röntgenuntersuchung erhärten die Diagnose einer Osteonekrose, wobei die MRT (Kernspintomografie) das sicherste Diagnoseverfahren ist.

Komplikationen

Die Prognose der einzelnen Osteonekrosen kann völlig unterschiedlich sein. Es treten sowohl Spontanheilungen als auch schwere Komplikationen auf. Fast immer ist die Osteonekrose mit schweren Schmerzen verbunden, die allerdings auch erst einige Zeit nach dem eigentlichen Knocheninfarkt auftreten kann. In schwereren Fällen werden neben den Schmerzen auch Bewegungseinschränkungen beobachtet. Wie stark diese Einschränkungen sind und welche Heilungschancen sie haben, hängt oft von der Lage und der Schwere des Knocheninfarktes ab.

In besonders schweren Fällen kann es zur kompletten Zerstörung des entsprechenden Gelenks kommen. Gegebenenfalls tritt auch ein Gelenkerguss auf. Bei einem Gelenkerguss sammelt sich Flüssigkeit im Gelenk an. Die Flüssigkeit kann unter anderem blutig oder eitrig sein. Ein Gelenkerguss zeigt häufig einen degenerativen Prozess der Knochen an. Bei schweren Osteonekrosen ist eine chirurgische Behandlung meist unumgänglich. Wenn das Gelenk völlig zerstört ist, hilft oft nur noch der Einsatz eines künstlichen Gelenks.

Chronisch schmerzhafte Verläufe der Erkrankung mit schweren Bewegungseinschränkungen beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten sehr. In der Folge können psychische Erkrankungen bis hin zu Depressionen auftreten. Dauerhafte Schmerzen können auch zu chronischen Schlafstörungen führen, die häufig Ursache für Reizbarkeit und aggressives Verhalten sind. Die gleichen Symptome entwickeln sich oft auch aufgrund des künstlichen Gelenks, wenn der Patient Schwierigkeiten hat, seine dauerhafte Behinderung zu akzeptieren.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Knochenschmerzen oder Bewegungseinschränkungen bemerkt werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die genannten Symptome deuten auf eine Osteonekrose hin, die unbehandelt zu chronischen Schmerzen und anderen Komplikationen führen kann. Betroffene sollten bei ungewöhnlichen Beschwerden einen Arzt aufsuchen, der die Knochennekrose anhand einer Ultraschalluntersuchung und weiterer Untersuchungsmethoden diagnostizieren kann. Personen, die bereits einmal an einer Osteomyelitis erkrankt sind, gehören zu den Risikogruppen für die Entstehung einer Osteonekrose.

Die Erkrankung kann je nach Art bei Männern im mittleren Alter, älteren Frauen und anderen Personengruppen auftreten. Aufgrund der großen Anzahl möglicher Osteonekrosen müssen die Symptome im Hinblick auf etwaige Risikofaktoren betrachtet werden. Stoffwechselstörungen, Gefäßverschlüsse und Traumata sind Faktoren, die abgeklärt werden müssen, wenn Anzeichen einer Osteonekrose auftreten. Selbiges gilt für Alkoholismus und Cortisonmedikation sowie Angio- und Koagulopathien. Die Osteonekrose wird von einem Orthopäden behandelt. Weitere Anlaufstellen sind Physiotherapeuten und Sportmediziner. Tritt die Erkrankung im Rahmen eines Krebsleidens auf, sollte ein Psychoonkologe hinzugezogen werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Osteonekrose hängt von ihrer Schwere und Lage ab. In vielen leichteren Fällen genügt bereits die Schonung der betroffenen Körperteile. Diese sollten dann ruhiggestellt und nicht mit Gewichten belastet werden.

Nicht selten erfolgt bereits durch diese Ruhephase eine Spontanheilung. Bei schwereren Krankheitsverläufen ist oft eine Behandlung ohne operativen Eingriff nicht mehr möglich. So kann bei kleineren Nekrosen schon durch eine Anbohrung des Knochens (Pridie-Verfahren) eine Heilung erreicht werden. Ist der Krankheitsprozess aber bereits weit fortgeschritten, wird manchmal eine Knochentransplantation mit oder ohne Knorpel oder der Einsatz eines künstlichen Gelenkes notwendig.

In den letzten Jahren haben innovativere Verfahren die Therapiemöglichkeiten erweitert. So werden zusätzlich teilweise gefäßerweiternde Medikamente (Iloprost) oder elektrostimulierende Verfahren zum verstärkten Knochenwachstum eingesetzt. Welche Therapie letztlich zur Behandlung der Osteonekrose zum Einsatz kommen soll, muss der Arzt aufgrund der vielfältigen Krankheitsverläufe in jedem Einzelfall gesondert entscheiden.

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Vorbeugung

Eine allgemeine Empfehlung zur Vorbeugung einer Osteonekrose kann nicht gegeben werden. Die Erkrankung ist von vielen unbekannten Faktoren abhängig. Bestimmte Grundkrankheiten, die zur Osteonekrose führen können, müssen jedoch unter Umständen dauerhaft therapiert werden.

Bücher über Knochenschwund

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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