Xerophthalmie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Bei der Xerophthalmie trocknen Kornea und Konjunktiva des Auges aus. Meist ist Vitamin-A-Mangel die Ursache der vor allem in Entwicklungsländern verbreiteten Erkrankung. Die Behandlung erfolgt durch Vitamin-A-Substitution oder durch die Herstellung eines künstlichen Tränenfilms.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Xerophthalmie?

Bei der Kornea handelt es sich um den vordersten, stark gekrümmten und durchsichtigen Abschnitt des Augapfels vor der Pupille. Die Transparenz der Kornea ist für die Augenfunktion zwingend erforderlich. Die homogen strukturierte Fläche ist von einem Tränenfilm überzogen. Auch Konjunktiva, also die Bindehaut, ist ein wichtiger Bestandteil der Augen.

Die schleimhautähnliche Gewebeschicht verbindet den Augapfel mit den Augenlidern. Beide genannten Elemente des Auges können von Erkrankungen in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Eine Erkrankung mit Auswirkungen auf Kornea und Konjunktiva zugleich ist die Xerophthalmie. Dabei handelt es sich um eine Austrocknungserscheinung, die oft in Erblindung mündet. In den Entwicklungsländern tritt die Erkrankung am häufigsten auf.

Die hauptsächlich betroffene Altersgruppe ist die der Kleinkinder. Aus diesem Grund ist die Xerophthalmie auch als Kinderblindheit bekannt. In den westlichen Industrienationen tritt von Zeit zu Zeit das Syndrom des trockenen Auges auf. Dieses Phänomen ist in der engeren Definition von der Xerophthalmie zu unterscheiden, obwohl in der Literatur manchmal jede Art von Augentrockenheit als Xerophthalmie bezeichnet wird.

Ursachen

Eine Xerophthalmie kann in der weitergefassten Definition unterschiedliche Ursachen haben. In der enger gefassten Definition ist eine Hypovitaminose der ursächliche Faktor. Ohne Vitamin A können Bindehaut und Kornea austrocknen. Derartige Mangelerscheinungen werden in den meisten Fällen durch falsche Ernährung oder Mangelernährung verursacht.

Schwerer Vitamin-A-Mangel löst die Kollagenmatrix auf, erweicht die Hornhaut und zerstört das Auge irreversibel. Die Xerophthalmie ist aufgrund der Mangelernährungssituation in den Entwicklungsländern die bis heute verbreiteteste Ursache für Erblindung. Süd- und Ostasien sowie afrikanische Länder, Lateinamerika und der Nahe Osten sind besonders betroffen.

In der weitergefassten Definition kann Xerophthalmie auch von einem unvollständigen Lidschluss im Sinne des Lagophthalmus hervorgerufen werden, wenngleich dabei nicht alle beschriebenen Veränderungen eintreten. Darüber hinaus können Tränensekretionsstörungen ähnliche Symptome verursachen, so zum Beispiel im Rahmen des Sjögren-Syndroms.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome der Xerophthalmie hängen im Einzelfall von der primären Ursache ab. Bei Vitamin-A-Mangel wird weniger lichtempfindliches Pigment in den Stäbchen hergestellt. Eine beginnende Xerophthalmie kann sich daher im Rahmen von Vitamin-A-Mangel in Form von Nachtblindheit manifestieren. In der Bindehaut verhornen außerdem die Epithelzellen.

Neben dieser Keratinisierung entstehen matt-weiße Flecken auf der Konjunktiva. Die Hornhaut wird zur selben Zeit trocken und rau. Gefäße bilden sich auf der Kornea. Die Sicht ist durch die Veränderung der Transparenz beeinträchtigt. Bei Xerophthalmie mit anderer Ursache als Vitamin-Mangel tritt kein Mangel an lichtempfindlichem Pigment auf. Binde- und Hornhaut trocknen allerdings in jedem Fall aus. Außerdem klagen viele Patienten über einen starken Juckreiz im Auge.

Darüber hinaus wird die Erscheinung mit einem subjektiv empfundenen Fremdkörpergefühl assoziiert. Bei einer fortschreitenden Austrocknung der Augen fehlt der Schutz des antibakteriellen Tränenfilms, sodass mit der Zeit Entzündungen wie die Konjunktivitis oder Keratitis eintreten. Unbehandelt kommt es zu Folgekomplikationen wie Keratomalazie, die irreversible Einschränkungen des Sehvermögens verursachen kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik einer Xerophthalmie erfolgt vorwiegend anamnetisch und sichtdiagnostisch. Das Beschwerdebild wird im Rahmen der Diagnostik auf eine Ursache zurückgeführt. In den westlichen Ländern entspricht die Sekretionsstörung der Tränenflüssigkeit der häufigsten Ursache. Sekretionsstörungen werden anhand des Schirmer-Tests nachgewiesen.

Löschpapierstreifen im Bindehautsack nehmen dabei die Tränenflüssigkeit auf. Bei Mangelerscheinungen bleibt das eingehängte Papier trocken. Vitamin-A-Mangel kann unterdes durch [Blutprobe|Blutanalysen]] abgeklärt werden. Die Prognose hängt für Patienten mit Xerophthalmie von der primären Ursache und deren Behandelbarkeit ab. Außerdem spielt das Stadium der Xerophthalmie für die Prognose eine wichtige Rolle.

Komplikationen

In vielen Fällen sind die Beschwerden einer Xerophthalmie nicht besonders eindeutig, sodass auch keine frühzeitige Diagnose und Behandlung bei dieser Erkrankung eingeleitet werden kann. Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an einer Nachtblindheit, die sich sehr negativ auf den Alltag und auf die Lebensqualität auswirken kann.

Die Hornhaut des Betroffenen trocket dabei aus und es kommt zu einer starken Lichtempfindlichkeit und ebenso zu einem dauerhaften Juckreiz im Auge. Durch den starken Juckreiz schwellen die Augen dabei nicht selten an. Auch ein Fremdkörpergefühl tritt im Auge durch die Xerophthalmie auf und kann die Sehkraft des Betroffenen negativ beeinträchtigen.

Weiterhin kommt es am Auge zu Entzündungen und zu Infektionen, falls die Erkrankung nicht behandelt wird. Auch eine irreversible Einschränkung oder Verringerung der Sehkraft kann eine krankheitsbedingte Folge sein. Die Behandlung der Xerophthalmie erfolgt in der Regel ohne Komplikationen und kann die Beschwerden relativ gut einschränken.

Die Betroffenen sind dabei auf die Einnahme von Ergänzungsmitteln und auf die Benutzung von Augentropfen angewiesen. In den meisten Fällen werden damit alle Beschwerden eingeschränkt. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Xerophthalmie nicht negativ beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Xerophthalmie richtet sich nach der primären Ursache. Eine ursächliche Behandlung ist zwingend anzustreben, so bei ursächlichem Vitamin-A-Mangel zum Beispiel durch intravasale Vitamin-Substitution. Als symptomatische Behandlungsmöglichkeiten stehen Tränenflüssigkeitsbehandlungen zur Verfügung.

Der fehlende Tränenfilm wird dabei durch Ersatzflüssigkeit ausgeglichen. Falls Funktionsbeeinträchtigungen der Meibom-Drüsen die Ursache der Xerophthalmie sind, werden Augentropfen mit Anakinra gegeben. Der humane Interleukin-Antagonist ist als Wirkstoff aus der Behandlung von rheumatoider Arthritis bekannt und scheint auch die Xerophthalmie lindern zu können. In Deutschland ist die Zulassung der Augentropfen allerdings noch ausständig.

Darüber hinaus wird im Off-Label-Use auf antibiotische Augentropfen zurückgegriffen. Diese Tropfen arbeiten meist mit dem Wirkstoff Azithromycin und beugen Komplikationen bakteriellen Befalls vor. Antibiotika wirken unmittelbar auf die Epithelien innerhalb der Meibom-Drüsen. Damit ist nicht nur dem Bakterienbefall vorgebeugt. So wird auch die Bildung eines fettigen Sekrets angeregt, das die Augen dauerhaft feucht halten kann.

Komplikationsbedingt entstehende Entzündungen werden mit hochdosierter Antibiotikagabe zum Abklingen gebracht, um entzündungsbedingten Spätkomplikationen und damit irreversiblen Schädigungen der Augen vorzubeugen. Grundsätzlich ist die Xerophthalmie unabhängig von der Ursache in den Industrienationen eine relativ gut kontrollierbare Erkrankung, die in aller Regel keine irreversiblen Schäden hinterlässt. In den Entwicklungsländern führt sie allerdings bis heute oft zur Erblindung, da die medizinische und nahrungsmitteltechnische Versorgung unzureichend ist.

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Vorbeugung

Der Vitamin-A-Mangel-bedingten Form der Xerophthalmie lässt sich durch ausgewogene Ernährung und damit ausgewogene Vitamin-A-Zufuhr vorbeugen. Lidschlussbedingten und anderen Formen lässt sich nicht vollumfänglich vorbeugen. Wer ein Fremdkörpergefühl im Auge bemerkt, sollte daher immer den Augenarzt aufsuchen. Eine frühe Diagnose der Xerophthalmie beugt irreversiblen Schädigungen vor.

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Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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