Giersch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Aegopodium podagraria ist der lateinische Name für Giersch, eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Von Gärtnern wird die Staude als Unkraut bekämpft. Heilkundige und Köche schätzen sie indes als Heilkraut und Wildgemüse.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Giersch

Die wissenschaftliche Bezeichnung Aegopodium podagraria für den Giersch, auch Geissfuß genannt, leitet sich aus den griechischen Worten „aigeos“ für Ziege und „podos“ für Fuß ab, da die Form der Blätter an einen Ziegenfuß erinnert. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre ist Aegopodium podagraria in der Naturheilkunde gegen Gicht in den Füßen eingesetzt worden. Auch die Anwendung bei Rheuma ist belegt.

Die Pflanze ist in ganz Europa heimisch, ausgenommen die Iberische Halbinsel. In den gemäßigten Klimazonen Asiens und Nordamerikas ist sie ebenfalls zu finden. Sie wächst in Gärten, an Hecken, in Gebüschen, Parkanlagen und in feuchten Wäldern, häufig an Flussufern und Bächen. Giersch bevorzugt Böden mit ausreichend Grundwasser und Stickstoff, ist daher in Moorgegenden sehr verbreitet. Die ausdauernde Staude wird bis zu 90 Zentimetern hoch und blüht zwischen Juni und August. Aus den Blüten entwickeln sich die eiförmigen Samen im Herbst.

Mit seinen unterirdischen Ausläufern verbreitet sich die Staude in kürzester Zeit, schafft in einem Jahr bis zu drei Quadratmeter. Die weissen Wurzeln sind durch ihren Bestandteil Falcarindiol leicht giftig. Wegen seiner unterirdischen Triebe ist er kaum zu bändigen und deshalb bei Gärtnern unbeliebt. Wer sich jedoch für die Heilkraft der Pflanze und ihre Anwendung in der Küche interessiert, hat immer genügend Nachschub, denn die Staude verbreitet sich rasch. Da sie mit ihren bodennahen Blättern milde Winter überdauert, gilt sie als teilwintergrün.

Wirkung & Anwendung

Es ist zu vermuten, dass Aegopodium podagraria bereits in der Steinzeit auf dem Speiseplan stand. Die frühesten Aufzeichnungen über Giersch finden sich erst im Mittelalter und der Renaissance. Zur damaligen Zeit wurde sie gleichermaßen als Heil- und Nahrungspflanze genutzt. Blätter und die zerquetschten Wurzeln der Pflanze wurden bei Ischiasschmerzen, Rheuma und Gicht auf die betroffenen Körperstellen gelegt.

Wildgemüse und Salate aus Giersch waren am polnischen Königshof beliebt. In den früheren Kloster- und Bauerngärten wurde Giersch als Nutzpflanze kultiviert. Hildegard von Bingen schätzte ihn wegen seiner Lebenskraft schenkenden Eigenschaft. Giersch enthält sehr viel Vitamin C, viermal so viel wie eine Zitrone. Auch Mineralien wie Kalium, Magnesium, Calcium, Mangan, Kupfer, Zink, Karotin, Kieselsäure und Eisen sind in größeren Mengen vorhanden.

Weitere Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, Chlorogensäure, Isoquercitrin, Polyine, Phenolcarbonsäuren, Cumarine, Flavonolglykoside, Harz, Hyperosid und Kaffeesäure. Auch wenn die Wissenschaft bis heute keine Belege für die Wirkweise des Giersch vorlegen konnte, und die Pflanze daher in den neueren Arzneimittelbüchern nicht mehr aufgeführt ist, wird sie als Heilpflanze aufgrund ihrer Wirkung dennoch sehr ernst genommen.

Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre ist Aegopodium podagraria in der Naturheilkunde gegen Gicht in den Füßen eingesetzt worden.

Ihre krampflösenden, entgiftenden und blutreinigenden Eigenschaften sind unbestritten. Der relativ hohe Kaliumgehalt wirkt auf den Stoffwechselprozess im Körper, schwemmt Wasser aus, ohne den Elektrolysehaushalt des Organismus zu belasten. Durch den ansehnlichen Gehalt an Mineralien wirkt der Giersch basisch, fördert den Stoffwechsel, und entsäuert den Körper.

So wird das Bindegewebe gestärkt. Im Mittelalter wurde Giersch auch gegen Herzgefäßbeschwerden eingesetzt. In der Volksheilkunde wird die Pflanze heute in Form von Tee aus getrockneten Blüten und Blättern, äußerlichen Auflagen, als Badezusatz, für Salate und als Gemüse verwendet. In der Homöopathie werden die frisch blühenden Pflanzen verarbeitet, und gegen gegen Gicht und Rheuma eingesetzt.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Selbst wenn die Medizin neben der entwässernden Wirkung dem Giersch keinen wissenschaftlichen Nutzen attestiert, spielt er dennoch eine wichtige Rolle In der Naturheilkunde. Die Liste der Indikationen ist recht umfangreich. Giersch hilft gegen Blasenentzündungen, ist blutreinigend, entsäuert die Lymphe, regt die Nierentätigkeit an und löst Verdauungsprobleme. Bei Sonnenbrand und Insektenstichen lassen zerriebene Blätter, direkt auf die Stelle aufgetragen, die Entzündung rasch abklingen und kühlen die Haut.

Bei Gicht und Rheuma empfiehlt sich eine kombinierte Anwendung von innen und außen. Die Patienten baden in einem Sud aus getrockneten Gierschwurzeln. Ein Salat aus jungen Gierschblättern ist am wirksamsten, wenn er frisch zubereitet gegessen werden. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv mit dem Giersch beschäftigte, empfahl gegen Rheuma sogar frischen Giersch als Schuheinlage. Zur Entschlackung und Entgiftung raten Naturheilkundler zu einer zehntägigen Frühjahrskur mit Gierschsaft, der aus frischen Trieben gepresst und mit Mineralwasser oder Buttermilch verdünnt wird.

Auch in der Küche lässt sich der Giersch auf phantasievolle Weise verwenden. Die jungen, hellgrünen Triebe schmecken nach einer Mischung aus Möhre, Petersilie und Spinat und eignen sich für frische Salate. Die älteren Blätter sind intensiver und verbinden sich mit Zwiebeln und Knoblauch zu einem wohlschmeckenden Gemüse. Kräuterbutter, Suppen, Soßen, Aufläufe und Kartoffelgerichte lassen sich mit Giersch verfeinern. Mit Frischkäse oder Quark gemischt, lässt sich ein gesunder Brotaufstrich herstellen.

Auch die Gierschblüten sind essbar und schmecken süßer als der Rest der Pflanze. Sie eigenen sich zur Aromatisierung von Kräuterlimonaden, Essig und Öl. Die Stile und Knospen schmecken auch als Gemüse. Die Blätter und die etwas pikanteren Samen, lassen sich trocknen, zu Pulver verreiben und ergeben ein interessantes Gewürz für Suppen und Saucen.

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