Zwerchfellparese

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 28. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Zwerchfellparese

Die Zwerchfellparese oder Zwerchfelllähmung entsteht durch die Lähmung des Nervus phrenicus (Zwerchfellnerv). Er kommt aus dem dritten bis fünften Halssegment des Rückenmarks und aktiviert das Zwerchfell sowie mehrere andere Organe im Brustraum wie zum Beispiel den Herzbeutel. Eine Lähmung des Nervs führt zur Erschlaffung des Zwerchfells auf der jeweils betroffenen Seite. Dadurch drücken die Bauchorgane nach oben, weil das Zwerchfell sie nicht mehr unten halten kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zwerchfellparese?

Das Zwerchfell wird aus Muskeln und Sehnen gebildet, befindet sich unterhalb des Rippenbogens und trennt die Brusthöhle vom Bauchraum. Es ist kuppelförmig und erreicht eine Dicke von durchschnittlich drei bis fünf Millimeter. Sein Funktionieren hängt unmittelbar vom Zwerchfellnerv ab. Ist dieser verletzt oder gelähmt, kann das Zwerchfell seine Funktion als Atemmuskel nur eingeschränkt oder nicht mehr erfüllen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass sich Tumore der Lunge und weiterer Brust- oder Bauchorgane in das Zwerchfell verlagern. Dann müssen unter Umständen Teile des Zwerchfells entfernt und ersetzt werden. Eine Zwerchfellparese kann auch von Nervenbeschädigungen durch Operationen oder äußere Einflüsse wie Schussverletzungen herrühren. Entwickelt sie sich ohne nachvollziehbare Krankheitsursachen, wird sie als idiopathische Zwerchfelllähmung bezeichnet.

Ursachen

Jede Zwerchfellparese hat großen Einfluss auf die Atmung des Menschen. Die Zwerchfellatmung pumpt zwei Drittel bis vier Fünftel der eingeatmeten Luft durch den Körper. Beim Einatmen wird das Zwerchfell durch zusätzliche Muskeln unterstützt, welche die Rippen emporheben und damit den Brustkorb vergrößern. Dieser Vorgang wird auch Brustatmung genannt.

Sie kann selbst bei einer vollständigen Lähmung des Zwerchfells für eine ausreichende Belüftung der Lunge sorgen, allerdings nur in einem Zustand der Ruhe und geringen Belastung. Das Zwerchfell arbeitet nach dem Prinzip der Kontraktion. Es zieht sich beim Einatmen zusammen und wird dabei um rund ein Drittel kürzer. Gleichzeitig flacht es ab und nimmt eine Kegelform an.

Das kontrahierende Zwerchfell verschiebt die Organe im Oberbauch, was jedoch aufgrund des Erschlaffens der Bauchmuskulatur und Vorwölbens der Bauchdecke wieder ausgeglichen wird. Die Organe behalten ihren notwendigen Raum und in der Bauchhöhle bleiben die Druckverhältnisse gleich. Mit jedem Ausatmen lockert sich das Zwerchfell wieder. Bei diesem Vorgang zieht sich die Lunge zusammen und das Zwerchfell wechselt wieder in seine Kuppelform.

Wenn der Nervus phrenicus verkrampft, äußert sich das im sogenannten Schluckauf. Auch die weitgehend ungefährlichen Seitenstiche haben solche Ursachen. Hier spielt die Unterversorgung des Zwerchfells mit Sauerstoff eine große Rolle. Sehr gefährlich für Leib und Leben können jedoch die Zwerchfellkrämpfe im Zusammenhang mit einem Wundstarrkrampf werden.

Dabei ist zwischen der einseitigen und beidseitigen Zwerchfelllähmung zu unterscheiden. Bei der einseitigen Form können die Schädigungen des Nervus phrenicus auf Tumore zurückgehen, wie etwa einem Bronchialkarzinom, Lymphome des Mediastinums oder Neurofibrome. Auch Aortaaneurysmen oder Abzessen kommen als Ursache in Frage. Auch Traumen wie ein Thorextrauma oder Virusinfekte (Herpes Zoster) können eine einseitige Zwerchfelllähmung hervorrufen.

Seltener sind Infektionen durch Viren oder Bakterien verantwortlich für ein gelähmtes Zwerchfell. Diese können jedoch sämtliche Organe im Oberkörper betreffen. Da der Nervus phrenicus anatomisch zum Armnervengeflecht gehört, kann seine Lähmung auch mit einer sogenannten Schulter-Arm-Schwäche zusammenhängen. Daneben kommt ein fortgeschrittener Verschleiß der Halswirbelsäule als Ursache in Frage.

Die beidseitige Form kann durch Neuropathien wie eine Alkoholvergiftung, Bleivergiftung oder Porphyrie begünstigt werden. Denkbare Gründe sind auch eine Rückenmarksverletzung, eine Syringomyelie oder neuromuskuläre Erkrankungen wie ALS.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Zwerchfellparese zeigt sich in den meisten Fällen nur auf einer Seite. Sie kann angeboren sein, jedoch sind die häufigsten Ursachen Krebsgeschwüre. Siedeln diese sich zum Beispiel in der Lunge an oder entsteht ein krankhafter Lymphknoten, gerät der Zwerchfellnerv schnell in Bedrängnis und arbeitet nicht mehr richtig.

Eine einseitige Lähmung des Zwerchfells wird von den Erkrankten oft kaum wahrgenommen. Atembeschwerden treten hier zumeist nur bei stärkerer körperlicher Aktivität auf. Jedoch lauern für die Lunge tückische Gefahren, wenn sie auf einer Seite nicht ordentlich belüftet wird. Dann ist sie sehr empfindlich für Entzündungen, die durch Infektionen herbeigeführt werden.

Bei einer beidseitigen Zwerchfelllähmung ist in jedem Fall größere oder kleinere Atemnot zu verzeichnen. Betroffene können dann oftmals nicht im flachen Liegen schlafen, denn in längeren Phasen des Schlafes ist das Zwerchfell der einzig tätige Atemmuskel. Vermeiden lässt sich dieser Mangel mit großem Glück nur mittels einer Atmung, bei der der Oberkörper aufgerichtet ist und sich die Arme aufstützen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Röntgen und Ultraschall lassen eine einseitige Zwerchfellparese gut sichtbar werden. Die gelähmte Seite des Organs steht immer ein Stück höher als die gesunde. Außerdem können Parameter der Atemfunktion und Atemdruckwerte gemessen werden, die Rückschlüsse auf die Aktivität des Zwerchfells zulassen. Auch eine Blutgasanalyse kann zur Diagnose zuträglich sein. Lungenfunktionstests geben Auskunft über den Grad der Atembeschwerden. Ergänzend steht eine gründliche und längerfristige Untersuchung des Patienten im Schlaflabor zur Debatte.

Behandlung & Therapie

Ist die Zwerchfellparese noch im Frühstadium und wenig ausgeprägt, reicht mitunter bereits eine Physiotherapie. In schwerwiegenderenden Fällen muss eventuell eine Zwerchfellraffung erfolgen.




Vorbeugung

Da eine Zwerchfellparese häufig als Folgeerscheinung einer vorausgegangenen Erkrankung ist und diese sehr unterschiedliche Ausprägungen haben, ist eine generelle Vorbeugung kaum möglich. Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und ausgewogener Ernährung ist jedoch präventiv anzuraten. Wer berufsbedingt viel Zeit im Sitzen verbringt, dem empfiehlt es sich, regelmäßig Rückenübungen vorzunehmen, um eine Abnutzung und Schädigung der Rückenmuskeln vorzubeugen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Rosimi kommentierte am 03.12.2016 um 01:41 Uhr

Ich leide seit einer Bypass-Operation im Mai 2015 an einer Zwerchfellparese. Hier wurde der Zwerchfellnerv durchtrennt.
Dies bedeutet: Probleme beim Treppensteigen, Luftnot bei Anstrengungen, kein längeres Gehen möglich und Probleme durch Bauchorgane, die nacch oben drücken.

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