Zytostatika

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. November 2016
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Zytostatika sind Toxine, die das Wachstum und die Teilung von Zellen unterdrücken. In der Chemotherapie nutzten Mediziner diese Eigenschaft der Zytostatika.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Zytostatika?

Zytostatika (Singular: Zytostatikum) sind Substanzen, die das Zellwachstun unterbinden oder hemmen. Dabei erfolgt die Wirkung entweder im Stadium der Zellteilung (Mitose) oder während der Wachstumsphase zwischen den Teilungen. Allgemein gesagt, handelt es sich also um Zellgifte.

Der Begriff „Zytostatikum“ wird überwiegend da angewandt, wo es um die Zerstörung höherer Zellen geht. Gemeint sind dann Organismen, die große Zellen mit Zellkern und Chromosomen haben. Einige Zytostatika wirken aber auf alle Zelltypen ein, also auch auf niedere Lebensformen wie Bakterien. Spezielle Mittel, die Mikroorganismen abtöten, werden gemeinhin als Antibiotika bezeichnet, obwohl sie im Wortsinn ebenfalls Zytostatika sind. (Anders herum könnte man Zytostatika auch als Antibiotika bezeichnen.)

Allgemein bekannt sind Zytostatika als Medikamente im Rahmen der Chemotherapie bei malignen Tumoren (Bösartige Geschwüre). Doch auch für die Behandlung anderer Erkrankungen eignen sich Zytostatika.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Zytostatika sind Toxine, die das Wachstum und die Teilung von Zellen unterdrücken. In der Chemotherapie nutzten Mediziner diese Eigenschaft der Zytostatika.

Zytostatika setzen auf der zellulären Ebene an verschiedenen Stellen an. Manche verhindern den regulären Aufbau des Zyto-Skeletts. Das sind feinste Proteinfäden, die im Inneren der Zelle zur mechanischen Stabilisierung beitragen. Einige Zytostatika verhindern die korrekte Vervielfältigung des Erbmoleküls, der DNA. Andere stören die Verteilung der Chromosomen auf die Tochterzellen während der Zellteilung. Manche Zytostatika unterdrücken den Eiweißstoffwechsel in den Zellen, wodurch eine Zellteilung mangels Masse unmöglich wird.

Zytostatika treffen vorrangig solche Gewebe-Typen, in denen ein rasantes Zellwachstum mit hohen Teilungsraten stattfindet. Weil dies in Tumoren der Fall ist, wirken Zytostatika speziell – aber leider nicht ausschließlich – auf die Krebszellen. Der Einsatz von Zytostatika in der Chemotherapie erfolgt bevorzugt im Anschluss an Operationen. Trotz der Entfernung des sichtbaren Tumors können kleinste Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper verbleiben. Im Operationsgebiet können sogar einzelne Zellen abgeschilfert sein und eine neue Wucherung gründen. Um diese Reste vollständig zu eliminieren, kommen die Zytostatika zum Einsatz.

Eine weitere Indikation der Zytostatika sind Autoimmunkrankheiten. Das sind Fehlreaktionen des Immunsystems, das aus unbekannten Gründen körpereigene Substanz angreift. Die Arbeit unseres Immunsystems ist mit einer hohen Produktionsrate von Leukozyten (Weiße Blutkörperchen) verbunden. Aus diesem Grund wirken Zytostatika auch als Immunsuppressiva, die eine überschießende Körperabwehr herunterfahren. Allerdings ist dies ein relativ wenig genutztes Potential der Zytostatika.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Zytostatika

Zytostatika sind größtenteils organische, selten auch anorganische Substanzen. Die meisten dieser Verbindungen werden synthetisch hergestellt.

Manchmal sind sie naturidentische Wirkstoffe mit pflanzlichen Vorbildern. Das Spektrum der Zytostatika ist so umfangreich, dass eine praktische Klassifizierung selbst für Fachleute schwierig ist. Durchgesetzt hat sich zunehmend eine Einteilung nach molekularen Wirkmechanismen, die aber die Zugehörigkeiten zu den chemischen Substanzklassen teils außer Acht lässt.

Bemerkenswert sind die phytomedizinischen Aspekte der Zytostatika in der Chemotherapie. So wurden mit dem Gift der Herbstzeitlosen Versuche in der Krebsbehandlung unternommen. Colchizin (Colchicum: „Herbstzeitlose“) konnte sich hier zwar nicht bewähren, doch wird der Zellteilungs-Blocker bei Gicht verschrieben. Andere pflanzliche Wirkstoffe wirken tatsächlich gegen Tumore wie Topotecan aus dem chinesischen Glücksbaum (Camptotheca) oder Paclitaxel aus Eiben (Taxus).

Zu den rein anorganischen Zytostatika hingegen gehört die Platin-Verbindungen Cisplatin. Die Substanz lagert sich an die DNA an und stoppt dadurch die Zellteilung. Einige Zytostatika wurden ursprünglich als Medikamente gegen Infektionen entwickelt und sollten das Wachstum der Bakterien hemmen. Dann erwies sich die krebsrelevante Chemotherapie als das eigentliche Indikationsgebiet dieser Zytostatika.

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Risiken & Nebenwirkungen

Zytostatika haben durch ihre aggressiven Eigenschaften gravierende Nebenwirkungen. Betroffen sind vor allem die Organe, in denen eine hohe Zellteilungs-Aktivität herrscht. Die sich ständig erneuernde Darmschleimhaut ist daher vom Effekt der Zytostatika betroffen.

Resultat ist die teils enorme Übelkeit während einer Chemotherapie. Eine hohe Mitose-Rate ist auch im Knochenmark zu verzeichnen. Daher ist die Bildung der Erythrozyten beeinträchtigt sowie die Produktion weißer Blutkörperchen. Anämie (Blutarmut) und eine geschwächte Immunabwehr ist die Folge. Ebenfalls gravierend sind die mutagenen (Erbgut verändernden) Eigenschaften der Zytostatika. Sogar die Entstehung von Krebs kann damit eine Nebenwirkung der akut lebensrettenden Chemotherapie sein.

Weniger gravierend ist der Nebeneffekt des Haarausfalles. Haare sind tote, übereinander gestapelte Zellen. Dadurch erfordert das Haarwachstum ständige Zellteilungen. Deswegen entfaltet sich auch hier die Wirkung der Zytostatika.

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