Paraneoplastisches Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Paraneoplastisches Syndrom

Ein paraneoplastisches Syndrom stellt eine Begleitkrankheit einer Krebserkrankung dar. Es ist jedoch nicht die Folge des Tumors, sondern entwickelt sich parallel zu diesem. Bisweilen deuten die typischen Symptome eines paraneoplastischen Syndroms auf einen noch unentdeckten und zunächst symptomlosen bösartigen Tumor hin.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein paraneoplastisches Syndrom?

Ein paraneoplastisches Syndrom ist immer eine Begleiterkrankung zu einem bösartigen Tumor. Es entwickelt sich nie primär als Folge einer Neoplasie. Manchmal treten bereits die Symptome eines paraneoplastischen Syndroms auf, ohne dass schon tumorbedingte Krankheitserscheinungen bemerkbar sind.

So können die typischen Symptome von bestimmten paraneoplastischen Syndromen oft die Diagnostik der eigentlichen Krebserkrankung erleichtern. Die Symptome sind nicht unmittelbare Folge von Raumforderungen oder Gewebezerstörungen durch den Tumor. Vielmehr entwickeln sie sich durch die verstärkte tumorbedingte Freisetzung von bestimmten Wirkstoffen.

Das können Hormone, Antikörper, Enzyme oder Entzündungsfaktoren sein. Entsprechend vielfältig präsentieren sich die einzelnen Krankheitsbilder. Paraneoplastische Syndrome betreffen unter anderem das endokrine System, die Haut, das Verdauungssystem, das Nervensystem, das Blut oder die Gelenke.

Viele typische Symptome treten zwar auch ohne eine zugrunde liegende Krebserkrankung auf. Manche paraneoplastische Syndrome werden jedoch ausschließlich in Begleitung mit Krebserkrankungen gefunden.

Ursachen

Als Ursache für das paraneoplastische Syndrom gilt die verstärkte Bildung und Freisetzung von biologisch wirksamen Substanzen. So gibt es paraneoplastische Syndrome, die typischen Hormonstörungen gleichen, weil der Tumor in verstärktem Maße bestimmte Hormone produziert. Endokrine paraneoplastische Syndrome werden unter anderem durch neuroendokrine Tumoren in der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen.

Dazu zählt das sogenannte Insulom mit einer Überproduktion von Insulin, das Gastrinom mit einer verstärkten Bildung von Gastrin, welches die Magensäureproduktion anregt oder das Vipom mit schweren therapieresistenten Durchfällen. Rund 20 Prozent aller Tumorpatienten entwickeln ein paraneoplastisches Syndrom.

Den größten Anteil mit bis zu 40 Prozent stellen dabei die Bronchialkarzinome. Neben den hormonbedingten paraneoplastischen Syndromen kann auch die verstärkte Bildung von Antikörpern gegen Krebszellen zu autoimmunähnlichen Erkrankungen führen, wenn diese gleichzeitig im Rahmen einer Kreuzreaktion auch gesunde Körperzellen angreifen.

Dabei ist die Prognose von Tumoren mit antikörperbedingten paraneoplastischen Syndromen günstiger als Tumoren ohne Begleitsymptome, da bei Ersteren eine stärkere Immunreaktion gegen die Krebszellen stattfindet. Manche Tumoren sezernieren Entzündungsfaktoren wie Prostaglandine.

Dabei können unter anderem Hautveränderungen, rheumatische Beschwerden oder Magen-Darm-Störungen auftreten. Spezielle paraneoplastische Syndrome betreffen das Nervensystem. Dabei greifen Autoantikörper Nervenzellen an und rufen neurologische Beschwerden hervor.

Des Weiteren erzeugen bestimmte Tumoren auch Substanzen, die zu hämatologischen Veränderungen führen. Insgesamt kann sich so eine Vielzahl von unterschiedlichen paraneoplastischen Syndromen herausbilden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Paraneoplastische Syndrome äußern sich durch allgemeine sowie spezielle Symptome. Viele Krebserkrankungen werden von einem allgemeinen Symptomenkomplex aus Kachexie, verstärkter Wärmebildung, Schweißausbrüchen, Thrombosen, Leukozytosen oder Anämie begleitet.

Die Kachexie äußert sich in ständiger Abmagerung, obwohl genügend Kalorien aufgenommen werden. Dabei kommt es in Krebszellen zu einer verstärkten Aktivität von Mitochondrien, welche zu einem sehr hohen Energieverbrauch führen. Der Stoffwechsel wird stark beschleunigt, die Wärmebildung verstärkt und die Fettverbrennung angekurbelt.

Die Abmagerung im Rahmen der Kachexie ist also nicht die Folge von Nahrungsmittelmangel, sondern die eines erhöhten Energieverbrauchs. Zu den speziellen Symptomen gehören unter anderem hormonbedingte Störungen. So treten bestimmte Formen des sogenannten Cushing-Syndroms bei Bronchial-, Leberzell- oder Nierenkarzinomen auf.

Die dabei erhöhte Freisetzung von ACTH regt die Nebennierenrinde zu einer verstärkten Kortisolausschüttung an. Es kommt zu einer Stammfettsucht mit Stiernacken und Mondgesicht sowie zur Schwächung des Immunsystems mit einer erhöhten Infektanfälligkeit. Bei einem Insulom wird zu viel Insulin produziert. Der Blutzuckerspiegel sinkt dramatisch ab. Weitere Hormone, die durch Karzinome verstärkt gebildet werden können, sind das Parathormon (PTH), Vasopressin (ADH), Thyreotropin (TSH), Kalzitonin oder Serotonin. Das Kalzitonin senkt den Kalziumspiegel im Blut. Ein erhöhter Kalziumspiegel wird durch das Parathormon hervorgerufen.

Erhöhte Serotoninkonzentrationen führen unter anderem zu hartnäckigen Durchfällen und Bauchschmerzen, weil die Darmperistaltik ständig angeregt wird. Das TSH wiederum stimuliert die Bildung von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse, wobei die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Antikörpervermittelte Reaktionen können zu Autoimmunerkrankungen führen.

Es kann dabei zu rheumatischen Gelenkentzündungen, entzündlichen Prozessen im Magen-Darm-Bereich oder neurologischen Ausfällen kommen. Bei Beteiligung der Haut ist das Hauptsymptom ein quälender Juckreiz. Des Weiteren werden Hautläsionen, Keratosen oder ein verstärktes Wachstum der Körperbehaarung beobachtet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Je nach Symptomenkomplex können Hormonuntersuchungen oder Untersuchungen auf Antikörper Aufschluss auf die Ursache bestimmter Symptome bringen. Durch bildgebende Verfahren ist die Aufdeckung des zugrunde liegenden Tumors möglich.

Behandlung & Therapie

Ursächlich können paraneoplastische Syndrome durch die Entfernung des Tumors behandelt werden. Dadurch verschwinden meist auch die Symptome. Das gilt im Besonderen für endokrin bedingte paraneoplastische Syndrome. Es gibt jedoch auch Fälle, wo nach der Tumorentfernung die Antikörperaktivität trotzdem weiterhin hoch bleibt.

Selbstverständlich können die einzelnen Tumorbegleiterkrankungen separat behandelt werden. Dabei haben sich medikamentöse Therapien oder Immunsuppressionstherapien bei antikörperbedingten paraneoplastischen Syndromen bewährt. Jedes paraneoplastische Syndrom erfordert einen eigenen Therapieansatz. Es sollte jedoch nach Möglichkeit die ursächliche Tumorbehandlung angestrebt werden.




Vorbeugung

Eine allgemeine Empfehlung zur Vorbeugung vor einem paraneoplastischen Syndrom gibt es nicht, da dieses immer eine bestimmte Tumorerkrankung begleitet. Der Fokus der Vorbeugung liegt dabei jedoch auf den Tumoren. So kann beispielsweise das Risiko, an einem Bronchialkrebs zu erkranken, durch eine gesunde Lebensweise und den Verzicht auf das Rauchen verringert werden.

Bücher über Krebs & Krebserkrankungen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Paraneoplastisches Syndrom?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: