Pilzvergiftung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. August 2017
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Eine Pilzvergiftung oder fachlich auch Myzetismus ist eine Vergiftung durch giftige Pilze. Zumeist kommt es hierbei durch falsche Kenntnis von Waldpilzen zu Verwechslung von Speisepilzen mit Giftpilzen, die im Anschluss verzehrt werden. Dabei treten dann typische Vergiftungserscheinungen, wie starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Es sollte bei Verdacht immer schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pilzvergiftung?

Wenn man giftige oder gesundheitsschädliche Pilze isst, kann man eine Pilzvergiftung, in der Fachsprache Myzetismus genannt, bekommen. Schuld daran sind Pilzgifte, die schon in kleinsten Mengen schwere Vergiftungserscheinungen auslösen können. Die Haupt-Symptome bei einer Pilzvergiftung sind schwere Übelkeit, Herz-Kreislauf-Probleme und Schwindel. Pilzvergiftungen können tödlich enden, deswegen ist schnelle Erste Hilfe und eine unverzügliche ärztliche Behandlung enorm wichtig.

Ursachen

Wie bekommt man eine Pilzvergiftung? Besonders gefährdet sind Menschen, die Pilze selbst im Wald sammeln. Laien können bekömmliche Speisepilze meistens nicht von giftigen Pilzen unterscheiden. Die Pilzvergiftung wird durch Pilztoxine verursacht, die zum Beispiel in Fliegenpilzen und grünen Knollenblätterpilzen enthalten sind.

Im Wald findet man in etwa 10.000 Pilzarten. Von denen sind allerdings nur 1000 wirklich bekömmlich, die sich aber nur schwer von den giftigen unterscheiden lassen. Man kann sich allerdings auch eine Pilzvergiftung einfangen, indem man rohe, verdorbene oder aufgewärmte Speisepilze isst.

Wie oft und wie viele Menschen durchschnittlich an einer Pilzvergiftung leiden ist nicht bekannt, denn nicht jeder Fall wird in Vergiftungszentralen gemeldet wird und zudem gibt es in Deutschland keine zentrale Meldestelle nur für Pilzvergiftungen. Es heißt aber, dass rund zehn Prozent aller gemeldeten Vergiftung durch Pilze verursacht worden sind.

Typische Symptome & Anzeichen

Krankheitsverlauf

Erbrechen

Was passiert, wenn man eine Pilzvergiftung hat? Je nachdem, welche Pilzgifte und was für eine Menge man davon gegessen hat, kann es entweder innerhalb von Minuten zu schlimmen Symptomen bis hin zum Tode kommen oder es dauert mehrere Tage, bis Symptome sicht- und spürbar werden.

Die Symptome einer Pilzvergiftung sind vielfältig, häufig leiden Betroffene an Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Wahrnehmungsstörungen, Luftnot und Schweißausbrüche.

Diese Symptome können recht schnell innerhalb von einer halben Stunde oder auch erst nach einigen Tagen auftreten. Abzugrenzen von einer Pilzvergiftung sind natürlich Nahrungsmittel-Allergien oder Nahrungsmitte-Unverträglichkeiten.

Komplikationen

Eine durch unsachgemäße Zubereitung oder den Verzehr schwach giftiger Pilze verursachte Pilzvergiftung ähnelt in ihrer Symptomatik einer Magen-Darm-Verstimmung und heilt in der Regel innerhalb weniger Tage ohne Komplikationen aus. Da im Anfangsstadium der Verlauf noch nicht absehbar ist, sollte dennoch immer ein Arzt hinzugezogen werden, wenn nach dem Genuss von Pilzen Unwohlsein auftritt.

Lebensgefährlich kann eine Pilzvergiftung werden, wenn giftige Knollenblätterpilze verspeist wurden: Komplikationen wie Leberversagen, Nierenversagen und innere Blutungen treten nach einer ersten Besserung erst Tage später auf, selbst schnelles ärztliches Eingreifen führt nicht in allen Fällen zum Erfolg. Überlebende leiden häufig an einer ausgeprägten Nierenschwäche und sind oftmals lebenslang auf Dialyse angewiesen, nach einem Versagen der Leber kann eine Lebertransplantation nötig sein.

Auch das Gift mancher Schleierlinge kann eine lebensbedrohliche Nierenschädigung verursachen, die nur durch dauerhafte Dialyse oder eine Nierentransplantation therapiert werden kann. Einige Pilze, wie etwa Fliegenpilz oder Pantherpilz, entfalten eine starke Giftwirkung auf das Nervensystem.

Nach psychischen Ausfallerscheinungen wie Sprachstörungen, Halluzinationen und allgemeiner Unruhe kommt es ohne ärztliche Behandlung zu einem tödlichen Atemstillstand. Als weitere Komplikationen einer Pilzvergiftung sind Herzrasen, Bluthochdruck, starkes Schwitzen, Kreislaufbeschwerden und Atemnot zu nennen – bei manchen Pilzarten werden diese Symptome durch den gleichzeitigen Genuss von Alkohol verstärkt oder erst ausgelöst.

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Behandlung & Therapie

Wie wird eine Pilzvergiftung vom Arzt behandelt? Neben den eben beschriebenen Vergiftungserscheinungen können auch Nieren- und Leberschädigungen auftreten, die dann lebensbedrohlich werden. Es ist deswegen wichtig, dem behandelnden Arzt zu erzählen, dass man Pilze gegessen hat, um die Symptome zum Beispiel von einer Lebensmittelvergiftung abgrenzen zu können.

Ideal wäre, wenn man noch Reste des Pilzes oder Erbrochenes hat, damit die Ärzte schneller feststellen können, um welche Art von Pilzvergiftung es sich handelt. Eine Behandlung mit Hausmitteln ist absolut nicht empfehlenswert! Behandelt werden je nach Schwere der Vergiftung nur die Beschwerden.

Bei schweren Vergiftungen wird der Magen ausgespült oder ausgepumpt und Aktivkohle verabreicht, um das Pilzgift aus dem Körper zu entfernen. Je nachdem, welches Pilztoxin die Beschwerden hervorgerufen hat, gibt es auch Gegengifte.

Beim Pilzsammeln sollte deswegen auf bestimmte Dinge geachtet werden. Es sollten nur Pilze mitgenommen werden, die man auch wirklich kennt. Im Zweifel sollten Pilze lieber stehengelassen werden. Hilfreich dabei sind Pilz-Bestimmungsbücher oder die Beratung durch einen ausgebildeten Pilzberater. Die gesammelten Pilze sollten in einem luftigen Gefäß transportiert werden und nicht zum Beispiel in Plastiktüten.

Wenn man unerfahren ist, sollte man nur Pilze aus der Familie der Röhrlinge sammeln. Diese Haben einen sogenannten Schwamm oder Hut und sind in der Regel ungiftig. Beim Kochen sollte darauf geachtet werden, dass die Pilze nicht länger als 15 bis 20 Minuten gegart werden.

Bücher über Giftpilze & Pilzvergiftung

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Müller, S.: Notfallmedizin. Thieme, Stuttgart 2011
  • Reichl, F.-X.: Taschenatlas der Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2009

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