LEOPARD-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Das LEOPARD-Syndrom ist eng mit dem Noonan-Syndrom verwandt und zeichnet sich durch dermale und kardiale Fehlbildungen aus, die mit Symptomen wie Taubheit und Retardierung vergesellschaftet sein können. Die Ursache des Syndroms ist eine Mutation im PTPN11-Gen. Die Behandlung der Betroffenen erfolgt symptomatisch und fokussiert vor allem den Herzfehler.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das LEOPARD-Syndrom?

Fehlbildungssyndrome sind wiederholt vorkommende Kombinationen aus verschiedenen Fehlbildungen, die angeborener Weise vorliegen und mehrere Gewebe oder Organsysteme betreffen. Eines der häufigsten Fehlbildungssyndrome mit genetischer Basis ist das Noonan-Syndrom, das als zweithäufigste Ursache angeborener Herzfehler gilt. Unter 1000 Geburten trifft das Syndrom innerhalb Deutschlands durchschnittlich ein Neugeborenes.

Mit dem verbreiteten Noonan-Syndrom eng verwandt, ist das LEOPARD-Syndrom. Wie das Noonan-Syndrom ist auch das LEOPARD-Syndrom mit einer kardialen Fehlbildung assoziiert, die im Rahmen der Erkrankung meist mit kutanen Fehlbildungen vergesellschaftet sind. Der Begriff LEOPARD ist ein Akronym für die typischen klinischen Merkmale des Fehlbildungskomplexes.

Lentiginose, EKG-Veränderungen, okuläre Auffälligkeiten, Pulmonalstenose, Anomalien im Genitalbereich, retardiertes Wachstum und Taubheit werden in dem Akronym als Symptome zusammengefasst. Als synonyme Bezeichnungen der Erkrankung gelten neben den Ausdrücken kardiokutanes Syndrom, kardiomyopathische Lentiginose und Lentiginosis-Syndrom die Bezeichnungen progressiv kardiomyopathische Lentiginose und Capute-Rimoin-Konigsmark-Esterly-Richardson-Syndrom.

Ursachen

Wie auch beim Noonan-Syndrom liegt die Ursache für das LEOPARD-Syndrom in den Genen. Beim Krankheitsauslöser handelt es sich um eine genetische Mutation. Ebenfalls gemein ist den beiden Syndromen die Kategorisierung als Erberkrankung mit zuweilen sporadisch auftretenden Fällen.

Familiäre Häufung konnte für das LEOPARD-Syndrom demzufolge beobachtet werden und lässt sich in diesem Fall im autosomal-dominanten Erbgang begründen. Allerdings treten auch Neumutationen auf, wie sie Fälle ohne familiäre Vorgeschichte oder vererbte Disposition begründen. In den meisten Fällen geht dem LEOPARD-Syndrom eine Mutation im PTPN11-Gen voraus.

Dieses Gen kodiert für ein sogenanntes Nicht-Rezeptor-Protein, für das Tyrosin-Phosphatase SHP-2. Das Protein verliert durch die Mutation des Gens einen Teil seiner Funktion. Aufgrund der mutationsbedingten Defekte besitzt das Nicht-Rezeptor-Protein-Tyrosin-Phosphatase SHP-2 seine katalytisch vorgesehene Aktivität. Damit übt es nur noch unzureichend Einfluss auf bestimmte Wachstums- oder Differenzierungsfaktoren aus, womit sich die Symptome des LEOPARD-Syndroms begründen lassen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wie jedes andere Fehlbildungssyndrom ist das LEOPARD-Syndrom durch unterschiedliche Symptome gekennzeichnet. Zu den Hauptsymptomen zählt unter anderem die Lentiginose, die eine multipel linsenförmig dermale Makula bedeutet. Als EKG-Veränderungen treten an den Patienten Reizleitungsstörungen wie Schenkelblöcke auf.

Okulär liegt ein Hypertelorismus im Sinne eines vergrößerten Augenabstands vor. Auch eine Pulmonalarterienstenose mit einer gegebenenfalls obstruktiven Kardiomyopathie kann symptomatisch für das Syndrom sein. Darüber hinaus treten häufig Anomalien im Bereich der Genitalien auf, so besonders Kryptorchismus oder Monoorchismus. Die muskulo-skelettale Entwicklung der Patienten setzt meist nur verzögert ein. Taubheit ist ein weiteres Leitsymptom.

Zu den Leitsymptomen können Begleitsymptome hinzutreten, so vor allem neurologische Symptome wie Krampfanfälle oder Nystagismus. In Einzelfällen wurde geistige Retardierung an den Patienten beobachtet. Die Lentigines des Syndroms entstehen meist im Kindesalter und bedecken oft die gesamte Körperoberfläche. Mit zunehmendem Alter blassen die Veränderungen im Gesicht ab, aber bleiben in der Mundhöhle erhalten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die erste Verdachtsdiagnose auf das LEOPARD-Syndroms wird anhand des klinischen Bilds und der Anamnese gestellt. Um Auffälligkeiten wie einen Herzfehler zu entdecken, können umfangreiche und organspezifische Untersuchungen erforderlich sein. Um die Verdachtsdiagnose zu sichern, müssen ähnliche Fehlbildungssyndrome im Rahmen der Diagnostik auf differentialdiagnostische Weise ausgeschlossen werden.

Eine molekulargenetische Untersuchung kann die Verdachtsdiagnose abschließend sichern. Die Prognose für Patienten mit LEOPARD-Syndrom hängt von den Symptomen, ihrer Schwere und Behandelbarkeit im Einzelfall ab. Die Lebenserwartung der Patienten ist in der Regel nicht beeinträchtigt.

Komplikationen

Durch das LEOPARD-Syndrom leiden die Betroffenen an verschiedenen Beschwerden und Symptomen. Diese Beschwerden sind allerdings sehr schwerwiegend und können die Lebensqualität des Betroffenen erheblich eingeschränkten. In der Regel kommt es dabei zu einer Taubheit und möglicherweise auch zu Beschwerden an den Augen. Vor allem bei Kindern können diese Einschränkungen zu starken Verzögerungen bei der Entwicklung des Betroffenen führen.

Weiterhin treten auch verschiedene Fehlbildungen am gesamten Körper auf, sodass die Patienten in den meisten Fällen auf die Hilfe anderer Menschen in ihrem Alltag angewiesen sind. Auch eine geistige Retardierung tritt durch das LEOPARD-Syndrom auf. Nicht selten leiden auch die Angehörigen oder die Eltern der betroffenen Kinder an psychischen Beschwerden und an Depressionen.

Ebenfalls kann das Syndrom zu einem Herzfehler führen und dabei die Lebenserwartung des Patienten erheblich verringern. Auch Krampfanfälle können dabei auftreten und mit Schmerzen verbunden sein. Im Gesicht treten verschiedene Veränderungen auf, die zu Mobbing oder zu Hänseleien beim Patienten führen können.

Eine kausale Behandlung des LEOPARD-Syndroms ist nicht möglich. Die Betroffenen sind auf verschiedene Therapien angewiesen, die die Beschwerden mindern. Dabei treten zwar keine weiteren Komplikationen auf, allerdings kommt es nicht zu einem vollständig positiven Krankheitsverlauf.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Therapie zur ursächlichen Behebung des LEOPARD-Syndroms steht bislang nicht zur Verfügung. Da die Symptome des Fehlbildungssyndroms auf einen genetischen Defekt zurückzuführen sind, könnten Fortschritte in der Gentherapie innerhalb der nächsten Jahrzehnte allerdings kausale Behandlungsoptionen eröffnen. Bisher haben gentherapeutische Ansätze die klinische Phase nicht erreicht.

Aus diesem Grund werden Patienten des Fehlbildungssyndroms bislang symptomatisch und supportiv behandelt. Abhängig von den im Einzelfall vorliegenden Symptomen priorisiert der behandelnde Arzt beispielsweise die Behandlung lebenswichtiger Organe. Falls ein Herzfehler vorliegt, erfolgt in der Regel eine invasive Behandlung.

Nach der korrigierenden Operation können konservativ medikamentöse Therapieschritte erforderlich werden. Abgesehen von den kardialen Defekten bedürfen die meisten Fehlbildungen im Rahmen des LEOPARD-Syndroms keinerlei therapeutischer Intervention. Eine Überwachung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Lentiginose sind in der Regel nicht erforderlich.

Studien haben ergeben, dass für die dermalen Veränderungen keine erhöhte Entartungstendenz besteht. Die Patienten müssen also nicht mit höherem Krebsrisiko rechnen. Gegen die zuweilen vorliegenden geistigen und teils motorischen Entwicklungsverzögerungen lässt sich im Einzelfall mit Maßnahmen wie Physiotherapie oder Frühförderung vorgehen.

Auch die verbreitete Taubheit der Patienten kann in Maßen behandelt werden. Die Versorgung mit Hörhilfen kann unter bestimmten Bedingungen in Frage kommen. Für ungeeignete Patienten ist eine alsbaldige Einführung in die Gebärdensprache hilfreich, um ihnen uneingeschränkte Ausdrucksmöglichkeit zu vermitteln.

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Vorbeugung

Da das LEOPARD-Syndrom ein genetisch bedingtes Fehlbildungssyndrom ist, lässt sich der Erscheinung bisher nur in Maßen vorbeugen. Im weitesten Sinne kann beispielsweise genetische Beratung in der Phase der Familienplanung als präventiver Schritt betrachtet werden. Aufgrund der Möglichkeit einer Neumutation ist die Erkrankung für ein geplantes Kind trotz genetischer Beratung allerdings nicht vollständig auszuschließen.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Steffen, H.-M. et al.: Internistische Differenzialdiagnostik. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Witkowski R., Prokop O., Ullrich E.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Springer, Berlin 2003

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