Hyperprolaktinämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Dezember 2017
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Besonders bei kinderlosen Paaren, die sich sehnlichst ein Kind wünschen, sollte an eine Hyperprolaktinämie gedacht werden. Diese Erhöhung des Prolaktinwertes führt neben weiteren Beschwerden bei Frauen und Männern gleichermaßen zu Unfruchtbarkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperprolaktinämie?

Eine Hyperprolaktinämie bezeichnet einen Überschuss an Prolaktin im Blut. Das Hormon sorgt während der Schwangerschaft für das Wachstum der Brust und ist danach an der Milchbildung beteiligt.

Gleichzeitig unterdrückt es in diesem Zeitraum den Eisprung. Ein erhöhter Prolaktinspiegel ist dann auch keinesfalls eine Störung sondern erwünscht. Außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit kann es jedoch bei Männern und Frauen ebenfalls zu einer Hyperprolaktinämie kommen, die mit verschiedenen Beschwerden verbunden ist.

Bei Frauen kommt es zu Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Periode sowie zu einer milchartigen Absonderung aus der Brust. Bei Männern wächst das Brustdrüsengewebe sichtbar, während ihre Libido sinkt. In der Folge kann es bei ihnen ebenfalls zu Unfruchtbarkeit kommen.

Ursachen

Die Ursachen einer Hyperprolaktinämie sind sehr vielfältig. Ein gutartiger Tumor am Vorderlappen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) kann für die vermehrte Prolaktinausschüttung verantwortlich sein.

Diese Geschwulst wird auch als Prolaktinom bezeichnet. Häufig sind jedoch Medikamente, die der natürlichen Dopaminproduktion entgegenwirken ursächlich für die Beschwerden. Dazu zählen bestimmte blutdrucksenkende Mittel sowie Antidepressiva und Schmerzmittel mit morphinählichen Inhaltsstoffen als auch Medikamente gegen Krampfanfälle aus der Gruppe der Dopaminantagonisten und das weibliche Hormon Östrogen. Während Dopamin die Prolaktinproduktion hemmt, unterdrücken die genannten Medikamente diesen Mechanismus.

Seltener ist ein Unfall oder Sturz ursächlich, bei dem der Hypophysenstiel beschädigt oder abgerissen wird. Der Botenstoff Dopamin kann in diesem Fall nicht mehr zum Hypophysenvorderlappen gelangen um die Produktion des Prolaktins zu regulieren. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Leberschwäche kann Ursache einer Hyperprolaktinämie sein.

Typische Symptome & Anzeichen

Männer:

Frauen:

Diagnose & Verlauf

Zur Diagnose einer Hyperprolaktinämie wird der Arzt ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden des Patienten führen. Dann erfolgt eine Blutabnahme aller Hormone, die die Hirnanhangdrüse produziert. Durch eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann ein möglicher Tumor des Hypophysenvorderlappens dargestellt werden.

Diese, als Prolaktinom bezeichnete, Geschwulst ist gutartig und nicht mit einem Hirntumor zu verwechseln. Auch Veränderungen am Hypophysenstil werden durch die MRT-Untersuchung sichtbar. Ist ein Prolaktinom ursächlich für den Prolaktinüberschuss, wird der Betroffene zum Augenarzt überwiesen, um mögliche Sehstörungen und Gesichtsfeldeinschränkungen abzuklären. Es muss zudem festgestellt werden, ob die Geschwulst auf den Sehnerv drückt, da die Behandlung der Hyperprolaktinämie entsprechend ausgerichtet werden muss.

Komplikationen

Da eine Hyperprolaktinämie bedeutet, dass sich zu viel des Hormons Prolaktin im Organismus befindet, können sich zahlreiche Komplikationen ergeben. Das Hormon Prolaktin fördert die Milchsekretion und das Wachstum der Brustdrüsen während der Schwangerschaft. Liegt keine Schwangerschaft vor, sondern die Brustdrüsen dennoch eine milchig-weißliche Flüssigkeit ab, der Eisprung wird unterdrückt und der Menstruationszyklus wird gestört. Auf Dauer kann dies die Geschlechtsorgane schädigen und zu einer vorzeitigen Osteoporose führen.

Ein zu hoher Prolaktinspiegel fördert außerdem Brustkrebs. Da Prolaktin in der Hypophyse produziert wird, kann ein zu hoher Spiegel auch in einem Tumor begründet sein, einem sogenannten Prolaktinom. Oft ist die Einnahme bestimmter Psychopharmaka oder Cannabis-Konsum die Ursache für einen erhöhten Prolaktinspiegel. Auch ist eine Schilddrüsenunterfunktion denkbar. Ein pathologisch erhöhter Prolaktinspiegel muss dringend behandelt werden. Ansonsten drohen langfristige Gesundheitsschäden.

Der Prolaktinspiegel wird mittels einer Blutanalyse gemessen. Um ihn zu senken, können verschiedene Medikamente wie das Bromocriptin verabreicht werden. Sie sollen dafür sorgen, dass sich die Konzentration im Blut wieder normalisiert. Häufig kann auf diese Weise auch ein Prolaktinom positiv beeinflusst werden. Dann wird eine Operation überflüssig. Schlagen Medikamente nicht an, werden zusätzlich Hormone verabreicht, damit sich der Eisprung und der Menstruationszyklus wieder normalisieren und der Milchfluss gestoppt wird. Bei einem therapieresistenten Prolaktinom muss operiert werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Personen, die an Sexualstörungen leiden, sollten sich auf eine Hyperprolaktinämie hin untersuchen lassen. Ein Überschuss an Prolaktin im Körper ist meist harmlos, sollte aber abgeklärt werden, wenn sich Beschwerden einstellen. Männer, die scheinbar ohne Grund eine geringe sexuelle Aktivität verspüren, sollten mit dem Hausarzt oder einem Urologen sprechen. Weitere Warnzeichen sind eine verringerte Spermienproduktion, ein abnehmender Bartwuchs und eine Verkleinerung des Gesichtsfeldes. Wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, muss ein Arzt kontaktiert werden.

Frauen sollten einen Gynäkologen aufsuchen, wenn Menstruationsbeschwerden, Akne und eine übermäßig starke Behaarung bemerkt werden. Sollten sich Depressionen, Ängste und Persönlichkeitsveränderungen einstellen, muss umgehend ein Arzt konsultiert werden. Menschen, die regelmäßig blutdrucksenkende Mittel, Antidepressiva oder Schmerzmedikamente einnehmen, sind besonders anfällig für eine Hyperprolaktinämie. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Leberschwäche sind mögliche Auslöser. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte bereits bei ersten Anzeichen den Hausarzt aufsuchen. Daneben kann auch ein Internist hinzugezogen werden. Bei psychischen Beschwerden ist therapeutischer Rat gefragt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Hyperprolaktinämie richtet sich nach deren Ursache. Medikamente sollten in ihrer Dosierung reduziert oder ersetzt werden. Bei einem Prolaktinom ist die Behandlung von der Größe der Geschwulst abhängig. Bei kleinen Tumoren werden zur Therapie häufig Medikamente herangezogen, die eine ähnliche Wirkung haben wie Dopamin. Dadurch wird die Produktion des Prolaktins gehemmt und Blutwert normalisiert sich.

Zudem schrumpft der Tumor. Die medikamentöse Behandlung hat jedoch zahlreiche Nebenwirkungen wie Übelkeit mit Brechreiz sowie Müdigkeit und Verstopfung, sodass die Einnahme der Medikamente immer schleichend begonnen werden muss. Werden die Präparate nicht gut vertragen, können auch kleine Tumoren operativ entfernt werden. Dieses Vorgehen wird bei großen Tumoren mit einer Größe über einen Zentimeter angewandt, wenn es zu einer Beeinträchtigung des Sehnervs kommt und der Betroffene die Medikamente zur Hemmung der Prolaktinausschüttung nicht gut verträgt.

Generell wird jedoch in einem solchen Fall die Bestrahlung des Tumors der operativen Entfernung vorgezogen. Sie führt zur Schädigung und zum Absterben der Tumorzellen, was die Prolaktinkonzentration im Blut wieder normalisiert. Nach einer Bestrahlung kann die Hirnanhangdrüse in ihrer Funktion stark eingeschränkt sein, sodass der Betroffene auch nach der Hyperprolaktinämie weitere Hormone über Medikamente ersetzten muss.

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Vorbeugung

Es gibt keine Möglichkeiten einer Hyperprolaktinämie vorzubeugen. Kommt es bei Männern zu vermehrtem Brustwachstum und einem Rückgang der Libido und bei Frauen zum Ausbleiben der Regelblutung, ohne dass eine Schwangerschaft besteht, sollte der Arzt konsultiert werden, um eine Hyperprolaktinämie möglichst frühzeitig zu diagnostizieren oder auszuschließen.

Das können Sie selbst tun

In der Regel sind die Möglichkeiten der Selbsthilfe bei einer Hyperprolaktinämie stark eingeschränkt. Sollte die Erkrankung durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden, so sollte das Medikament nach Rücksprache mit einem Arzt abgesetzt oder durch ein anderes ersetzt werden. Bei einem Tumor ist eine medizinische Behandlung unumgänglich. Die Patienten sollten ihren Körper allerdings immer schonen und keinen unnötigen Belastungen aussetzen. Da die Behandlung eines Tumors häufig mit Übelkeit, Müdigkeit und Erbrechen verbunden ist, sollte dabei auch Bettruhe eingehalten werden.

Falls es nach einem operativen Eingriff zu einem Mangel an Hormonen kommt, sind die Patienten auf eine Substitutionstherapie angewiesen. Hierbei sollte die regelmäßige Einnahme der Hormonpräparate beachtet werden.

Schwerwiegende Beschwerden oder Komplikationen durch die Hyperprolaktinämie können vermieden werden, indem Betroffene an regelmäßigen Untersuchungen teilnehmen. Vor allem bei einer Störung der Monatsblutung oder bei einem unerfüllten Kinderwunsch können frühzeitige Untersuchungen bei Frauen die Hyperprolaktinämie diagnostizieren. Eine frühzeitige Diagnose erhöht die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes.

Weiterhin kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen sehr hilfreich sein und zum Informationsaustausch beitragen. Im Falle von psychischen Beschwerden helfen auch Gespräche mit den engen Freunden oder mit Angehörigen.

Bücher über Sexualstörungen der Frau (Frigidität)

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Croon, M.: Schwanger werden. TRIAS Verlag, Stuttgart 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005

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