Kaschin-Beck-Krankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
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Die Kaschin-Beck-Krankheit, auch unter den Synonymen Cashing-Beck-Krankheit oder Kaschin-Beck-Syndrom bekannt, betrifft weltweit etwa drei Millionen Menschen. Es handelt sich um eine nicht ansteckende und nicht entzündliche Erkrankung der Gelenke und Knochen. Der Name leitet sich von ihren beiden Entdeckern, dem Mediziner Nikolai Iwanowitsch Kaschin und der Naturwissenschaftlerin Melinda A. Beck ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Kaschin-Beck-Krankheit?

Kaschin-Beck-Krankheit ist die Bezeichnung einer Erkrankung, die sich auf den Knochenapparat und sämtliche Gelenke auswirkt. Die Folgen zeichnen sich durch Deformierungen an Beinen und Armen ab. Sie ist vorwiegend im Osten Sibiriens, Nordchina und Tibet verbreitet. Charakteristisch ist hierbei die besondere regionale Konzentration, die sich oftmals auf einzelne kleinere Gebiete beschränkt.

Die mit Abstand meisten verzeichneten Fälle liegen in Transbaikalien und Tibet, häufig in der Nähe von Flüssen oder Seen. Männer und Frauen sind gleichermaßen von der Erkrankung betroffen. Besonders häufig vertreten ist die Kaschin-Beck-Krankheit bei Kindern und Jugendlichen die sich in der schnellen Wachstumsphase befinden.

Dabei wird durch eine Fehlfunktion im Körper Gelenkknorpel zurückgebildet. Die Krankheit verläuft chronisch und ist bisher nicht vollständig heilbar. Eine unbehandelte Kaschin-Beck-Krankheit kann sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken. Betroffene sind nicht selten arbeitsunfähig und leben daher in ärmlichen Verhältnissen. Auch Tiere können an dem Syndrom erkranken.

Ursachen

Die genauen Ursachen der Kaschin-Beck-Krankheit sind noch nicht vollständig bekannt, vermutlich spielt aber ein Mangel an Selen und einigen weiteren Mineralstoffen eine wesentliche Rolle. Die Bildung von Knochengewebe wird durch diese Mangelerscheinungen gehemmt. Auch einige toxische Stoffe werden als mögliche Ursache für den Ausbruch diskutiert.

Ein Beispiel für ein solches Toxin ist der Schimmelpilz Fusarium sporotrichoides. Da die Kaschin-Beck-Krankheit in ihrer Verbreitung fast immer auf einzelne Regionen konzentriert ist, kommt auch ein Ungleichgewicht von Spurenelementen im Trinkwasser und Boden als möglicher Auslöser in Frage. Gemessen wurden in betreffenden Regionen außergewöhnlich hohe Anteile an Mangan, Eisen und Strontium im Wasser. Es werden zudem weitere Umwelteinflüsse als indirekte Ursache vermutet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Kaschin-Beck-Krankheit können je nach Alter des betroffenen und Dauer seiner Erkrankung unterschiedlich aussehen. Bei Kindern im Alter von etwa vier bis sechs Jahren treten Deformierungen der Gelenke auf, die auffallend symmetrisch verlaufen. Es kann gelegentlich zu vermehrten Blutungen kommen. Auch ein Minderwuchs kann vorliegen.

Sehr frühe Symptome können Steifigkeit, aber auch wiederholte Krämpfe und Schmerzen in den Waden, Fingern, Wirbelsäule und sämtlichen Muskeln sein. Schmerzen und Krämpfe erscheinen gehäuft am Abend oder in der Nacht. Bei fortgeschrittenen Schweregraden der Kaschin-Beck-Krankheit kommen außerdem Appetitlosigkeit, eine faltige Hautoberfläche, Herzschmerzen und zunehmende Kopfschmerzen hinzu. Ebenfalls ein Zeichen für die Erkrankung sind brüchige Fingernägel und stumpfes Haar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose wird anhand der genannten Symptome gestellt. Außerdem wird in der Regel ein Röntgenbild für die visuelle Inspektion gemacht. Noch mehr Sicherheit über den Zustand des Patienten bringt eine Differentialdiagnose. Dabei werden die einzelnen Symptome mit den Symptomen ähnlicher Krankheiten verglichen.

Da die Krankheit lange unbemerkt bleiben kann, empfiehlt es sich schon bei den ersten Anzeichen eine gründliche ärztliche Untersuchung durchzuführen. Es gibt dreiverschiedene Schweregrade der Kaschin-Beck-Krankheit: Während der ersten sind meist nur begrenzte Verdickungen von einzelnen Gelenken an Fingern und Zehen sichtbar. Betroffene spüren bei Belastung dieser Gelenke nur moderate Schmerzen.

Mit dem 2. Schweregrad wird die Mobilität und die Belastbarkeit der betroffenen Körperteile zusätzlich eingeschränkt und Verformungen sowie Verdickungen nehmen zu. Die dritte und gleichzeitig schwerste Stufe der Erkrankung äußert sich durch eine drastische Hemmung des Wachstums und sehr starken Verformungen, die am ganzen Körper auftreten können.

Patienten, die sich in diesem Stadium befinden haben fast immer eine sehr kleine Statur. Am schnellsten schreitet die Kaschin-Beck-Krankheit während der Wachstumsphasen im Alter von vier bis sechs Jahren fort.

Behandlung & Therapie

Es ist nach wie vor nicht möglich, die Kaschin-Beck-Krankheit vollständig zu heilen. Das Voranschreiten der Erkrankung kann aber bei rechtzeitiger und richtiger Therapie erfolgreich verzögert werden. Die Behandlung sollte möglichst früh angesetzt werden, da die Chancen für eine Besserung hier am höchsten sind.

Zur Auswahl stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten, wie Massage, Heilgymnastik oder zahlreiche biologischen Stimulanzen. Calcium und Phosphor können helfen, Schmerzen zu lindern und die Mobilität des Patienten zu erhöhen. Eine Behandlung mit Selen dagegen bewirkt nach dem Ausbruch der Krankheit oft keinerlei Verbesserungen was den gesundheitlichen Zustand des Patienten betrifft.

Eine weitere Möglichkeit sind chirurgische Korrekturen der befallenen Körperstellen. Derartige Eingriffe wurden bereits mit Erfolg von chinesischen Orthopäden durchgeführt und können bei betroffenen für Linderung und mehr Beweglichkeit sorgen.

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Vorbeugung

Als präventive Maßnahme und zur Vorbeugung kommen zahlreiche Methoden in Frage. Diese hängen jedoch davon ab, in welcher Region sich der Patient befindet. Eine gute Versorgung mit Selen und weiteren Elementen, die nur unzureichend vorhanden sind gehört zu den ersten und wichtigsten Schritten.

Etwaige Mängel an Vitaminen oder Kalzium sollten schnellstmöglich behoben werden. Als letzte sichere Vorsichtsmaßnahme können Kinder und Jugendliche im entsprechendem Alter unter ärztliche Beobachtung gestellt werden. Dazu bieten sich in einigen Gebieten mit besonders vielen verzeichneten Fällen der Kaschin-Beck-Krankheit spezielle Kinderkliniken an.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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