Trichinellose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Die Trichinellose gehört zu den von Parasiten hervorgerufenen Infektionskrankheiten. Die meldepflichtige Erkrankung zählt zu den am weitesten verbreiteten Wurmerkrankungen des Menschen weltweit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Trichinellose?

Die Trichinellose ist eine Wurmerkrankung, die durch die Larven von Trichinen hervorgerufen wird. Durch den Verzehr von rohem oder nicht genügend durchgegartem Fleisch können Trichinen in den menschlichen Körper gelangen.

Gefährlich ist vor allem Schweinefleisch, aber auch Fleisch von anderen Haus- oder Wildtieren.

Schweine oder Wildtiere sind dabei die Überträger des Parasiten, der Mensch ist Zwischen- oder Endwirt.

Ursachen

Trichinen sind winzige Fadenwürmer. Sie können sich in rohem Fleisch, speziell in Schweinefleisch oder auch Fleisch von Wildtieren befinden.

Verzehrt ein Mensch dieses Fleisch roh oder ungenügend gebraten oder gegart, gelangen die Larven dieser Fadenwürmer in den Magen des Menschen. Die Enzyme im Magen sind bestens geeignet, dass sich die Larven aus ihrem Kokon befreien können. Durch die Bewegungen des Darms gelangen die Larven in den Dünndarm. Dort nisten sie sich in die Darmwand ein und wachsen innerhalb von 24 bis 30 Stunden zu erwachsenen Würmern heran. Anschließend findet die Paarung statt, nach der die männlichen Tiere schnell absterben.

Ein befruchtetes Weibchen kann aber bis zu 1500 Larven in die Darmwand produzieren. Von hier gelangen sie in den Blutkreislauf des Menschen. Die Weibchen selbst überleben bis zu 8 Wochen.

Ihre volle Entwicklung erreichen die Würmer schließlich in der quer gestreiften Muskulatur, in der sich die Parasiten verkapseln und die Muskulatur schädigen. Betroffen ist vor allem gut durchblutete Muskulatur (Schultergürtel und Oberarme, Nacken- und Kaumuskulatur). Auch Augen, Zunge und Zwerchfell können befallen werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Anfangs zeigt ein Patient mit einer Trichinellose Symptome einer Magen-Darm-Erkankung. Wenn die Trichinen in den Magen-Darm-Trakt des Menschen gelangt sind, kommt es zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Auch Fieber ist möglich. Die Symptome müssen aber nicht bei allen betroffenen Patienten auftreten.

In der zweiten Phase kommt es zu den eigentlichen Symptomen der Infektionskrankheit. Die Würmer haben die Blutbahn und schließlich die Muskeln erreicht und rufen hohes Fieber und Muskelschmerzen hervor. Der Patient hält die Muskelschmerzen zunächst oft für Gelenkschmerzen.

Schluck- und Atemprobleme kommen hinzu. Ödeme bilden sich rund um die Augen. Auch Bindehautentzündung und Hautausschlag sind möglich. Die Symptome können ein Jahr lang bestehen bleiben und heilen meist komplikationslos aus.

Die Diagnose sichert der Arzt mit einer Blut- und Stuhluntersuchung des Patienten. Im Blut des Patienten weisen Antikörper auf eine Trichinellose hin. In einem späteren Stadium ist auch eine Probe des Muskelgewebes hinweisgebend.

Komplikationen

Eine Infektion mit Fadenwürmern der Gattung Trichinella kann sehr unterschiedlich verlaufen. In leichten Fällen, wenn nur eine geringe Zahl an Larven aufgenommen wurde, wird die Infektion oft mit einer Magenverstimmung verwechselt und heilt nanch kurzer Zeit ohne Komplikationen wieder aus. Bei schweren Verlaufsformen der Krankheit kann es dagegen zu einer ganzen Reihe von ernsthaften Komplikationen bis hin zum Tod kommen.

Bei schweren Infektionen verstärken sich zunächst die typischen Symptome. Die oftmals zu beobachtenden Muskelverhärtungen sowie die Muskel- und Gelenkschmerzen treten nicht mehr nur bei Bewegungsversuchen auf, sondern auch im Ruhezustand. Die typische Heiserkeit kann sich soweit verstärken, dass der Patient vorübergehend seine Stimme verliert, darüber hinaus können schwere Beschwerden beim Schlucken eine intravenöse Ernährung erforderlich machen.

Atemprobleme können zu einer akuten Erstickungsgefahr führen. Werden die Augenmuskeln befallen, kann es zudem zu migräneartigen Kopfschmerzen und Sehstörungen kommen, oft nehmen die Betroffenen dann auch Doppelbilder wahr. Zu den gefährlichsten Komplikationen zählen neben einer Enzephalitis auch Sekundärinfektionen wie eine Bronchopneumonie oder eine Sepsis.

Auch eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung), die mit einer dauerhaften Schädigung des Organs einhergeht, ist nicht auszuschließen. Im schlimmsten Fall, der in Industriestaaten allerdings selten ist, nimmt die Krankheit lebensgefährliche Ausmaße an und endet mit dem Tod des Patienten.

Behandlung & Therapie

Wird die Trichinellose rechtzeitig erkannt, ist eine medikamentöse Behandlung möglich. Die Ausprägung der Infektion hängt davon ab, wie viele Larven der Patient aufgenommen hat.

Zur Therapie verordnet der Arzt Medikamente, die die Würmer und Larven im Körper des Patienten abtöten. Ein früher Therapiebeginn birgt die Möglichkeit, dass die Würmer sich nicht in die Muskulatur des Patienten einnisten.

Ist die aufgenommene Erregermenge sehr hoch, können Komplikationen auftreten und die Trichinellose kann auch tödlich enden. Komplikationen sind Herzerkrankungen (Herzmuskelentzündung), Lungenentzündung oder Blutvergiftung. Hirnhaut- und Gehirnhautentzündung sind ebenfalls eine mögliche Komplikation.

Der Arzt meldet die Trichinelloseerkrankung dem Gesundheitsamt, das dann die Aufgabe hat, herauszufinden, woher das Fleisch stammt und wer der Fleischerzeuger ist. So können mögliche andere Betroffene gefunden werden.

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Vorbeugung

Die wichtigste Vorbeugung ist, Fleisch nicht roh oder ungenügend durchgegart zu verzehren. Eine Gartemperatur von mindestens 65 Grad Celsius tötet Larven im Fleisch ganz sicher ab. Eine längere Tiefkühlung (mindestens 20 Tage unter -15 Grad Celsius) überleben die Erreger ebenfalls nicht. Pökeln, Räuchern, Salzen oder Trocknen tötet die Erreger dagegen nicht ab.

In Deutschland wird Fleisch zudem per Gesetz auf Trichinen untersucht. Bei Fleischimport aus Nicht-EU-Ländern oder Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch im Ausland ist Vorsicht geboten, da dort keine Gesetze zur Untersuchung von Fleisch auf Trichinen existieren.

Bücher über Würmer & Parasiten

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Groß, U.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Thomas, C. (Hrsg.): Atlas der Infektionskrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2010

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