Hand-Fuß-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 19. Juni 2017Geprüfte Qualität
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Das Hand-Fuß-Syndrom tritt gehäuft im Rahmen von Behandlungen mit Zytostatika auf. Die Füße und Hände der Patienten röten sich, schuppen und schmerzen oder sind von Sensibilitätsstörungen betroffen. Das Hand-Fuß-Syndrom wird symptomatisch mit Schmerzmitteln und Cremes therapiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Hand-Fuß-Syndrom?

Therapeutisch medikamentöse Behandlungen sind in der Regel mit unterschiedlichen Nebenwirkungen und gesundheitlichen Risiken assoziiert. Als Nebenwirkung von Zytostatika wurden vor allem Phänomene wie das Hand-Fuß-Syndrom beobachtet. Ob trotz dieser Risiken die Indikation auf die Gabe eines bestimmten Medikaments besteht, hängt vom Kontext ab. Zytostatika verursachen beispielsweise viele Nebenwirkungen und sind mit relativ hohen Risiken für den Patienten verbunden.

Da sie in der lebenserhaltenden Behandlung von bösartigem Krebs zum Einsatz kommen, überwiegen letztlich die Nutzen für den Patienten. Die Indikation der Mittel ist so trotz aller Risiken und Nebenwirkungen gewährleistet. Das Syndrom wird auch HFS, petechiales Hand-Fuß-Syndrom, Handschuh-Socken-Syndrom oder palmar-plantare Erythrodysästhesie genannt und verursacht Erytheme im Bereich der Hände und Füße.

Als Erythem werden mit dem bloßen Auge sichtbare Rötungen der Haut bezeichnet, die auf lokale Hyperämien des Hautgewebes zurückgehen. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene können von dem medikamentös bedingten Phänomen betroffen sein. Es gibt unterschiedliche Schweregrade des Phänomens. Im schwerwiegendsten Fall wirft die Haut an Händen und Füßen zusätzlich zu den Rötungen zu Blasen und die Gliedmaßen sind aufgrund von starken Schmerzen in ihrer Funktion beeinträchtigt.

Ursachen

Die genaue Ursache oder Entstehung des Hand-Fuß-Syndroms ist bisher unklar. In den meisten Fällen tritt das Hand-Fuß-Syndrom nach der Gabe von Capecitabin, Doxorubicin oder 5-Fluorouracil auf. Ein kausaler Zusammenhang scheint zu den Metaboliten von Fluorouracil zu bestehen. Auch Arzneistoffe wie Cyclophosphamid, Oxaliplatin, Cytarabin, Paclitaxel, Docetaxel, Sunitinib und Sorafenib können die Nebenwirkung hervorrufen.

Damit wird das Hand-Fuß-Syndrom häufig als Begleitreaktion antineoplastischer Chemotherapie interpretiert. Andererseits kann das Phänomen auch im Rahmen von Bluterkrankungen wie der Sichelzellanämie auftreten. Welche Mechanismen der Bildung der charakteristischen Erytheme genau zugrunde liegen, ist aktuell noch immer ein Gegenstand der Diskussion und Spekulation.

Obwohl das Hand-Fuß-Syndrom nach der Gabe der genannten Medikamente relativ häufig beobachtet wird, tritt es nicht zwingend auf. Wieso manche Patienten die Erytheme entwickeln und andere nicht, bleibt unklar. Dasselbe gilt bislang für die Faktoren, die besonders schwere Fälle begünstigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Hände und Fußsohlen von Patienten mit Hand-Fuß-Syndrom röten sich stark und sind abnormal schmerzempfindlich. In den betroffenen Bereichen bilden sich oft Schuppen. Darüber hinaus tritt häufig Taubheitsgefühl auf. Außerdem treten Parästhesien oder Dysästhesien ein. Die Schwere des Syndroms kann unterschiedliche Ausprägung zeigen.

Abhängig von der Schwere lässt sich das HFS klinisch in drei Schweregrade unterteilen:

  • Beim Grad 1 liegt ein schmerzloses Erythem vor, das mit Dysästhesien oder Parästhesien vergesellschaftet ist und keine Beeinträchtigung darstellt.
  • Der Grad 2 des Syndroms liegt bei einem schmerzhaften Erythem mit Schwellungen vor, das Alltagsabläufe bis zu einem gewissen Grad beeinträchtigt.
  • Der schwerste Grad ist Grad 3. Bei diesem Schweregrad tritt eine feuchte Schuppung oder Ablösung der Haut ein. Unter starken Schmerzen bilden sich Blasen. Ein Hand-Fuß-Syndrom des dritten Schweregrads führt zu wesentlichen Beeinträchtigungen der Hände und Füße, die den Patienten bei der Ausführung alltäglicher Vorgänge behindern und ihm so zum Beispiel das Gehen oder Greifen erschweren.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Das Hand-Fuß-Syndrom wird vom Arzt auf Basis der klinischen Symptome und vor dem Hintergrund der Patientenanamnese diagnostiziert. Im Rahmen der Diagnostik ist vor allem die Frage entscheidend, ob das Syndrom durch aktuell gegebene Medikamente oder eine Erkrankung wie die Sichelzellanämie ausgelöst worden ist. Die Prognose der Patienten hängt von der Schwere des Syndroms und der Behandelbarkeit der Ursache ab.

Komplikationen

Durch das Hand-Fuß-Syndrom kommt es zu schwerwiegenden Beschwerden an den Füßen und den Händen des Patienten. In den meisten Fällen können sich Lähmungen und Sensibilitätsstörungen bemerkbar machen. Durch diese Störungen ist der Alltag des Betroffenen eingeschränkt, zudem können gegebenenfalls Bewegungseinschränkungen auftreten. Durch die Schmerzen und Einschränkungen kommt es nicht selten auch zu psychischen Beschwerden und zu Depressionen.

Ebenso färbt sich die Haut rot, sie kann von einem Juckreiz betroffen sein. Nicht selten schuppt die Haut ebenfalls. Durch Ruheschmerzen kann das Hand-Fuß-Syndrom auch zu Schlafbeschwerden und damit zu einer allgemeinen Gereiztheit führen. Eventuell kommt es durch die Lähmungen zu starken Einschränkungen im Alltag, sodass der Patient auf einen Rollstuhl oder auf die Hilfe von anderen Menschen angewiesen ist, um den Alltag weiterhin meistern zu können.

Bei der Behandlung des Hand-Fuß-Syndroms werden in erster Linie die Beschwerden gelindert. Eine kausale Behandlung ist nur dann möglich, wenn das Syndrom durch Medikamente ausgelöst wird. Bei der Behandlung kommt es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen. Allerdings kann nicht vorausgesagt werden, ob es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommen wird und ob alle Beschwerden vollständig behoben werden können.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie eines medikamentös bedingten Hand-Fuß-Syndroms kann nur durch die Umstellung der Medikamente erfolgen. Wenn eine Umstellung nicht infrage kommt, wird das Syndrom in aller Regel symptomatisch behandelt. Zur Behandlung kommen in diesem Fall zum Beispiel Uridin-Cremes infrage. Auch Vitamin B6-Gabe hat die Symptomatik in der Vergangenheit bessern können.

Falls Schmerzen vorliegen, erhalten die Patienten außerdem Schmerzmittel wie Paracetamol. Ein weiterer Therapieansatz ist durch die lokale Versorgung der Haut mit Glukokortikoiden gegeben. Für diese Lokaltherapie kommen Betamethason-haltige Cremes zum Einsatz. Auch harnstoffhaltige Cremes können unter Umständen Besserung versprechen. Außerdem werden die Patienten zur Kühlung der betroffenen Hautregionen angewiesen.

Die Kühlung lindert die Symptome in der Regel aber nur vorübergehend. In der Regel wenden die behandelnden Ärzte bereits im Rahmen einer Zytostatika-Gabe prophylaktische Maßnahmen an, die im Idealfall der Symptomatik vorbeugen oder die Symptome zumindest abschwächen. Zu diesen Maßnahmen zählen eine ganze Reihe einfach umzusetzender Schritte.

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Vorbeugung

Um dem Hand-Fuß-Syndrom im Rahmen von Krebstherapien vorzubeugen, gilt die Applikation fettender Hautsalben als wichtiger Schritt. Die Patienten sollten während der Therapie den Kontakt mit heißem Wasser meiden. Dasselbe gilt für mechanisch starke Belastungen der Handinnenflächen. Kratzen und Klatschen sollten so zum Beispiel genauso vermieden werden wie die Benutzung von Handwerkzeug.

Idealerweise finden täglich Kaltwasserbäder zur Kühlung der Hände und Füße statt. Diese Bäder werden gegebenenfalls bis zu vier Mal pro Tag angewandt. Generell sind außerordentliche Belastungen des Körpers während einer Therapie mit Zytostatika nicht zu empfehlen, da der Organismus aufgrund der Medikamentenbelastung bereits hohen Lasten ausgesetzt ist.

Bücher über Sensibilitätsstörungen

Quellen

  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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