Nävuszellnävus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2017
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Als Nävuszellnävus wird eine Unterart von gutartigen Pigmentnävi (Muttermale, Leberflecken) bezeichnet, die aus einer scharf abgegrenzten Ansammlung von Nävizellen bestehen. Nävizellen sind melanozytenähnliche Zellen, können aber ihr produziertes Melanin nicht an andere Hautzellen abgeben. Nävuszellnävi bilden sich meist erst nach der Geburt und durchlaufen drei typische Entwicklungsstadien bis zum Erwachsenenalter. Nävuszellnävi sind in der Regel unbedenklich, können aber auch maligne Melanome entwickeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Nävuszellnävus?

Als Nävuszellnävi (NZN) werden scharf umgrenzte Pigmentnävi der Haut bezeichnet, die aus Nävuszellen bestehen und eine bräunliche bis fast schwarze Farbe aufweisen. Äußerlich unterscheidet sich ein Nävuszellnävus nicht von einem sogenannten Lentigo simplex, einem Pigmentflecken, der aus Melanozyten besteht. NZN können prinzipiell entarten und Hautkrebs verursachen.

Nävuszellen sind melanozytenähnliche Zellen, die wie diese den Hautfarbstoff Melanin produzieren, ihn aber nicht an umliegende Zellen abgeben können, weil sie nicht wie die Melanozyten über Dendriten mit umliegenden Zellen verbunden sind. Die meisten Nävuszellnävi entwickeln sich erst nach der Geburt und durchlaufen typischerweise drei voneinander unterscheidbarer Entwicklungsphasen, die in der Regel nach der Pubertät abgeschlossen sind. Es sind auch Spezialformen der Nävuszellnävi zu beobachten.

Es handelt sich dabei zum Beispiel um konnatale Nävuszellnävi, große Nävi, die bereits bei der Geburt vorhanden sind. Sogenannte Halonävi sind von einem weiß erscheinenden pigmentlosen Ring (Halo) umgeben, sind aber im Normalfall ebenfalls gutartig. Von einem Spitz-Nävus sind vielfach Kinder und Jugendliche betroffen. Diese seltenen NZN sind ebenfalls gutartig, wachsen sich aber schnell zu einem halbkugeligen, bis zu einem Zentimeter hohen, haarlosen Knötchen heran. Die Abgrenzung zu einem malignen Melanom ist oft schwierig und bedarf zur Absicherung einer histologischen Untersuchung.

Ursachen

> Weit über 90 Prozent der Nävuszellnävi bilden sich erst nach der Geburt. Sie gehen auf Genmutationen im postzygotären Stadium zurück, also auf Mutationen nach der Vereinigung der weiblichen Eizelle mit der männlichen Samenzelle. NZN werden deshalb nicht vererbt, sondern bilden sich bei jedem Individuum wieder neu durch bestimmte (noch) nicht genau bekannte genetische Veränderungen während des Embryonalstadiums.

Ein geringer Prozentsatz an NZN reift schon vor der Geburt aus. Diese kongenitalen oder konnatalen NZN genannten Nävi sind meist relativ großflächig und wachsen in der Regel mit dem Hautwachstum mit, werden also im Laufe der Zeit größer bis zum Ende der Wachstumsphase des Kindes. Die Verursachung der kongenitalen NZN ist die gleiche wie bei den übrigen NZN. Umweltbedingungen, Ernährungsweise und andere äußere Faktoren spielen bei der Entstehung von NZN keine Rolle.

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Diagnose & Verlauf

Äußerlich unterscheidet sich ein Nävuszellnävus nicht von einem sogenannten Lentigo simplex, einem Pigmentflecken, der aus Melanozyten besteht.

Ein Nävuszellnävus lässt sich im Erscheinungsbild kaum von einem Lentigo simplex, der sich aus Melanozyten bildet, unterscheiden. Alle drei Entwicklungsstadien eines NZN präsentieren sich durch ein jeweils leicht verändertes optisches Erscheinungsbild, verursachen aber normalerweise keinerlei Beschwerden. Vorwiegend bei Kindern und Jugendlichen bis unter zwanzig Jahren können sich auch sogenannte Spitz-Nävi entwickeln.

Diese zeichnen sich durch schnelles Wachstum aus und bilden bereits nach kurzer Zeit ein rötliches bis braunes, halbkugelförmiges, haarloses, Knötchen mit bis zu einer Höhe von etwa einem Zentimeter. Auch diese Art von NZN verursacht keinerlei Beschwerden, allerding lassen sich die Spitz-NZN nur schwer von einem malignen Melanom unterscheiden, so dass sich sorgfältige histologische Untersuchungen und die vorsorgliche Entfernung der Spitz-NZN empfehlen.

Nävi, die aus Nävizellen gebildet werden, unterscheiden sich im Erscheinungsbild kaum von Nävi, die sich aus Melanozyten zusammensetzen. Eine Unterscheidung wäre durch eine histologische Untersuchung möglich. Das unterbleibt normalerweise, weil weder ein NZN noch Nävus simplex wie der melanozytäre Nävus genannt wird, einer Therapie bedürfen. Meist durchlaufen NZN etwa bis zum Abschluss der Pubertät die drei Entwicklungsstadien: Junktionsnävus, Compoundnävus und dermaler Nävus.

  • Junktionsnävi entstehen in der Regel bereits im Kindesalter. Sie sind zwischen der Oberhaut (Epideremis) und der darunter liegenden Lederhaut (Dermis) angesiedelt und treten als punktförmige, braune bis schwarze Hautveränderungen in Erscheinung.
  • Im nächsten Stadium, das vielfach während der Pubertät erreicht wird, dringt der NZN als Compoundnävus weiter in die Lederhaut ein, die Pigmentierung wird etwas unregelmäßiger.
  • Im letzten Stadium sinken die Nävizellen noch tiefer in die Lederhaut und der Nävus, jetzt dermaler Nävus genannt, verliert einen großen Teil der Pigmentierung, ist mit Haaren bewachsen und macht sich hauptsächlich optisch störend bemerkbar.

Grundsätzlich können die Nävizellen des NZN entarten und sich zu einem malignen Melanom entwickeln. Falls sich ein NZN zu einem dysplastischen Nävus mit atypischen Nävuszellen und atypischem Aussehen entwickelt, wurde das früher als Vorstufe für ein malignes Melanom angesehen. Diese These konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden und wird deshalb heute nicht mehr vertreten.

Komplikationen

Nävuszellnävi (NZN) zeigen sich meist als sichtbare Hautveränderungen in Form rundlicher, brauner bis schwarzer Flecken im fortgeschrittenen Kindes- oder Erwachsenenalter. Grundsätzlich handelt es sich um gutartige Zellen, die nicht zu einer Entartung neigen. In vielen Fällen bilden sich die Nävi im Laufe des Lebens sogar wieder zurück.

Bei sogenannten dermalen NZN sind die Nävuszellen in die Dermis abgesunken, und der Nävus nimmt eine scharf abgegrenzte, halbkugelige Gestalt mit blassroter Färbung an. Die mögliche Komplikation, die sich dadurch ergeben kann, ist rein kosmetischer Natur, wenn sich der NZN an exponierter Stelle, beispielsweise im Gesicht, gebildet hat. Unbehandelt bildet sich der dermale Nävus nicht zurück, sondern es kommt lediglich zu einer bindegewebsartigen Umwandlung.

Falls die Gutartigkeit des dermalen NZN gesichert ist, kann er beispielsweise problemlos mittels Elektrokaustik chirurgisch entfernt werden. In seltenen Fällen können Nävuszellen entarten und die Keimzelle für ein malignes Melanom bilden, das sich normalerweise aus Melanozyten und nicht aus Nävizellen entwickelt. Die mögliche Entwicklung eines NZN zu einem Melanom ist an ihrer Veränderung zu erkennen.

Typischerweise bildet sich ein ausgefranster Rand und die Färbung wird grau oder bläulich bis schwarz. Unbehandelt führt ein Melanom aufgrund von Metastasierung in wichtigen Organen zum Tode. Falls das Melanom noch vor Metastasierung entdeckt wird, kann eine großzügige chirurgische Entfernung zur Heilung führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Nävuszellnävus (NZN), auch Muttermal oder Leberfleck genannt, besteht aus Nävuszellen, die normalerweise vollkommen harmlos sind. Sie können ähnlich wie die Melanozyten das braune Pigment Melanin ausbilden, dieses aber nicht an andere Zellen weitergeben. Im Normalfall ist es nicht notwendig, bei auftretenden NZN einen Arzt aufzusuchen. Falls der oder die Leberflecke als sehr störend empfunden werden, besteht die Möglichkeit, die Zellen aus kosmetischen Gründen vom Facharzt entfernen zu lassen.

Die Nävi werden dann meist mittels „Elektroskalpell“ (Elektrokaustik) tiefgründig herausgeschnitten. Es muss allerdings vorher einwandfrei abgeklärt werden, ob es sich um einen harmlosen NZN handelt. Es empfiehlt sich, die eigenen Nävuszellnävi bzw. die des Partners oder der Partnerin von Zeit zu Zeit optisch in Augenschein zu nehmen. Im Gegensatz zu Altersflecken, die nicht zu einer Entartung neigen, können sich die Zellen der Nävi verändern und einen bösartigen Hautkrebs, ein malignes Melanom, verursachen.

Wenn NZN entweder Form, Farbe oder Größe auffällig verändern, sollte unverzüglich ein erfahrener Hautarzt konsultiert werden, um mögliche Gefährdungen abzuklären. Die auffälligen Veränderungen können nach der sogenannten ABCDE-Regel abgeklärt werden, wobei die einzelnen Buchstaben für Asymmetrie, Begrenzung, Farbigkeit, Durchmesser und Erhabenheit stehen. Im Zweifelsfall muss eine entnommene Gewebeprobe für eine gesicherte Diagnose sorgen, auf der dann die therapeutischen Maßnahmen aufbauen.

Behandlung & Therapie

Grundsätzlich benötigen NZN unter normalen Umständen keinerlei Behandlung oder Therapie. Allenfalls kann ein NZN, der im Endstadium als dermaler Nävus kosmetisch störend wirkt, chirurgisch entfernt werden. Ansonsten ist eine Therapie nur dann angezeigt, wenn sich ein NZN zu einem malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) entwickelt.

Der schwarze Hautkrebs ist sehr aggressiv und neigt zur Metastasierung, so dass nach endgültiger histologischer positiver Diagnose das Melanom vollständig chirurgisch entfernt werden muss und in einigen Fällen auch der im Lymphabfluss nächstgelegene Lymphknoten. Da der Tumor zur Metastasierung neigt, kommen auch zusätzlich Bestrahlungen, verschiedene Immuntherapien und spezielle Chemotherapien in Frage.

Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen handelt es sich beim Nävuszellnävus um ein harmloses Symptom, das nicht zwingend durch einen Arzt behandelt werden muss. In vielen Fällen geht das Symptom im Laufe des Lebens auch zurück und führt zu keinen weiteren Beschwerden oder Komplikationen.

Der Patient sollte den Nävuszellnävus allerdings beobachten und bei Veränderungen immer einen Arzt aufsuchen. Die Veränderung kann in der Größe, der Form und der Farbe stattfinden. Sollte der Betroffene mit dem Nävuszellnävus unzufrieden sein, so kann dieser auch entfernt werden. Hierfür ist ein operativer Eingriff notwendig, der allerdings ohne Komplikationen verläuft. Dies ist vor allem dann bei einem Nävuszellnävus notwendig, wenn sich der Patient durch diesen nicht wohl fühlt.

Eine andere Behandlung ist nur dann notwendig, wenn es sich beim Nävuszellnävus um eine Vorstufe zum Hautkrebs handelt. In diesem Fall kann er ebenso operativ entfernt werden. Gleichzeitig wird auch die umliegende Haut kontrolliert und gegebenenfalls behandelt. Zur Behandlung wird in vielen Fällen auch eine Strahlentherapie durchgeführt.

In den meisten Fällen kommt es allerdings zu einem positiven Krankheitsverlauf. Eine Vorbeugung des Nävuszellnävus kann nicht durchgeführt werden.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Ausbildung von NZN sind nicht möglich, weil die Verursachung in Genmutationen liegt, die während des Embryonalstadiums stattfinden. Anstelle vorbeugender Maßnahmen ist eine Beobachtung der NZN angezeigt, um auffällige Veränderungen frühestmöglich abzuklären.

Das können Sie selbst tun

Ein Nävuszellnävus ist in den meisten Fällen harmlos und bedarf keiner Behandlung. Wer sie als störend empfindet, kann einige kosmetische Maßnahmen und Hausmittel anwenden, um die Leberflecken aufzuhellen. Bewährte Hausmittel sind etwa Apfelweinessig, Knoblauch und Bananen, die über Nacht auf den Fleck aufgelegt werden. Bei Leberflecken im Gesicht hilft Teebaumöl, welches direkt auf die betroffene Hautstelle aufgetragen wird. Nach einigen Anwendungen sollte sich das Nävuszellnävus aufhellen und schließlich verschwinden.

Zitronensaft bleicht die Haut aus und gilt als schonendes Mittel bei Pigmentstörungen. Es genügt, die Hautstelle mehrmals täglich abzutropfen und den Zitronensaft nach einigen Minuten abzuwaschen. Aloe vera wirkt auf ähnliche Weise und kann auch als Gel oder Saft angewendet werden. Kommt es zu Hautreizungen, sollte die Behandlung eingestellt werden.

Langfristig lassen sich Muttermale auch durch eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung reduzieren. Zur innerlichen Anwendungen eignen sich auch Joghurt und Buttermilch. Ist das Nävuszellnävus dadurch nicht zu reduzieren, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Von aggressiven Behandlungsmaßnahmen wie dem Aufkratzen des Leberflecks oder der Verwendung reizender Präparate sollte abgesehen werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Bücher über Muttermale

Quellen

  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Meves, A.: Intensivkurs Dermatologie. Urban & Fischer, München 2006
  • Rassner, G.: Dermatologie. Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2009

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