Stammfettsucht

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Die Stammfettsucht entspricht dem männlichen Fettverteilungsmuster im Rahmen einer Adipositas und ist vor allem durch viszerale Fetteinlagerungen gekennzeichnet. Die Ursachen für eine Stammfettsucht können neben Bewegungsmangel und falschen Essgewohnheiten aus hormonellen und genetischen Faktoren bestehen. Die Behandlung erfolgt abhängig von der Primärursache.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stammfettsucht?

Die Körperregion des Abdomens umfasst den Rumpfbereich zwischen Becken und Brust. Diese Region neigt zur Einlagerung von Fetten. Eine adipöse Fetteinlagerung mit abdominalem Schwerpunkt wird auch als Stammfettsucht bezeichnet. Die Stammfettsucht ist eine Variante der Adipositas. Als solche ist die übermäßige Vermehrung von Fettgewebe definiert.

Davon abzugrenzen ist bloßes Übergewicht, wobei ein Body Mass Index von 30 als Grenze zwischen Adipositas und Übergewicht gilt. Alle Formen der Adipositas sind chronische Erkrankungen mit erhöhtem Morbiditäts- sowie Mortalitätsrisiko. Neben dem Abdomen kann von Stammfettsucht der gesamte Rumpf betroffen sein.

Anatomisch gesehen wird der zentrale Abschnitt des Körpers als Rumpf bezeichnet. Dieser Körperstamm umfasst Teile der Brust, den Bauch, den rumpfseitigen Rücken und Anteile des Beckens. Grundsätzlich existieren für das Fettverteilungsmuster mit abdominalem Zentrum weitere Bezeichnungsformen.

Der Ausdruck der androiden Adipositas gilt zum Beispiel als männliches Fettverteilungsmuster der Adipositas, das ebenfalls den Abdomen betont und auch als viszerale oder zentrale Adipositas des Apfeltypen bekannt ist. Davon zu unterscheiden ist gynoide Adipositas mit Betonung der Hüften, wie sie bei Frauen häufiger vorkommt.

Ursachen

Formen der Adipositas entstehen durch multifaktorielle Zusammenhänge. Neben genetischen Ursachen werden Bewegungsmangel, Fehlernährung sowie Essstörungen als Faktoren für die Erkrankung angesehen. Darüber hinaus können endokrine Erkrankungen wie die Leptin-Resistenz oder Störungen der Resistin- und Adiponektin-Homöostase eine Adipositas verursachen.

Dasselbe gilt für Medikamenteneinnahme, so zum Beispiel für die Einnahme von Glukokortikoiden, Neuroleptika oder Antidiabetika. Weitere Faktoren können eine Immobilisierung oder eine Schwangerschaft sein. Die Stammfettsucht als männliches Verteilungsmuster der Adipositas ist in vielen Fällen das Symptom eines Cushing Syndroms. Dieser Symptomkomplex ist durch ein übermäßiges Angebot an Glukokortikoiden gekennzeichnet.

Das Syndrom geht häufig auf eine sekundäre Nebenniereninsuffizienz zurück oder wurzelt in Störungen der hypothalamisch-hypophysären Regulation. Auch unterschiedliche Neoplasien können die primäre Ursache eines Cushing-Syndroms darstellen. Aufgrund der gesteigerten Glukokortikoid-Sekretion wird dem Körper im Rahmen des Syndroms übermäßig viel Glucose zur Verfügung gestellt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Stammfettsucht ist leitsymptomatisch durch starkes Übergewicht und übermäßige Fetteinlagerungen im Bereich des Abdomens gekennzeichnet. Im Rahmen des Phänomens sind vor allem viszerale Fettspeicherungen relevant. Charakteristischerweise imponieren diese Einlagerungen als Bierbauch. Viszeralfett ist intraabdominales Fett, das in die freie Bauchhöhle eingelagert wird und so die inneren Organe umhüllt.

Viszeralfett übernimmt bis hin zu einer gewissen Menge eine Schutzfunktion. Bei gesunden Menschen ist intraabdominales Fett mit dem bloßen Auge nicht direkt sichtbar. Erst wenn die Einlagerungen ein bestimmtes Maß überschreiten, vergrößert sich das Bauchvolumen. Eine manifeste Stammfettsucht ist in der Regel mit Folgeerkrankungen oder weiteren Symptomen vergesellschaftet.

Neben Bluthochdruck kann Arteriosklerose vorliegen. Außerdem leiden Menschen mit Stammfettsucht oft an Diabetes oder Herz-Kreislauf- und Gefäßleiden. Oft tritt ein metabolisches Syndrom ein. Thrombosen, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Alzheimer sowie Krebs werden durch Stammfettsucht begünstigt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Als Maß für die Diagnose einer Stammfettsucht ist der Bauchumfang. Der Umfang wird zwei Querfinger über der Oberkante des Beckenkamms gemessen. Frauen leiden ab einem Umfang von 80 und Männer ab einem Umfang von 94 Zentimetern an übermäßig viszeralen Fetteinlagerungen. Seit 2012 wird dem abdominalen Fett in der Adipositas-Diagnostik mehr Beachtung geschenkt.

Der seither genutzte Body Shape Index BSI bezieht das schädliche Bauchfett erstmals mit in die Berechnung ein. Auch das Verhältnis zwischen Körpergröße und Bauchumfang im Sinne der Waist-to-height-ratio kann für die Diagnose der Stammfettsucht eine Rolle spielen. Bei der Diagnose jeder Adipositas ist neben der Fettverteilung die allgemeine Fettmasse relevant.

Außerdem werden im Rahmen der Diagnostik die Risiken für Folgeerkrankungen bestimmt. Zusätzlich können die Ursachen für die Fettsucht diagnostische Relevanz besitzen. Die Prognose für Menschen mit Stammfettsucht hängt vom Ausmaß der Adipositas und vom Durchhaltevermögen des Patienten ab.

Komplikationen

Die Stammfettsucht kann mit diversen gesundheitlichen Komplikationen einhergehen. Menschen mit Adipositas leiden häufig auch unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßleiden oder Diabetes. Diese Krankheiten begünstigen Thrombosen, Schlaganfälle und Alzheimer. Auch kommt es vermehrt zu Alzheimer und Krebs. Unbehandelt schränken die Folgen einer Stammfettsucht die Lebensqualität und das Wohlbefinden des Betroffenen erheblich ein. Daraus resultieren oftmals auch psychische Leiden.

Die Behandlung einer Adipositas birgt ebenfalls Risiken. Bei einem zu schnellen Gewichtsverlust kann es zu Dehydrierung, Haarverlust und Müdigkeit kommen. Zudem ist die sexuelle Begierde reduziert und die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt zeitweilig ab. Langfristig kann es beim Abnehmen zu Schädigungen des Herzens und anderer Organe kommen. Weitere Komplikationen hängen von der individuellen Behandlung ab.

So können im Rahmen einer medikamentösen Behandlung Neben- und Wechselwirkungen sowie allergische Reaktionen auftreten. Bei einem operativen Eingriff sind Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen möglich. In Folge einer Fettabsaugung können Beulen, Erschlaffungen oder Dellen auftreten, die sich mitunter negativ auf das Selbstwertgefühl des Betroffenen auswirken. Selten kann es auch zu Hygienefehlern kommen, mitunter sind eine vorhandene Allergie oder Herzschwäche nicht ausreichend berücksichtigt worden – beides ist mit lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden.

Behandlung & Therapie

Am Anfang einer Stammfettsucht-Behandlung steht eine ausführlichen Anamnese. Es gilt die Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsgewohnheiten des Patienten zu klären, idealerweise über Ess- und Bewegungstagebücher. Darüber hinaus muss der Krankengeschichte Beachtung geschenkt werden, um relevante Krankheiten im Zusammenhang mit der Adipositas zu erkennen.

Ebenso wichtig ist im Vorfeld der Therapie eine psychische Zustandsermittlung. Abhängig von der primären Ursache stehen unterschiedliche Therapien für Patienten mit einer adipösen Stammfettsucht zur Verfügung. Im Fokus der Behandlung steht immer die Gewichtsreduktion. Neben einer Umstellung der Ernährung wird ein Bewegungsplan erstellt.

In vielen Fällen der Adipositas ist begleitende Psychotherapie eine supportiv sinnvolle Behandlungsmaßnahme. Idealerweise wird das Umfeld der Patienten in die Therapie mit einbezogen. Ein entscheidender Punkt bei der Behandlung ist die positive Motivation der Betroffenen. Vorfreude auf einen gesünderen Lebensstil sollte geschürt werden.

Bewegungslust, genussvolles Essen, Zielgerichtetheit und Unabhängigkeit gilt es zu vermitteln. Alle weiteren Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der primären Ursache der Stammfettsucht. Falls hormonelle Dysfunktionen vorliegen, können regulative Medikamente bis hin zu invasiven Eingriffen erforderlich werden.

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Vorbeugung

Der adipösen Stammfettsucht lässt sich in Maßen vorbeugen, indem die persönlichen Risikofaktoren für Adipositas reduziert werden. Diese Risikoreduktion kann beispielsweise in Form eines gesunden Lebensstils mit ausgewogenem Essverhalten und Bewegungsaktivitäten erfolgen.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kasper, H., Burghardt, W.: Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München 2009

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