Orientierungsfähigkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. Januar 2017
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Tagtäglich muss der Mensch sich örtlich und zeitlich zurechtfinden. Termine gilt es, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort einzuhalten. Um dies zu ermöglichen, verfügt der Mensch über eine kognitive Fähigkeit – die Orientierungsfähigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Orientierungsfähigkeit?

Der Begriff der Orientierung stammt aus der Psychologie. Bei der Orientierungsfähigkeit handelt es sich, allgemein gesprochen, um das Vermögen, sich in Raum, Zeit oder im eigenen Individuum zurechtfinden zu können.

Unter die mentale Orientierungsfähigkeit fallen demnach die räumliche und zeitliche Wahrnehmung sowie das Bewusstsein der eigenen Person. Letzteres umfasst die eigene Identität und die damit zusammenhängenden Bezüge; das Situationsbewusstsein. Hierüber wird entschieden, wie der Mensch sich in verschiedenen Situationen verhält und handelt.

Im engeren Sinne ist mit Orientierung, in den meisten Fällen, die örtliche Orientierungsfähigkeit gemeint. Die Orientierungsfähigkeit zählt zudem als eine von sieben Fähigkeiten die zur reibungslosen Durchführung von Bewegungsabläufen. Sie steht dabei in Wechselwirkung mit der Umstellungsfähigkeit, der Reaktionsfähigkeit, der Differenzierungsfähigkeit, der Kopplungsfähigkeit, der Gleichgewichtsfähigkeit sowie der Rhythmisierungsfähigkeit.

Der grundlegende Orientierungssinn ist angeboren. Er ist von Person zu Person unterschiedlich ausgeprägt, kann aber auch mit Übung ausgebaut werden. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der bewussten Wahrnehmung der Umgebung, in der eine Person sich aufhält, und dem Orientierungsvermögen.

Im Allgemeinen bezeichnet die räumliche Orientierungsfähigkeit damit das Vermögen, sich räumlich und richtigungsweisend zu bewegen. Hierfür werden verschiedene Sinnesorgane benötigt, die das Zurechtfinden ermöglichen. Zur reinen Orientierung werden vor allem die Ohren und Augen genutzt.

Wird die Bewegung im Raum dazugenommen, spielen zudem die Muskeln (Tiefensensibilität) und der Gleichgewichtssinn eine Rolle. Bei Tieren werden außerdem noch stärker als beim Menschen der Geruchssinn oder das Temperaturempfinden zur Orientierung genutzt (neben teilweise weiteren Sinnen, wie dem Sonar, die der Mensch nicht besitzt).

Funktion & Aufgabe

Für Mensch und Tier spielt die Orientierungsfähigkeit eine wichtige Rolle. Die räumliche Orientierung wird vor allem durch Bewegung im Raum erlernt und steht demnach im Zusammenhang mit dem Gedächtnis. Orte, die besucht wurden, speichert das Gehirn als Eindruck ab. Besucht die Person diesen Ort wieder, wird sie sich in den meisten Fällen an ihn erinnern können. Je häufiger dieser Ort aufgesucht wird, umso besser prägt der Mensch ihn sich ein. Dies hängt auch mit dem Zeitraum zusammen, den die Person Zeit hatte, den Ort zu betrachten.

Selbiges gilt für Strecken, die eine Person zurücklegt. Die räumliche Orientierung dient nicht nur dazu, sich richtungsweisend über eine gewisse Strecke zu einem Ort zu bewegen, sondern hilft auch dabei, bei diesem Prozess nicht anzuecken.

Einerseits hat die Orientierung also die Funktion, den Menschen bei dem Zurechtfinden zu helfen und an Räume und Orte zu erinnern. Damit greift sie auf das Erinnerungsvermögen und gespeicherte Eindrücke der Umgebung zurück. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch die bewusste Wahrnehmung des Raumes.

Bei der Orientierungsfähigkeit handelt es sich, allgemein gesprochen, um das Vermögen, sich in Raum, Zeit oder im eigenen Individuum zurechtfinden zu können.

Andererseits nutzen die Menschen die Orientierungsfähigkeit zusammen mit dem Gleichgewichtssinn dafür, Wege zurückzulegen, ohne beispielsweise in Gegenstände oder andere Personen hineinzulaufen.

Ist ein Sinnesorgan, das zur Orientierung dient, kurzzeitig oder dauerhaft geschädigt oder behindert, fällt es dem Menschen schwerer, sich zurechtzufinden. In diesem Fall ist er häufig gezwungen, andere Sinne zur Hilfe zu nehmen. Beispielsweise fällt es Personen schwer, sich im Dunkeln in Räumen zu orientieren, die ihnen unbekannt sind.

Das Auge fällt als Richtungsweiser weg und der Betroffene ist gezwungen, den Tastsinn zur Hilfe zu nehmen, um nicht gegen Gegenstände zu laufen oder gar über Dinge zu stolpern. Dadurch wird er sich in diesem Raum automatisch langsamer und unsicherer bewegen. Die Orientierung dient somit zudem der Absicherung bei Bewegungen im weitesten Sinne.

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Krankheiten & Beschwerden

Das Orientierungsvermögen steht in Wechselwirkung zu zielgerichteten Reflexen. Bei einem Sturz, fängt sich der Mensch – sofern er kann – ab, um Verletzungen zu vermeiden. Auch für diesen Prozess wird räumliche Orientierung benötigt, um beispielsweise Abstände einschätzen zu können.

Kommt es zu einer Störung des Zusammenspiels der verschiedenen Sinne, ist die Orientierungsfähigkeit vermindert. Dies kann Desorientierung, Schwindelgefühle oder Übelkeit auslösen.

Erkrankungen oder Beschwerden, die zum Beispiel Schwindel bedingen, gehen grundsätzlich mit einem Mangel an Orientierung einher. Der Gleichgewichtssinn ist gestört und der Betroffene ist je nach Ausprägung nicht mehr dazu in der Lage, sich im Raum zurechtzufinden. In einigen Fällen kann es zu Stürzen und Verletzungen kommen, da die räumliche Orientierung nicht mehr in vollem Maße funktioniert.

Ist die Orientierungsfähigkeit nicht konstant, spricht der Fachmann von Orientierungsstörungen, bei vollkommener Orientierungslosigkeit von Desorientiertheit. Dies gilt nicht nur für den räumlichen Bereich, sondern auch für den zeitlichen oder persönlichen.

Menschen mit Orientierungsstörungen können oftmals weder Zeit noch Ort bestimmen. Je nach Schwere, zum Beispiel bei einer Amnesie, kann zusätzlich das Wissen um das eigene Selbst gestört sein.

Krankheiten, die mit Orientierungsstörungen einhergehen können verschiedene psychische Erkrankungen wie Psychosen, aber auch physische Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer sein. Bei letzteren hängt die Desorientierung unter anderem mit Gedächtnisstörungen zusammen.

Aber auch Schlafwandeln wird mit Orientierungsstörungen assoziiert. Ähnlich sieht es bei anderen psychogenen Orientierungsstörungen aus. Sie werden in der Medizin und Psychologie zu den Dissoziativen Störungen gezählt. Kohlenstoffmonoxidvergiftungen, Schlafentzug, erhöhte Körpertemperatur oder ein erhöhter Hirndruck können ebenfalls mit Schwierigkeiten bei der Orientierung einhergehen.

Als Krankheitssymptomatik findet ein Orientierungsverlust üblicherweise erst zeitlich, dann räumlich statt. Erst daran anschließend ist die Orientierung des eigenen Selbst gestört. Betroffene Personen vergessen beispielsweise die einfachsten Informationen über sich oder Menschen in ihrer Umgebung. Das kann die Haarfarbe der besten Freundin sein, der eigene Geburtstag oder sogar der eigene Name.

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