Sunitinib

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
Symptomat.deWirkstoffe Sunitinib

Sunitinib ist ein Krebsmedikament und wird bei nicht mehr chirurgisch entfernbaren gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), neuroendokrinen Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder bei Nierenzelltumoren eingesetzt. Es kommt unter dem Handelsnamen Sutent® auf den Markt und wird von der Firma Pfizer hergestellt. Sunitinib kann verschiedene Nebenwirkungen durch Wechselwirkung mit den Schilddrüsenhormonen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Sunitinib?

Sunitinib ist ein sogenannter Rezeptor-Tyrosinkinase-Inhibitor und wird bei der Behandlung von speziellen Krebsformen, die nicht mehr chirurgisch behandelbar sind, eingesetzt. Der Wirkstoff von Sunitinib enthält ein aromatisches Grundgerüst mit einer komplizierten chemischen Struktur. Seine chemische Summenformel lautet C22H27FN4O2.

Sunitinib dient als Ersatzmedikament, falls die Behandlung mit Imatinib nicht vertragen wird. Imatinib ist ebenfalls ein Rezeptor-Tyrosinkinase-Inhibitor. Rezeptor-Tyrosinkinasen sind verantwortlich für die Übertragung von Phosphatgruppen auf die Tyrosinreste innerhalb eines Proteins. Dabei werden die entsprechenden Proteine in ihrer Aktivität maßgeblich beeinflusst. Rezeptor-Tyrosinkinasen vermitteln so innerhalb der Zelle ganze Signalkaskaden.

Gleichzeitig haben sie auch Einfluss auf die Zellproliferation, d. h. auf die Vermehrung der Zellen durch Zellteilung, indem sie auch als Rezeptoren für Wachstumsfaktoren auftreten. Das sind besonders die Wachstumsfaktoren VEGF, PDGF, c-Kit, FLT, RET oder CSF. VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) regt als Signalmolekül die Bildung von Blutgefäßen an (Vaskulogenese). Der Wachstumsfaktor PDGF (Platelet Derived Growth Factor) wirkt als Mitogen (Anreger der Zellteilung) besonders für Zellen des Bindegewebes. Das Protein c-Kit vermittelt insbesondere die Zellproliferation für Stammzellen.

Auch alle anderen Wachstumsfaktoren spielen eine große Rolle bei der Zellteilung. Wenn sie in verstärktem Maße gebildet werden, wird auch die Zellteilung angeregt und es kann sich ein Krebsgeschwulst ausbilden. Die oben genannten Wachstumsfaktoren spielen so bei der Entstehung von gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), neuroendokrinen Tumoren (NET) der Bauchspeicheldrüse und Nierenzellkarzinomen eine Rolle.

Die GIST sind seltene Tumore des Bindegewebes innerhalb des Verdauungstraktes. Neuroendokrine Tumore sind ebenso selten und regen die Bildung bestimmter Hormone an. Das Medikament Sunitinib kann durch die Blockade der Rezeptoren der Wachstumsfaktoren diese in ihrer Aktivität einschränken und somit das Krebswachstum hemmen.

Pharmakologische Wirkung

Sunitinib wirkt also hemmend auf das Wachstum bestimmter Krebszellen. Das gilt besonders für Bindegewebszellen im Verdauungstrakt, in den Nieren und bei neuroendokrinen Tumoren. Der Wirkstoff blockiert dabei die sogenannten Rezeptor-Tyrosinkinasen.

Tyrosinkinasen sind Enzyme, die die Phosphatgruppen auf die Tyrosinreste anderer Proteine übertragen. Die phosphorylisierten Stellen des Proteins werden durch die SH2-Domänen anderer Proteine erkannt. Sie binden sich an die phosphorylisierten Stellen und ermöglichen so die Übertragung von Signalen.

Eine SH2-Domäne ist ein charakteristischer Proteinabschnitt mit ca. 100 Aminosäuren. Aufgrund dieser Bindung entsteht eine Konformationsänderung des Proteins, welche an andere Proteine weitergegeben wird. Daraus entwickelt sich eine Signalkaskade. Die Rezeptor-Tyrosinkinasen phosphorylisieren Rezeptorproteine, die als Andockstellen für Proteine dienen, die dann aufgrund der Bindung aktiviert werden und bestimmte Wirkungen weiter vermitteln. Zu diesen Proteinen gehören auch die Wachstumsfaktoren, die für die Proliferation von Zellen verantwortlich sind. Bei einer verstärkten Bildung von Wachstumsfaktoren kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten, wobei sich Krebs entwickelt.

Da die Wachstumsfaktoren jedoch ihre Wirkung nur entfalten können, wenn sie sich an ihre Rezeptoren binden, kann deren Hemmung zum Wachstumsstopp der Krebsgeschwülste beitragen.

Der Rezeptor wird wiederum aufgrund der Phosphorylisierung durch die Rezeptor-Tyrosinkinasen zur Bindung mit den Wachstumsfaktoren befähigt. Wenn die Rezeptor-Tyrosinkinasen durch das Medikament Sunitinib jedoch blockiert werden, findet keine Bindung mit den Wachstumsfaktoren statt. Somit bleiben die Wachstumsfaktoren inaktiv und entsenden kein Signal für das Zellwachstum. Im Falle der Krebsgeschwülste bedeutet das ein Wachstumsstopp oder ein verlangsamtes Wachstum.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Sunitinib wird bei der Behandlung von speziellen Krebsformen, die nicht mehr chirurgisch behandelbar sind, eingesetzt.

Wie bereits beschrieben, wird das Medikament Sunitinib bei speziellen Krebserkrankungen wie bei den gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), den neuroendokrinen Tumoren in der Bauchspeicheldrüse oder beim Nierenzellkarzinom angewendet. Dort wird es jedoch nur bei nicht operablen Krebstumoren oder Metastasenbildung eingesetzt.

Des Weiteren dient Sunitinib als Ersatzpräparat, wenn eine Therapie mit dem Medikament Imatinib zu starken Nebenwirkungen führt. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass es gerade bei den genannten Tumoren gut wirkt. So konnte die Lebenserwartung der mit Sunitinib behandelten Patienten teilweise gegenüber den unbehandelten Patienten verdoppelt werden. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass sich die Lebensqualität der behandelten Personen deutlich verbessert.

Sunitinib wirkt sehr lange nach der Einnahme. Es hat eine Halbwertszeit von ca. 40 bis 60 Stunden. Im Organismus wird es durch das Enzym CYP3A4 (Cytochrom P450 3A4) metabolisiert und gewinnt dadurch noch an Wirksamkeit. Der Metabolit wirkt so noch einmal länger als der Wirkstoff selbst.




Risiken & Nebenwirkungen

Es beim Einsatz von Sunitinib zu Nebenwirkungen kommen. So wird Müdigkeit, Durchfall, Bluthochdruck, Nasenbluten, Mundschleimhautentzündungen oder das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom beobachtet. Beim Hand-Fuß-Syndrom kommt es zu schmerzhaften Rötungen und auch Schwellungen an Fußsohlen und Handflächen. Meist ist dieses Syndrom eine Reaktion des Körpers auf die Zuführung von Zytostatika.

Eine weitere Nebenwirkung von Sunitinib ist die Hemmung des Enzyms Thyreoperoxidase. Die Thyreoperoxidase ist verantwortlich für den Einbau von Jod in Tyrosin zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Dadurch kann es bei der Behandlung mit Sunitinib zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen. Die oft beobachtete Müdigkeit im Rahmen einer Chemotherapie mit Sunitinib ist wohl darauf zurückzuführen.

Sunitinib darf nicht bei einer Überempfindlichkeit gegenüber des Wirkstoffes eingesetzt werden.

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