Anamnese

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Beim ersten Kontakt zwischen Arzt und Patient spielt das Kennenlernen eine bedeutsame Rolle. Nur wer sich bei seinem Arzt in guten Händen weiß, ist bereit, die Diagnose sowie die vorgeschlagene Therapie zu akzeptieren. Auch für den Arzt ist es wichtig, den Patienten genau zu kennen. Das erste Gespräch zwischen Arzt und Patient wird Anamnese genannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Anamnese?

Der Arzt muss nicht nur über die aktuellen Beschwerden Bescheid wissen. Hinter gleichen Symptomen stecken verschiedene Ursachen. Die Anamnese verschafft ihm einen Überblick über Gesundheitszustand, berufliche und persönliche Lebensverhältnisse und psychische Verfassung des Patienten. Eine sorgfältige Anamnese bildet den Ausgangspunkt für Art und Umfang der späteren Therapie.

Sie hilft dem Arzt, eine klare Diagnose zu stellen und den Patienten effektiv zu behandeln. Der Begriff Anamnese geht auf das griechische Wort "anámnēsis" zurück und bedeutet "Erinnerung". Er bezeichnet sowohl die Befragung als auch den Inhalt der Krankengeschichte. In einem eingehenden Gespräch mit dem Patienten wird eine Art "gesundheitlicher Lebenslauf" erstellt, um grundlegende medizinische Informationen über den Patienten zusammenzutragen und zu dokumentieren.

Nebenbei hat der Arzt die Möglichkeit, seinen Patienten im Vorfeld zu inspizieren (Körperhaltung, Gesichtsfarbe, Zustand von Haaren und Fingernägeln). Ein weiteres Ziel der Anamnese ist, ein positives Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient aufzubauen. Dieses bildet eine entscheidende Basis für eine spätere erfolgreiche Behandlung.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Anamnese wird vor der medizinischen Untersuchung erhoben. Wie sie abläuft und wie lange sie dauert, hängt vom Beschwerdebild des Erkrankten und der Fachrichtung des Arztes ab. Sein Ziel ist es, zusammen mit Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung eine erste Verdachtsdiagnose zu finden.

Diese kann er mit zusätzlichen Untersuchungen absichern und eine wirksame Therapie einleiten. Je nach dem, woher die Auskünfte stammen, unterscheidet der Mediziner zwischen Eigen- und Fremdanamnese. Erstere basiert auf den eigenen Antworten des Patienten. Eine Fremdanamnese stammt von Personen aus seinem direkten Umfeld.

Das ist notwendig, wenn sich der Kranke nicht ausreichend verständigen kann oder Symptome auftreten, die er selbst nicht wahrnimmt, weil sie beispielsweise im Schlaf auftreten. Der Arzt empfängt seinen Patienten mit der Frage: "Was führt Sie zu mir?" und hört sich dessen Beschwerden an. Er stellt gezielte Fragen, die die Diagnose eingrenzen und die relevanten Bereiche der Vorgeschichte abdecken.

Für den Arzt ist es wichtig, den Patienten genau zu kennen. Das erste Gespräch zwischen Arzt und Patient wird Anamnese genannt.

Die Aktuelle Anamnese beinhaltet Fragen, die auf momentane Beschwerden abzielen: Wo tut es weh und seit wann? Wie stark sind die Schmerzen? Wann und wie oft treten sie auf? Alle Antworten, die sich nicht direkt darauf beziehen, sind Gegenstand der „Allgemeinen Anamnese“. Diese beleuchtet zunächst die bisherige Krankengeschichte des Patienten. Sie erfasst durchgemachte Krankheiten, chronische Krankheiten, Infektions- und Kinderkrankheiten, frühere Operationen, Verletzungen, Allergien oder Behinderungen.

Bei der Vegetativen Anamnese geht es um Körperfunktionen wie Essgewohnheiten, Stuhlgang, Atmung und Schlaf. Der Arzt erkundigt sich beispielsweise, ob der Patient unter Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel oder Schlafstörungen leidet. Bei der Medikamentenanamnese interessiert den Mediziner, welche Präparate der Patient einnimmt oder eingenommen hat, aus welchem Grund und in welcher Dosierung. Leider vergessen die Patienten häufig, freiverkäufliche Präparate oder Verhütungsmittel wie die Pille zu erwähnen. Doch für den Arzt sind diese Angaben wichtig.

Diese Mittel können die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Mittels der Genussmittelanamnese kann der Arzt mögliche Risikofaktoren einschätzen. Alkohol, Drogen oder Zigaretten lösen ebenso wie übermäßiger Kaffee- oder Zuckerkonsum bestimmte Krankheiten aus oder verschlimmern sie. Gerade, wenn es um diese "heiklen" Themen geht, ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient von großer Bedeutung. Fragen, die den körperlichen Zustand des Patienten betreffen, fasst die Somatische Anamnese zusammen.

Im Gegensatz dazu analysiert die Psychische Anamnese seine seelische Verfassung. Den meisten Menschen sind diese Fragen eher unangenehm. Wer jedoch das Gefühl hat, dass der Arzt ihn versteht und sich um ihn kümmert, ist eher bereit, über belastende Umstände oder Gefühle zu sprechen. Ein weiteres Kapitel ist die Soziale Anamnese. Sie gibt Aufschluss über das gesellschaftliche Umfeld des Patienten, seine berufliche und familiäre Situation. Durch bestimmte Faktoren im Beruf entstehen Berufskrankheiten wie Asthma bei Bäckern oder Maurern.

Desgleichen lösen hohe körperliche und seelische Belastungen im Beruf oder Familienkonflikte Gesundheitsstörungen aus. Die Familienanamnese geht genetischen Risiken auf den Grund. Sie forscht nach Erbkrankheiten und Veranlagungen für bestimmte Erkrankungen wie Rheuma, Diabetes, Krebserkrankungen oder psychische Störungen. Diese treten oft in derselben Familie gehäuft auf. Zudem können sich Menschen innerhalb der Familie mit Infektionskrankheiten anstecken. Deshalb erkundigt sich der Arzt nach Krankheiten lebender und den Todesursachen verstorbener Verwandter.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

All diese Antworten liefern wichtige Hinweise auf die möglichen Ursachen der momentanen Beschwerden. Der Erfolg der späteren Therapie hängt entscheidend davon ab, welche Hinweise der Arzt bei der Anamnese und der körperlichen Untersuchung erhält. Daher wird er die Erhebung je nach Beschwerdebild, seinem Fachgebiet und seiner Erfahrung unterschiedlich durchführen.

90 % aller Diagnosen basieren auf der schlüssigen Kombination von Anamnese und körperlicher Untersuchung. Vorausgesetzt, dass alle Auskünfte des Patienten richtig beim Arzt angekommen sind. Selten führen Missverständnisse oder unbewusst falsche Angaben des Patienten zu Fehldiagnosen. Ein guter Mediziner ist in der Lage, aus der Vielfalt der Informationen die entscheidenden herauszufiltern, sie richtig zu interpretieren und eine genaue Diagnose zu stellen.

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Quellen

  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008

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