Rhythmisierungsfähigkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Februar 2017
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Die Rhythmisierungsfähigkeit ist die Fähigkeit, den eigenen Bewegungsrhythmus an einen vorgegebenen Rhythmus anzupassen. Diese koordinative Fähigkeiten ist insbesondere für die Sportmedizin relevant. Sie kann durch zentralnervöse Entzündungen, Blutungen, Verletzungen oder Raumforderungen beschädigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Rhythmisierungsfähigkeit?

Unter der Rhythmisierungsfähigkeit versteht der Sportmediziner eine von insgesamt sieben koordinativen Fähigkeiten. Zusammen mit der Kopplungsfähigkeit, der Umstellungsfähigkeit, der Differenzierungsfähigkeit und der Gleichgewichtsfähigkeit sowie der Orientierungsfähigkeit und der Reaktionsfähigkeit ermöglicht die Rhythmisierungsfähigkeit ein perfektes Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur. Dieses perfekte Zusammenspiel ist im Alltag sehr hilfreich und für sportliche Herausforderungen unerlässlich.

Ein Rhythmisierungsfähiger nimmt einen vorgegebenen Bewegungsrhythmus wahr, erkennt ihn und passt die eigenen Bewegungen an diesen Rhythmus an. Diese Anpassung der eigenen Bewegungen an einen vorgegebenen Rhythmus spielt für viele Sportarten eine gesteigerte Rolle, so beispielsweise für den Tanz, aber auch den Ballsport.

Ganz ohne die Anpassungsfähigkeit an einen vorgegebenen Rhythmus ist aber letztlich kaum eine Bewegung möglich – auch außerhalb des Sportes. Traniningseinheiten für verschiedene Sportarten konzentrieren sich seit einiger Zeit oft auf ein Training der Rhythmisierungsfähigkeit.

Funktion & Aufgabe

Die koordinativen Fähigkeiten des Menschen ermöglichen das harmonische Zusammenspiel zwischen den Sinnesorganen, dem zentralen Nervensystem und den Muskeln. Die Koordination macht gezielte Bewegungen oder zielgerichtete Bewegungsabläufe aus einzelnen Bewegungskomponenten so überhaupt erst möglich.

Die intermuskuläre Koordination bezieht sich auf das koordinierte Zusammenspiel mehrerer Muskeln. Davon zu unterscheiden ist die intramuskuläre Koordination, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskelfasern in einem einzelnen Muskel beschreibt.

Neben dem Bewegungsfluss, dem Bewegungstempo und der Bewegungspräzision gibt der Bewegungsrhythmus Hinweise auf die Koordinationsfähigkeit eines Menschen. Zusammen mit den konditionellen Fähigkeiten Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit bilden die koordinativen Fähigkeiten die sportmotorischen Fähigkeiten.

Sportliche Bewegungsabläufe sind komplexer als alltägliche Bewegungsabläufe. Sie bestehen meist aus deutlich mehr, präziser abgestimmten Einzelbewegungen und erfordern in der Regel ein Maximum an inter- und intramuskulärer Koordination.

Die Rhythmisierungsfähigkeit ist die Fähigkeit, den eigenen Bewegungsrhythmus an einen vorgegebenen Rhythmus anzupassen. Diese koordinative Fähigkeiten ist insbesondere für die Sportmedizin relevant.

Die koordinativen Fähigkeiten des Menschen bestimmten so vor allem, ob eine Person zum Erlernen von Sporttechniken und Sportfertigkeiten überhaupt fähig ist und wie gut sie in diesen Techniken und Fertigkeiten sein wird. Als einem Teil der koordinativen Fähigkeiten kommen auch der Rhythmisierungsfähigkeit diese Eigenschaften zu. Die Koordination von Sinneswahrnehmungen und Muskeln ist für die Rhythmisierungsfähigkeit eine der wichtigsten Komponenten.

Ein guter Fußballer nimmt zum Beispiel über das Zusammenspiel seiner Sinne, über Luftgeräusche und visuelle Eindrücke die Geschwindigkeit eines Balls wahr. Über seine eigene Raumlage und die eigene Lage zum Ball ist er sich durch Eindrücke des Muskelsinns und des Gleichgewichtssinns bewusst. Er stimmt seine Bewegungen daraufhin genau auf den außen wahrgenommenen Rhythmus ab, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Auch für einen Tänzer spielt die Rhythmisierungsfähigkeit zB eine Rolle. Er nimmt auditiv den Rhythmus der Musik wahr. Visuell erkennt er den Bewegungsrhythmus seines Tanzpartners. Auf diese beiden Rhythmen stimmt er seinen eigenen Bewegungsrhythmus ab.

Die Rhytmisierungsfähigkeit sichert also die rhythmische Gestaltung eigener Bewegungshandlungen und ermöglicht die sinnvolle Bewegungsgliederung durch Akzentuierung. Obwohl sich die Rhythmisierungsanforderungen mit der Sportart unterscheiden, sind die einer anderen Sportart für einen geübten Profi in der Regel leichter erlernbar, als für einen sportlich inaktiven Menschen.

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Krankheiten & Beschwerden

Die koordinativen Fähigkeiten und somit auch die Rhythmisierungsfähigkeiten sind nicht bei jedem Menschen gleich stark ausgeprägt. Rhythmisierungsfähigkeit ist bis zu einem gewissen Grad zwar an die reibungslose Funktionsfähigkeit von anatomischen Strukturen wie dem zentralen Nervensystem und dem Sinnessystem gebunden. Der Großteil aller koordinativen Fähigkeiten ist aber durch Übung erworben, statt angeboren.

Das macht die Rhythmisierungsfähigkeit zu einer erlernten und damit trainierbaren Fähigkeit. Sinne lassen sich zum Beispiel schärfen. Das gilt insbesondere für die Aufmerksamkeit bezogen auf Bewegungsrhythmen. Eine schlechte Rhythmisierungsfähigkeit muss also nicht zwingend Krankheitswert besitzen.

Wenn ein Kind zum Beispiel nicht besonders aktiv ist und sich selten bewegt, wird es im Erwachsenenalter grundsätzlich eine schlechtere Rhythmisierungsfähigkeit besitzen als ein aktives Kind – auch deswegen ist das körperliche Spielen und Toben förderlich.

Genauso besitzt ein Leistungssportler eine bessere Rhythmisierungsfähigkeit als der Durchschnitt. Das macht die Rhythmisierungsfähigkeit des Durchschnitts aber noch lange nicht pathologisch.

Graduelle Unterschiede sind also nichts Ungewöhnliches. Trotzdem kann ein Schaden an den Wahrnehmungssystemen, eine Schädigung des zentralen Nervensystems oder eine Schädigung der Muskelstrukturen die Rhythmisierungsfähigkeit noch erschweren oder ganz unmöglich machen.

Schlaganfälle können beispielsweise sowohl das Wahrnehmungssystem als auch die Leitungsfähigkeit der Nervenbahnen in Mitleidenschaft ziehen. Wenn die motorischen Nervenbahnen beschädigt sind, lässt sich der eigene Bewegungsrhythmus nicht mehr an einen äußeren Rhythmus anpassen, da die Befehle aus dem zentralen Nervensystem nur noch mit Verzögerung die Muskeln erreichen.

Auch Entzündungen der pyramidalen und extrapyramidalen Nervenbahnen im Rückenmark können die motorischen Fähigkeiten beeinträchtigen und so die Rhythmisierungsfähigkeit begrenzen. Dasselbe gilt für Entzündungen in den sensomotorischen Gebieten des Gehirns oder im Kleinhirn.

Auch demyelinisierende Krankheiten verzögern die Leitgeschwindigkeit des Nervenkostüms. Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder ALS können die motorischen Zentren des Zentralnervensystems sogar ganz abbauen. Tumore und andere Raumforderungen im Gehirn oder im Rückenmark zeigen unter Umständen ebenso Auswirkungen auf die Rhythmisierungsfähigkeit.

Viele Untersuchungsmethoden der Neurologie prüfen die koordinativen Fähigkeiten des Patienten, um Schäden im Zentralnervensystem abzuschätzen und zu lokalisieren.

Wie alle koordinativen Fähigkeiten lässt die Rhythmisierungsfähigkeit im Alter generell nach. Das gilt auch dann, wenn keine zentralnervösen Erkrankungen vorliegen.

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