Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. September 2017
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Die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist eine erbliche Leukodystrophie mit Degenerationen der Nervensubstanz. Die Betroffenen leiden an einer mutationsbedingten Störung der Myelinisierung, die vor allem motorische und intellektuelle Defizite zur Folge hat. Die Therapie der Erkrankung beschränkt sich bislang auf supportive Maßnahmen von Physio- und Psychotherapie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit?

Leukodystrophien sind genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen, bei denen die weiße Substanz des Nervensystems aufgrund von Mangelerscheinungen fortschreitend degeneriert. Abgebaut wird vor allem das Myelin, das die Nerven umgibt.

Myelin stellt im menschlichen Organismus eine Isolierung dar. Wie in einem Kunststoffkabel ist das bioelektrische Aktionspotenzial der Nervenerregung in myelinisierten Nervenbahnen vor Verlusten in die Umgebung geschützt. Ohne Myelin ist die Funktion eines Nervs massiv beeinträchtigt. Erregungsverluste treten auf. Die Reizleitung ist erschwert.

Patienten mit Leukodystrophien leiden deshalb an neurologischen Defiziten. Vor allem im Bereich der Motorik machen sich Leukodystrophien bemerkbar. Die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist eine Leukodystrophie, deren Erstbeschreibung auf den deutschen Neurologen F. C. Pelizaeus und den Psychiater L. Merzbacher zurückgeht.

Charakterisiert ist die Erkrankung durch eine Störung in der Myelinscheidenbildung, die sich in einer Vielzahl von unterschiedlichen Symptomen manifestieren kann. Alle Altersgruppen können betroffen sein. Die Prävalenz wird auf rund einen bis neun Fälle aus 1000 000 Menschen geschätzt. Unterschiedliche Literatur bezeichnet die Leukodystrophie auch als Hirnsklerose, diffuse familiäre Leukodystrophie oder Pelizaeus-Merzbacher Hirnsklerose.

Ursachen

Wie allen Leukodystrophien liegt auch der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit eine Degeneration der weißen Nervensubstanz zugrunde. Diese Degeneration entspricht im Falle der Krankheit einer genetisch bedingten Störung bei der Bildung von Myelinscheiden. Die Myelinbildungsstörung geht auf eine Mehrfach-Mutation zurück, die mittlerweile auf das des PLP1-Gen lokalisiert wurde.

Dieses Gen kodiert für das Proteolipid-Protein 1 und ist in Genlocus Xq22 des X-Chromosoms angeordnet. Welche Art der Mutation im PLP-Gen stattfindet, kann von Fall zu Fall variieren. Die Mutationen können so zum Beispiel Deletionen entsprechen. Auch Duplikationen des Gens wurden an Patienten der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit allerdings nachgewiesen.

Aufgrund der Mutationen kommt es zu einer fehlerhaften Produktion von Proteolipid-Proteinen. Die defekten Proteine haben widerum defektes Myelin zur Folge, da sie eine essentielle Rolle für die Myelin-Synthese spielen. So entstehen funktionslose Myelinscheiden, die Potenzialverluste an den Nerven zur Folge haben. Die Erkrankung wird X-chromosomal rezessiv vererbt. Aus diesem Grund erkrankt in der Regel nur das männliche Geschlecht. Frauen sind meist stille Trägerinnen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist eine Verzögerung der geistigen sowie motorischen Entwicklung. Neben unkontrollierbaren Zuckungen der Augen in Form eines Nystagmus zählen spastische und schlaffe Lähmungen der Muskulatur sowie Tonusverlust mit ataktischer Stand- und Gangunsicherheit zu den Leitsymptomen der Krankheit.

Erst Symptome manifestieren sich meist im Kleinkindes- oder Kindesalter. Auch eine Manifestation im Erwachsenenalter ist allerdings denkbar. Grundsätzlich verläuft die konnatale Form meist am schwersten. Oft treten neben den genannten Beschwerden Dyspnoe oder Stridor auf. Eine spastische Tetraparese zählt im Verlauf oft zum Krankheitsbild.

Bei der klassischen Form mit Manifestation in den ersten Lebensmonaten gehen Nystagmus und Muskelhypotonien fortschreitend in eine Spastik über. Neben der klassischen und konnatalen Form existiert eine Übergangsform mit einem Beeinträchtigungsausmaß zwischen klassischer und der konnataler Variante. Grundsätzlich sind also unterschiedliche Schweregrade denkbar. Die Symptome können relativ breitgefächert ausfallen, sodass sich das klinische Bild der Patienten oft stark unterscheidet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erste Hinweise auf die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit geben die neurologische Untersuchung und die Anamnese. Da keine biochemischen Marker für die Erkrankung zur Verfügung stehen, spielt die Bildgebung im Rahmen der Diagnostik die wichtigste Rolle. In einer Kernspintomographie des Gehirns zeigen sich Störungen der Myelinisierung.

Da solche Störungen für die Pelizaeus-Merzbacher-Erkrankung nicht spezifisch sind, muss eine differentialdiagnostische Abgrenzung gegenüber anderer Entmarkungskrankheiten erfolgen. Die Magnetresonanzspektroskopie kann dabei behilflich sein. Die finale Sicherung der Verdachtsdiagnose erfolgt meist in Form einer molekulargenetischen Analyse.

Eine nachgewiesene Mutation des PLP1-Gens gilt als diagnosesichernd. Prinzipiell ist eine pränatale Diagnostik möglich. Die Prognose der Patienten hängt von der Schwere der Erkrankung und der Art der PLP-Mutation ab. Milde Verläufe sind genauso denkbar wie schwere Formen mit tödlichem Verlauf in der Kindheit.

Komplikationen

Aufgrund der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit leiden die Betroffenen an einer Reihe verschiedener Einschränkungen und Beschwerden. In den meisten Fällen können nur die wenigsten der Beschwerden vollständig geheilt werden, sodass der Betroffene in seinem Leben auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen ist. In erster Linie leiden die Patienten bei dieser Krankheit an einer deutlich verzögerten Entwicklung.

Auch die motorische Entwicklung des Patienten ist bei dieser Krankheit erheblich eingeschränkt und es kommt weiterhin auch zu starken geistigen Defiziten. Ebenso leiden die Betroffenen bei der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit an einer Gangunsicherheit und an verschiedenen Lähmungen und anderen Störungen der Sensibilität. Mitunter machen sich Anzeichen einer Spastik bemerkbar. In vielen Fällen kann es vor allem bei Kindern zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, sodass die Patienten durch die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit auch an psychischen Beschwerden und an Depressionen erkranken.

Eine kausale Behandlung der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit ist nicht möglich. Vor allem für die Eltern und für die Angehörigen stellt die Krankheit dabei eine starke psychische Belastung dar. Weiterhin können einige Beschwerden mit Hilfe von Therapien eingeschränkt werden. Eine vollständige Heilung tritt bei dieser Krankheit allerdings nicht ein. Möglicherweise wird dabei auch die Lebenserwartung des Patienten verringert.

Behandlung & Therapie

Die Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit hat ihre Ursache in den Genen. Aus diesem Grund existiert für Patienten der Erkrankung bislang keine ursächliche Therapie. Kausale Therapieformen könnte höchstens die Gentherapie eröffnen. Gentherapeutische Ansätze bilden derzeit einen Schwerpunkt in der medizinischen Forschung.

Allerdings haben die Ansätze die klinische Phase bisher nicht erreicht. Daher werden Patienten der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt rein symptomatisch und supportiv behandelt. Die einzelnen Therapieschritte hängen von den jeweils im Einzelfall vorliegenden Symptomen ab. Den Fokus der Therapie bilden supportive Maßnahmen, die den Verlauf verzögern und die Lebensqualität der Betroffenen damit verbessern sollen.

Zu diesen Maßnahmen zählen vor allem Ergo- und Physiotherapie. Die geistige Entwicklung kann mittels Frühförderung unterstützt werden. Darüber hinaus werden Angehörige der Betroffenen emotional unterstützt. Oft wird Eltern zum Beispiel ein Psychologe oder Psychotherapeut zur Seite gestellt. Kontakte zur Europäischen Vereinigung gegen Leukodystrophien werden hergestellt. Spezielle Sprechstunden bieten auch verschiedene Universitätskliniken an.

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Vorbeugung

Der Pelizaeus-Merzbacher-Krankheit lässt sich bisher nur durch genetische Beratung in der Phase der Familienplanung vorbeugen. Anhängig vom eigenen Vererbungsrisiko kann die Entscheidung gegen ein eigenes Kind fallen. Darüber hinaus kann gegebenenfalls eine pränatale Diagnostik stattfinden.

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Quellen

  • Koletzko, B.: Kinder- und Jugendmedizin. Springer Medizin Verlag, Berlin 2007
  • Michaelis, R., Niemann, G.W.: Entwicklungsneurologie und Neuropädiatrie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010

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