Lagophthalmus

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 23. Oktober 2016
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Lagophthalmus ist die Bezeichnung für einen unvollständigen Lidschluss des Auges. Mitunter führt das Symptom zur Verbreiterung der Lidspalte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lagophthalmus?

Unter einem Lagophthalmus wird ein unvollständiger Schluss des Augenlids verstanden. Die Symptomatik fällt in den Bereich der Augen- und Nervenheilkunde. In manchen Fällen kann der Lagophthalmus das Verbreitern der Augenlidspalte zur Folge haben.

Der Begriff Lagophthalmus entstammt dem Griechischen und bedeutet in deutscher Übersetzung „Hasenauge“. So heißt Lagos „Hase“ während Ophthalmus „Auge“ bedeutet. Der Lagophthalmus zeigt sich in den meisten Fällen nur auf einem Auge. Er kann aber auch auf beiden Augen vorkommen.

Ab einem Abstand von drei Millimetern sowie bei einer Kombination mit einer starken Tränendrüsen-Hyposekretion besteht ohne eine entsprechende Therapie die Gefahr einer Keratitis (Hornhautentzündung). Im schlimmsten Fall drohen eine Ulzeration (Geschwürbildung) sowie der Verlust des betroffenen Auges.

Ursachen

Die Ursachen für einen Lagophthalmus sind unterschiedlich. Als häufigster Grund der Augenerkrankung gilt eine periphere Lähmung des Nervus facialis, der den 7. Hirnnerv bildet. In der Medizin ist dann von einer Fazialisparese die Rede. Davon betroffen ist der Augenmuskel Musculus orbicularis oculi, der die Form eines Ringes aufweist. Möglicher Urheber der Parese kann ein Schlaganfall sein.

In manchen Fällen entsteht ein Lagophthalmus aber auch durch Narben, die eine Verkürzung der Augenlider zur Folge haben. Das Gleiche gilt für die Deformation des betroffenen Augenlids aufgrund von traumatischen Schädigungen. Mitunter ist das Hervortreten des Augapfels (Exophthalmus) für den Lagophthalmus verantwortlich.

Weitere denkbare Ursachen für einen Lagophthalmus sind ein Ektropium (Fehlstellung des Auges), kongenitale Fehlbildungen wie ein Kolobom, eine endokrine Orbitopathie, die bei Morbus Basedow auftritt, Zoster oticus, eine Polyneuritis, eine Hirnhautentzündung (Meningitis), ein Kleinhirnbrückenwinkeltumor oder das Auftreten eines Komas. In seltenen Fällen führt zudem Lepra an den Augenlidern zu einem sogenannten Hasenauge.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einem Lagophthalmus verspüren die betroffenen Personen das Gefühl, als hätten sie einen Fremdkörper im Auge. Darüber hinaus zeigt sich ein Augenbrennen, das oft als quälend empfunden wird. Außerdem fühlt sich das Auge trocken an. Grund dafür ist die Unfähigkeit des Augenmuskels, das Auge komplett zu schließen.

Nicht selten kommt es durch den Lagophthalmus zum Austrocknen der Hornhaut, was Ärzte als Xerophthalmie bezeichnen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Hornhaut entzündet und es zur Bildung eines Geschwürs kommt. Unternimmt der Patient den Versuch, das betroffene Auge zu schließen, zeigt sich das Bell´sche Phänomen.

Dabei handelt es sich um eine temporäre Drehung des Augapfels in die obere Richtung. Weil sich bei einem Lagophthalmus außerdem der Lidschlag verringert, führt dies zu Behinderungen beim Tränenabfluss sowie zu Tränenträufeln. Liegt eine milde Form des Lagophthalmus vor, kommt es mitunter zu einem positiven Wimpernzeichen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf einen Lagophthalmus, wird empfohlen, einen Augenarzt sowie einen Neurologen zu konsultieren. Der Neurologe klärt ab, ob die Symptomatik durch eine Lähmung des Nervus Facialis hervorgerufen wird. Beim Augenarzt findet eine gründliche Untersuchung des betroffenen Auges mit einer Spaltlampe statt.

Bei diesem Verfahren kontrolliert der Augenmediziner die Bindehaut, die Hornhaut sowie das Innere des Auges auf mögliche Schäden. Bei rechtzeitiger Behandlung nimmt der Lagophthalmus einen günstigen Verlauf. Ohne eine entsprechende Therapie drohen jedoch Komplikationen wie ein Hornhautulcus. Bei einem sehr ungünstigen Verlauf kann es sogar zum Verlust des Auges kommen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie eines Lagophthalmus richtet sich nach dem Ausmaß der Schädigungen an der Hornhaut. Eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Erkrankung spielt eine ausreichende Befeuchtung der Augenoberfläche. Zu diesem Zweck können eine Augensalbe oder ein Augengel zur Anwendung gelangen. In manchen Fällen wird auch ein spezieller Uhrglasverband eingesetzt.

Dabei handelt es sich um eine durchsichtige Klappe aus Plexiglas, die mit einem Heftpflaster ausgestattet ist, das sie umfasst. Der Uhrglasverband bewahrt die Hornhaut vor Fremdeinwirkung und Austrocknung. Als weitere Schutzmaßnahme vor dem Austrocknen eignen sich weiche Kontaktlinsen.

Bei reversiblen Lagophthalmus-Formen wird seit 1993 auch eine Oberlidbeladung durch Bleigewichte vorgenommen. Durch ihre effizientere funktionelle Wirkung und ihre bessere Kosmetik sind sie dem Uhrglasverband überlegen und sorgen dafür, dass der Patient fahrtüchtig bleibt. Darüber hinaus kann weiterhin die Applikation von Augentropfen erfolgen.

Führen die konservativen Behandlungsmethoden nicht zu einer Besserung und bilden sich die Lähmungen nicht zurück, muss ein operativer Eingriff erfolgen. Das Gleiche gilt, wenn größere Schäden am Auge auftreten. Im Rahmen der Operation erfolgt ein partieller Verschluss von Augenoberlid und Unterlid. Der Patient erhält vor dem Eingriff eine lokale Betäubung. Die Wimpernreihe bleibt in der Regel bei diesem Vorgehen erhalten.

Durch das Verfahren lässt sich eine chirurgische Wiedereröffnung vornehmen. Bei irreversiblen Formen des Lagophthalmus ist zudem das dauerhafte Implantieren eines Gewichts aus Metall im Oberlid möglich, das für den Verschluss des Auges sorgt. Dies gilt besonders nach einem Akustikusneurinom oder einem Parotistumor.

Diese Methode kam bereits in den 50er Jahren zur Anwendung, geriet dann aber zeitweilig in Vergessenheit, bis sie ab 1990 auch in deutschen Augenkliniken wieder zum Einsatz gelangte. Liegen bereits eine Hornhautentzündung (Keratitis) oder ein Geschwür vor, erfolgt deren Behandlung mithilfe von Antibiotika.

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Vorbeugung

Um einen Lagophthalmus vorzubeugen, bedarf es der Prävention der auslösenden Grunderkrankungen. Bei einer Fazialisparese oder Fehlbildung ist dies allerdings nicht möglich.

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