Lymphatischer Rachenring

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Der lymphatische Rachenring ist auch als Waldeyer-Rachenring bekannt. Er erstreckt sich im Bereich von Mund, Rachen und Nasenhöhle und ist Teil des lymphatischen Systems.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der lymphatische Rachenring?

Als lymphatischer Rachenring wird eine Ansammlung von sogenanntem lymphoepithelialem Gewebe im Nasen-Rachen-Bereich bezeichnet. Lymphoepitheliale Organe besitzen im Gegensatz zu lymphoretikulären Organen Epithel. Neben dem Waldeyer-Rachenring gehört auch der Thymus zu den lymphoepithelialen Geweben.

Im Grunde ist der Begriff des Rings nicht wörtlich zu nehmen, da es sich streng genommen nicht um einen Ring handelt, sondern um verschiedene Gewebsinseln, die im Bereich der Mundhöhle, der Nase und des Rachens lokalisiert sind. Diese Gewebsinseln werden auch Mandeln bzw. in der medizinischen Fachsprache Tonsillen genannt. Der lymphatische Rachenring dient vor allem der Abwehr von Bakterien, Viren und Pilzen, die über die Mund- und Nasenhöhle in den Körper gelangen. Der lymphatische Rachenring wurde erstmalig von dem deutschen Anatomen und Mediziner Heinrich Wilhelm Waldeyer beschrieben und im zu Ehren später als Waldeyerscher Rachenring betitelt.

Anatomie & Aufbau

Der lymphatische Rachenring besteht aus verschiedenen Strukturen. Die Tonsilla pharyngealis (Rachenmandel) befindet sich am Rachendach. Sie wird über die Mandeläste des Nervus glossopharyngeus sensibel versorgt. Die Ansammlung von lymphatischem Gewebe an der Öffnung der Ohrtrompete ist der Tonsilla tubaria (Tubenmandel) zuzurechnen.

Die Tonsilla palatina ist hingegen zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbogen angesiedelt. Sie ist paarig angelegt und wird auch Gaumenmandel genannt. Die Gaumenmandeln liegen in der sogenannten Gaumenbucht und bestehen aus bis zu zwei Zentimeter dickem lymphatischem Gewebe, welches von einem mehrschichtigen und unverhornten Plattenepithel überzogen ist. An der Oberfläche der Gaumenmandeln befinden sich zwei Einsenkungen, die sogenannten Krypten.

Die Krypten sorgen für das charakteristische zerklüftete Aussehen der Mandeln. Das lymphoepitheliale Gewebe in der Schleimhaut am Zungengrund gehört zur Tonsilla lingualis. Auch die Zungenmandel ist von mehrschichtigem Plattenepithel überzogen und verfügt über Krypten. In die Krypten der Zungenmandel münden die Ausführungsgänge einiger Speicheldrüsen.

Funktion & Aufgaben

Grundsätzlich dient der lymphatische Rachenring der Abwehr von Viren, Pilzen und Bakterien. Er formt die erste Abwehrbarriere der oberen Atemwege. Die Rachenmandel dient vor allem dem Abfangen von Erregern, die über die Nase eindringen. Die Tubenmandel schützt das Mittelohr vor Bakterien, Viren und Pilzen, die über die Eustachi-Röhre vom Nasenraum ins Mittelohr gelangen könnten.

Die Gaumenmandeln übernehmen eine besondere Aufgabe. In den Krypten der Gaumenmandeln sammeln sich bakteriell besiedelte Speisereste an. Auch Leukozyten und abgeschilfertes Gewebe finden den Weg in die Einfurchungen. Die Gesamtheit des Gemischs aus Leukozyten, Essensresten und Geweberesten wird auch Detritus genannt. Der Detritus, der sich in den Krypten ansammelt, stellt einen Kontakt zwischen der Außenwelt und dem Immunsystem des Körpers dar. Die weißen Blutkörperchen lernen über die Krypten der Mandeln verschiedene Bakterienarten kennen und können sich so erstmalig mit den Erregern auseinandersetzen.

Der Detritus aus den Krypten wird regelmäßig entleert, sodass die Blutkörperchen regelmäßig mit neuen Erregern in Kontakt treten. Auch die Zungenmandel dient der Abwehr von Erregern, die über Mund und Nase in den Körper eindringen. Da sie durch die Speicheldrüsen stetig gespült wird, ist sie weniger anfällig für Entzündungen.

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Krankheiten

Die Tonsillitis ist eine entzündliche Erkrankung der Mandeln. In der Regel wird ausschließlich die schmerzhafte Entzündung der Gaumenmandeln als Tonsillitis bezeichnet. Die Gaumenmandel ist die Mandel des lymphatischen Rachenrings, die sich am häufigsten entzündet.

Die Erkrankung ist ansteckend und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Je nach zeitlichem Verlauf kann zwischen einer akuten und einer chronischen Tonsillitis unterschieden werden. Wenn nur eine Seite der Mandel betroffen ist, liegt eine unilaterale Entzündung vor. Bei einer beidseitigen Entzündung handelt es sich dementsprechend um eine bilaterale Tonsillitis. Im Hinblick auf die klinischen Aspekte kann zusätzlich zwischen einer katharralischen, einer follikulären und einer lakunären Angina unterschieden werden.

Ursache der Tonsillitis sind in der Regel Bakterien. Nur in seltenen Fällen wird die Entzündung durch Viren ausgelöst. Typische Erreger einer Tonsillitis sind beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Auch Pneumokokken, Staphylokokken, Neisseria gonorrhoaea und Haemophilus influenzae können Entzündungen des lymphatischen Rachenrings bedingen. Häufigster Erreger der viralen Mandelentzündung ist das Epstein-Barr-Virus.

Leitsymptome einer Tonsillitis sind Schluckbeschwerden infolge einer Verengung des Rachens, Mundgeruch und eine kloßige Sprache. Geschwüre der Schleimhaut und eine Schwellung der Unterkieferlymphknoten sind möglich. Zusätzlich kommt es oft zu Begleitsymptomen wie Kopfschmerzen, Fieber und Müdigkeit. Bei der Angina catarrhalis sind die Gaumenmandeln ausschließlich geschwollen und gerötet. Bei der Angina follicularis entwickeln sich zusätzlich Fibrinbeläge. Diese fallen bei der Angina lacunaris noch größer aus. Auch die Infektionskrankheit Scharlach geht mit einer Tonsillitis einher. Typisch ist hier der begleitende Ausschlag, das sogenannte Scharlachexanthem.

Wenn eine chronische Mandelentzündung vorliegt, sammelt sich der Detritus an den Mandeln und sorgt so für eine ständige Reizung der Schleimhäute und des lymphatischen Gewebes.

Eine Sonderform der Tonsillitis ist die Angina Plaut-Vincenti. Diese relativ seltene Form der Mandelentzündung wird durch Spirochäten und Fusobakterien hervorgerufen und äußert sich durch einseitige, mäßige Schluckbeschwerden. Das Allgemeinbefinden ist nur gering beeinträchtigt und die Patienten haben kein Fieber. Im Gegensatz zu den recht milden Beschwerden ist der Lokalbefund sehr auffällig. Es bilden sich starke Nekrosen und Geschwüre mit einem übelriechenden schmierigen Belag.

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