Hyperästhesie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 8. Oktober 2017
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Die Hyperästhesie bezeichnet eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungs- und Sinnesreizen, die sich häufig auch als Schmerz äußert. Sie ist eng verbunden mit weiteren Sensibilitätsstörungen, die entweder eine Überempfindlichkeit oder eine verringerte Empfindlichkeit repräsentieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hyperästhesie?

Der Begriff Hyperästhesie wird sowohl in der Neurologie als auch in der Psychologie verwendet. In der Neurologie wird sie oft mit einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit bei Berührungen in Zusammenhang gebracht.

Die Psychologie bezeichnet eine krankhaft gesteigerte Erregbarkeit als Hyperästhesie, wobei die Erregung durch Berührungsreize ausgelöst wird. Der Begriff der Hyperästhesie ist untrennbar mit anderen Sensibilitätsstörungen verknüpft, die sich nur um einige Nuancen unterscheiden. So bezeichnet die Allodynie eine Störung, die eine Schmerzempfindung durch Reize auslöst, welche normalerweise keinen Schmerz erzeugen.

Eine Dysästhesie definiert abnorme unangenehme Sinneswahrnehmungen auf normale Reize, wobei es zur erhöhten Schmerzempfindlichkeit, zu verminderten Sinnesempfindungen oder auch zu Überempfindlichkeiten kommen kann. Die Hyperalgesie bezeichnet eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, während die Hyperpathie wiederum bei erhöhter Reizschwelle eine Überempfindlichkeit für sensible Reize darstellt. Diese Aufzählung zeigt, dass diese Begriffe teilweise auch als Synonyme für Hyperästhesie verwendet werden können.

Ursachen

Die Ursachen der Hyperästhesie sind gar nicht so leicht zu ermitteln. Aus unterschiedlichen Gründen kommt es zu einer verstärkten Reizweiterleitung in den nervalen Strukturen. Dafür gibt es sowohl organische als auch psychologische Gründe.

So können bei Mono- und Polyneuropathien, ZNS-Läsionen, Nervenkompressionen bei einem Bandscheibenvorfall, postoperativen Zuständen oder beim Morbus Sudeck (sympathisch unterhaltender Schmerz) dauerhafte Überempfindlichkeiten gegen Berührungsreize entstehen. Es gibt aber auch das Phänomen des Phantomschmerzes.

Dabei hat sich der Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis aus früheren traumatischen Schmerzerfahrungen zugelegt. Obwohl die Ursache des Schmerzes verschwunden ist und sogar entsprechende Gliedmaßen fehlen, wird dort immer noch der gleiche Schmerz empfunden. Unabhängig von ihren Ursachen äußert sich eine Hyperästhesie durch intensive Sinnesempfindungen infolge erhöhter Reizweiterleitungen in den Nervenstrukturen.

Typische Symptome & Anzeichen

  • Überempfindlichkeit für Berührungsreize (z.B. Schmerzempfindlichkeit)

Diagnose & Verlauf

Ob die Hyperästhesie als Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung, oder als isoliertes Merkmal auftritt, muss differenzialdiagnostisch abgeklärt werden.

Es besteht die Frage, ob eine organisch nachvollziehbare Störung des Nervensystems vorliegt oder die verstärkte Reizweiterleitung aufgrund eines vorangegangenen Traumas stattfindet. Zu den organisch bedingten Ursachen gehört u. a. die Nervenwurzelkompression bei Bandscheibenschäden, das Bestehen von Neurinomen (gutartige Tumoren des Nervensystems mit Beteiligung des Bindegewebes) oder die Polyneuropathien. Zur Differenzialdiagnose wird zunächst eine Anamnese erstellt. Mittels der Anamnese kann bereits zwischen organischen und psychologischen Ursachen differenziert werden. Bildgebende Verfahren, wie CT und MRT, können eventuelle Bandscheibenschäden oder Neurinome feststellen.

Weiterhin werden Sensibilitätsprüfungen, Nervenleitfähigkeitsmessungen, Reflexprüfungen und andere Untersuchungen durchgeführt. Oft ist die bestehende Hyperästhesie jedoch nicht als krankhaft zu bezeichnen, sondern nur als Normvariante, die sich in einer sensibleren Reaktion auf Umwelteinflüsse äußert, zu betrachten.

Komplikationen

Bei der Hyperästhesie kommt es zu einer stark erhöhten Sensibilität und zu einer erhöhten Empfindlichkeit. Schon keine Berührungen und Reize können dabei beim Patienten zu starken Schmerzen und zu einem Brennen auf der Haut führen. In einigen Fällen äußert sich die Hyperästhesie allerdings auch in Form einer verringerten Empfindlichkeit. In beiden Fällen wird die Lebensqualität des Patienten durch die Krankheit verringert und der Alltag stark erschwert.

Nicht selten kommt es dabei auch zu Schlafstörungen, wenn es nachts zu Ruheschmerzen kommt. Dabei kann auch eine allgemeine Reizbarkeit des Patienten auftreten. Bestimmte Tätigkeiten des Alltages können in vielen Fällen nicht mehr ohne Weiteres ausgeführt werden und es kommt nicht selten zu Bewegungseinschränkungen des Patienten. Die Behandlung der Hyperästhesie erfolgt immer kausal und richtet sich nach der Grunderkrankung.

Komplikationen treten dabei nicht auf. Es kann allerdings zu Nervenschäden gekommen sein, die nicht reversibel behandelt werden können. Dabei leidet der Betroffene sein Leben lang an den Beschwerden und Einschränkungen. Die Behandlung kann durch Therapien bestimmte Reize und Reaktionen wieder beeinflussen. Es kommt allerdings nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf. Die Lebenserwartung wird durch die Hyperästhesie nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Hyperästhesie richtet sich nach deren Ursache. Liegen nachvollziehbare organische Ursachen vor, muss die Grunderkrankung therapiert werden. So können Neurinome operativ entfernt werden.

Nervenwurzelkompressionen infolge von Bandscheibenschäden müssen je nach ihrer Ausprägung durch physikalische Therapien oder in Ausnahmefällen auch operativ behandelt werden. Polyneuropathien haben wiederum verschiedene Ursachen, die zunächst differenzialdiagnostisch ermittelt werden müssen, um sie therapieren zu können. Manchmal rufen auch bestimmte Virusinfektionen Nervenschäden hervor, die eine Hyperästhesie auslösen. In vielen Fällen liegen jedoch keine organischen Ursachen vor.

Hier hat der Körper sozusagen gelernt, auf bestimmte Reize mit Übererregbarkeit oder Schmerz zu reagieren. Dann ist oftmals eine psychologische Betreuung notwendig, um eine gelassenere Reaktion auf diese Reize zu lernen. Das bedarf manchmal einer langwierigen psychologischen Behandlung. Voraussetzung ist hier die Ermittlung eines eventuellen traumatischen Erlebnisses, welches die Hyperästhesie ausgelöst haben könnte.

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Vorbeugung

Es ist sehr schwer, Empfehlungen zur Vorbeugung vor einer Hyperästhesie zu erteilen. Sowohl die organischen als auch die psychologischen Ursachen sind so vielfältig, dass die Entstehung dieses Symptoms nicht vorausgesagt werden kann. Lediglich, wenn bereits Tendenzen zur Ausbildung einer Hyperästhesie erkennbar sind, sollte durch eine rechtzeitig eingeleitete Therapie der Krankheitsverlauf gestoppt werden.

Das können Sie selbst tun

Die Möglichkeit einer Selbstbehandlung bei einer Hyperästhesie hängt sehr stark von der genauen Ursache der Erkrankung ab, sodass darüber keine allgemeine Voraussage gegeben werden kann. In vielen Fällen sind die Patienten allerdings auf eine medizinische Behandlung angewiesen, um die Beschwerden der Erkrankung zu behandeln.

Sollte die Hyperästhesie aufgrund von psychischen Beschwerden oder Verstimmungen auftreten, so ist eine Behandlung bei einem Psychologen oder bei einem Therapeuten notwendig. Diese Behandlung kann in den meisten Fällen auch durch Gespräche mit anderen Betroffenen oder mit Freunden und der Familie gestärkt werden. Vor allem bei einem traumatischen Erlebnis sollten ausführliche und klärende Gespräche über das Erlebnis stattfinden, um die Beschwerden dieser Erkrankung einzuschränken. Die Betroffenen sollten sich nicht entmutigen lassen, falls die Behandlung über einen sehr langen Zeitraum erfolgen muss. Dies ist bei der Hyperästhesie in vielen Fällen üblich.

Weiterhin können sich auch Entspannungsübungen oder leichte Sportarten sehr positiv auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Dabei eignet sich vor allem Yoga. Weiterhin können auch Wärme- oder Kälteanwendungen hilfreich sein. In vielen Fällen können damit die Symptome der Hyperästhesie eingeschränkt werden.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015

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