Sjögren-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Körperabwehr gegen körpereigenes Gewebe richtet und Entzündungen verursacht. Sie gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Primär sind Tränen- und Speicheldrüsen betroffen, die Infektionen können sich aber auch auf Muskeln und Gelenke ausweiten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sjögren-Syndrom?

Das Sjögren-Syndrom ist eine Erkrankung des Autoimmunsystems, die von chronischen Entzündungen gekennzeichnet ist. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Abwehrsystem des Körpers nicht mehr gegen schädliche Eindringlinge von außen, wie Bakterien oder Viren, sondern gegen das körpereigene Gewebe.

Das Sjögren-Syndrom gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und zur Gruppe der Kollagenosen. Man unterscheidet zwei Formen von Sjögren-Syndrom. Sind nur Tränen- und Speicheldrüsen von Infektionen betroffen, so spricht man vom primären Sjögren-Syndrom.

Treten die Symptome als Begleiterscheinung von anderen Bindegewebsentzündungen auf, wie beispielsweise rheumatoide Arthritis oder Lupus Erythematodes, so wird das als sekundäres Sjögren-Syndrom bezeichnet. Frauen sind öfter vom Sjögren-Syndrom betroffen als Männer. Die Krankheit zählt zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen.

Ursachen

Die Ursachen für das Sjögren-Syndrom sind nicht klar erforscht. Einerseits vermutet man, dass die Veranlagung für die Krankheit vererbt wird, andererseits gelten Umweltfaktoren oder Hormonstörungen als mögliche Auslöser.

Als weitere denkbare Ursachen zieht man Medikamente, Virusinfekte oder besondere Belastungen des Körpers, wie eine Schwangerschaft, in Betracht. Man nimmt an, dass der Körper durch diese Vorgänge in gewisser Weise fehlprogrammiert wird und Antikörper bildet, die körpereigenes Gewebe angreifen.

Ein weiterer Erklärungsansatz geht davon aus, dass beim Sjögren-Syndrom die Immunabwehr die Fähigkeit, körperfremde Zellen von körpereigenen zu unterscheiden, verliert. Man nennt diese Fähigkeit Immuntoleranz. Der Grund für den Verlust dieser Immuntoleranz ist allerdings noch nicht bekannt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Beim Sjögren-Syndrom werden zwei Arten von Symptomen unterschieden. Richtet sich das Immunsystem nur gegen die Speichel- und Tränendrüsen, so spricht man von glandulären (die Drüsen betreffenden) Symptomen. Dies ist beim primären Sjögren-Syndrom der Fall.

Wenn die Abwehr auch andere Gewebearten angreift, wenn also das sekundäre Sjögren-Syndrom vorliegt, nennt man die Symptome extraglandulär (außerhalb der Drüsen liegend). Die glandulären Beschwerden zeigen sich hauptsächlich in einem trockenen Mund und trockenen Augen, was Mediziner als Sicca-Syndrom bezeichnen (sicca = trocken). Dabei können auch andere Schleimhäute wie Rachen, Nase oder die Scheide von der Trockenheit betroffen sein. Die extraglandulären Symptome sind Durchblutungsstörungen mit der Ausbildung von roten Hautflecken, Entzündungen an Gelenken und Müdigkeit.

Die Beschwerden bilden sich meist erst nach dem 40. Lebensjahr aus, aber da die Fehlsteuerung des Immunsystems sich nur langsam entwickelt, geht man davon aus, dass die Erkrankung bereits nach dem 20. oder 30. Lebensjahr beginnt. Die Symptome aber werden erst später spürbar und sichtbar. Der erste Verdacht auf Sjögren-Symptom entsteht bereits durch die typischen Symptome. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, werden Blutuntersuchungen durchgeführt. Liegt das Sjögren-Syndrom vor, so lassen sich im Blut bestimmte Antikörper, Rheuma- und Entzündungsfaktoren nachweisen.

Komplikationen

Das Sjögren-Syndrom führt zu vielen verschiedenen Beschwerden. In erster Linie leiden die Betroffenen an sehr trockenen Augen. Da die Beschwerden nicht besonders charakteristisch sind und nicht direkt auf die Erkrankung deutet, findet in der Regel keine frühzeitige Diagnose und Behandlung statt. Die Betroffenen leiden dabei weiterhin an einem trockenen Mund und an einer sehr stark ausgeprägten Müdigkeit.

Auch eine Abgeschlagenheit und ein allgemeines Krankheitsgefühl können krankheitsbedingt auftreten und sich sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Allerdings betrifft die Erkrankung auch die Muskeln und die Gelenke, sodass es an diesen zu Entzündungen und damit auch zu starken Schmerzen kommt. Sollten die Schmerzen dabei auch in der Nacht auftreten, so kann es dadurch zu Schlafbeschwerden und zu einer Gereiztheit oder zu Depressionen beim Patienten kommen.

Auch Einschränkungen in der Bewegung und damit im Alltag können durch das Sjögren-Syndrom auftreten. Eine kausale Behandlung des Syndroms ist leider nicht möglich. Allerdings können die Beschwerden mit Hilfe von Medikamenten und Therapien gut eingeschränkt werden. Besondere Komplikationen treten dabei nicht auf. Ob es aufgrund der Erkrankung zu einer verringerten Lebenserwartung kommt, kann leider nicht universell vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Sjögren-Syndroms richtet sich auf die Linderung der Beschwerden, da es noch keine heilende Therapie für Autoimmunerkrankungen gibt. Man versucht lediglich, das Abwehrsystem zu unterdrücken, um weitere Angriffe auf den eigenen Körper zu verhindern. Dies wird mithilfe von Medikamenten, wie beispielsweise Kortison, durchgeführt.

Gegen die Trockenheit in den Augen werden Salben oder Tropfen verschrieben. Für die trockene Mundschleimhaut gibt es spezielle Mundspülungen oder -gels. Auch kann man die Speichelproduktion durch das Lutschen von Bonbons anregen und über den Tag verteilt immer wieder kleine Schlucke von Wasser zu sich nehmen, um die Schleimhäute zu befeuchten. Bei besonders ausgeprägten Symptomen werden Medikamente angewendet, welche die Tränen- und Speichelproduktion anregen.

Zusätzlich ist sorgfältige Mundhygiene nötig, da beim Sjögren-Syndrom ein erhöhtes Kariesrisiko besteht. Liegt das sekundäre Sjögren-Syndrom vor, so werden auch die vorliegende Grunderkrankung und die entzündlichen Prozesse in den Gelenken behandelt. Hier werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Insgesamt erfordert die Behandlung des Sjögren-Syndroms meist den Einsatz von mehreren Fachärzten wie Zahnarzt, Rheumatologe, Augenarzt, Gynäkologe und Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung gegen das Sjögren-Syndrom ist nicht möglich, zumal noch keine genauen Ursachen bekannt sind. Man kann aber durch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Ernährung das Immunsystem stärken.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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