Cyclophosphamid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. August 2017
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Cyclophosphamid ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Zytostatika. Er wird zur Behandlung von Krebserkrankungen und zur Therapie von schweren Autoimmunerkrankungen genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Cyclophosphamid?

Cyclophosphamid ist ein Arzneistoff mit alkylierender Wirkung. Alkylanzien sind chemische Substanzen, die Alkylgruppen in die DNS einführen können. Cyclophosphamid gehört zur Gruppe der Senfgas-Stickstoff-Verbindungen und somit zu den Zytostatika. Zytostatika sind Arzneistoffe, die das Zellwachstum und / oder die Zellteilung hemmen. Sie werden insbesondere zur Behandlung von Krebs im Rahmen der Chemotherapie eingesetzt.

Auf der Suche nach einem Krebspräparat stellten Chemiker der Pharmafirma Asta Medica ein Derivat des Phosphamidmustards her. Darauf aufbauend wurde 1956 das Cyclophosphamid entdeckt. Im Jahr 1962 wurde der Arzneistoff schlussendlich patentiert. Heute wird Cyclophosphamid aus Bisamin und Phosphoroxychlorid hergestellt. Dabei entsteht Phosphorsäureamiddichlorid. In der Umsetzung mit 3-Amino-1-propanol entsteht, in Gegenwart von dem basischen Lösungsmittel Triethylamin, das Substanzgemisch Cyclophosphamid.

Pharmakologische Wirkung

Cyclophosphamid gehört zu den Prodrugs. Prodrugs sind inaktive Vorstufen von Arzneistoffen, die erst durch verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper ihre Wirkung entfalten. Die zytotoxische Wirkung des Cyclophosphamids wird erst in der Leber aktiviert. Somit ist Cyclophosphamid an sich eine Substanz, die zunächst nicht zytostatisch wirksam ist.

Die Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe liegt bei über 75 Prozent. Die Halbwertzeit liegt zwischen drei und zwölf Stunden. In den Zellen der Leber erfolgt eine Hydroxylierung des Arzneistoffes durch das Cytochrom-P450-System. Dabei entsteht 4-Hydroxycyclophosphamid-Aldophosphamid. Dieses spaltet Acrolein ab und wird dadurch zu Phosphoramidmustard. Phosphoramidmustard ist ein Alkylans mit aktiver Bifunktion. Es schädigt die DNA der Zellen durch sogenannte cross links. Cross links sind Quervernetzungen zwischen den einzelnen DNA-Strängen. Durch die DNA-Schädigung können sich die Zellen nicht mehr teilen. Die Vermehrung der Zellen wird somit gehemmt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Cyclophosphamid wird zur Behandlung von Krebserkrankungen und zur Therapie von schweren Autoimmunerkrankungen genutzt.

Cyclophosphamid wird zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen als Zytostatikum verwendet. In der Regel wird der Arzneistoff in der Therapie mit anderen Zytostatika kombiniert. Bei Erwachsenen wird Cyclophosphamid zur Behandlung von Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen eingesetzt. Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome sind bösartige Erkrankungen des Lymphsystems.

In Kombination mit Methotrexat und 5-Fluoruracil wird Cyclophosphamid im sogenannten CMF-Schema bei der Behandlung von Brustkrebs (Mammakarzinom) verabreicht. Weitere Indikationen für Cyclophosphamid sind Weichteilsarkome und das Ewing-Sarkom. Das Ewing-Sarkom ist die zweithäufigste Knochenkrebsform bei Kindern.

Auch zur Mobilisierung von Stammzellen zur Stammzellapherese und als Konditionierungsbehandlung vor Immuntherapien und Stammzelltransplantationen wird Cyclophosphamid eingesetzt. Bei Kindern wird nicht nur das Ewing-Sarkom mit Cyclophosphamid therapiert. Weitere Einsatzgebiete des Arzneistoffes sind das Medulloblastom, Neuroblastome, Retinoblastome und schwere aplastische Anämien.

Cyclophosphamid wird allerdings nicht ausschließlich in der Krebstherapie eingesetzt. Auch schwere Verläufe bei Autoimmunerkrankungen wie der Granulomatose, der Rheumatoiden Arthritis oder bei systemischem Lupus Erythematodes (SLE) werden mit Cyclophosphamid behandelt. In mehreren Studien konnte zudem eine Besserung der Symptome bei Multipler Sklerose nachgewiesen werden. Derzeit liegt für die Behandlung der Multiplen Sklerose allerdings keine Zulassung vor.

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Risiken & Nebenwirkungen

Cyclophosphamid darf nicht während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Während der Therapie ist auf eine ausreichende Verhütung zu achten, sodass es in keinem Fall zu einer Schwangerschaft kommen kann. Während der Behandlung mit Cyclophosphamid dürfen zudem keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen durchgeführt werden. Durch die immunsuppressive Wirkung des Arzneistoffes könnten sonst potenziell lebensgefährliche Infektionen entstehen.

Im Rahmen der Therapie mit Cyclophosphamid kann es zu einer Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kommen. Häufige Nebenwirkungen sind auch Übelkeit und Haarausfall. Bei kumulierten Dosen von Cyclophosphamid erhöht sich das Risiko für Leukämien und Blasentumore. Im Rahmen einer Chemotherapie mit dem Arzneistoff kann es zu einer hämorrhagischen Entzündung der Blase (Zystitis) kommen. Deshalb wird parallel zum Cyclophosphamid der Arzneistoff Mercapto-ethansulfonat-Natrium (Mesna) verabreicht. Ob diese Gabe wirklich hilfreich ist, ist derzeit noch umstritten. Insbesondere bei geringeren Dosen Cyclophosphamid, zum Beispiel bei der Therapie von Autoimmunerkrankungen, ist die Gabe von Mesna in der Regel nicht nötig.

Nach der Gabe von Cyclophosphamid kann es sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu Unfruchtbarkeit kommen. Vor der Therapie wird Patienten mit Kinderwunsch deshalb eine Kryokonservierung von Eizellen und Spermien empfohlen.

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