Seitenstrangangina

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Erkältungen treten vor allem in den Herbst- und Wintermonaten auf. Kommen jedoch zusätzliche Beschwerden wie ins Ohr ausstrahlende Schmerzen mit druckempfindlichen Lymphknoten im oberen Halsbereich hinzu, kann dies auf eine Seitenstrangangina hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Seitenstrangangina?

Bei der Seitenstrangangina handelt es sich um eine Sonderform der Pharyngitis (Rachenentzündung). Sie kommt viel seltener vor als die akute Rachenentzündung und bereitet vor allem an den seitlich der Rachenwand verlaufenden Lymphbahnen Beschwerden.

Diese werden auch als Seitenstränge bezeichnet und sind im Falle einer Entzündung gerötet und geschwollen sowie mit weißen Stippen besiedelt. Eine Seitenstrangangina kann durch die räumliche Nähe der Seitenstränge zur Eustachschen Röhre auch mit Ohrenschmerzen verbunden sein. Diese formt die Verbindung vom Ohr zum Nasen-Rachen-Raum. Der Patient leidet außerdem unter Schluckbeschwerden und einem Kratzen im Hals sowie unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit und möglicherweise Fieber.

Hinzu kommt Hustenreiz, der durch Reizungen im Rachenbereich hervorgerufen wird. Kennzeichnend für eine Seitenstrangangina sind jedoch schmerzhaft geschwollene Lymphknoten im Halsbereich. Vor allem beim Schlucken kommt es dabei zu Schmerzen, die bis in die Ohren ausstrahlen können.

Ursachen

Eine Seitenstrangangina tritt häufiger bei Patienten auf, deren Rachenmandeln operativ entfernt wurden, da bei ihnen die automatische Schutzfunktion der Mandeln nicht mehr gegeben ist und Krankheitserreger somit ungehindert in den Rachenraum eindringen können.

Meist entsteht sie in der Folge einer durch Viren bedingten Erkältung, die zunächst die Nasenschleimhaut befällt und einen Schnupfen auslöst. Anschließend breitet sich die Entzündung im Rachenraum aus und führt zu Halskratzen und Husten. Die Seitenstränge der durch die vorangegangene Erkältung geschwächten Patienten werden nun von Bakterien besiedelt. Es handelt sich bei den Erregern der Seitenstrangangina vor allem um Pneumokokken oder Staphylokokken.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Erkältung, Grippe und Angina
Besonders Halsschmerzen und Schluckbeschwerden kennzeichnen die Seitenstrangangina.

Die Diagnose einer Seitenstrangangina ist durch die auftretenden Beschwerden gekennzeichnet. Vor allem die in die Ohren ausstrahlenden Schmerzen sowie eine bestehende Erkältung sind dabei richtungsweisend.

Bei der Inspektion des Rachenraumes kann der Arzt die entzündeten Seitenstränge erkennen. Über einen Abstrich aus dem betroffenen Bereich kann der genaue Erreger ermittelt werden. Bei zusätzlichen Ohrenschmerzen kann der Arzt das Ohr mit dem Otoskop einsehen und beurteilen, ob sich die Entzündung auch auf das Innenohr oder das Trommelfell ausgebreitet hat.

Eine mögliche Komplikation der Seitenstrangangina ist die Mittelohrentzündung, die sich mit starken Ohrenschmerzen äußert. Die Erreger der Seitenstrangangina können auch einen Abszess in einer der Gaumenmandeln oder im Rachenraum verursachen. Der Verlauf der Erkrankung richtet sich jedoch nach der individuellen Immunabwehr des Patienten.

Komplikationen

Eine Seitenstrangangina verläuft in den meisten Fällen ohne größere Komplikationen. Dennoch sollte sie nicht als harmloser Infekt betrachtet werden, der sich ignorieren lässt, selbst wenn der Patient lediglich unter einer leichten Form leidet. So drohen unangenehme Folgeerscheinungen, wenn die Erkrankung nur unzureichend oder überhaupt nicht behandelt wird.

Komplikationen drohen in erster Linie bei einer stark ausgeprägten Seitenstrangangina, in deren Verlauf sich die Bakterien rasch vermehren. Ob es zu Folgeerscheinungen kommt, hängt dann auch von dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Liegen zum Beispiel Vorerkrankungen oder Schwächen des Abwehrsystems vor, erhöht sich die Gefahr von Folgebeschwerden. Dabei handelt es sich vor allem um intensive Schmerzen sowie einen abrupt einsetzenden Anstieg von Fieber.

Manchmal tritt die Seitenstrangangina auch wiederholt auf. Ebenfalls zu den Auswirkungen einer Seitenstrangangina zählen eine Otitis media (Mittelohrentzündung) oder ein Paukenerguss. Des Weiteren besteht das Risiko, dass es zu Abszessen (Ansammlungen von Eiter) in der Region von Rachen oder Gaumen kommt.

Weitere denkbare Komplikationen der Seitenstrangangina sind Folgeerkrankungen wie eine Entzündung der Nieren, rheumatisches Fieber, eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis), eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis).

In seltenen Fällen dringen die auslösenden Keime bis in die Blutbahn vor, wodurch wiederum eine gefährliche Blutvergiftung (Sepsis) entsteht. Die Behandlung des Patienten muss dann in einem Krankenhaus stattfinden.

Behandlung & Therapie

Eine Seitenstrangangina bedarf bei einem leichten Verlauf keiner antibiotischen Behandlung. Der Patient sollte sich schonen und möglichst Bettruhe halten. Nasentropfen sowie regelmäßiges Gurgeln reichen dann meist als Therapie aus. Auch ein warmer Halswickel kann zur Linderung beitragen.

Ein mit warmem Wasser durchfeuchtetes Tuch wird dabei um den Hals gebunden und mit einem trockenen Schal abgedeckt. Der Wickel sollte mindestens eine Stunde getragen werden. Stellt sich innerhalb von drei bis sechs Tagen keine Besserung ein und sinkt das Fieber nicht, muss ein Antibiotikum eingenommen werden.

Gegen die Halsschmerzen kann auch die Einnahme eines Schmerzmittels helfen, das zudem noch fiebersenkend wirkt. Für den Patienten ist es wichtig, viel zu trinken. Dabei sollte jedoch auf Milch und Milchprodukte verzichtet werden, da diese die Schleimbildung und damit die Schluckbeschwerden noch zusätzlich verstärken.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung gegen eine Seitenstrangangina ist besonders für Patienten ohne Gaumenmandeln äußerst schwierig, da mögliche Krankheitserreger bei ihnen ungehindert in den Rachenraum eindringen können. Bei auftretenden Halsschmerzen ist es wichtig, viel zu trinken und sich nach Möglichkeit zu schonen, um der körpereigenen Immunabwehr zu ermöglichen die Krankheitserreger zu bekämpfen.

Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung tragen allgemein zur Stärkung des Immunsystems bei. Zudem ist es wichtig sich immer gründlich die Hände zu waschen, um einer zusätzlichen Verbreitung krankheitserregender Keime entgegen zu wirken und so möglicherweise eine Seitenstrangangina zu vermeiden.

Bücher über Angina

Quellen

  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

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