Kauda-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Kauda-Syndrom

Das Kauda-Syndrom (auch Cauda-Syndrom genannt) bezeichnet eine Quetschung der Nerven im Bereich der Cauda Equina. Es geht häufig mit einem starken Bandscheibenvorfall einher und erfordert bei Auftreten der typischen Symptome sofortiges Handeln, um die gequetschten Nerven zu dekomprimieren und schlimmere Folgen wie Lähmungen abzuwenden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kauda-Syndrom?

Das Kauda-Syndrom bezeichnet die Symptome und Krankheitsbilder, die mit einer Quetschung der empfindlichen Nerven im unteren Teil des Rückenmarks, der sogenannten "Cauda Equina", zusammenhängen.

Es kommt dabei zu Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die in ein Bein oder sogar beide Beine bis hinein in die Unterschenkel ausstrahlen, und zu starken Blasenschmerzen, die sich durch Erhöhung des Körperdrucks (beispielsweise beim Niesen oder Husten) noch erhöhen. Beim Kauda-Syndrom ist die sogenannte Reithosenanästhesie zu verzeichnen, was bedeutet, dass der Analbereich und der Bereich der inneren Oberschenkel taub werden.

Impotenz ist ein weiteres Symptom des Kauda-Syndroms. Häufig wird die Kontrolle über die Entleerung von Darm und Blase verloren, und die rektale Untersuchung zeigt einen erschlafften Schließmuskel. Die Beine werden schwach, es wird in vielen Fällen eine richtige Fußheberschwäche festgestellt, und die mechanischen Reflexe des Beines (beispielsweise Kniesehnenreflex) funktionieren nicht mehr richtig oder gar nicht mehr.

Ursachen

Auslöser des Kauda-Syndroms ist stets eine Schädigung der empfindlichen Nerven in der unteren Wirbelsäule, die durch eine (meist langanhaltende) Quetschung hervorgerufen wird.

Die zum Kauda-Syndrom führende Quetschung der Nerven kann wiederum durch verschiedene Auslöser bedingt sein. Zum einen kann es sich um einen besonders schweren Bandscheibenvorfall handeln, zum anderen können Metastasen im Bereich der unteren Wirbelsäule für das Schadensbild verantwortlich sein.

Eine Knochenverletzung, ein Herausdrücken einzelner Wirbel, die dann auf den Nervenfaserkomplex drücken, oder ein Wirbelbruch kommen ebenfalls als Ursache in Frage. Tragischerweise kommt es aber auch in einigen Fällen bei operativen Eingriffen zu der typischen Quetschung der Nervenfasern, die dann ein Kauda-Syndrom verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Das Kauda-Syndrom ist eines der gefährlichsten Krankheitsbilder, die beim Menschen auftreten können, und muss unverzüglich behandelt werden. Wenn nicht innerhalb der ersten sechs Stunden nach Auftreten der typischen Beschwerden eine operative Dekomprimierung der gequetschten Nervenfasern erfolgt, werden die Symptome (also beispielsweise Lähmung und Empfindungsstörungen der Beine und Kontrollverlust über Blase und Darm) nämlich in aller Regel chronisch und können sich nur in seltenen Ausnahmefällen teilweise zurückbilden.

Daher kommt der Diagnose beim Kauda-Syndrom eine zentrale Rolle zu. Sobald Anzeichen für ein Kauda-Syndrom auftreten, muss die Diagnose umgehend erfolgen. Für die Diagnose kommen neurologische Untersuchungen (beispielsweise Überprüfen des Achillessehnen- oder Patellarsehnenreflexes, Prüfen der Empfindlichkeit in den betroffenen Regionen und des Schließmuskels) in Verbindung mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografien oder MRTs in Frage. Nach der erfolgten Diagnose muss das Kauda-Syndrom unverzüglich behandelt werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen tritt das Kauda-Syndrom im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall auf. Dabei kommt es zu erheblichen Einschränkungen in der Bewegung und im Alltag des Patienten. Sollte es nicht umgehend zu einer Behandlung kommen, können die Nerven unter Umständen irreversibel geschädigt werden, sodass es zu erheblichen Einschränkungen im Leben des Patienten kommt.

Durch das Einklemmen von Nerven kommt es meistens zu Lähmungen oder zu verschiedenen Störungen der Sensibilität. Die Betroffenen leiden an erheblichen Rückenschmerzen und an starken Lähmungen in den Beinen. Nicht selten sind die Patienten daher auf einen Rollstuhl und auch auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen. Dabei kann es durch die Lähmungen auch zu erheblichen psychischen Beschwerden oder zu Depressionen kommen.

Nicht selten kämpfen die Betroffenen auch mit Selbstmordgedanken. Die Lebensqualität wird durch das Kauda-Syndrom deutlich verringert. In der Regel muss die Behandlung schon einige Stunden nach dem ersten Auftreten des Kauda-Syndroms erfolgen. Dabei können möglicherweise Nerven nicht gerettet werden.

Sollte die Behandlung verzögert eingeleitet werden, so kommt es in der Regel zu irreversiblen Schädigungen, sodass die Patienten ihr Leben lang an Einschränkungen leiden. Die Lebenserwartung wird durch das Kauda-Syndrom allerdings nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Wenn ein Kauda-Syndrom diagnostiziert wurde, ist schnellstmöglich ein neurochirurgischer Eingriff angezeigt, um die von der Quetschung betroffenen Nervenfasern zu dekomprimieren.

Dieser Eingriff sollte innerhalb der ersten sechs Stunden nach Auftreten eines oder mehrerer Symptome des Kauda-Syndroms durchgeführt werden, damit die Nerven nicht dauerhaft geschädigt werden. Wenn der Eingriff zu spät kommt und die Quetschung die Nerven bereits irreparabel beschädigt hat, bilden sich die Symptome des Kauda-Syndroms nicht zurück, sondern bleiben chronisch.

Betroffene leiden dann unter Lähmungs- und Taubheitserscheinungen und verlieren in aller Regel die Kontrolle über die Blase und den Darm. Nur in ganz wenigen Fällen kann die Stimulation der geschädigten Nerven dazu führen, dass eine teilweise Kontrolle über die betroffenen Körperareale wiedergefunden werden kann.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Eine wirksame Vorbeugung gegen das Kauda-Syndrom ist derzeit nicht bekannt. Es ist jedoch sicher sinnvoll, sportlich aktiv zu sein, nicht zu viel Gewicht auf die Waage zu bringen und eine starke Rumpfmuskulatur zu haben, um die Wahrscheinlichkeit, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden, zu minimieren. Zentral ist und bleibt es jedoch, bei dem ersten Auftreten von Symptomen des Kauda-Syndroms sofortige medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen - und damit zumindest zu verhindern, dass die Symptome des Kauda-Syndroms chronisch werden.

Das können Sie selbst tun

Beim Auftreten eines Kauda-Syndroms ist sofortiges Handeln gefragt. Der Betroffene sollte bei ersten Symptomen einen Arzt konsultieren und die Beschwerden abklären lassen. Wird die Quetschung früh genug behandelt, darf die Wirbelsäule nach dem Eingriff relativ schnell wieder belastet werden. In den ersten zwei bis drei Wochen ist aber zunächst Schonung angezeigt. Körperliche Arbeit, insbesondere solche, die die Bandscheiben belasten könnte, gilt es strengstens zu vermeiden.

Begleitend zur Nachsorge müssen die Ursachen für die Quetschung ermittelt werden. Oft ist ein Tumor ursächlich, der diagnostiziert und behandelt werden muss. Liegen dem Kauda-Syndrom chronische Fehlhaltungen zugrunde, sind therapeutische Maßnahmen angezeigt. Meist muss auch die berufliche Belastung reduziert werden. Erfolgt die Behandlung der Quetschung zu spät, sind meist schon bleibende Nervenschäden entstanden. Die daraus resultierenden Lähmungen müssen physiotherapeutisch behandelt werden. Die wichtigste Selbsthilfe-Maßnahme besteht darin, die alltäglichen Einschränkungen durch Hilfsmittel und eine behindertengerechte Einrichtung zu reduzieren.

Eine therapeutische Beratung hilft dem Betroffenen dabei, die neue Lebenssituation zu akzeptieren. Unterstützend dazu ist der Besuch einer Selbsthilfegruppe sinnvoll, denn im Gespräch mit anderen Betroffene gestaltet sich der Umgang mit einer Behinderung wesentlich leichter.

Bücher über Rückenschmerzen

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: