Hochwuchs

Letzte Aktualisierung am 8. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Hochwuchs oder Großwuchs (Makrosomie) kann eine familiär bedingte Variante, aber auch eine ernst zu nehmende Krankheit sein. Tumore oder verschiedene Erbfaktoren sind die Ursache. Ärztliche Hilfe empfiehlt sich in jedem Fall von Hochwuchs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hochwuchs?

Hochwuchs definieren die Mediziner anhand einer Körperlänge, die oberhalb der 97. Perzentile liegt. Das bedeutet, ein Mensch zählt zu den 3% der Größten seiner Geschlechtsgenossen derselben Altersklasse.

Eine geläufige Klassifizierung teilt das Phänomen Hochwuchs in zwei Gruppen: Die Makrosomie (Großwuchs), die definitionsgemäß bei einer Körperlänge von über 1,92 m bei Männern und über 1,80 m bei Frauen vorliegt.

Von Gigantismus (Riesenwuchs) spricht man, wenn Männer über 2,00 m und Frauen über 1,85 m groß sind. In dieser Begriffsbestimmung werden die zugrundeliegenden Ursachen zunächst nicht berücksichtigt. Von primordialem Hochwuchs sprechen Ärzte bei einer genetisch bedingten und nicht krankhaften, überdurchschnittlichen Körpergröße, die keine Komplikationen zur Folge hat.

Wenn die Ursachen auf Krankheitsgeschehen beruhen, kommt es zu Wachstumsstörungen, die Behinderungen zur Folge haben. Erbkrankheiten und Hormonstörungen sind die im Rahmen des Gigantismus vorliegende Ursache beim Hochwuchs.

Ursachen

Hochwuchs in der pathologischen Ausprägung resultiert oft aus einem hormonellen Ungleichgewicht. In den meisten Fällen sind Störungen in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) während der Wachstumsphase verantwortlich.

Gutartige Tumore sind es, die in der zentralen Hormondrüse die Produktion von Wachstumshormonen stören. In der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) können Tumore auftreten, deren Gewebe ein Wachstumshormon produziert. Dadurch verschiebt sich das endokrine (hormonelle) Gleichgewicht.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) des Neugeborenen birgt ebenfalls die Gefahr eines hormonbedingten Hochwuchses. Zu den hormonellen Faktoren zählt schließlich auch eine in der Schwangerschaft auftretende Zuckerkrankheit der Mutter (Gestationsdiabetes).

Desweiteren sind chromosomale Gendefekte wie das Marfan- und Sotos-Syndrom als Auslöser für den Hochwuchs beschrieben. Beim Klinefelter-Syndrom liegt ein überzähliges X-Chromosom (Geschlechtschromosom) beim Mann vor (Chromosomen-Aberration) und bedingt einen pathologischen Hochwuchs.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hochwuchs kann anhand der charakteristischen Symptome eindeutig diagnostiziert werden. Die Erkrankung ist in erster Linie an der überdurchschnittlich hohen Körpergröße der Betroffenen zu erkennen. Meist verspüren die betroffenen Kinder starke Wachstumsschmerzen.

Vor allem während der Pubertät treten intensive Schmerzen in den Knochen, Gelenken und Muskeln auf. Hochwuchs kann zudem extreme Wachstumsschübe auslösen und dadurch Gelenk- und Knochenerkrankungen hervorrufen. Im Verlauf der Erkrankung können weitere Beschwerden auftreten, wie zum Beispiel Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Fehlhaltungen. Langfristig stellen sich bei Hochwuchs-Patienten gesundheitliche Probleme wie Rückenschmerzen, Haltungsschäden und in Einzelfällen auch Nervenschäden ein.

Je nachdem, welche Ursache dem Hochwuchs zugrunde liegt, kann es auch zu neurologischen Beschwerden kommen. Ist eine Tumorerkrankung ursächlich, treten entsprechende Symptome auf, also neurologische Störungen, Sehstörungen, Schmerzattacken und ein zunehmendes Krankheitsgefühl. Liegt dem Hochwuchs eine Hormonstörung zugrunde, tritt ebenfalls ein starkes Unwohlsein auf, oft begleitet von Beschwerden des Immunsystems und der Psyche.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Magen-Darm-Beschwerden, Hautveränderungen und eine Vielzahl anderer Begleitsymptome hervorrufen. Das Hauptsymptom des Hochwuchs, also die enorme Körpergröße, kann durch eine Behandlung nicht umgekehrt werden. Etwaige Begleiterscheinungen klingen nach dem Wachstumsschub in der Regel wieder vollständig ab.

Diagnose & Verlauf

Hochwuchs sollte bei auffälligen Wachstumsschüben vom Arzt untersucht werden. Er kann feststellen, ob es sich um ein Krankheitsgeschehen handelt oder ob eine einfache normogenetische Veranlagung zugrundeliegt. Die Blutlaborwerte geben Auskunft über den Hormonstatus, der bei Abweichungen eine röntgenologische Diagnostik erfordert. Im Bedarfsfall kann auch die Kernspintomographie zum Einsatz kommen.

Der Verlauf eines pathologischen Hochwuchses ist je nach Form und Therapiemöglichkeiten sehr unterschiedlich. Hormonbedingter Riesenwuchs führt zu ungleichgewichtigem Knochenwachstum. Es resultieren teils gravierende orthopädische Krankheitsbilder. Dies kann als partieller Gigantismus ausgeprägt sein und nur Körperteilregionen betreffen. Bei einer vorzeitigen Geschlechtsreife (Pubertas praecox) entwickeln sich schon im Alter von unter 10 Jahren sekundäre Geschlechtsmerkmale beim Hochwuchs.

Komplikationen

Der Hochwuchs muss nicht in jedem Fall zu Komplikationen oder Beschwerden führen. In einigen Fällen ist diese genetisch bedingt und muss aus diesem Grund auch nicht durch einen Arzt behandelt werden. Bei Kindern kommt es durch den Hochwuchs zu Wachstumsstörungen, die mit Schmerzen einhergehen können. Nicht selten werden Kinder wegen des Hochwuchses auch gemobbt oder gehänselt, was zu psychischen Beschwerden führen kann.

Ebenso kann es durch den Hochwuchs zu einem ungleichmäßigen Wachstum der Knochen kommen, sodass Missbildungen oder Bewegungseinschränkungen entstehen. Weiterhin kommt es in der Regel zu einer frühzeitigen Entwicklung der Geschlechtsorgane. Die Behandlung dieser Krankheit richtet sich immer nach der Ursache und erfolgt dabei kausal. In der Regel treten auch keine weiteren Komplikationen auf.

Im Falle eines Tumors kann dieser entfernt werden, wobei meistens eine Strahlentherapie eingesetzt wird. Ebenso ist eine Therapie mit Hormonen möglich, um dem Hochwuchs entgegenzuwirken und diesen zu stoppen. Nicht selten benötigen die Betroffenen auch eine Therapie beim Orthopäden und auch beim Psychologen. Damit können Folgeschäden im Erwachsenenalter vermieden werden. Die Lebenserwartung wird durch den Hochwuchs nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn das Kind während des Wachstums über starke Schmerzen klagt, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Oft liegen dem Hochwuchs natürliche Ursachen zugrunde, doch gelegentlich ist eine Erkrankung ursächlich, die abgeklärt und behandelt werden muss. Eltern, die bei ihrem Kind entsprechende Anzeichen bemerken, sollten deshalb einen Mediziner einschalten. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Verdacht auf eine ernste Grunderkrankung besteht. So sollten ungewöhnliche Druckschmerzen oder Veränderungen in der Persönlichkeit rasch abgeklärt werden.

Möglicherweise liegt ein Tumor oder eine hormonelle Störung vor, die einer therapeutischen Behandlung bedarf. Säuglinge, bei denen eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt wurde, sind besonders anfällig für hormonbedingten Hochwuchs. Eltern von betroffenen Kindern sollten regelmäßig Rücksprache mit dem Kinderarzt halten und bei ungewöhnlichen Symptomen eine Untersuchung veranlassen. Falls in der Familie Fälle von chromosomalen Gendefekten vorliegen, sollte das Kind nach der Geburt zeitnah untersucht werden. Im Falle einer Vererbung müssen weitere Behandlungsschritte eingeleitet werden, um dem Hochwuchs und anderen Begleiterscheinungen des jeweiligen Syndroms entgegenzuwirken.

Behandlung & Therapie

Hochwuchs zu behandeln bedarf einer Intervention in der Wachstumsphase. Liegt ein Tumor zugrunde, kann in einigen Fällen ein chirurgischer Eingriff möglich sein. Allerdings sind derartige Operationen an der Hypophyse sehr riskant.

Da es meist keine malignen (bösartigen) Tumore sind, ist eine Operation oft auch nicht unbedingt erforderlich. Alternativ besteht die Möglichkeit einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie. Um eine Wachstumsstörung abzuwenden, kann der Arzt eine Hormontherapie veranlassen. Östrogene und Gestagene sind weibliche Hormone, die entsprechend bei Mädchen angewandt werden. Bei Jungen hingegen bewirkt das männliche Hormon Testosteron ein vorzeitiges Ende des Längenwachstums.

Diagnostiziert der Arzt bei der werdenden Mutter Schwangerschaftsdiabetes, muss die temporäre Zuckerkrankheit optimal eingestellt werden. So kann der Mediziner einem übermäßigen Wachstum der Leibesfrucht entgegenwirken. Erfolgt die ärztliche Intervention im Laufe des Heranwachsens zu spät, bleibt nur eine spätere Behandlung der Symptome beim Erwachsenen. Besonders bei Gigantismus ist der Orthopäde gefragt um die Folgeerscheinungen des unausgewogenen Knochenwachstums zu therapieren.

Die genetisch verursachten Varianten des Hochwuchses erfordern oft eine logopädische Therapie, weil die Sprachentwicklung verzögert ist. Beim Marfan-Syndrom müssen eventuell hinzutretende Herz- und Gefäßkrankheiten behandelt werden. Ein breites Spektrum an Symptomen ist insgesamt kennzeichnend für den Hochwuchs.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des Hochwuchses richtet sich nach der vorliegenden Ursache und dem Zeitpunkt der Behandlung. Ist der Patient bereits ausgewachsen, kann keine Verringerung seiner Körpergröße mehr erreicht werden. Die Betroffenen haben lebenslang einen Hochwuchs und können für einen besseren Umgang mit der körperlichen Größe psychotherapeutisch betreut werden. Der Körper beginnt erst im hohen Erwachsenenalter aufgrund des natürlichen Verlaufs mit einer Minimierung der Körpergröße um einige Zentimeter.

In den meisten Fällen wird der Hochwuchs durch eine genetische Disposition oder hormonelle Störung ausgelöst. Da ein Eingriff in die Genetik des Menschen mit den heutigen rechtlichen Gegebenheiten nicht gestattet ist, kann keine Veränderung des Erbmaterials erfolgen. Bei einem familiären Hochwuchs kann jedoch frühzeitig ein Gentest beim Nachwuchs durchgeführt werden und auf Wunsch eine Behandlung während des Wachstums- und Entwicklungsprozesses eingeleitet werden. Liegt eine Störung des Hormonsystems vor, ist die Prognose meist optimistisch. Durch die Gabe entsprechender hormoneller Präparate während der Wachstumsphase des Körpers kann eine Dämpfung des Wachstums erzielt werden. Bei vielen Patienten ist bei dem Hochwuchs weniger die körperliche Auffälligkeit problematisch. Vielmehr liegen emotionale oder seelische Probleme aufgrund des optischen Makels vor. Im Einzelfall ist daher zu prüfen, ob eine psychotherapeutische Behandlung ausreichend ist, um den Hochwuchs mental nicht als Erkrankung einzustufen.

Vorbeugung

Hochwuchs vorzubeugen ist schwer möglich. Einzig im Falle des Gestationsdiabetes kann durch die Kontrolle des Blutzuckers der werdenden Mutter ein präventiver Erfolg erzielt werden. Bei Heranwachsenden ist eine Früherkennung des Syndroms entscheidend für jeden Therapieerfolg beim Hochwuchs.

Das können Sie selbst tun

Sollte das Wachstum noch nicht abgeschlossen sein, so bietet die heutige Medizin die Behandlungsmöglichkeit der künstlich nach und nach herbeigeführten Synostose der Epiphysenfugen der Röhrenknochen an, die zu einem langsameren Folgewachstum führen. Bei Mädchen geschieht dies durch eine Therapie der Östrogenen und bei Bedarf zusätzlich der Gestagenen. Bei Jungen setzt die Therapie am Testosteron an.

Um die Rückenmuskulatur zu stärken, die bei Menschen mit ausgeprägtem Hochwuchs oft anfällig ist, kann eine Physiotherapie angewendet werden. Ist die Ursache des Hochwuchses eine genetische Störung, so sind oftmals Sprachentwicklung und Motorik beeinträchtigt. Diese Symptome können durch den Logopäden oder einer Ergotherapie angegangen werden. Betroffene vom Hochwuchs können sich im Rahmen von Selbsthilfegruppen helfen. Dort können sie sich mit "Leidensgenossen" gegenseitig austauschen, ermuntern und nach gemeinsamen Lösungen für alltägliche Probleme suchen.

Für ein erfülltes Leben und für eine Steigerung des Selbstwertgefühls bieten sich zudem Tätigkeiten an, in denen die Größe nicht als Problem, sondern als Vorteil wahrgenommen werden kann, so wie dies etwa beim Volleyball oder Basketball der Fall ist. Die Erhöhung des Selbstwertgefühls ist bei Betroffenen des Hochwuchses also auch durch aktive Selbsthilfe möglich, die auch wichtig ist, da Betroffene vielfachen Erfahrungen von Mobbing und Stigmatisierungen ausgesetzt waren.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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