Streckhemmung der Finger (Finger lassen sich nicht mehr strecken)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. November 2017
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Von einer Streckhemmung der Finger ist die Rede, wenn sich die Finger nicht mehr einwandfrei strecken lassen. Außerdem empfinden die betroffenen Personen oft Schmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Streckhemmung der Fingern?

Mediziner bezeichnen eine Streckhemmung auch als Extensionshemmung. Gemeint ist damit eine Bewegungseinschränkung. Sie zeigt sich, wenn ein Gelenk nicht mehr richtig und schmerzfrei gestreckt werden kann – in diesem Fall sind es die Finger, die sich nicht mehr strecken lassen.

Dabei wird zwischen einer aktiven und einer passiven Streckhemmung unterschieden. Um eine aktive Streckhemmung handelt es sich, wenn der Betroffene das Gelenk nicht mehr mithilfe seiner Muskeln strecken kann, eine passive Streckung allerdings durchführbar ist. Handelt es sich um eine passive Streckhemmung, kann selbst der untersuchende Arzt das Fingergelenk nicht mehr komplett strecken.

Die Ausprägung der Extensionshemmung wird von Mensch zu Mensch unterschiedlich empfunden. In den meisten Fällen ist die Streckhemmung mit Schmerzen verbunden. Sie kann aber auch durchaus ohne Schmerzen verlaufen. Der Patient ist nicht in der Lage, den betroffenen Finger aus einer gebeugten Position zu bringen. Nur durch ein äußerliches Nachhelfen lässt sich eine Lageveränderung erreichen.

Ursachen

Bei den meisten Patienten sind zwei Ursachen für die Streckhemmung der Finger verantwortlich. Als erste Ursache gilt der sogenannte Schnappfinger, der auch als Beugesehnenscheidenentzündung oder Trigger-Finger bekannt ist. Verantwortlich für die Extensionshemmung der betroffenen Finger ist eine Entzündung im Sehnenscheidenkanal. Die Entzündung tritt im Daumen oder in der hohlen Hand auf. Bemerkbar macht sie sich durch Schmerzen, wenn die betroffene Person den Finger strecken will.

Ursächlich für die Streckhemmung ist eine Verdickung von Sehnen- und Beugescheide. Unter den Fingern geht die Beugesehne innerhalb der Hohlhand in die Sehnenscheide über. Kommt es an der Übergangsstelle zwischen Sehnenscheide und Beugesehnen zu einer Entzündung, hat dies eine Verengung der Eintrittsstelle zur Folge. Verdickt sich die Beugesehne, ist für die Sehnenscheide nicht mehr ausreichend Platz vorhanden, wodurch sie eingeklemmt wird. Dies führt wiederum zu einer Blockade des Streckvorgangs.

Als zweite Ursache der Streckhemmung gilt Morbus Dupuytren. Dabei handelt es sich um eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes an der Innenfläche der Hand. Sie trägt auch die Bezeichnung Dupuytren-Kontraktur und gehört zu den Fibromatosen. Besonders betroffen von Morbus Dupuytren sind der kleine Finger und der Ringfinger. Die Krankheit kann sich grundsätzlich jedoch an jedem Finger zeigen.

Dabei kommt es am Bindegewebe zu knotenartigen Verhärtungen. Diese sind für die Extensionshemmung der betroffenen Finger verantwortlich. So entsteht eine unnatürliche Beugestellung des Fingers, bei der eine Annäherung an die Innenfläche der Hand erfolgt. Der betroffene Finger lässt sich weder strecken, noch verfügt er über ausreichend Kraft.

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Diagnose & Verlauf

Mediziner bezeichnen eine Streckhemmung auch als Extensionshemmung. Gemeint ist damit eine Bewegungseinschränkung.

Diagnostizieren lässt sich eine Streckhemmung in der Regel schon durch eine körperliche Untersuchung des behandelnden Arztes. So gelten die typischen Symptome als klar erkennbar. Mitunter kann allerdings eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um sich ein klareres Bild über die Sehnen- und Beugescheide zu verschaffen. Morbus Dupuytren wird zumeist durch ein plötzliches Schnappen des erkrankten Fingers erkannt. Dazu ist jedoch ein bestimmter Grad beim Strecken oder Beugen nötig.

Im Rahmen einer Tastuntersuchung stellt der Arzt knotenartige Veränderungen fest, die mit Morbus Dupuytren einhergehen. Eine wichtige Rolle für die Untersuchung spielen auch die unterschiedlichen Stadien der Erkrankung. So gibt es insgesamt fünf Stadien. In Stadium 1 ist Morbus Dupuytren kaum zu erkennen, da der Patient noch über seine komplette Bewegungsfreiheit verfügt. Allerdings lassen sich bereits in diesem Stadium Knoten ertasten.

Bei den weiteren Stadien erfolgt die Unterteilung der Streckhemmung in Schweregrade. So erfolgt eine Einteilung von 1 bis 5 Grad in Stadium 1 bis 135 Grad im letzten Krankheitsstadium. Dabei handelt es sich um die Ausprägung der Streckabweichung vom Normalmaß. Darüber hinaus kommt es im weiteren Verlauf von Morbus Dupuytren zur Bildung von Hautfalten aufgrund der Fingerbeugung.

Erfolgt die Diagnose der Streckhemmung an den Fingern rechtzeitig und findet eine entsprechende Therapie statt, lassen sich die Schmerzen wirkungsvoll lindern. Außerdem kann der Patient seine Finger wieder besser bewegen.

Komplikationen

Komplikationen bei einer Streckhemmung der Finger mit und auch ohne Behandlung sind nicht unüblich. Eine körperliche Untersuchung beim Hausarzt reicht aus, um die richtige Behandlung aus zu wählen, da die Symptome bei einer Streckhemmung der Finger eindeutig sind. Die betroffene Patienten erleben diese Hemmung sehr oft als einen großen Schock, da sie ihre Finger nicht mehr, wie gewohnt, bewegen können.

Weitere Komplikationen sind bei einer Streckhemmung der Finger nicht zu erwarten. In selten Fällen kommt es vor, dass die Hemmung am Anfang gering ist und sich dann verschlimmert. Das ist ein Ausnahmefall. Bei einem Schnappfinger muss man zwischen eine operativen und nicht operativen Methode auswählen.

Bei einer Operation muss der Arzt den Patienten über mögliche Komplikationen aufklären, die während der Operationen auftreten könnten. Sollte die Hemmung beim Patienten nicht so stark sein, verzichtet der Arzt auf eine Operationen, da somit auch die Chancen auf viele Komplikationen gesenkt werden. Tägliche Massagen und bestimmte cortisonhaltiges Präparate werden in Einsatz gebraucht.

Hierbei sollten nur Experten die Massagen durchführen. Die Chance noch etwas bei einer Streckhemmung zu verrenken ist noch viel zu groß. Heutzutage sind nicht viele Komplikationen über diese Behandlungsmethoden in der Praxis bekannt, obwohl sie in der Theorie existieren.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In der Regel sollte bei einer Streckhemmung der Finger in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Bei diesem Symptom kann es sich um eine schwerwiegende Krankheit oder Verletzung handeln, die auf jeden Fall ärztlich behandelt werden muss und in den meisten Fällen nicht wieder von alleine verschwindet. Ein Notarzt sollte dann gerufen werden, wenn es zur Streckhemmung der Finger direkt nach einem Unfall gekommen ist oder wenn das Symptom mit starken Schmerzen verbunden ist. Der Patient sollte darüber hinaus Schmerzmittel nicht über einen längeren Zeitraum einnehmen.

Sollte sich der Betroffene nicht sicher über die Ursachen der Streckhemmung der Finger sein, so kann in erster Linie auch das Krankenhaus oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Bei der genauen Kenntnis kann auch direkt der Facharzt zur Behandlung aufgesucht werden. Eine Behandlung ausschließlich mit Mitteln der Selbsthilfe ist bei einer Streckhemmung der Finger nicht zu empfehlen. In den meisten Fällen ist eine gute Behandlung des Symptoms möglich.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Streckhemmung an den Fingern kann sowohl auf konservative als auch auf operative Weise erfolgen. Ist eine Operation nicht notwendig, erfolgt eine konsequente Entlastung der betroffenen Finger. So darf der Patient keinerlei handwerkliche Tätigkeiten ausüben oder mit Schaufeln arbeiten.

Da es durch die Extensionshemmung innerhalb der Beugesehnenscheiden zu Wasseransammlungen kommt, werden jeden Tag Massagen vorgenommen, die von den Fingerkuppen bis zur Innenfläche der Hand reichen. Sinnvoll ist zudem das Überdehnen des betroffenen Fingers durch einen anderen Finger.

Um die Entzündung zu bekämpfen, erhält der Patient Präparate, die eine entzündungshemmende Wirkung haben. Falls diese nicht ausreichend wirken, besteht die Option, Kortison in die Nähe der Beugesehnenscheide zu spritzen. Bei rund 60 bis 70 Prozent aller Betroffenen wirken diese Behandlungsmaßnahmen erfolgreich.

Muss eine Operation erfolgen, weitet der Chirurg die Beugesehnenscheide mit einem Schnitt auf. Ein chirurgischer Eingriff findet zumeist statt, wenn der Patient bereits monatelang unter den Beschwerden leidet und die konservative Therapie erfolglos bleibt. Liegt Morbus Dupuytren vor, entfernt der Operateur die Bindegewebsknoten oder vermindert sie durch Bestrahlung.

Aussicht & Prognose

Bei der Streckhemmung der Finger kommt es zu extrem starken Einschränkungen des Patienten im Alltag. In der Regel sind gewöhnliche Tätigkeiten nicht mehr ausführbar oder mit extrem starken Schmerzen verbunden. Die Lebensqualität des Patienten wird durch die Streckhemmung der Finger verringert.

Der weitere Verlauf und die Behandlung der Erkrankung hängen stark von der Ursache ab. Falls die Streckhemmung vor allem nach einer körperlichen oder belastende Arbeit auftritt, müssen diese Arbeiten eingeschränkt werden. Meistens verschwinden die Symptome dann wieder, auch ohne ärztlicher Behandlung. In einigen Fällen sind operative Eingriffe oder Massagen notwendig, um die Symptome zu beseitigen.

Ebenfalls werden Medikamente eingesetzt, die ggf. Entzündungen verhindern oder bekämpfen. Damit können weitere Komplikationen und Beschwerden vermieden werden. Auch cortisonhaltige Medikamente werden eingesetzt. Eventuell muss die Behandlung nach einem gewissen Zeitraum wiederholt werden, wenn die Beschwerden nochmals auftreten. Auch nach der Behandlung sollte der Patient starke Belastungen und Anstrengungen vermeiden.

Die Lebenserwartung wird durch die Streckhemmung der Finger nicht beeinflusst. Sollte es zu psychischen Beschwerden aufgrund der Einschränkungen kommen, so können diese von einem Psychologen behandelt werden.

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Vorbeugung

Als beste Vorbeugemaßnahme gegen eine Streckhemmung gilt das Vermeiden von zu starken Fingerbelastungen. Deutlich schwieriger ist es hingegen, Morbus Dupuytren vorzubeugen. So sind die genauen Ursachen der Erkrankung bislang noch unbekannt.

Das können Sie selbst tun

Im Alltag wird die Streckhemmung der Finger nicht unbedingt als einschränkend empfunden. Hier ist anzumerken, dass es Verläufe mit oder ohne Schmerzen gibt. Das Greifen, Tasten, Fühlen kann auch bei leicht abgewinkelter Fehlstellung einzelner Finger gut gelingen. Daher sollte sich der oder die Betroffene auch nicht in irgendeiner Form in seinen Bewegungsabläufen hemmen lassen. Im Gegenteil, ein Verhalten zur Schonung der Hand kostet nur weitere Lebensqualität, bringt aber effektiv keine Heilung oder Linderung.

Was zur Selbsthilfe angeraten werden kann, sind regelmäßige Massagen der Hand sowie ergotherabeutische Maßnahmen. Das Durchführen von Fingergymnastik, Greifübungen sowie lockeres Ausschütteln der Hände ist empfehlenswert. Bei den Übungen sollte jedoch strikt darauf geachtet werden, keine Schmerzgrenzen zu überschreiten. Auch Kneipp-Bäder der Arme und Hände können Besserung herbeiführen.

Erst bei fortschreitender Erkrankung ist es wahrscheinlich, dass die Funktionsfähigkeit der Hand gestört wird. Dem Erkrankten fällt dies spätestens auf, wenn Gegenstände nicht mehr ordentlich gegriffen werden können. Dann, aber natürlich auch soblad Schmerzen als Begleiterscheinung auftreten, sollte sofort professionelle Hilfe hinzugezogen werden. Der Hausarzt kann schnelle Maßnahmen zur Behandlung in die Wege leiten.

Bücher über Streckhemmung an den Finger & Arthrose

Quellen

  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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